{"id":86139,"date":"2010-09-16T12:04:19","date_gmt":"2010-09-16T12:04:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=86139"},"modified":"2010-09-16T12:04:19","modified_gmt":"2010-09-16T12:04:19","slug":"uni-frankfurtmain-ranking-evaluation-marketing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2010\/09\/16\/uni-frankfurtmain-ranking-evaluation-marketing\/","title":{"rendered":"UNI Frankfurt\/Main &#8211; Ranking, Evaluation, Marketing&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Tja, Unis habens auch nicht leicht:<\/p>\n<p>Von neuen Freiheiten und Zw\u00e4ngen bei der Arbeit: Ranking, Evaluation und Marketing in eigener Sache<br \/>\nUlrike Jaspers, Marketing und Kommunikation<br \/>\nGoethe-Universit\u00e4t Frankfurt am Main<br \/>\n16.09.2010 11:33<br \/>\ninstitution logo<br \/>\nFRANKFURT. Geschafft \u2013 am Ende eines Arbeitstags: das Dach gedeckt, die Stra\u00dfe asphaltiert, der Autositz montiert. Menschen im produzierenden Gewerbe haben kein Problem, die \u201estofflichen Ergebnisse\u201c ihrer Arbeit zu zeigen. Anders Dienstleister und Kopfarbeiter: Resultate ihrer Arbeit sind weniger sichtbar, bed\u00fcrfen der Bewertung anderer oder \u00fcberzeugenden Marketings in eigener Sache. Dies kennzeichnet den Strukturwandel der Arbeitswelt in der Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft. Wie ambivalent die Sichtbarkeit der Arbeit sich f\u00fcr den Einzelnen darstellt, damit besch\u00e4ftigte sich der Soziologe Dr. habil. Stephan Voswinkel vom Frankfurter Institut f\u00fcr Sozialforschung.<br \/>\nSeine Untersuchung entstand im Rahmen des von der VolkswagenStiftung gef\u00f6rderten Projekteverbundes \u201eStrukturwandel der Anerkennung im 21. Jahrhundert\u201c. In der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins \u201eForschung Frankfurt\u201c berichtet er \u00fcber Ergebnisse der Studie.<\/p>\n<p>Arbeit ist heute immer weniger standardisiert und vorstrukturiert, der einzelne Besch\u00e4ftigte muss sich vielmehr mit seinen subjektiven Leistungen einbringen, wird aber gleichzeitig von der Organisation indirekt kontrolliert: \u201eWie ihr\u2019s macht, ist eure Sache, Hauptsache, das Ergebnis stimmt!\u201c Arbeitsprozesse werden von einem h\u00e4ufig fragw\u00fcrdigen System von Kennziffern \u00fcberzogen, das Vergleichbarkeit durch Abstraktion m\u00f6glich machen soll. Doch so lassen sich die Leistungen nur teilweise in messbaren Ergebnissen dokumentieren. Voswinkel erg\u00e4nzt: \u201eDie Vielfalt von Arbeiten und Leistungen wird zugleich unsichtbar. Es wird nur gezeigt, was Kennziffern messen und abbilden. Auf diese Weise entstehen neue Unsichtbarkeiten.\u201c Denn ein immer gr\u00f6\u00dferer Teil der Arbeit besteht in T\u00e4tigkeiten, die den Inhalt der Aufgabe erst erm\u00f6glichen sollen und ihn begleiten, aber keine identifizierbaren Resultate bringt: Organisationsarbeiten, Kontaktpflege, Termin- und Aufgabenabstimmungen, Meetings. Diese Leistungsbestandteile finden sich oft nicht in Arbeitsbeschreibungen, und der Aufwand, den sie erfordern, wird ebenso schlecht sichtbar wie die Kompetenzen, die sie erst erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Auch die andere Seite der Transparenz von Arbeit, die Kontrolle, ver\u00e4ndert ihr Gesicht: Bestand das klassische Modell der Kontrolle darin, dass die Organisation Arbeit und Leistung sichtbar machen wollte, worauf Besch\u00e4ftigte mit dem Bestreben reagierten, Zonen der Unsichtbarkeit zu bewahren, so ver\u00e4ndert sich diese Konstellation: Besch\u00e4ftigte m\u00fcssen selbst ihre Leistung sichtbar machen, um zu verhindern, dass sie unsichtbar wird. Der Soziologe zu dem so entstehenden Dilemma: \u201eDer Wunsch nach Anerkennung durch Sichtbarkeit kann bedeuten, dass die Besch\u00e4ftigten Kontrolle und Autonomieverlust riskieren m\u00fcssen. Dass man die Scheinwerfer selbst ausrichtet, ist Chance und Risiko zugleich.\u201c<\/p>\n<p>Wenn Arbeit st\u00e4ndiger Beobachtung unterliegt, um sie zu bewerten \u2013 sei es im Hinblick auf Bezahlung, auf Prestige oder Karriere \u2013 , dann gibt es gute Gr\u00fcnde f\u00fcr die Arbeitenden, ihre Arbeit in gewissem Ma\u00dfe unsichtbar zu halten. \u201eUnsichtbarkeit von Arbeit kann dann auch eine Ressource f\u00fcr Anerkennung und f\u00fcr Autonomie darstellen. Sichtbarkeit hingegen w\u00e4re eher eine Bedrohung f\u00fcr die Autonomie in der Arbeit\u201c, beschreibt Voswinkel diesen fragilen Balanceakt. Einerseits m\u00f6chte man nicht, dass der Chef st\u00e4ndig \u00fcber die Schulter schaut, der Mitarbeiter erwartet, dass ihm Vertrauen entgegengebracht wird, andererseits sollen die Erfolge seiner Arbeit deutlich werden. \u201eUnd damit werden geschickte Selbstdarstellung, aktives Networking, um bekannt zu werden und auch in informellen Beziehungen in Erscheinung zu treten, zu wichtigen Instrumentarien\u201c, so der Frankfurter Soziologe, der insbesondere \u00fcber die Entwicklung der Arbeitsverh\u00e4ltnisse, des Arbeitsmarkts, zu Leistung und Entgelt und zur Dienstleistungsgesellschaft forscht. Was Ratgeber f\u00fcr die berufliche Karriere vorschlagen, hat bereits auf andere Weise Eingang in die Unternehmenskultur gefunden: Viele gro\u00dfe Organisationen initiieren Networking aktiv mit Veranstaltungen und Mentoringprogrammen.<\/p>\n<p>Gravierende Ver\u00e4nderungsprozesse in den Organisationen lassen sich auch an neuen Karrierewegen ablesen: Typische Laufbahnkarrieren, die mit erwartbaren Anspr\u00fcchen auf Aufstieg setzen, gibt es kaum noch, denn Organisationen werden immer h\u00e4ufiger umstrukturiert, Teams neu zusammengesetzt, Hierarchien abgeflacht, Vorgesetzte wie Firmennamen ausgewechselt. Das f\u00fchrt Mitarbeiter immer h\u00e4ufiger in eine Situation, in der sie sich neu aufstellen und pr\u00e4sentieren m\u00fcssen, in der sie aber auch auf Vorgesetzte treffen, die nicht \u00fcber den f\u00fcr diese Position notwendigen Sachverstand verf\u00fcgen. Problematisch an dieser Entwicklung ist, dass fachliche Kompetenz auf allen Ebenen als unwichtiger, Auff\u00e4lligkeit und Selbstdarstellung dagegen als ausschlaggebender angesehen werden. Anstelle einer gesicherten Anerkennung werden Besch\u00e4ftigte durch Evaluationen und Rankings positioniert. Rankings sind die Formen der Anerkennung, die einer fluiden Wertsch\u00e4tzung angemessen sind: Diese Anerkennung ist jeweils befristet und in der n\u00e4chsten Runde revidierbar. \u201eAllerdings bietet eine gute Position im Ranking doch Vorteile f\u00fcr die n\u00e4chste Runde, weil dem Gl\u00fccklichen eher Unterst\u00fctzung zuteil wird, so dass die Exzellenz sich selbst produziert\u201c, f\u00fcgt Voswinkel an.<\/p>\n<p>Die soeben erschienene Ausgabe von \u201eForschung Frankfurt\u201c (2\/2010) widmet sich einer Vielzahl von soziologischen Forschungsthemen, die an der Goethe-Universit\u00e4t und dem Institut f\u00fcr Sozialforschung untersucht werden \u2013 aus aktuellem Anlass: 100 Jahre nach seiner Premiere im Oktober 1910 findet der Kongress der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Soziologie wieder in Frankfurt statt. Die Jubil\u00e4umstagung vom 11. bis 15. Oktober an der Goethe-Universit\u00e4t hat das Rahmenthema \u201eTransnationale Vergesellschaftungen\u201c. In Zeiten des grenz\u00fcberschreitenden gesellschaftlichen Wandels und Wirtschaftslebens fragt die Soziologie nach den Auswirkungen der modernen Verflechtungen auf Staaten, Regionen und die einzelnen Menschen. Das Begleitprogramm enth\u00e4lt \u00f6ffentliche Veranstaltungen zur Geschichte der Soziologie und zur Entwicklung der akademischen Disziplin in Frankfurt.<\/p>\n<p>Informationen: Dr. habil. Stephan Voswinkel, Institut f\u00fcr Sozialforschung, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798-25 400, Voswinkel@em.uni-frankfurt.de<br \/>\n\u201eForschung Frankfurt\u201c 2\/2010 kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de und als pdf im Internet anschauen: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de\/2010\/index.html<br \/>\nWeitere Informationen:<br \/>\nhttp:\/\/www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de\/2010\/index.html<\/p>\n<p>URL dieser Pressemitteilung: http:\/\/idw-online.de\/de\/news386713<\/p>\n<p>Merkmale dieser Pressemitteilung:<br \/>\nGesellschaft, Philosophie \/ Ethik, Politik, Psychologie, Wirtschaft<br \/>\n\u00fcberregional<\/p>\n<p>Forschungsprojekte Deutsch<br \/>\nprint Druckansicht<\/p>\n<p>\u00a9 1995-2010 Informationsdienst Wissenschaft e. 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