{"id":85088,"date":"2008-04-03T18:54:33","date_gmt":"2008-04-03T18:54:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=85088"},"modified":"2008-04-03T18:54:33","modified_gmt":"2008-04-03T18:54:33","slug":"buecher-2-x-ueber-sogenannte-eliten-2-autorinnen-2-standpunkte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2008\/04\/03\/buecher-2-x-ueber-sogenannte-eliten-2-autorinnen-2-standpunkte\/","title":{"rendered":"B\u00fccher: 2 x \u00fcber sogenannte &#8222;Eliten&#8220;, 2 Autorinnen\/2 Standpunkte"},"content":{"rendered":"<p>Julia Friedrichs, Jahrgang 1979,<br \/>iF\u00fcr ihr Buch &#8222;Gestatten: Elite&#8220; ist sie herumgereist &#8222;auf den Spuren der M\u00e4chtigen von morgen&#8220;. Das Buch ist schnell in die Bestseller- Listen gelangt. Sie schreibt: &#8222;Die Renaissance des Elitebegriffs f\u00e4llt in die Schr\u00f6der-\u00c4ra und in die Zeit des wirtschaftlichen Abschwungs.&#8220; In den Jahren der rot-gr\u00fcnen Regierung habe &#8222;die Zahl der Diskussionen, in denen man Nachkriegstabus brach&#8220; zugenommen.<br \/>\nDamit auf den Punkt gebracht, was feminissima in all den letzetn Jahren \u00fcber EX-Rot-Gr\u00fcn geschrieben hat, atmosph\u00e4risch: Die Werte-Abbauer, die Sozial-Verr\u00e4ter&#8230;<\/p>\n<p> Zwei Mal &#8222;Elite&#8220;-Diskussion<br \/>\nB\u00fccher mit Zeug zum Bestseller<\/p>\n<p>Elite? Das Wort stammt vom lateinischen &#8222;eligere&#8220;, was so viel wie &#8222;ausw\u00e4hlen&#8220; bedeutet. In Deutschland war der Begriff lange Zeit wegen der Nazis und ihrer Ideologie der Auslese belastet. Doch seit einiger Zeit wird in Deutschland wieder offener von &#8222;Eliten&#8220; gesprochen. In ihren B\u00fcchern haben zwei Journalistinnen den Begriff nun beleuchtet. Was steckt heute in Deutschland hinter ihm oder sollte hinter ihm stecken? Das Thema ist nicht zuletzt auch aktuell wegen der Debatte um Steueraff\u00e4ren in Million\u00e4rs-Kreisen und anhaltender Diskussionen um das deutsche Bildungssystem. <\/p>\n<p>F\u00fcr Heike Schmoll, eine Redakteurin der &#8222;Frankfurter Allgemeinen Zeitung&#8220; (FAZ), ist &#8222;Elite&#8220; ein &#8222;Kampfbegriff&#8220;. Sie hat ein &#8222;Lob der Elite&#8220; verfasst. Sie schreibt, &#8222;warum wir sie brauchen&#8220;. Die junge Autorin Julia Friedrichs, Jahrgang 1979, hat einen anderen Ansatz. F\u00fcr ihr Buch &#8222;Gestatten: Elite&#8220; ist sie herumgereist &#8222;auf den Spuren der M\u00e4chtigen von morgen&#8220;. Das Buch ist schnell in die Bestseller- Listen gelangt. Sie schreibt: &#8222;Die Renaissance des Elitebegriffs f\u00e4llt in die Schr\u00f6der-\u00c4ra und in die Zeit des wirtschaftlichen Abschwungs.&#8220; In den Jahren der rot-gr\u00fcnen Regierung habe &#8222;die Zahl der Diskussionen, in denen man Nachkriegstabus brach&#8220; zugenommen. Sie spricht von einem &#8222;&#8220;Das-wird-man-doch-mal-langsam-wieder-sagen- d\u00fcrfen&#8220;-Gef\u00fchl&#8220;. <\/p>\n<p>Reiche Parallelwelt <\/p>\n<p>Die junge Autorin war unterwegs und schaute sich den (meist selbst ernannten) Nachwuchs der bundesrepublikanischen Elite an. Die Eindr\u00fccke ihrer Reportage-Besuche bei Elite-Internaten, -Hochschulen oder einer Beraterfirma sind f\u00fcr sie desillusionierend. Zwar traf sie leistungswillige, freundliche und intelligente Menschen. Doch ist sie irritiert von jungen Leuten, die starr auf Karriere, Status und Geld blicken und dabei oft absch\u00e4tzig auf sogenannte Minderleister schauen. Als solche gelten dann Menschen, die weniger als 70 Stunden pro Woche arbeiten oder arbeitslos sind. Die Autorin macht aus ihrem Unbehagen \u00fcber die Parallelwelten dieser Reichen keinen Hehl. <\/p>\n<p>Lehrertochter Friedrichs traf sich auch mit dem Soziologen und Eliteforscher Michael Hartmann. Er hat anhand der Untersuchung tausender Lebensl\u00e4ufe festgestellt: in Deutschland bestimmen nicht allein Qualifikation und Leistung \u00fcber den Aufstieg &#8211; so wie es vielleicht fairerweise sein sollte. Es ist viel \u00f6fter die soziale Herkunft. &#8222;Das Elternhaus beeinflusst den Zugang zur deutschen Elite ganz direkt.&#8220; Eltern, die es sich leisten k\u00f6nnen, zahlen daf\u00fcr, dass ihre Spr\u00f6sslinge in die richtigen Zirkel und Netzwerke gelangen. Auf diese Weise kommt der Nachwuchs der Reichen zur richtigen Zeit an den richtigen Ort. Das Unter-sich-Bleiben wird gesichert. <\/p>\n<p>Auch wenn der Titel vom &#8222;Lob der Elite&#8220; anderes vermuten lassen k\u00f6nnte: das Buch der FAZ-Bildungsexpertin Heike Schmoll ist kein Blanko-Scheck f\u00fcr die deutsche Oberschicht. Schmoll sieht in Deutschland vielmehr allerhand &#8222;Lobbyistentum&#8220; und &#8222;teilweise ausgepr\u00e4gte Vetternwirtschaft&#8220;. &#8222;Wegen der Zersplitterung der Eliten ist es in Deutschland \u00fcblich geworden, dass Eliten eher \u00fcbereinander reden als miteinander.&#8220; <\/p>\n<p>&#8222;Pseudo-Eliten&#8220; <\/p>\n<p>Ausf\u00fchrlich widmet sie sich Frankreich und stellt fest: &#8222;W\u00e4hrend die Franzosen zu wissen scheinen, dass auch &#8222;global players&#8220; \u00fcber eine ausgepr\u00e4gte nationale Identit\u00e4t verf\u00fcgen m\u00fcssen, ergreift in Deutschland das allgemeine Gefasel von Internationalisierung und Globalisierung alle von der Wissenschaft bis zur Wirtschaft&#8230;&#8220;. <\/p>\n<p>Viele Politiker kommen bei Schmoll ebenfalls nicht gut weg, etwa wenn sie &#8222;Pseudo-Eliten an Exzellenz-Hochschulen&#8220; schaffen oder europaweit Abschl\u00fcsse wie den Bachelor einf\u00fchren. Schmoll pl\u00e4diert f\u00fcr mehr nationales Selbstbewusstsein. Dazu bietet sie viel theoretisches R\u00fcstzeug. Ihr patriotischer Elitebegriff wird zudem mit historischen Exkursen unterf\u00fcttert. <\/p>\n<p>Gew\u00f6hnt, FAZ-Leitartikel zu verfassen, zielt Schmolls Werk vor allem auf den Kopf des Lesers. Friedrichs&#8216; Buch ist im Gegensatz dazu oftmals aus dem Bauch heraus geschrieben und viel emotionaler. Beide B\u00fccher k\u00f6nnen einander erg\u00e4nzen, wenn einen das aufw\u00fchlende Thema interessiert. <\/p>\n<p>Quelle:<br \/>\nVon Gregor Tholl, dpa <\/p>\n<p>Julia Friedrichs: Gestatten: Elite. Auf den Spuren der M\u00e4chtigen von morgen. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 255 S., Euro 17,95, ISBN 978-3-455-50051-6 <\/p>\n<p>Heike Schmoll: Lob der Elite. Warum wir sie brauchen. Verlag C.H. Beck, M\u00fcnchen, 173 S., Euro 17,90, ISBN 978-3-406-57028-5 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Julia Friedrichs, Jahrgang 1979,<br \/>iF\u00fcr ihr Buch &#8222;Gestatten: Elite&#8220; ist sie herumgereist &#8222;auf den Spuren der M\u00e4chtigen von morgen&#8220;. Das Buch ist schnell in die Bestseller- Listen gelangt. 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