{"id":85499,"date":"2008-10-18T13:20:07","date_gmt":"2008-10-18T13:20:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=85499"},"modified":"2008-10-18T13:20:07","modified_gmt":"2008-10-18T13:20:07","slug":"supissima-fuer-michael-hanfeld-faz-net-mrr-trifft-gottschalk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2008\/10\/18\/supissima-fuer-michael-hanfeld-faz-net-mrr-trifft-gottschalk\/","title":{"rendered":"Supissima f\u00fcr Michael Hanfeld, faz.net: MRR trifft GOTTSCHALK"},"content":{"rendered":"<p>Der beste von \u00fcber 1.200 &#8222;Resonanzen&#8220; ,von GOOGLE-News aufgelistet..Sehr gut geschrieben. Und trifft&#8230;so meint feminissima &#8230;ganz subjektiv:<br \/>\nden Punkt und auch die Atmosph\u00e4re..!<br \/>faz.net<br \/>\nvon Michael Hanfeld<\/p>\n<p>Viel Ehr, viel Kritik: Marcel Reich-Ranicki trifft Thomas Gottschalk<br \/>\n18. Oktober 2008 Fr\u00fcher war alles besser. Das Fernsehen war besser, die Fernsehkritik war besser. Und noch besser war es, als das Fernsehen noch gar nicht da war. Denn da gab es Bertolt Brecht und seine \u201eDreigroschenoper\u201c. Oder noch fr\u00fcher, da schrieb Friedrich Schiller \u201eDie Braut von Messina\u201c. Und erst Shakespeare! Was konnte der uns unterhalten und belehren. Waren das noch Zeiten.<\/p>\n<p>Das waren die Zeiten und literarischen Gr\u00f6\u00dfen, an die Marcel Reich-Ranicki denkt, wenn er \u00fcber das Fernsehen spricht. Oder sagen wir besser: Wenn er \u00fcber das spricht, was ihm beim Deutschen Fernsehpreis kurz vor Augen kam. \u201eAbscheulich\u201c sei das gewesen und \u201eabscheulich\u201c bleibe es, so der Literaturkritiker. Clowns, Nichtsk\u00f6nner, Ahnungslose. Dieser Helge Schneider zum Beispiel. Helge Schneider? Der war beim Deutschen Fernsehpreis gar nicht da. Atze Schr\u00f6der, der Mann mit dem kunstkrausen Mottenpfiffi auf dem Sch\u00e4del, war es, der Reich-Ranickis Unmut erregte. Oder ihn, wie Thomas Gottschalk sagte, wohl \u201e\u00fcberfordert\u201c hatte.<\/p>\n<p>Shakespeare bis zum Abwinken<\/p>\n<p>Nein, mit \u00dcberforderung habe das gar nichts zu tun, sagte Reich-Ranicki. Es habe damit zu tun, dass diejenigen, die es im Fernsehen mit der Unterhaltung zu tun haben, es sich zu leicht machten. Sie m\u00fcssten sich mehr M\u00fche geben. Und die Intendanten, die m\u00fcssten Angst haben, dass man sie absetzt, wenn sie kein gutes Programm machen. Aber was ist ein gutes Programm? Was ist Qualit\u00e4t? Worin besteht sie? Woran kann man sie messen und erkennen? Wonach sieht sie aus? Wonach riecht sie? Wonach schmeckt sie? Leider sind Marcel Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk bis zu dieser Frage, an der sich doch einiges entscheidet, nicht vorgedrungen, die halbe Stunde ihrer Unterhaltung ging auch so rum.<\/p>\n<p>Sie ging vorbei und hinterl\u00e4sst das Publikum bestenfalls ratlos. Denn es gibt ja alles, was Reich-Ranicki fordert: Shakespeare-Verfilmungen im Kino bis zum Abwinken, Goethe, Brecht, Ibsen im Fernsehen &#8211; das ZDF hat daf\u00fcr eigens den \u201eTheaterkanal\u201c ins Leben gerufen, der sich mit nichts anderem besch\u00e4ftigt, als gro\u00dfe Dramen ins Fernsehen zu bringen. Und es gibt die zeitgen\u00f6ssischen Wiederg\u00e4nger der Klassiker, es gibt Dokumentationen, Magazine, Fernsehfilme, Serien und es gibt gro\u00dfe Unterhaltung wie Thomas Gottschalks ZDF-Show \u201eWetten, dass . . ?\u201c Es ist f\u00fcr jeden etwas dabei, und wer dabei keine Qualit\u00e4t finden will, der muss sein Empfangsger\u00e4t schon aus dem Fenster werfen. Man muss nur hinschauen, man muss nicht einmal lange suchen und man muss nicht alibim\u00e4\u00dfig auf die Kultursender 3sat und Arte verweisen.<\/p>\n<p>Der Dreck, der Schund, der Mist<\/p>\n<p>Und den Dreck, den Schund, den Mist, den es zweifellos gibt, den muss man nicht sehen. Den wegzur\u00e4umen, daf\u00fcr gibt es ja zum Beispiel Fernsehkritiker, die \u00fcber Sendungen schreiben m\u00fcssen, vor denen man nur warnen kann. Die \u201eBruderschaft der entz\u00fcndeten Augen\u201c hat man sie fr\u00fcher einmal genannt. Fr\u00fcher habe man sich ja auch noch ernsthaft mit dem Metier befasst, sagt Marcel Reich-Ranicki.<\/p>\n<p>Das Schlechte \u00fcbrigens hat Thomas Gottschalk als getreuer Herold seines Senders, ausschlie\u00dflich bei den privaten, oder, wie er sagt, \u201ekommerziellen\u201c Sendern ausgemacht. Mit denen \u00fcber Qualit\u00e4t sprechen zu wollen, das sei so, als wolle man einem Metzger ein vegetarisches Men\u00fc schmackhaft machen. Und wer will das schon? Die \u00d6ffentlich-rechtlichen, ARD und ZDF, hingegen, die m\u00fchten sich um das Gute, Sch\u00f6ne, Wahre, m\u00fcssten dabei aber nat\u00fcrlich an die Quote denken. Und deren Diktat habe auch er sich zu unterwerfen. Also dekoriere er sich mit vielen sch\u00f6nen Menschen und allerhand Unterhaltsamkeiten, damit die Leute hinsehen. Und, was passiert mit unserem armen Unterhalter? Die Klofrauen lieben ihn, wie er sagte, und die Gro\u00dfkritiker aus dem Feuilleton rei\u00dfen ihn in St\u00fccke. Kein Wunder also, dass er sich vornehmlich oder nur noch im Sanit\u00e4rbereich aufhalte.<\/p>\n<p>Zu diesem Stichwort fiel Marcel Reich-Ranicki ein, dass der gro\u00dfe Fernsehmacher und Regisseur Peter Schulze-Rohr genau an diesem stillen \u00d6rtchen all die Preise aufbewahrt habe, die ihm in seinem Leben verliehen wurden &#8211; um seine Verachtung dem Preisgehabe gegen\u00fcber auszudr\u00fccken. Er selbst, Reich-Ranicki, habe seine Preise inzwischen alle im Museum abgeliefert.<\/p>\n<p>Worum es geht<\/p>\n<p>Dass es f\u00fcr diese Sendung einen Preis geben k\u00f6nnte, dass muss Reich-Ranicki wohl kaum f\u00fcrchten. Denn sie war weder lehrreich, noch unterhaltsam. Sie ging &#8211; wie die ganze laute Debatte dieser Woche &#8211; am Thema vorbei. Es gibt tausend Dinge, die man zu Recht am Fernsehen kritisieren kann. Und es geschieht auch, seit Jahr und Tag und tagt\u00e4glich. Dabei geht es um das Einzelne und das gro\u00dfe Ganze, immer und immer wieder. Um Ausw\u00fcchse, wie man sie bei einem Anrufsender wie 9live oder den seltsamen Astrosender sehen kann. Um Trends, denen alle so lange hinterherlaufen, bis auf allen Kan\u00e4len nurmehr Variationen des ewig Gleichen laufen (Kochen, Tiere). Um vermeintliche Stars und Zelebrit\u00e4ten, die mit ihrer schieren Pr\u00e4senz das Fernsehen plattmachen (das Kerner-Ferres-Bohlen-Syndrom). Um \u00f6ffentlich-rechtliche Sender, die &#8211; anders als Thomas Gottschalk es behauptet &#8211; vor Jahren den Anspruch aufgegeben haben, sich grunds\u00e4tzlich von den Privaten zu unterscheiden und in vielem in der Tat nicht mehr zu unterscheiden sind.<\/p>\n<p>Und um Geld und Macht und um Strukturen geht es, um 7,3 Milliarden Euro Geb\u00fchren, von denen sch\u00e4tzungsweise nur drei\u00dfig Prozent ins Programm flie\u00dfen; um dritte Programme, die der Ministerpr\u00e4sidenten liebstes Kind sind, weil sie dort h\u00e4ufig auftauchen k\u00f6nnen; um unm\u00f6gliche Sendezeiten f\u00fcr die Programme, f\u00fcr die der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk eigentlich stehen sollte. Um die Ausbeutung des Menschen zu Unterhaltungszwecken geht es schlie\u00dflich, angefangen bei der Debatte \u00fcber \u201eBig Brother\u201c \u00fcber den Dschungel bei RTL bis zu den \u201ePopstars\u201c bei Pro Sieben.<\/p>\n<p>Diese Debatte f\u00fchrt ins Nirgendwo<\/p>\n<p>Darum ging es, geht es und wird es weiter gehen, allerdings nicht mehr in Opas Fernsehen, sondern in einer emanzipierten Medienwelt m\u00fcndiger Konsumenten, die das Internet \u00fcberw\u00f6lbt. In wenigen Jahren wird man zum Beispiel gar nicht mehr verstehen, was ein \u201eSendeplatz\u201c ist, denn den wird jeder Zuschauer und Zuh\u00f6rer selbst bestimmen. Was das Gesch\u00e4ft derjenigen, die das Erbe der Aufkl\u00e4rung und die Werte einer bildungsb\u00fcrgerlichen Gesellschaft auch mit den Mitteln der Unterhaltung ins digitale Zeitalter retten und Debatten ansto\u00dfen wollen, die alle bewegen, noch schwerer macht.<\/p>\n<p>Man kann Marcel Reich-Ranicki in seiner Suada gegen den Bl\u00f6dsinn, denn man nicht senden \u201edarf\u201c, unterst\u00fctzen. Doch sollte man dann schon in medias res gehen und nicht, wie es so viele jetzt tun, dem ob seines Mutes gefeierten Kritiker in seinem unbestimmten Urteil hinterherlaufen: Denn diese Debatte f\u00fchrt ins Nirgendwo, wir erleben die Travestie einer kritischen Diskussion \u00fcber das Fernsehen. Und es ist nicht einmal besonders unterhaltsam. Diesen Zug der Lemminge, dem sich erstaunlich viele Kollegen anzuschlie\u00dfen sofort bereit sind, sehen wir jede Woche. Mal rennen sie hierhin, mal dahin, insgesamt immer sch\u00f6n im Kreis.<\/p>\n<p>Das Fernsehen wei\u00df damit sehr gut umzugehen, wie man an dieser Sendung sehen konnte &#8211; es verleibt sich die Kritik ein und stellt den Kritiker selbst in die Manege. Oder es denunziert ihn, wie es Thomas Gottschalk in seiner Klage \u00fcber \u201edas Feuilleton\u201c unternimmt. Wobei man auch da differenzieren muss. Denn es gibt Bereiche, in denen ein kreativer Dialog zwischen den Machern, den Kritikern und dem Publikum funktioniert, das gilt f\u00fcr den Fernsehspiel- und den Dokumentarfilm gleicherma\u00dfen. Doch auf der anderen Seite gedeiht der Fernsehdschungel, der, je heftiger man ihn kritisiert, umso \u00fcppiger wuchert; diese Hydra ist immun gegen jede Kritik. Solange die Quote stimmt, gilt, was der einstige RTL-Chef Helmut Thoma einmal gesagt hat: dem Angler muss der Wurm nicht schmecken, er will Fische fangen. Dass Sender, die damit Geld verdienen m\u00fcssen, diesem Prinzip folgen, kann man schwer verhindern, sogar dass sie daf\u00fcr Preise bekommen. Nur m\u00fcsste der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk dabei nicht mitmachen.<\/p>\n<p>Die Fernsehpreis-Troph\u00e4e \u00fcbrigens, der gl\u00e4serne Obelisk, den Marcel- Reich-Ranicki nicht mitnehmen wollte, stand w\u00e4hrend der Sendung im Studio auf einem kleinen Tischchen. Er werde ihm, sagte Thomas Gottschalk zu Marcel Reich-Ranicki, sollte er seine Meinung je \u00e4ndern, den Preis pers\u00f6nlich abliefern. Zuvor hatten wir das gl\u00e4serne Ding allerdings auf dem Pult von Claus Kleber im \u201eheute journal\u201c herumstehen sehen. Es scheint ein Wanderpokal zu sein.<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der beste von \u00fcber 1.200 &#8222;Resonanzen&#8220; ,von GOOGLE-News aufgelistet..Sehr gut geschrieben. 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