{"id":85552,"date":"2008-11-15T12:25:01","date_gmt":"2008-11-15T12:25:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=85552"},"modified":"2008-11-15T12:25:01","modified_gmt":"2008-11-15T12:25:01","slug":"portrait-17-juni-1953","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2008\/11\/15\/portrait-17-juni-1953\/","title":{"rendered":"Portrait: 17. Juni 1953"},"content":{"rendered":"<p>..hier bei Wikipedia auch die Antwort auf die fem-Frage der letzten Nacht..eher rhetorisch&#8230;aber doch eher echt: &#8222;Wo war eigentlich der Westen? Bei dem Aufstand..?&#8220; Na klar, die Antwort liegt auf der Hand. Hat blo\u00df an sich selbst gedacht..:<br \/> Wikipedia: Macht das Leben leichter. <br \/>\nUND WIKIPEDIA BRAUCHT GELD, sagt FEMINISSIMA, wenn sie Wikipedia schon benutzt..nicht mehr ohne&#8230;leben kann&#8230;oder..?<br \/>\nWikipedia: $2.594.371 Ziel: $6.000.000 <br \/>\nSpenden Sie jetzt \u00bb <br \/>\n[Anzeigen] Unterst\u00fctzen Sie Wikipedia: ein gemeinn\u00fctziges Projekt. Spenden Sie jetzt \u00bb <br \/>\n17. Juni 1953<br \/>\naus Wikipedia, der freien Enzyklop\u00e4die<br \/>\n(Weitergeleitet von Siebzehnter Juni 1953)<br \/>\nWechseln zu: Navigation, Suche<br \/>\nIn den Tagen um den 17. Juni 1953 kam es in der Deutschen Demokratischen Republik zu einer Welle von Streiks, Demonstrationen und Protesten, die als Volksaufstand des 17. Juni bezeichnet werden. Es war der erste Volksaufstand im Ostblock.<\/p>\n<p>Inhaltsverzeichnis [Verbergen]<br \/>\n1 Hintergrund der Krise <br \/>\n2 Normenerh\u00f6hung <br \/>\n3 Neuer Kurs <br \/>\n4 Dienstag, 16. Juni <br \/>\n5 Mittwoch, 17. Juni <br \/>\n6 Niederschlagung des Aufstands und Kriegsrecht <br \/>\n7 Reaktion des Westens <br \/>\n7.1 Bundesrepublik Deutschland <br \/>\n7.2 Vereinigte Staaten <br \/>\n7.3 Vereinigtes K\u00f6nigreich <br \/>\n8 Opfer <br \/>\n9 Personen des 17. Juni 1953 <br \/>\n10 Gedenktag <br \/>\n11 Lyrik <br \/>\n12 Einzelnachweise <br \/>\n13 Literatur <br \/>\n14 Weblinks <\/p>\n<p>Hintergrund der Krise<br \/>\nIm Juli 1952 fand in Ost-Berlin die 2. Parteikonferenz der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) statt. Unter der von Walter Ulbricht gepr\u00e4gten Formulierung des \u201eplanm\u00e4\u00dfigen Aufbaus des Sozialismus\u201c fand eine \u201eSowjetisierung\u201c der Gesellschaft und eine St\u00e4rkung der Staatsmacht nach sowjetischem Vorbild statt.<\/p>\n<p>Dies bedeutete zum Beispiel die Neueinteilung der f\u00fcnf L\u00e4nder in 14 Bezirke zuz\u00fcglich der Einbeziehung von Ost-Berlin. Vor allem aber auch einen Angriff auf die verbliebenen Mittelschichten der DDR. Insbesondere Bauern und kleine Handels- und Gewerbebetriebe sollten durch erh\u00f6hte Abgaben zur Aufgabe ihrer Selbstst\u00e4ndigkeit gezwungen werden.<\/p>\n<p>Dieser Beschluss wurde vor dem Hintergrund einer katastrophalen \u00f6konomischen Situation des Staates gefasst. Im Zuge der von den sowjetischen Beh\u00f6rden forcierten Militarisierung wuchsen die direkten und indirekten Milit\u00e4rausgaben stetig an und umfassten 1952 schon etwa 11 % des gesamten Staatshaushaltes. Zusammen mit den Reparationsleistungen (die die Besatzungsm\u00e4chte f\u00fcr ihre jeweiligen Zonen autonom festsetzen konnten) banden diese Ausgaben \u00fcber 20 % des Haushaltes. Die Wirtschaftspolitik der SED orientierte sich auf eine Bevorzugung der bisher in der DDR wenig vertretenen Schwerindustrie zu Lasten der Lebensmittel- und Konsumg\u00fcterindustrie mit entsprechender Beeintr\u00e4chtigung der Versorgungslage der Bev\u00f6lkerung. So wurde \u00f6fter abends bei Einbruch der Dunkelheit f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung der elektrische Strom abgeschaltet (Spitzenzeiten). Im Vergleich zu den Vorkriegsjahren stand den DDR-B\u00fcrgern immer noch nur die H\u00e4lfte an Fleisch und Fett zur Verf\u00fcgung. Es mangelte an vielem, auch an Gem\u00fcse und Obst. Vor den Gesch\u00e4ften entstanden lange Schlangen. Das Wohlstandsgef\u00e4lle zum Westen, wo dem wirtschaftlichen Wiederaufbau im gro\u00dfen Ausma\u00df der Marshallplan zugute kam, von dem die Bev\u00f6lkerung der DDR nicht profitieren konnte, vergr\u00f6\u00dferte sich. So kostete eine Tafel Schokolade im Westen 50 Pfennig, im Osten 8 Mark. Die Grundlebensmittel wurden immer noch auf Karten zugeteilt.<\/p>\n<p>Das dramatische Anwachsen der ohnehin seit DDR-Staatsgr\u00fcndung konstant gro\u00dfen Abwanderungsbewegung (\u201eAbstimmung mit den F\u00fc\u00dfen\u201c) im ersten Halbjahr 1953 stellte ein \u00f6konomisches wie auch ein soziales Problem dar. Ein weiterer Faktor, der zu einer Belastung der politischen Lage f\u00fchrte, war die hohe Zahl von Strafgefangenen in der DDR. Eine gro\u00dfe Rolle spielte die Repression gegen die (f\u00e4lschlicherweise) als zentrale Jugendorganisation der Evangelischen Kirche bezeichnete und bek\u00e4mpfte Illegale Organisation Junge Gemeinde. Zahlreiche Jugendwarte und Studentenpfarrer sa\u00dfen in Haft (Johannes Hamel, Fritz Hoffman). Kirchliche Freizeitheime wurden geschlossen und von der Freien Deutschen Jugend (FDJ) \u00fcbernommen (Schloss Mansfeld, Huberhaus Wernigerode). Obersch\u00fcler, die sich zur Kirche bekannten, wurden h\u00e4ufig von der Schule verwiesen, mitunter kurz vor dem Abitur.<\/p>\n<p>\nNormenerh\u00f6hung<br \/>\nVor diesem krisenhaften gesamtstaatlichen Hintergrund wurde die Erh\u00f6hung der Arbeitsnormen (also die f\u00fcr den Lohn zu erbringende Arbeitsleistung oder kurz das Prinzip Mehr Arbeit f\u00fcr gleichen Lohn) als Provokation und absehbare Verschlechterung der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft empfunden. Mit der Erh\u00f6hung der Arbeitsnormen um zehn Prozent bis zum 30. Juni, dem 60. Geburtstag Walter Ulbrichts, wollte das ZK den wirtschaftlichen Schwierigkeiten begegnen. Als Empfehlung herausgegeben, handelte es sich aber faktisch um eine Anweisung, die in allen Volkseigenen Betrieben durchgef\u00fchrt werden sollte und letztlich auf eine Lohnsenkung hinausgelaufen w\u00e4re. (Die Normerh\u00f6hung hatte das Zentralkomitee der SED am 13. und 14. Mai 1953 beschlossen und der Ministerrat am 28. Mai best\u00e4tigt.)<\/p>\n<p>\nNeuer Kurs<br \/>\nW\u00e4hrenddessen hatte sich die F\u00fchrung der Sowjetunion ihre eigenen Gedanken zur Lage in der DDR gemacht und konzipierte Ende Mai die Ma\u00dfnahmen zur Gesundung der politischen Lage in der DDR, die einer nach Moskau bestellten SED-Delegation am 2. Juni 1953 mitgeteilt wurden. Bitten von SED-Politikern um einen vorsichtigeren und langsameren Kurswechsel wurden etwa vom neuen Hohen Kommissar Wladimir Semjonov \u2013 dem rangh\u00f6chsten sowjetischen Vertreter in der DDR, der der DDR-F\u00fchrung faktisch \u00fcbergeordnet war \u2013 mit dem Satz \u201eIn 14 Tagen werden sie vielleicht schon keinen Staat mehr haben\u201c abgeb\u00fcrstet.<\/p>\n<p>Am 11. Juni wurde der \u201eNeue Kurs\u201c des Politb\u00fcros schlie\u00dflich im Neuen Deutschland, dem Zentralorgan der SED, verk\u00fcndet: Darin war durchaus Selbstkritik enthalten. Einige Ma\u00dfnahmen zum Aufbau des Sozialismus wurden zur\u00fcckgenommen. So sollten Steuer- und Preiserh\u00f6hungen aufgehoben werden. Handwerker, Einzelh\u00e4ndler und private Industriebetriebe konnten die R\u00fcckgabe ihrer Gesch\u00e4fte und Betriebe beantragen. Mittelbauern bekamen ihre zuvor konfiszierten Landmaschinen zur\u00fcck. Alle Verhaftungen und Urteile sollten \u00fcberpr\u00fcft werden. Abschaltungen des elektrischen Stromes erfolgten nicht mehr.<\/p>\n<p>Der Kampf gegen die Junge Gemeinde wurde eingestellt. Pastoren und kirchliche Mitarbeiter wurden aus der Haft entlassen, konfiszierte Geb\u00e4ude zur\u00fcckgegeben. Wegen kirchlichen Bekenntnisses von der Oberschule verwiesene Sch\u00fcler mussten wieder aufgenommen und zum Abitur zugelassen werden.<\/p>\n<p>Unter dem Strich profitierten vor allem die verbliebenen b\u00fcrgerlichen Mittelschichten sowie die Bauern vom \u201eNeuen Kurs\u201c, w\u00e4hrend die Arbeiter von Verg\u00fcnstigungen weitgehend ausgenommen blieben. So blieb die umstrittene Arbeitsnormenerh\u00f6hung bestehen, was zu ersten Unmuts\u00e4u\u00dferungen bei den Arbeitern f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Der Kurswechsel der Regierung wurde in allen Teilen der Bev\u00f6lkerung mit gro\u00dfem Interesse und teilweise durchaus positiv aufgenommen. Vielfach wurde der Neue Kurs in der Bev\u00f6lkerung aber auch als \u201eBankrotterkl\u00e4rung der SED-Diktatur\u201c gedeutet. In den folgenden Tagen kam es zu ersten kleineren Protestversammlungen und Demonstrationen.<\/p>\n<p>Am 14. Juni erschien im Neuen Deutschland der Artikel Es ist Zeit, den Holzhammer beiseite zu legen, der die Durchsetzung der Normenerh\u00f6hung anhand einer Reportage \u00fcber das Baugewerbe kritisch beleuchtete, ohne sie dabei allerdings generell infrage zu stellen. Dieser Artikel wurde sehr stark beachtet und wirkte in Verbindung mit einem zwei Tage sp\u00e4ter in der Gewerkschaftszeitung Trib\u00fcne erschienenen Artikel, der die zehnprozentige Normenerh\u00f6hung als \u201ein vollem Umfang richtig\u201c rechtfertigte, als Ausl\u00f6ser von Protesten.<\/p>\n<p>\nDienstag, 16. Juni<br \/>\nAm Dienstag, dem 16. Juni, kam es an zwei Berliner Gro\u00dfbaustellen, dem Block 40 in der Stalinallee und dem Krankenhausneubau in Berlin-Friedrichshain, zu den ersten Arbeitsniederlegungen, die in den Vortagen informell abgesprochen worden waren. Von beiden Baustellen aus formierte sich ein zun\u00e4chst kleiner Protestzug, der sich auf dem Weg zum Haus der Gewerkschaften des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) und weiter zum Regierungssitz in der Leipziger Stra\u00dfe schnell \u2013 vor allem um weitere Bauarbeiter \u2013 vergr\u00f6\u00dferte.<\/p>\n<p>Nachdem die Gewerkschaftsf\u00fchrer sich geweigert hatten, die Arbeiter anzuh\u00f6ren, wurde dem Demonstrationszug vor dem Regierungsgeb\u00e4ude die vom Politb\u00fcro am Mittag beschlossene R\u00fccknahme der Normenerh\u00f6hung mitgeteilt. Inzwischen bewegten sich die Forderungen der Menge allerdings \u00fcber diesen konkreten Anlass zum Protest weit hinaus.[1] In einer zunehmenden Politisierung der Losungen wurden unter anderem der R\u00fccktritt der Regierung und freie Wahlen gefordert. Anschlie\u00dfend zog die Menge in einem st\u00e4ndig anwachsenden Demonstrationszug durch die Innenstadt zur\u00fcck zu den Baustellen der Stalinallee, wobei unterwegs durch Sprechch\u00f6re und \u00fcber einen erbeuteten Lautsprecherwagen der Generalstreik ausgerufen und die Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den folgenden Tag um 8 Uhr am Strausberger Platz zu einer Protestversammlung aufgerufen wurde.[2]<\/p>\n<p>Bereits am Abend des 15. Juni berichtete das Radio im amerikanischen Sektor (RIAS) detailliert \u00fcber Streiks in der Ost-Berliner Stalinallee. Seit dem Mittag des 16. Juni berichtete der Sender ausf\u00fchrlich \u00fcber die Streiks und Proteste. Vertreter der Streikbewegung gingen zum Sender, um den Generalstreik \u00fcber das Radio auszurufen. Der Sender RIAS verwehrte allerdings den Streikenden diese M\u00f6glichkeit. Am 17. Juni rief dann der Berliner DGB-Vorsitzende Ernst Scharnowski \u00fcber den RIAS erstmals dazu auf, die Ost-Deutschen sollten ihre \u201eStrausberger Pl\u00e4tze \u00fcberall\u201c aufsuchen. Trotz einer relativ zur\u00fcckhaltenden Darstellung der Ereignisse im Radio kann man davon ausgehen, dass die Berichte entscheidend dazu beigetragen haben, dass sich die Kunde von den Protesten in der Hauptstadt \u00e4u\u00dferst schnell in der ganzen DDR ausbreitete.<\/p>\n<p>\nMittwoch, 17. Juni<br \/>\nAm Morgen des 17. Juni brach im gesamten Gebiet der DDR etwas aus, was sp\u00e4ter als Aufstand des 17. Juni in die Geschichtsb\u00fccher eingehen sollte. Die Belegschaften vor allem gro\u00dfer Betriebe traten mit Beginn der Fr\u00fchschicht in Streik und formierten sich zu Demonstrationsz\u00fcgen, die sich in die Zentren der gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dte richteten. In den Tagen des Aufstandes war den westlichen Medien und wahrscheinlich auch den meisten Protestierenden die nationale Dimension der Proteste noch nicht bewusst. Der RIAS etwa berichtete fast ausschlie\u00dflich aus Berlin. Tats\u00e4chlich kam es neueren Forschungen zufolge in weit \u00fcber 500 Orten in der DDR zu Streiks, Kundgebungen oder Gewaltt\u00e4tigkeiten gegen offizielle Personen oder Einrichtungen.<\/p>\n<p>Die Aufst\u00e4ndischen besetzten 11 Kreisratsgeb\u00e4ude, 14 B\u00fcrgermeistereien, 7 Kreis- und eine Bezirksleitung der SED. Weiterhin wurden 9 Gef\u00e4ngnisse und 2 Dienstgeb\u00e4ude des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) sowie 8 Polizeireviere, 4 VPKA und eine Dienststelle der BDVP erst\u00fcrmt. Mehr als doppelt so viele Einrichtungen wurden bedr\u00e4ngt, die Besetzung jedoch verhindert.<\/p>\n<p>Schwerpunkte lagen in Berlin und den traditionellen Industrieregionen, etwa dem \u201eChemiedreieck\u201c um Halle. Die Zahl der am Protest Beteiligten l\u00e4sst sich nicht genau bestimmen, Angaben schwanken zwischen 400.000 und 1,5 Millionen Menschen. Die vielf\u00e4ltigen Proteste fanden durchgehend sehr spontan statt, es gab praktisch weder eine \u00fcber den Tag hinausgehende Zielplanung, noch echte F\u00fchrungskr\u00e4fte, die den Aufstand \u00fcberregional dirigiert h\u00e4tten. Neben Arbeitsniederlegungen und Demonstrationen kam es an mehreren Orten auch zu Erst\u00fcrmungen von Haftanstalten und Befreiung von H\u00e4ftlingen. Vereinzelt kam es zu Brandstiftungen, am spektakul\u00e4rsten waren dabei die Br\u00e4nde des Vorzeige-HO-Kaufhauses Columbushaus und des Restaurantbetriebes Haus Vaterland am Potsdamer Platz in Berlin. Allein in Berlin gab es 46 verletzte Polizisten, davon 14 schwer, sowie Zerst\u00f6rungen im Gesamtwert von \u00fcber 500.000 Mark.<\/p>\n<p>Die Polizei war mit der Entwicklung der Ereignisse hoffnungslos \u00fcberfordert, teilweise liefen Volkspolizisten zu den Demonstranten \u00fcber. Es kam vor allem in Ost-Berlin auch zu blutigen Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Demonstrierenden und der Polizei. Die DDR-Regierung fl\u00fcchtete sich nach Berlin-Karlshorst unter den Schutz der sowjetischen Beh\u00f6rden. Man darf daher annehmen, dass ohne sowjetische Truppen der Aufstand nicht niedergeschlagen worden w\u00e4re.<\/p>\n<p>Um 14 Uhr wurde eine Erkl\u00e4rung des Ministerpr\u00e4sidenten Otto Grotewohl im DDR-Rundfunk ausgestrahlt: Darin wurde ausdr\u00fccklich noch einmal die R\u00fccknahme der Normenerh\u00f6hungen erkl\u00e4rt. Der Aufstand jedoch sei \u201edas Werk von Provokateuren und faschistischen Agenten ausl\u00e4ndischer M\u00e4chte und ihrer Helfershelfer aus deutschen kapitalistischen Monopolen\u201c. Alle \u201eArbeiter und ehrlichen B\u00fcrger\u201c forderte er auf, mitzuhelfen, \u201edie Provokateure zu ergreifen und den Staatsorganen zu \u00fcbergeben\u201c. Diese Darstellung der Ereignisse als von au\u00dfen inszenierten, konterrevolution\u00e4ren Putschversuch entsprach schon der sp\u00e4teren offiziellen Lesart des 17. Juni in der DDR-Geschichtsschreibung.<\/p>\n<p>\nNiederschlagung des Aufstands und Kriegsrecht<br \/>\nDie sowjetischen Beh\u00f6rden reagierten mit der Verh\u00e4ngung des Ausnahmezustands f\u00fcr 167 der 217 Landkreise der DDR. Gegen 13 Uhr wurde durch den Milit\u00e4rkommandanten des sowjetischen Sektors von Berlin, Generalmajor Pawel Dibrowa, in Ost-Berlin der Ausnahmezustand verk\u00fcndet, der erst am 11. Juli 1953 wieder aufgehoben wurde. Mit dieser Ausrufung des Kriegsrechts \u00fcbernahm die Sowjetunion offiziell wieder die Regierungsgewalt \u00fcber die DDR. Die bereits ab 10 Uhr in Berlin, in den Bezirken zeitversetzt gegen Mittag oder Nachmittag einr\u00fcckenden sowjetischen Truppen demonstrierten vor allem Pr\u00e4senz, denn mit dem Eintreffen der Panzer verlor der Aufstand schnell an Schwung; zu gr\u00f6\u00dferen Angriffen auf das Milit\u00e4r kam es nicht. Insgesamt waren 16 sowjetische Divisionen mit etwa 20.000 Soldaten im Einsatz, sowie rund 8.000 Angeh\u00f6rige der Kasernierten Volkspolizei (KVP).<\/p>\n<p>Obwohl die sowjetischen Beh\u00f6rden die Situation schon am 17. Juni weitgehend unter Kontrolle brachten, kam es auch in den darauf folgenden Tagen noch zu Protesten, vor allem am 18. Juni, in einzelnen Betrieben aber auch noch bis in den Juli hinein. So wurde am 10. und 11. Juli bei Carl Zeiss in Jena und am 16. und 17. Juli im Buna-Werk Schkopau gestreikt. Die St\u00e4rke des 17. Juni 1953 wurde aber nicht mehr ann\u00e4hernd erreicht.<\/p>\n<p>Intensiv war eine erste Verhaftungswelle. Mit etwa 6.000 Verhaftungen durch Polizei, MfS und Sowjetarmee wurden vor allem so genannte \u201eProvokateure\u201c verfolgt.<\/p>\n<p>\nReaktion des Westens<br \/>\n Dieser Abschnitt bedarf einer \u00dcberarbeitung. N\u00e4heres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Bitte hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschlie\u00dfend diese Markierung! <\/p>\n<p>Andere Staaten griffen nicht in den Aufstand ein.<\/p>\n<p>\nBundesrepublik Deutschland<br \/>\nF\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland war der 17. Juni ein normaler Mittwoch. Der stellvertretende B\u00fcrgermeister von Westberlin war im Urlaub, Franz Neumann, Chef der SPD, war zur Kur in Italien, Jakob Kaiser, Chef der CDU, war in Bonn und Ernst Reuter, Berlins Regierender B\u00fcrgermeister, war in Wien auf dem Europ\u00e4ischen St\u00e4dtetag. Als er die Amerikaner verzweifelt bat, ihm ein Milit\u00e4rflugzeug f\u00fcr den schleunigsten R\u00fcckflug zu stellen, wurde ihm erwidert, dies sei bedauerlicherweise nicht m\u00f6glich. Bundeskanzler Konrad Adenauer selbst reiste erst am 19. Juni nach Berlin, um der Toten zu gedenken.<\/p>\n<p>\nVereinigte Staaten<br \/>\nIn den Vereinigten Staaten dachte man bez\u00fcglich des Aufstandes anfangs an einen Trick der UdSSR: Sie wolle, legitimiert durch den Aufstand zu dessen Niederschlagung bewaffnete Verb\u00e4nde nach Berlin verlegen, um so die ganze Stadt einnehmen zu k\u00f6nnen. Sp\u00e4ter hielt man die Demonstrationen eine Zeit lang f\u00fcr von der DDR-Regierung inszenierte Veranstaltungen, die au\u00dfer Kontrolle geraten seien.<\/p>\n<p>\nVereinigtes K\u00f6nigreich<br \/>\nDer Premierminister des Vereinigten K\u00f6nigreichs, Winston Churchill sah den Aufstand kritisch, da er dadurch seine Initiative f\u00fcr eine erneute Vier-M\u00e4chte-Konferenz gef\u00e4hrdet sah. Er erkl\u00e4rte der Sowjetregierung, dass sie im Recht gewesen sei, als sie den Aufstand niederschlug.<\/p>\n<p>\nOpfer<br \/>\n Dieser Abschnitt bedarf einer \u00dcberarbeitung. N\u00e4heres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Bitte hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschlie\u00dfend diese Markierung! <\/p>\n<p>Gemeinschaftsgrab und Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr elf Opfer auf dem Urnenfriedhof Seestra\u00dfeNach Ergebnissen des Projekts Die Toten des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 sind 55 Todesopfer durch Quellen belegt. Noch ungekl\u00e4rt sind weitere Todesf\u00e4lle.[3]<\/p>\n<p>Am 17. Juni und den Tagen danach wurden 34 Demonstranten und Zuschauer von Volkspolizisten und sowjetischen Soldaten erschossen oder verloren ihr Leben an den Folgen von Schussverletzungen. Nach Todesurteilen von sowjetischen und DDR-Gerichten wurden sieben Menschen hingerichtet. Infolge der Haftbedingungen starben vier Personen und vier Menschen t\u00f6teten sich in der Haft. Beim Sturm auf ein Polizeirevier starb ein Demonstrant an Herzversagen. Zudem wurden f\u00fcnf Angeh\u00f6rige der DDR-Sicherheitsorgane get\u00f6tet. Bisher war im Westen von 507 und in der DDR von 25 Toten die Rede.<\/p>\n<p>\nPersonen des 17. Juni 1953<br \/>\nHilde Benjamin (1902\u20131989), Justizministerin, verfolgte die Teilnehmer am Volksaufstand mit stalinistischen Terrorurteilen. <br \/>\nErna Dorn (1911\u20131953), als angebliche R\u00e4delsf\u00fchrerin enthauptet. <br \/>\nMax Fechner (1892\u20131973), Justizminister, wandte sich gegen die Strafverfolgung streikender Arbeiter und wurde zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. <br \/>\nGeorg Gaidzik (1929\u20131953), Volkspolizist, erlitt t\u00f6dliche Schussverletzung. <br \/>\nGerhard H\u00e4ndler (1928\u20131953), Volkspolizist, erlitt t\u00f6dliche Schussverletzung. <br \/>\nErnst Jennrich (1911\u20131954), wurde auf Weisung von Hilde Benjamin zum Tode verurteilt und enthauptet. <br \/>\nG\u00fcnter Mentzel (1936\u20132007), Bauarbeiter, 16 Jahre alter Streikf\u00fchrer von Block 40 der Stalinallee. <br \/>\nOtto Nuschke (1883\u20131957), Stellvertretender Ministerpr\u00e4sident, wurde am 17. Juni 1953 von Demonstranten nach West-Berlin abgedr\u00e4ngt, von wo er zwei Tage sp\u00e4ter in die DDR zur\u00fcckkehrte. <br \/>\nKarl-Heinz Pahling (1927\u20131999), Bauarbeiter, 26 Jahre alter Streikf\u00fchrer, zehn Jahre Zuchthausstrafe. <br \/>\nFritz Selbmann (1899\u20131975), DDR-Minister, versuchte am 16. Juni vergeblich, die Arbeiter zur Aufgabe des Streiks zu bewegen. <br \/>\nJohann Waldbach (1920\u20131953), Mitarbeiter des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit der DDR, erlitt t\u00f6dlichen Kopfschuss. <\/p>\n<p>Gedenktag<br \/>\nIn Gedenken an den Aufstand in der DDR war der 17. Juni mit Gesetz vom 4. August 1953 als Tag der Deutschen Einheit in der damaligen Bundesrepublik Deutschland gesetzlicher Feiertag. 1963 wurde er von Bundespr\u00e4sident Heinrich L\u00fcbke zum Nationalen Gedenktag des deutschen Volkes proklamiert. Mit Inkrafttreten des Einigungsvertrages am 29. September 1990 wurde das Datum der Wiedervereinigung (3. Oktober) anstelle des 17. Juni als Tag der Deutschen Einheit zum gesetzlichen Feiertag, der 17. Juni behielt allerdings seinen Status als Nationaler Gedenktag.<\/p>\n<p>Ebenfalls dem Gedenken an den Volksaufstand ist die Berliner Stra\u00dfe des 17. Juni gewidmet, die vom Ernst-Reuter-Platz zum Brandenburger Tor f\u00fchrt.<\/p>\n<p>\nLyrik<br \/>\nBertolt Brecht verarbeitete die Ereignisse des 17. Juni in seinem Gedicht Die L\u00f6sung lyrisch und verwies darin auf die in sich unstimmige Linie der SED-Diktatur. Er hat es zu Lebzeiten nicht ver\u00f6ffentlicht. Ebenfalls in diesem Zusammenhang und im Sommer 1953 schrieb Brecht das Gedicht Das Brot des Volkes, das das Thema Gerechtigkeit aufgreift.<\/p>\n<p>\nEinzelnachweise<br \/>\n&#8593; Ray Furlong: Berliner recalls East German uprising. In: BBC NEWS. 17. Juni 2003. Abgerufen am 12. November 2008. (engl.) <br \/>\n&#8593; Peter Bruhn: 17. Juni 1953. Bibliographie. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-8305-0399-7 (Online ; Stand: 12. November 2008; Augenzeugenbericht).  <br \/>\n&#8593; Tote des 17. Juni 1953. In: 17. Juni 1953. 2004. Abgerufen am 12. November 2008. <\/p>\n<p>Literatur<br \/>\nArnulf Baring, Bundesministerium f\u00fcr gesamtdeutsche Fragen (Hrsg.): Der 17. Juni 1953. Bonn 1957.  <br \/>\nHans Bentzien: Was geschah am 17. Juni?. 2003, ISBN 3-360-01042-6.  <br \/>\nStefan Brant (d.i. Klaus Harpprecht), Klaus B\u00f6lling: Der Aufstand. Vorgeschichte, Geschichte und Deutung des 17. Juni 1952. Stuttgart 1954.  <br \/>\nKarl Wilhelm Fricke, Ilse Spittmann-R\u00fchle (Hrsg.): 17. Juni 1953. Arbeiteraufstand in der DDR. 2. Auflage. Edition Deutschlandfunk Archiv, K\u00f6ln 1988, ISBN 3-8046-0318-1.  <br \/>\nTorsten Diedrich: Waffen gegen das Volk. Der 17. Juni 1953 in der DDR. M\u00fcnchen, Oldenburg 2003, ISBN 3-486-56735-7.  <br \/>\nStefan Heym: F\u00fcnf Tage im Juni. 1. Auflage. Fischer, Frankfurt 1999, ISBN 3596218136.  <br \/>\nHubertus Knabe: 17. Juni 1953. Ein deutscher Aufstand. Ullstein Taschenbuch Verlag, M\u00fcnchen 2004, ISBN 3-548-36664-3.  <br \/>\nGuido Knopp: Der Aufstand 17. Juni 1953. ISBN 3-455-09389-2.  <br \/>\nVolker Koop: Der 17. Juni. Legende und Wirklichkeit. Siedler, Berlin 2003, ISBN 3-88680-748-7.  <br \/>\nIlko-Sascha Kowalczuk: 17. Juni 1953. Volksaufstand in der DDR. Ursachen \u2013 Abl\u00e4ufe \u2013 Folgen. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-385-X.  <br \/>\nUlrich M\u00e4hlert (Hrsg.): Der 17. Juni 1953. Ein Aufstand f\u00fcr Einheit, Recht und Freiheit. Dietz, Bonn, ISBN 3-8012-4133-5.  <br \/>\nEdgar Wolfrum: Geschichtspolitik und deutsche Frage. Der 17. Juni im nationalen Ged\u00e4chtnis der Bundesrepublik (1953\u201389). In: Geschichte und Gesellschaft. Band 24, 1998, S. 382\u2013411.  <\/p>\n<p>Weblinks<br \/>\nWas in der Luft liegt (Der Spiegel 26\/1953 vom 24. Juni 1953, S. 6; PDF) <br \/>\n17. Juni 1953 (Spezial der Frankfurter Rundschau) <br \/>\n17.6.1953: Aufstand in der DDR (KalenderBlatt der Deutschen Welle) <br \/>\nHintergr\u00fcnde des 17. Juni (von Kurt Gossweiler; PDF) <br \/>\n&#8222;Der 17. Juni war keine Revolution&#8220; (G\u00fcnter Grass in Spiegel Online vom 16. Juni 2003) <br \/>\nVon \u201ehttp:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/17._Juni_1953\u201c<br \/>\nKategorien: Aufstand | Geschichte der DDR | 1953 | Berliner Geschichte (20. Jahrhundert)<br \/>\nWartungskategorie: Wikipedia:\u00dcberarbeiten<br \/>\nAnsichtenArtikel Diskussion Quelltext betrachten Versionen\/Autoren Pers\u00f6nliche WerkzeugeAnmelden <br \/>\nDiese Seite wurde zuletzt am 13. November 2008 um 08:17 Uhr ge\u00e4ndert. 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