{"id":85459,"date":"2008-09-25T13:27:06","date_gmt":"2008-09-25T13:27:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=85459"},"modified":"2008-09-25T13:27:06","modified_gmt":"2008-09-25T13:27:06","slug":"presse-schau-heise-ab-heute-wird-zurueckgefilmt-9-08","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2008\/09\/25\/presse-schau-heise-ab-heute-wird-zurueckgefilmt-9-08\/","title":{"rendered":"PRESSE-Schau: (Heise) &#8222;Ab heute wird zur\u00fcckgefilmt&#8220;\/9\/08"},"content":{"rendered":"<p>heise online&#8230;s\u00fc\u00fc\u00fc\u00fcperbe..zum Filmstart von&#8230;na, was wohl&#8230;Eichinger-Komplex..<br \/>Ab heute wird zur\u00fcckgefilmt<\/p>\n<p>R\u00fcdiger Suchsland 25.09.2008<\/p>\n<p>Noch ein Untergang: Bernd Eichingers inhaltlich brave, \u00e4u\u00dferlich aufgemotzte Sachbuchverfilmung &#8222;Der Baader-Meinhof-Komplex&#8220; pr\u00e4sentiert Geschichte als Schund-Roman aus parasit\u00e4ren Bildern und Exploitation<\/p>\n<p>Womit soll man eigentlich anfangen, wenn man \u00fcber diesen Film schreibt? Beim Plakat vielleicht, und der Einladung zur Premiere letzte Woche. Da sieht man dann in Nachahmung der 35 Jahre alten Fahndungsplakate, die unsereiner noch von den Bushalte- und Tankstellen seiner Kindheit kennt, M\u00e4nner- und Frauenk\u00f6pfe. Aber das hier sind jetzt keine addicts of political heroine, sondern sexy Terroristen, wild und gef\u00e4hrlich. Die M\u00e4nner blicken mit gerunzelter Stirn und zusammengebissenen Lippen entschlossen und d\u00fcster drein. Man sp\u00fcrt die Hand am Colt und die Lederjacke auf den Schultern. Die Frauen schauen einen direkt an und ihre M\u00fcnder sind halboffen. Sie suggerieren dem Betrachter: &#8222;Hey, ich will von Baader gefickt werden.&#8220;<\/p>\n<p>Alle Bilder: Constantin <\/p>\n<p>Der &#8222;RAF-Mythos&#8220;, den so ein Plakat bedient, und der durch den Film, den dieses bewirbt angeblich zerst\u00f6rt wird, ist genauso Behauptung und Medienprodukt, wie jetzt seine Zerst\u00f6rung. Mit der Wirklichkeit hat beides wenig zu tun. Die 70er Jahre sind jetzt \u00fcber 30 Jahre her. Solange, wie damals das Dritte Reich. Das zeigt den Abstand, der uns von den Geschehnissen trennt und die N\u00e4he, die doch vorhanden ist in den Erz\u00e4hlungen der alten Krieger, die sich heute verteidigen, die alten Schlachten noch einmal schlagen, wieder oder \u00fcberhaupt mal gewinnen wollen. <\/p>\n<p>Und er ist vorhanden in den Erinnerungen derjenigen, die damals zu jung waren. Oder die anderes zu tun hatten. Was hat eigentlich Bernd Eichinger damals gemacht, au\u00dfer Zeitung gelesen? Er hat sich um Luggi Waldleitner, um Leo Kirch gek\u00fcmmert und um seine Karriere, und die Geschichte, wie man so sagt, hat ihm Recht gegeben. Einstweilen. Um das Urteil der Fimgeschichte k\u00e4mpft er noch, und zumindest hierin \u00e4hnelt er den alten Kriegern der anderen K\u00e4mpfe. <\/p>\n<p>Anzeige<\/p>\n<p>Terror mit Goldrand und Leseb\u00e4ndchen <\/p>\n<p>Es dauert bestimmt auch nicht mehr lange, dann gibt es Stefan Austs &#8222;Der Baader-Meinhof-Komplex&#8220; sicher auch mit Goldrand und Leseb\u00e4ndchen. Das Buch, die Vorlage zum gleichnamigen, von Bernd Eichinger geschriebenen und produzierten Terror-Kinodrama bildet, erschien erstmals 1985 und entstand aus einer Artikel-Serie f\u00fcr den &#8222;Spiegel&#8220;. Es war das erste ernstzunehmende zeitgeschichtliche Werk zum deutschen Linksterrorismus der 70er, wurde schnell zum Bestseller und wurde seitdem mehrfach neu und in erweiterten Fassungen aufgelegt &#8211; zuletzt in diesen Tagen bei Hoffmann und Campe. Das Buch hat seine unbestreitbaren Verdienste, nicht zuletzt weil es eine gute Material-Grundlage f\u00fcr weitere Thesen bildet. Zugleich gibt es aber Einschr\u00e4nkungen. <\/p>\n<p>Austs Vorteil aus historischer N\u00e4he zur Studentenbewegung zu erz\u00e4hlen, pr\u00e4gt auch in N\u00e4he wie Distanz seinen Blick. Zudem steht der journalistisch zuspitzende und dramatisierende Stil Austs, der einer Verfilmung fraglos zugute kommt, der historischen Einsch\u00e4tzung im Wege. L\u00e4ngst sind, durch pers\u00f6nliche Zeugnisse wie neuere historische Darstellungen auch neue Fakten zum Thema ver\u00f6ffentlicht worden, die Austs Darstellung in vielem relativieren. Die wichtigsten sind zum einen Butz Peters&#8216; &#8222;T\u00f6dlicher Irrtum&#8220; (Argon-Verlag, Berlin 2004), das materialreichste Werk \u00fcber die RAF, und noch wichtiger und am abgewogensten in seinen Urteilen Willi Winklers &#8222;Die Geschichte der RAF&#8220; (Rowohlt, Hamburg 2007). Neben allem anderen geht es hier auch um Deutungsk\u00e4mpfe. Wer ist der Gr\u00f6\u00dfte RAF-Experte Aller Zeiten? Aust f\u00fchrt noch das Rennen, aber der Abstand zu den Verfolgern wird kleiner. <\/p>\n<p>Gut jedenfalls, das es jetzt endlich vorbei ist. Der Hype hat eingeschlagen. &#8222;Der Baader-Meinhof-Komplex&#8220; wird irgendwie ein Kassenerfolg werden, und es gibt Filme, denen man das noch weniger g\u00f6nnt, als diesem. Versuchen wir also, uns noch einmal dieser alten Geschichte zuzuwenden. \u00dcber unsere Gegenwart wird jedenfalls selbst solche Filme keiner drehen. <\/p>\n<p>R\u00e4uberpistole <\/p>\n<p> &#8222;Z\u00fcndet man ein Auto an, ist das eine strafbare Handlung, werden hunderte Autos angez\u00fcndet, ist das eine politische Aktion.&#8220; <\/p>\n<p>Ulrike Meinhof <\/p>\n<p> &#8222;Ich sehe mich st\u00e4rker als B\u00fcrgerin dieses Staates.&#8220;<\/p>\n<p>Martina Gedeck <\/p>\n<p>Es war einmal in Westdeutschland. Eine Handvoll Menschen wollte die Welt ver\u00e4ndern, und daf\u00fcr war ihnen jedes Mittel recht. Sie gingen in den Untergrund, nannten sich &#8222;Rote Armee Fraktion&#8220; und k\u00e4mpften mit Gewalt gegen den Staat, den sie &#8222;das Schweinesystem&#8220; nannten. Sie wurden schnell gefasst, aber sie hatten Nachfolger und Sympathisanten, weil der Staat, der sie verfolgte, nicht gerade gl\u00fccklich reagierte und dann zu heftig und sich vermeidbare Bl\u00f6\u00dfen gab. \u00dcber eine &#8222;beispiellose staatliche Aufr\u00fcstung&#8220; spricht heute Ex-Innenminister Gerhart Baum. <\/p>\n<p>Es klingt wie ein M\u00e4rchen aus uralten Zeiten, und ist doch eine Trag\u00f6die der Wirklichkeit, die viele Zeitgenossen noch pers\u00f6nlich miterlebten. Uli Edels unter Produzent und Drehbuchautor Bernd Eichinger entstandener &#8222;Der Baader-Meinhof-Komplex&#8220; ist zwar formal betrachtet eine Sachbuchverfilmung nach Stefan Austs Vorlage, betont aber diese m\u00e4rchenhaften und romantischen Aspekte des Stoffes noch. <\/p>\n<p>Die Geschichte ist das eine, der Film ist das andere. Die Geschichte ist hochinteressant, ohne jede Frage, und um so interessanter, je mehr man sie an sich heranl\u00e4\u00dft, je weniger man sich von den eigenen Vorurteilen leiten l\u00e4\u00dft, und zu wissen glaubt, wie Gut und B\u00f6se verteilt sind. <\/p>\n<p>Der Film aber erz\u00e4hlt die Geschichte des westdeutschen Linksterrorismus nicht als gesellschaftliches Ph\u00e4nomen, l\u00e4\u00dft nur am Rand die zahlreichen RAF-Sympathisanten vorkommen, ebenso wie den von der RAF bek\u00e4mpften und dann wieder sie bek\u00e4mpfenden Staat, ebensowenig die westdeutsche Gesellschaft, der Nobelpreistr\u00e4ger Heinrich B\u00f6ll seinerzeit einen &#8222;Notstand des \u00f6ffentlichen Bewu\u00dftseins&#8220; attestierte. Sondern der Film erz\u00e4hlt diese Geschichte als R\u00e4uberpistole mit viel Geballer und einer Menge Brutalit\u00e4t. Letztere w\u00fcrden unter anderen Umst\u00e4nden genau jene kritisieren, die sie jetzt verteidigen, und dem Film jetzt in keineswegs uneigenn\u00fctzigen Vorabberichten &#8211; wie der mit Aust eng verbandelte &#8222;Spiegel&#8220; oder der co-produzierende Fernsehsender ARD &#8211; die Weihe des &#8222;Realistischen&#8220; geben. Wirklich? Aber was hei\u00dft Realismus bei einem Spielfilm? <\/p>\n<p>Ein Fotoroman in ultrakurzen Szenenfetzen <\/p>\n<p>Jedenfalls ist der Film professionell gemacht, klar. Aber das ist wohl auch das Mindeste, was man von der mit \u00fcber 20 Millionen Euro teuersten Produktion der deutschen Filmgeschichte erwarten darf. Er ist gut inszeniert. Hier, nicht im Drehbuchschreiben, liegt seit jeher die eigentliche Kunst Eichingers, der seine unter ihm agierenden Regisseure im Schneideraum keinen selbstst\u00e4ndigen Schritt tun l\u00e4\u00dft, daher der eigentliche Autor dieses Films ist: Schnell, in rasanten Schnitten und ultrakurzen Szenenfetzen, wird die Geschichte von 1967 bis zum deutschen Herbst 1977 als bewegter Fotoroman und Collage erz\u00e4hlt. <\/p>\n<p>Man sieht die Meinhof und ihre Kinder am Nacktbadestrand, Polizeikn\u00fcppel gegen Demonstranten, Kaufhausbrand in Frankfurt, Gro\u00dfmaul Baader, Fundamentalistin Ensslin, glamour\u00f6se Figuren, die bald Fratzen des Terrors werden, so wie der Staat hier auch eher als Fratze erscheint &#8211; und so weiter und so weiter, bis alles im RAF-F\u00fchrerbunker von Stammheim mit dem Selbstmord der Insassen endet. Man kennt dieses Geschehen. Neues gibt es nicht zu erfahren. <\/p>\n<p>F\u00fcr Tiefe, Differenzierung, Psychologie, Verstehen gar ist hier auch in zweieinhalb Stunden rasendem Stillstand keine Zeit. Aber es ist gut gespielt. Besonders die Frauenrollen: Martina Geddeck als Ulrike Meinhof beeindruckt. Johanna Wokalek als Gudrun Ensslin aber ist gl\u00e4nzend. Eine Offenbarung schlie\u00dflich ist Nadja Uhls Auftritt als Brigitte Mohnhaupt &#8211; eine F\u00fcrstin des Terrors, die aus Eichingers Vorlage ihren eigenen Film macht, der gar nicht in den Rest-Film hineinpasst &#8211; den man aber gern gesehen h\u00e4tte, denn er ist soviel spannender: D\u00fcster, leidenschaftlich, abgr\u00fcndig. <\/p>\n<p>Dem Film, den man sieht, fehlt genau das: ein Abgrund und ein Geheimnis. Denn noch soviel Blutgespritze und Todesr\u00f6cheln ist dieser Abgrund nicht, und die Faszination des R\u00e4tselhaften, von der alle Kunst am Ende zehrt, ist nicht dadurch zu ersetzen, dass man auch am Ende noch immer nicht wei\u00df, wer Schleyer nun genau erschossen hat. Alles bleibt beflissen. Brav, eine Sachbuchverfilmung eben. Bem\u00fcht, keine Fehler zu machen, bem\u00fcht, keine potentielle Zielgruppe, weder Opfer noch Sympathisanten zu verg\u00e4llen. Denn die sollen ja ins Kino gehen; denn man will ja Kasse machen. <\/p>\n<p>&#8222;Der Baader-Meinhof-Komplex&#8220; ist kein schlechter Film, aber er ist \u00fcberfl\u00fcssig &#8211; und das ist vielleicht viel schlimmer. Sein Problem ist seine v\u00f6llige Haltungslosigkeit. Denn es ist noch keine Haltung, wenn man darauf verweist, dass der Stoff &#8222;wichtig&#8220; sei. Der Film kl\u00e4rt die wichtigste Frage nicht: Wieso soll man sich sowas \u00fcberhaupt anschauen? Man wei\u00df, was passiert. Man wei\u00df, wie es ausgeht. Sympathisch sind die Figuren auch nicht auf den ersten Blick. Was soll das also? Was ist es, das wir im Jahre 2008 von diesem Film erfahren k\u00f6nnten? <\/p>\n<p>Aust-Lesung mit verteilten Rollen &#8211; \u00c4sthetik des Schreckens aus Geballer und Blut <\/p>\n<p>Dieser Film ist nicht mehr als unterhaltsam aufgemotztes Bildungsfernsehen im Kino. Psychologie, Motive, oder schlicht und einfach eine Erfahrung &#8211; alles Fehlanzeige! Nur visueller Schulfunk f\u00fcr die, die nichts wissen, und sich so das Lesen ersparen, Reality TV f\u00fcr die gro\u00dfe Leinwand, aufw\u00e4ndigstes Nachstellen von Fakten, eine Aust-Lesung mit verteilten Rollen, Reenactment. Alle Vorw\u00fcrfe, die mit Recht und guten Gr\u00fcnden gegen Reenactment ins Feld gef\u00fchrt werden, treffen aber auch hier. <\/p>\n<p>Vor allem aber ist das eine Bebilderungschronik aus parasit\u00e4ren Bildern, Bilder, die von den Vorgaben bekannter historischer Motive leben, in sie hineinkriechen und sie \u00fcberlagern wollen. Hinzu kommt ein bisschen Daily-Soap &#8211; denn es soll ja unterhalten werden. Daf\u00fcr schlachtet der Film seine Geschichte ohne R\u00fccksicht auf Verluste aus und suhlt sich in einer \u00c4sthetik des Schreckens aus Geballer und Blut. Die Geschichte der RAF als Schund-Roman. Vielleicht war es ja &#8222;so&#8220;, bestimmt k\u00f6nnen die Macher alle Details belegen. Aber im Kino wie in anderen K\u00fcnsten z\u00e4hlen Ausdruck, Haltung und Stil mehr, als Fakten, Fakten, Fakten. Und daran hapert&#8217;s. <\/p>\n<p>Der Film erfasst eben nicht den Geist der Sache, unter anderem wohl gerade weil Dialoge zum Teil seitenlang von Tonb\u00e4ndern und Originalquellen abgeschrieben wurden &#8211; und im Abstand von \u00fcber drei Jahrzehnten fremder wirken, als es je eine Erfindung k\u00f6nnte. Es ist nur scheinbar paradox, dass dieser Film zugleich der penibel recherchierteste, wie der fiktivste aller bisherigen Filme zum deutschen Terrorismus ist. Der Film ist zu genau, und mit Details zu sehr zugestellt, um den Blick freizugeben, auf das, was da wirklich geschehen ist. <\/p>\n<p>Im RAF-Stadl <\/p>\n<p>Nach dem &#8222;Untergang&#8220; versammelt Bernd Eichinger einmal mehr ein Dutzend historische Pappkameraden in geschlossenen bunkerartigen R\u00e4umen (Untergrund, Stammheim, Schleyer-Verstecke). Es muss eine pers\u00f6nliche Obsession sein. Noch einmal zeigt er deutsches T\u00e4terkino, diesmal leichter romantisierbar, aber doch ohne jeden poetischen \u00dcberschu\u00df &#8211; weder eine &#8222;Maria Stuart&#8220; oder ein &#8222;Richard III.&#8220; f\u00fcr unsere Zeit, aber auch kein freies Mythenspiel, wie vor Jahren Christopher Roths &#8222;Baader&#8220; &#8211; sondern ein RAF-Stadl. <\/p>\n<p>Die K\u00f6pfe besetzt Eichinger mit dieser Geschichts-Exploitation nat\u00fcrlich trotzdem. Das ist das Machtspiel, der eigentliche Kick. Der aufkl\u00e4rerische Anspruch, den die Macher wie eine Monstranz vor sich hertragen, ist da nur ein Vorwand. <\/p>\n<p>Der Eichinger-Aust-Komplex <\/p>\n<p>Nachdem die RAF bisher kein Thema f\u00fcr den Schulunterricht war, wird sie es nun werden. Der Film hat das Zeug zum Schulpflichtfilm, weil er genau jener Gro\u00dfen Koalition der Geschmacklosigkeit in Kulturfragen entspricht, jener christ-sozialdemokratischen Vorstellung von &#8222;jugendaffinem&#8220; Programm, dass &#8222;die Jugendlichen&#8220; &#8222;da abholt&#8220;, wo sie schon vor zwanzig Jahren nicht mehr standen. Zur Einnerung: Eichinger wird 60, Aust ist schon 62. <\/p>\n<p>Ein Kapitel f\u00fcr sich, das in seinen Einzelheiten an Unappetitlichkeit f\u00fcr einige Zeit kaum zu \u00fcberbieten ist, ist in diesem Zusammenhang der Medienhype um den Eichinger-Aust-Komplex. Da sekundiert dann Anne Will den Start des Werks am vergangenen Sonntag mit einer Sendung, die man gar nicht anders als als einen einst\u00fcndigen, unbezahlten (?) Werbeclip f\u00fcr den Film bezeichnen kann. Zur Erinnerung: Die ARD-Degeto ist Co-Produzent des Films, es war also tats\u00e4chlich eine &#8211; mit Steuern und Geb\u00fchrengeldern finanzierte &#8211; Werbesendung im werbefreien Abendprogramm. <\/p>\n<p>Diese Sendung allein w\u00e4re, wie so einiges andere im Vorfeld des Filmstarts &#8211; Eichingers &#8222;Playboy&#8220;-Interview zum Beispiel, oder die Vorabberichterstattung im &#8222;Spiegel&#8220;, wo \u00fcber Nadja Uhl, die Brigitte Mohnhaupt spielt, unter anderem der sch\u00f6ne Satz zu lesen war &#8222;Bald steht sie im Wohnzimmer J\u00fcrgen Pontos, und sie schie\u00dft ihm aus kurzer Distanz in den Kopf, und ihre Augen sind so kalt, und abends f\u00fcttert sie ihr Baby.&#8220; &#8211; eigentlich einen eigenen Artikel und l\u00e4ngere Analyse wert. Da reden dann alle \u00fcber alles, aber keiner wirklich \u00fcber den Film. <\/p>\n<p>Baron von Mirbach, Sohn des in Stockholm ermordeten deutschen Milit\u00e4rattachees, sagt, die Opfer k\u00e4men zu wenig vor, Hans-Jochen Vogel sagt, der Staat komme zu wenig vor und wenn, dann falsch, Aust sagt, warum nicht alles vorkommen kann, Gedeck sagt, wie sie sich vorbereitet hat, und Bleibtreu sagt gar nichts. Aber keiner redet \u00fcber das, was vorkommt, und ob das richtig ist. Man h\u00e4tte auch, um zumindest den Schein von Unabh\u00e4ngigkeit zu wahren, statt dem rechthaberischen Ex-Justizminister auch den mit weitaus mehr Selbstzweifeln ausgestatteten Ex-Innenminister Gerhart Baum einladen k\u00f6nnen, aber der w\u00e4re vermutlich unbequem geworden. Baum hatte den Film bereits vergangene Woche in der &#8222;Zeit&#8220; besprochen. Auch das im Prinzip ein mehr als fragw\u00fcrdiger Vorgang, denn nat\u00fcrlich ist das alles v\u00f6llig richtig, was Baum in der &#8222;Zeit&#8220; \u00fcber den Film schreibt. Zum Beispiel &#8222;keinerlei neue Erkenntnisse&#8220;. Oder &#8222;wichtige Zeitumst\u00e4nde bleiben ausgeblendet&#8220;. Ein sehr lesenswerter, aufrichtiger Text, dessen Reflexionsniveau man leider heutigen Entscheidern kaum zutraut. <\/p>\n<p>Aber er \u00e4ndert nichts daran, dass es prinzipiell falsch ist, Filme von solchen &#8222;Fachleuten&#8220; besprechen zu lassen, also von Menschen, die das Filmegucken gar nicht gewohnt sind. Man geht schon dadurch der Marketingkampagne solchen fiktionalen Historienkinos, man habe es mit etwas Authentischem zu tun, auf den Leim. So etwas machen \u00fcbrigens Redaktionen nur bei nur Filmthemen &#8211; tats\u00e4chlich ein Indiz f\u00fcr die Verachtung, die das Kino in den Medien immer noch genie\u00dft. Oder k\u00f6nnte man sich einen Opernredakteur vorstellen, der Neuinszenierungen von Mozarts Figaro von Fris\u00f6ren besprechen l\u00e4\u00dft? <\/p>\n<p>Und: Warum besprechen &#8211; wenn schon &#8211; \u00fcbrigens nur Ex-Minister und Opfer solche Sachen, keine Ex-Terroristen. Oder hat Brigitte Mohnhaupt abgelehnt? <\/p>\n<p>Rei\u00dferisch, fetzig und laut <\/p>\n<p>Auch sonst reagieren die Medien wieder mal \u00fcbertrieben, schlie\u00dfen von Quantit\u00e4t auf Qualit\u00e4t, und geraten mehrheitlich au\u00dfer Rand und Band. Die Sprache des Hype ist verr\u00e4terisch: &#8222;Gedeck kam aus RAF-Rolle kaum raus&#8220; schreibt die Netzzeitung. Hei\u00dft das, sie stand kurz vor dem Gang in den Untergrund? Kurbjuweit schreibt im &#8222;Spiegel&#8220;: &#8222;Bruno Ganz tr\u00e4gt einen Nadelstreifenanzug, ein T-Shirt, einen Schnauzbart. Hitler ist er \u00e4hnlicher als Herold.&#8220; Und so weiter. Vor lauter Erregung werden gute Journalisten zu schlechten Poeten. <\/p>\n<p>Und was f\u00fcr absurde Thesen da kursieren: Die &#8222;Rheinische Post&#8220; etwa versteigt sich zu der gewagten Behauptung, der Film &#8222;beginnt ein neues Kapitel in der Diskussion&#8220;, biete &#8222;die bislang schonungsloseste Abrechnung mit den M\u00f6rdern&#8220; &#8211; als sei Austs Buch frisch erschienen, als f\u00fcge dem der Film irgendetwas Neues hinzu. <\/p>\n<p>&#8222;Der Baader-Meinhof-Komplex&#8220; ist all die Aufregung und Aufmerksamkeit nicht wert &#8211; da gehen die Medien nur der Marketingmaschine auf den Leim. Der Film bietet nichts Neues, nicht einmal Spannung, denn man wei\u00df, wie es ausgeht. Damit man genau das nicht merkt, ist er rei\u00dferisch, fetzig und laut. <\/p>\n<p>Artikel-URL: http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/28\/28803\/1.html <\/p>\n<p>Mit einer neuen Stinkwaffe gegen Demonstranten<\/p>\n<p>Bachelor-Studium eine Sackgasse?<\/p>\n<p>H\u00f6hepunkt der Subprimekrise?<\/p>\n<p>Krise einer Religion<\/p>\n<p>Die Euphorie \u00fcber den Rettungsplan der US-Regierung ist schon wieder abgest\u00fcrzt<\/p>\n<p>Die Subprime-Krise<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Jahresplaner Wandkalender  <\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Mozilla Firefox Download, Erweiterungen, Themes &#038; Hilfe.  <\/p>\n<p> Kommentare:<\/p>\n<p>Aber die Kampagne von Springer gegen den Film ist auch sehr witzig (Europa2010 25.9.2008 13:14)<\/p>\n<p>H\u00e4?? SS und unschuldig? Wie geht das? -kwt- (PeSchu 25.9.2008 13:09)<\/p>\n<p>erwartungen &#038; vorurteile (frajo rolofs 25.9.2008 13:08)<\/p>\n<p>mehr&#8230;    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>heise online&#8230;s\u00fc\u00fc\u00fc\u00fcperbe..zum Filmstart von&#8230;na, was wohl&#8230;Eichinger-Komplex..<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-85459","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-femmedien","entry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>PRESSE-Schau: (Heise) &quot;Ab heute wird zur\u00fcckgefilmt&quot;\/9\/08 - Feminissima<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2008\/09\/25\/presse-schau-heise-ab-heute-wird-zurueckgefilmt-9-08\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"PRESSE-Schau: (Heise) &quot;Ab heute wird zur\u00fcckgefilmt&quot;\/9\/08 - 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