{"id":85452,"date":"2008-09-21T13:45:32","date_gmt":"2008-09-21T13:45:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=85452"},"modified":"2008-09-21T13:45:32","modified_gmt":"2008-09-21T13:45:32","slug":"supissima-tagesspiegel-ueber-romy-schneider-in-berlin-9-08","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2008\/09\/21\/supissima-tagesspiegel-ueber-romy-schneider-in-berlin-9-08\/","title":{"rendered":"SUPISSIMA: TAGESSPIEGEL \u00fcber ROMY Schneider in Berlin \/9\/08"},"content":{"rendered":"<p>Der Artikel: DIE SPAZIERG\u00c4NGERIN VOM K\u00d6NIGSSEE (auch  in Berlin gibt es einen K\u00f6nigssee, im Grunewald).<\/p>\n<p>Der Artikel von Andreas Conrad ist das BESTE und Konkreteste, das feminissima je \u00fcber Romy Schneider gelesen hat. Auch das dpa-Foto, das eine 19j\u00e4hrige Romy so ausgelassen lachend zeigt, mit Horst Buchholz, wie eine 19j\u00e4hrige erfolgreiche junge Schauspielerin lachen kann!<br \/>\nzeigt damit erstmals ein &#8222;un-elegisches&#8220;, und sehr realistisches Foto von Romy, das die nach ihrem Tod gestrickte Legende doch sichtbar durchbricht: ROMY konnte mit weit aufgerissenem Mund spontan lachen. Vielleicht  einer der gelungensten Schnappsch\u00fcsse. Nie zuvor gesehen. Heute im TAGESSPIEGEL, in der PRINT-Ausgabe und auch online. BRAVO! Endlich wieder ein< Herzenstext f\u00fcr  die Rubrik SUPISSIMA!!<br \/>Die Spazierg\u00e4ngerin vom KoenigsseeIn Berlin stand Romy Schneider erstmals vor der Kamera, drehte sie ihren letzten Film. Hier heiratete, wohnte und feierte sie Das Testament der Schauspielerin liegt bis heute im Amtsgericht Sch\u00f6neberg. Am 23. September w\u00e4re sie 70 Jahre alt geworden.<br \/>\nAnzeige<br \/>\n      Turtelt\u00e4ubchen. Romy mit Horst Buchholz auf der Berlinale 1957. &#8211; Foto: dpa <br \/>\nVon Andreas Conrad <br \/>\n21.9.2008<\/p>\n<p> Zum ersten Mal geschminkt! Komisches Gef\u00fchl: \u201eMir war so, als h\u00e4tte man mein Gesicht in Zellophanpapier eingepackt.\u201c Der 2. September 1953 war f\u00fcr die Internatssch\u00fclerin Rosemarie Albach der Wendepunkt zur gefeierten Schauspielerin, denn auch wenn sie sich noch nicht so nannte: An diesem Tag, als sie in den ehemaligen Ufa-Studios an der Tempelhofer Oberlandstra\u00dfe f\u00fcr Probeaufnahmen zum ersten Mal vor der Kamera stand, wurde sie zu Romy Schneider. \u201eEntsetzlich\u201c sei ihr zumute gewesen, schrieb die knapp 15-J\u00e4hrige am Abend ins Tagebuch, sie habe geglaubt, schrecklich zu schwitzen, was \u201enur Einbildung\u201c gewesen sei. Es wurde ja auch alles gut: \u201eFein, Romychen, fein haste det jemacht\u201c, habe Herr Deppe, der Regisseur, sie gelobt.<\/p>\n<p>Am Dienstag w\u00e4re Romy Schneider, die 1982 in Paris an Herzversagen starb, 70 Jahre alt geworden \u2013 ein Tag, der gerade in Berlin viele Erinnerungen an die Schauspielerin wiederaufleben l\u00e4sst. Hier entstanden die ersten Probeaufnahmen, hier drehte sie mehrere Filme, auch ihren letzten, \u201eDie Spazierg\u00e4ngerin von Sans-Souci\u201c. Und im Privatleben spielte die Stadt ebenfalls eine Hauptrolle, nicht immer unter einem guten Stern, wenngleich sie r\u00fcckblickend schrieb: \u201eIch habe dort die drei sch\u00f6nsten, gl\u00fccklichsten Jahre meines Lebens verbracht.\u201c<\/p>\n<p>Sie mit einer gro\u00dfen Stra\u00dfe, einem Platz zu ehren, ist Berlin Romy Schneider schuldig geblieben, nur in Haselhorst wurde 1997 eine Privatstra\u00dfe nach ihr benannt, wohl wegen der N\u00e4he zu Artur Brauners CCC-Studios, mit dem sie befreundet war und der drei ihrer Filme produziert hatte, darunter \u201eM\u00e4dchen in Uniform\u201c (1958), ihren ersten in Berlin gedrehten Film. Zu ihrem Deb\u00fct \u201eWenn der wei\u00dfe Flieder wieder bl\u00fcht\u201c waren nur die Probeaufnahmen hier entstanden, gedreht wurde in Wiesbaden. <\/p>\n<p>Romys graues Kost\u00fcm aus \u201eM\u00e4dchen in Uniform\u201c h\u00e4ngt immer noch auf einer Berliner Kleiderstange, im Fundus des Filmausstatters \u201eTheaterkunst\u201c in der Wilmersdorfer Eisenzahnstra\u00dfe, der bei drei Filmen dabei war. Man wird das Kleid wohl im Filmmuseum am Potsdamer Platz besichtigen k\u00f6nnen, wenn dort 2009, sp\u00e4ter als zun\u00e4chst angek\u00fcndigt, eine Romy-Schneider-Schau er\u00f6ffnet wird. Ein m\u00fchsames Gesch\u00e4ft, da es keinen geordneten Nachlass gebe, wie Kuratorin Daniela Sannwald die Lage umrei\u00dft. So muss sie sich die Schaust\u00fccke hier und da zusammensuchen, die Archive des Museums geben nicht viel her. Fotos gibt es immerhin genug, dazu Korrespondenz, mit Gert Fr\u00f6be oder dem Hollywood-Agenten Paul Kohner. Auch in den von der Akademie der K\u00fcnste verwalteten Nachl\u00e4ssen findet man einiges, und vielleicht gelangt ja aus dem Amtsgericht Sch\u00f6neberg das am 10. Mai 1982 in Z\u00fcrich geschriebene, hier hinterlegte Testament in die Ausstellung: \u201eIch bitte, alles was ich \u2013 Romy Schneider \u2013, besitze,: an Laurent P\u00e9tin und meine Tochter Sarah zu \u00fcberweisen \u2013 , \u2013 ich meine: es ist, nochmals gesagt, mein Testament \u2013 all mein Besitz, geh\u00f6rt, ist bestimmt f\u00fcr MR. Laurent P\u00e9tin und Sarah! Dies ist mein Wille meine Entscheidung \u2013 und bleibt. Romy Schneider.\u201c Die Zeilen zeugen ebenso von der labilen Seelenlage Romy Schneiders kurz vor ihrem Tod wie auch von v\u00f6lliger Fehleinsch\u00e4tzung ihrer finanziellen Lage. Zu erben war f\u00fcr ihren letzten Lebensgef\u00e4hrten und die aus zweiter Ehe stammende Tochter kaum noch etwas.<\/p>\n<p>Die Hochzeit mit ihrem Sekret\u00e4r Daniel Biasini hatte am 18. Dezember 1975 im Hotel Gerhus in der Brahmsstra\u00dfe stattgefunden, dem heutigen Schlosshotel im Grunewald. Vergeblich harrten damals viele Berliner vor dem Standesamt Friedenau der Ankunft des Brautpaares. Da die Schauspielerin Fieber hatte, war der Standesbeamte ins Hotel gekommen.<\/p>\n<p>Grunewald war schon f\u00fcr ihre erste Ehe mit Harry Meyen, Star des Berliner Boulevardtheaters, die wichtigste Adresse gewesen. Im Sommer 1966 hatte das junge Paar im s\u00fcdfranz\u00f6sischen St.-Jean-Cap Ferrat geheiratet, bereits am 3. Dezember wurde im Weddinger Rudolf-Virchow-Krankenhaus ihr Sohn David Christopher geboren. Nun wohnte die Kleinfamilie in einer gemieteten luxuri\u00f6sen Vier-Zimmer-Wohnung in der Winkler Stra\u00dfe 22, und die junge Mutter schob den Kinderwagen an den Ufern von Diana- und Koenigssee entlang.<\/p>\n<p>Gefunkt hatte es zwischen Romy und dem verheirateten Regisseur am 2. April 1965, dem Tag, als das Europacenter er\u00f6ffnet wurde. Hans Herbert Blatzheim, glamours\u00fcchtiger Gastronom und Stiefvater der Schauspielerin, betrieb dort eine ganze Reihe von Restaurants, hatte die ihm gegen\u00fcber eher distanzierte Romy beschwatzen k\u00f6nnen, aus Paris zur Feier zu kommen. Doch so st\u00fcrmisch die Leidenschaft zwischen der sch\u00f6nen Romy und dem flotten Harry auch begann \u2013 nach der Hochzeit und der Geburt des Sohnes verl\u00e4pperte sich die Liebe. 1975 wurde die schon lange zerr\u00fcttete Ehe geschieden.<\/p>\n<p>Schon vor und auch nach der denkw\u00fcrdigen Europacenter-Feier war Romy Schneider in Berlin ein vielbejubelter Partygast, bei Filmfestspielen, Filmb\u00e4llen, Premieren. Das Savoy-Hotel in der Fasanenstra\u00dfe und das heute als Altersheim genutzte Hotel am Steinplatz waren ihre bevorzugten Adressen, letzteres wurde in den Siebzigern sogar zum Schauplatz eines handfesten, in der Boulevardpresse gen\u00fcsslich ausgebreiteten Skandals. Romy Schneider war damals dem Schaub\u00fchnen-Star Bruno Ganz \u00fcberaus zugetan, den aber, als er sie einmal morgens um sechs besuchen wollte, der Portier abwies. Eine unsch\u00f6ne Szene folgte, das Glas der Eingangst\u00fcr ging zu Bruch \u2013 sp\u00e4ter einigte man sich au\u00dfergerichtlich.<\/p>\n<p>Wiederholt kam Romy Schneider auch zu Dreharbeiten in die Stadt, etwa 1966 zu \u201eSchornstein 4\u201c oder zehn Jahre sp\u00e4ter zu der B\u00f6ll-Verfilmung \u201eGruppenbild mit Dame\u201c, die ihr den Bundesfilmpreis in Gold eintrug, den sie aber, erneut schwanger, nicht selbst aus Berlin abholte.<\/p>\n<p>Auch ihr letzter Film, \u201eDie Spazierg\u00e4ngerin von Sans-Souci\u201c \u2013 der Titel zielt auf ein Emigrantenlokal im Paris der sp\u00e4ten drei\u00dfiger Jahre \u2013 entstand in Berlin. Fast w\u00e4re er nicht mehr zustande gekommen: Erst wurde Romy Schneider im Fr\u00fchsommer 1981 eine Niere entfernt, dann starb einen Monat sp\u00e4ter ihr 14-j\u00e4hriger Sohn David Christopher. Er war beim \u00dcberklettern eines schmiedeeisernen Zaunes abgerutscht und hatte sich aufgespie\u00dft. <\/p>\n<p>Romy Schneider zog sich zur\u00fcck, war unerreichbar, schon wollte der franz\u00f6sische Partner das Projekt kippen, aber Artur Brauner wehrte sich, lie\u00df die Kulissen stehen, bestand darauf, vor einer Entscheidung mit Romy zu sprechen. Irgendwann rief sie ihn an: \u201eArtur, ich werde wahnsinnig. Ich muss arbeiten, ich will den Film machen.\u201c So wurden die Figuren der Elsa und der Lina zu den letzten Rollen Romy Schneiders. Man schirmte sie bei den Dreharbeiten v\u00f6llig ab, den Film widmete sie dann im Vorspann David Christopher und seinem Vater Harry Meyen, der sich 1979 das Leben genommen hatte. Und wenn sie auch bei der Arbeit diszipliniert war wie gewohnt, muss sie der Schmerz fast zerrissen haben: Ihr Filmpartner Wendelin Werner, der j\u00fcdische Junge Max, den die Emigrantin Elsa in Paris wie eine Mutter betreut, war fast im gleichen Alter wie ihr so tragisch ums Leben gekommener Sohn. Die Tr\u00e4nen, die sie vor der Kamera vergoss, waren nicht gespielt.<\/p>\n<p>(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.09.2008) <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Artikel: DIE SPAZIERG\u00c4NGERIN VOM K\u00d6NIGSSEE (auch  in Berlin gibt es einen K\u00f6nigssee, im Grunewald).<\/p>\n<p>Der Artikel von Andreas Conrad ist das BESTE und Konkreteste, das feminissima je \u00fcber Romy Schneider gelesen hat. 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