{"id":86171,"date":"2010-12-21T19:59:05","date_gmt":"2010-12-21T19:59:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=86171"},"modified":"2010-12-21T19:59:05","modified_gmt":"2010-12-21T19:59:05","slug":"bankenpapier-enthuellt-ubs-stand-dichter-am-crash-2008-als-bislang-bekannt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2010\/12\/21\/bankenpapier-enthuellt-ubs-stand-dichter-am-crash-2008-als-bislang-bekannt\/","title":{"rendered":"Bankenpapier enth\u00fcllt: UBS stand dichter am CRASH 2008 als bislang bekannt."},"content":{"rendered":"<p>Rund 20.000 Mitarbeiter hat die UBS auch in den USA. In zwei Zeitfenstern Ende Oktober 2008 und Ende Januar 2009 nahm die US-Notenbank der illiquiden Schweizer Grossbank Kurzfrist-Schuldpapiere \u00fcber 74,5 Milliarden Dollar ab.<\/p>\n<p>Quelle: www.20-Minuten.ch.<\/p>\n<p>Neue Daten der US-Notenbank Fed zeigen: Ohne Hilfe der USA h\u00e4tte die UBS kaum \u00fcberlebt. Musste die Schweiz daf\u00fcr ihr Bankgeheimnis hergeben?<\/p>\n<p>So griff die Fed den Banken unter die Arme<\/p>\n<p>Die Fed kaufte im Krisenherbst 2008 tonnenweise Kurzfrist-Schuldpapiere<\/p>\n<p>Quelle: Fed, Offenlegung im Rahmen von Dodd-Frank-Bankengesetz, 1. Dezember 2010<\/p>\n<p>Zum Thema<\/p>\n<p>    *<\/p>\n<p>      US-Steuerbeh\u00f6rde IRS: \u00abWir schliessen das Kapitel UBS ab\u00bb<\/p>\n<p>    *<\/p>\n<p>      Korruptionsverdacht: Drei fr\u00fchere UBS-Mitarbeiter verhaftet<\/p>\n<p>    *<\/p>\n<p>      Anw\u00e4rter f\u00fcr Chefwechsel: UBS bringt Gr\u00fcbel-Erben in Stellung<\/p>\n<p>    *<\/p>\n<p>      Nationalbank: Hildebrand geht auf Distanz zu UBS-Gr\u00fcbel<\/p>\n<p>    *<\/p>\n<p>      Steuerstreit: Die UBS muss zahlen<\/p>\n<p>Neue Daten der US-Notenbank Fed zeigen bemerkenswerte zeitliche Parallelen zwischen der Rettung der UBS B\u201drsenkurs im Subprimefall und jener beim US-Steuerbetrug. Die Fed-Zahlen von letzter Woche, die im Rahmen des 2200 Seiten dicken Dodd-Frank-Bankengesetzes offengelegt wurden, lassen den UBS-Crash als viel gr\u00f6sser als vermutet erscheinen.<\/p>\n<p>Stellungnahme der UBS<\/p>\n<p>Es gab keinen \u00abGeheimplan\u00bb, Bankdaten als Gegenleistung f\u00fcr Hilfe des US Federal Reserve (Fed) offenzulegen. Wie zahlreiche andere Banken hat auch UBS w\u00e4hrend der schlimmsten Phase der Finanzkrise Refinanzierungsm\u00f6glichkeiten in Anspruch genommen, die vom Fed zur Stablisierung der internationalen Finanzm\u00e4rkte bereit gestellt worden waren.<\/p>\n<p>Mit mehr als 20 000 Mitarbeitern in den USA und als einer der wichtigsten Akteure im US-Aktiengesch\u00e4ft und im Devisenhandel hat auch UBS dieses Angebot des Fed zur breiteren Abst\u00fctzung ihrer Refinanzierungsquellen genutzt. Die Bank verf\u00fcgte zu diesem Zeitpunkt \u00fcber diverse andere Refinanzierungsm\u00f6glichkeiten. UBS nutzte nur vier der zw\u00f6lf vom Fed zur Verf\u00fcgung gestellten Refinanzierungsquellen und beanspruchte lediglich 4 Prozent dieser bereitgestellten Mittel.<\/p>\n<p>Peter Hartmeier, Head Corporate Communications UBS Switzerland<\/p>\n<p>In zwei Zeitfenstern Ende Oktober 2008 und Ende Januar 2009 nahm die US-Notenbank der illiquiden Schweizer Grossbank Kurzfrist-Schuldpapiere \u00fcber 74,5 Milliarden Dollar ab.<\/p>\n<p>Elfmal finanzierte sich die UBS kurzfristig bei der Fed, indem sie ihre Commercial Papers, die sie nicht mehr im Privatmarkt erneuern konnte, der Fed andiente. Die Rettung erfolgte mit einem Abschlag zwischen 2,21 und 2,87 Prozent \u00e4usserst g\u00fcnstig.<\/p>\n<p>Fed hielt UBS \u00fcber Wasser<\/p>\n<p>Kein anderes Institut nahm auf dem H\u00f6hepunkt der Finanzkrise, ausgel\u00f6st durch den unkontrollierten Konkurs der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September 2008, mehr Fed-Hilfe mittels Commercial Papers in Anspruch als die UBS, die ihr Wachstum in Fed hielt UBS \u00fcber Wasser<\/p>\n<p>Kein anderes Institut nahm auf dem H\u00f6hepunkt der Finanzkrise, ausgel\u00f6st durch den unkontrollierten Konkurs der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September 2008, mehr Fed-Hilfe mittels Commercial Papers in Anspruch als die UBS, die ihr Wachstum in der Boomzeit bis Mitte 2007 mit solchen zinsg\u00fcnstigen Kurzfrist-Papieren finanziert hatte (siehe Grafik oben).<\/p>\n<p>Die Chronologie der Ereignisse, wie sie dank den Fed-St\u00fctzungsk\u00e4ufen erstmals vollst\u00e4ndig aufgestellt werden kann, deutet auf ein koordiniertes Vorgehen zwischen US- und Schweizer Notenbank (SNB) hin. Die Koinzidenz wirft die Frage auf, ob die Subprime-Rettung und die gleichzeitig laufenden Kapitulations-Verhandlungen im Steuerkonflikt unabh\u00e4ngig voneinander erfolgten.<\/p>\n<p>Chronologie zeigt Parallelen zwischen Subprime- und Steuerfall-Rettung<\/p>\n<p>Am 15. Oktober 2008, einen Monat nach dem Lehman-Untergang, beschloss die Schweiz ein 68-Milliarden-Franken-Rettungspaket f\u00fcr die UBS. Die SNB schnitt der UBS illiquide gewordene Subprime-Kreditpapiere heraus. Sp\u00e4ter reduzierte sich die Subprime-Hilfe auf unter 40 Milliarden Dollar.<\/p>\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter trafen sich US-Spitzenbeamte mit UBS-Managern, externen Anw\u00e4lten, Diplomaten und Juristen der Schweizer Finanzaufsicht. Es ging um das weitere Vorgehen im Steuerbetrugsfall, den die USA gegen die UBS ein Jahr zuvor initiiert hatten. Das Treffen fand nicht etwa im US-Justizministerium statt, sondern in der Zentrale der New Yorker Fed, des wichtigsten regionalen Ablegers der US-Notenbank. Die Amerikaner machten den Schweizern klar, dass sie rasch die Namen von US-Steuers\u00fcndern wollten.<\/p>\n<p>Kurz nach dem Geheimmeeting h\u00e4lt die Fed die UBS liquide<\/p>\n<p>Elf Tage sp\u00e4ter begann die UBS mit dem Verkauf von illiquide gewordenen Commercial Papers an die Fed. Am 28. Oktober 2008 waren es 7,9 Milliarden Dollar, am Tag danach 9,9 Milliarden, am 30. Oktober 11,9 Milliarden und am letzten Oktober-Tag in zwei Deals total 7,4 Milliarden Dollar. Ohne diese Liquidit\u00e4tsspritzen w\u00e4re die Grossbank vermutlich untergegangen. Denn w\u00e4hrend Kunden massenhaft Gelder abzogen, erhielt die UBS im privaten Bankenmarkt keine Gelder mehr.<\/p>\n<p>Im November 2008 klagten die US-Justizbeh\u00f6rden Raoul Weil, die Nummer drei der UBS, als \u00abVerschw\u00f6rer\u00bb gegen Amerika an. Am 8. Dezember machte der zust\u00e4ndige US-Justizermittler dem Chefanwalt der UBS klar, dass innert Wochen Kundendaten zu liefern seien, sonst w\u00fcrden die Bank respektive ihre obersten Vertreter in den USA angeklagt.<\/p>\n<p>Oberster Schweizer Notenbanker hat Interesse an stabiler UBS<\/p>\n<p>Das war das Ringen zwischen US-Justiz und UBS. Doch hinter den Kulissen hatten sich l\u00e4ngst die Notenbanker eingeschaltet. Am 12. Dezember 2008 fand die j\u00e4hrliche Information des Bundesrats durch den Pr\u00e4sidenten der Nationalbank, das war damals Jean-Pierre Roth, statt. Das Meeting erscheint vor dem Hintergrund der nun bekannt gewordenen Fed-Rettung in neuem Licht. Im Bericht der parlamentarischen Untersuchungskommission steht dazu:<\/p>\n<p>\u00ab[Roth] legte dar, dass eine Anklageerhebung [der UBS] unmittelbar bevorstehe, da die US-Beh\u00f6rden die von ihnen geforderten Kundendaten der UBS nicht erhalten h\u00e4tten. Dies sei ihm vom Pr\u00e4sidenten der Fed in einem Telefongespr\u00e4ch best\u00e4tigt worden. Gem\u00e4ss dessen eigenen Abkl\u00e4rungen glaubten die US-Beh\u00f6rden n\u00e4mlich nicht (mehr) an eine effiziente Zusammenarbeit seitens der Schweizer Beh\u00f6rden.\u00bb<\/p>\n<p>Roth nahm R\u00fccksprache mit Bernanke<\/p>\n<p>Roth empfahl sofortige Hilfeleistung durch den Bundesrat. Das d\u00fcrfte f\u00fcr den kurz darauf folgenden Beschluss der Landesregierung entscheidend gewesen sein, der UBS nach der Subprime-Rettung auch im Steuerkonflikt beizustehen und den Amerikanern unter Aushebelung des Bankgeheimnisses US-Kundendaten auszuh\u00e4ndigen.<\/p>\n<p>SNB-Pr\u00e4sident Roth machte seine Empfehlung explizit nach R\u00fccksprache mit Fed-Pr\u00e4sident Ben Bernanke. M\u00f6glicherweise besprachen die beiden obersten Notenbanker die Folgen f\u00fcr die UBS-Liquidit\u00e4tsspritzen durch die Fed, sollte sich die Schweiz im Steuerfall querlegen.<\/p>\n<p>Steuerdeal und Liquidit\u00e4tsspritzen gingen Hand in Hand<\/p>\n<p>Jedenfalls vergingen nur noch zwei Wochen, bis ein erster Dealentwurf stand, mit dem sich die UBS aus dem US-W\u00fcrgegriff befreite und der das Ende des Bankgeheimnisses bedeutete. \u00abAm 27. Dezember 2008 verfasste das New Yorker Anwaltsb\u00fcro der UBS, WLRK, f\u00fcr den mit dieser Sache beauftragten Spezialausschuss der UBS den ersten Entwurf eines Memorandums bez\u00fcglich einer globalen L\u00f6sung des Konflikts mit den US-Beh\u00f6rden,\u00bb steht dazu im Untersuchungsbericht.<\/p>\n<p>Weiterer US-Unterst\u00fctzung stand nichts mehr im Wege. Zwischen dem 26. und dem 30. Januar 2009 hielt die Fed die UBS \u00fcber Wasser, indem sie ihr Commercial Papers im Wert von 37 Milliarden Dollar abnahm und mit Liquidit\u00e4t ersetzte. Sp\u00e4ter bezahlte die UBS alle Hilfeleistungen zur\u00fcck. Hinter den Kulissen stand zu jener Zeit der Steuer-Deal bereits fest.<\/p>\n<p>Der Bankgeheimnis-\u00abMauerfall\u00bb war l\u00e4ngst vorbereitet<\/p>\n<p>Am 18. Februar 2009 dr\u00fcckten die involvierten Parteien auf den Knopf. Die Schweiz h\u00e4ndigte den USA die Bankdaten von rund 250 UBS-Kunden aus und hebelte damit das alte Bankgeheimnis aus, indem die betroffenen Kunden nicht gegen die Offenlegung rekurrieren konnten. Im Gegenzug liessen die USA die UBS zwar mit einer hohen Busse, aber ohne Anklage springen.<\/p>\n<p>Die Ereigniskette mit den geschilderten Hintergr\u00fcnden spricht daf\u00fcr, dass die finanzielle Rettung der UBS durch die Notenbanken und die juristische Rettung durch die Politik Hand in Hand verliefen.<\/p>\n<p>Bundesrat deckt umstrittene Kurer-Aussage<\/p>\n<p>Ins Bild eines abgekarteten Spiels zwischen den Schweizer und den US-Beh\u00f6rden w\u00fcrde etwas Weiteres passen. Am 17. September 2008, zwei Tage nach dem Untergang von Lehman, war der erste grosse Geldmarktfonds illiquide geworden. Schuld an diesem im Finanzgesch\u00e4ft praktisch nicht vorgesehenen Ereignis war der nie erwartete Absturz der Commercial Papers, die typischerweise den Grossteil der Investments von Geldmarktfonds ausmachten.<\/p>\n<p>Kurz darauf, am 21. September 2008, einigten sich die Spitzen von UBS, SNB und Bund an einem Geheimmeeting in Z\u00fcrich auf die Grundz\u00fcge der Subprime-Rettungsaktion. Doch weder der Rettungsplan noch die Tatsache, dass sich das Refinanzierungsfenster f\u00fcr die UBS geschlossen hatte, hielt UBS-Pr\u00e4sident Peter Kurer davon ab, am 2. Oktober 2008 an einer ausserordentlichen Generalversammlung der Bank folgende inzwischen ber\u00fchmte Aussage zu t\u00e4tigen:<\/p>\n<p>\u00abWir alle waren Zeitzeugen der umw\u00e4lzenden Entwicklungen der letzten 20 Tage. [&#8230;] Zahlreiche Banken haben nochmals frisches Kapital aufgenommen. Ich bin in der gl\u00fccklichen Lage, Ihnen berichten zu k\u00f6nnen, dass wir die UBS recht erfolgreich durch diese Turbulenzen man\u00f6vrieren konnten. Unabh\u00e4ngige Beobachter bringen das damit in Zusammenhang, dass wir fr\u00fchzeitig die grunds\u00e4tzlichen Ursachen der Krise zu l\u00f6sen begannen, einschliesslich einer zweifachen Kapitalaufnahme und weiterreichenden \u00c4nderungen im Gesch\u00e4ftsmodell.\u00bb<\/p>\n<p>F\u00fcr den Bundesrat ging Kurers Aussage in Ordnung. Sie sei in jenem Moment \u00abzweckm\u00e4ssig\u00bb gewesen, antwortete die Landesregierung sp\u00e4ter auf eine parlamentarische Anfrage.<\/p>\n<p>Dieser Artikel wurde nach seinem Erscheinen am 10. Dezember 2011 zwischenzeitlich vom Netz genommen. Er ist jetzt wieder in unver\u00e4nderter Form aber mit einer Stellungnahme der UBS (siehe Box) aufgeschaltet.<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund 20.000 Mitarbeiter hat die UBS auch in den USA. 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