{"id":85073,"date":"2008-04-14T19:56:11","date_gmt":"2008-04-14T19:56:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=85073"},"modified":"2008-04-14T19:56:11","modified_gmt":"2008-04-14T19:56:11","slug":"lmu-wie-der-koerper-autoimmunreaktionen-verhindert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2008\/04\/14\/lmu-wie-der-koerper-autoimmunreaktionen-verhindert\/","title":{"rendered":"LMU: Wie der K\u00f6rper Autoimmunreaktionen verhindert."},"content":{"rendered":"<p>Wie der K\u00f6rper Autoimmunreaktionen verhindert &#8211; M\u00f6glicher Ansatzpunkt auch f\u00fcr Tumortherapien <br \/>\nLuise Dirscherl, Referat Kommunikation und Presse<br \/>\nLudwig-Maximilian-Universit\u00e4t M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>14.04.2008  <\/p>\n<p>Diabetes mellitus Typ 1, Schuppenflechte, Multiple Sklerose und auch bestimmte Formen des Haarausfalls: Die Liste der Autoimmunerkrankungen des Menschen lie\u00dfe sich lange fortsetzen. In all diesen F\u00e4llen richtet sich die Abwehrreaktion des Organismus gegen k\u00f6rpereigene Zellen oder Gewebe. Als Ursache der fehlgerichteten Immunreaktion werden entsprechende genetische Anlagen in Kombination mit Umweltfaktoren vermutet. Verantwortlich f\u00fcr den Angriff sind dann in erster Linie f\u00fcr die Immunabwehr wichtige Abwehrfaktoren, die T-Zellen. Im gesunden K\u00f6rper werden sie, wenn sie auf k\u00f6rpereigene Strukturen reagieren, in der Thymusdr\u00fcse vernichtet. Ein internationales Forscherteam um Professor Thomas Brocker, Institut f\u00fcr Immunologie der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t (LMU) M\u00fcnchen, konnte nun einen weiteren Mechanismus zur Pr\u00e4vention nachweisen. Wie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift &#8222;Immunity&#8220; berichtet, findet in den Lymphknoten und der Milz best\u00e4ndig eine Art Qualit\u00e4tskontrolle statt, die sicherstellt, dass keine Abwehrreaktion gegen k\u00f6rpereigene Strukturen entsteht. &#8222;Dieser Befund k\u00f6nnte die Grundlage f\u00fcr neue Behandlungen gegen Autoimmunerkrankungen sein, m\u00f6glicherweise aber auch Tumortherapien effektiver gestalten&#8220;, so Brocker.<br \/>\nAutoreaktive T-Zellen hei\u00dfen die Immunfaktoren, die auf k\u00f6rpereigene Strukturen reagieren und diese wie gef\u00e4hrliche Krankheitserreger bek\u00e4mpfen. Ohne Behandlung k\u00f6nnen manche dieser Abwehrreaktionen zur Zerst\u00f6rung von Organen und auch zum Tode f\u00fchren. Die T-Zellen geh\u00f6ren zu den wei\u00dfen Blutk\u00f6rperchen und werden im Knochenmark gebildet. Ein Molek\u00fcl an ihrer Oberfl\u00e4che, der T-Zell-Rezeptor, erkennt hochspezifisch eine andere molekulare Struktur, das so genannte Antigen, und dockt daran an. Weil die Rezeptoren mit ihrer F\u00e4higkeit zur Antigenerkennung aber nicht zielgerichtet, sondern zuf\u00e4llig produziert werden, m\u00fcssen die T-Zellen in einem nachfolgenden Schritt sortiert werden. Die Selektion findet im Thymus statt. Dieses zweilappige Organ liegt im oberen Bereich des Brustkorbs und testet jede einzelne T-Zelle: Gef\u00e4hrliche Einzelg\u00e4nger, die m\u00f6glicherweise eine Abwehrreaktion gegen k\u00f6rpereigenes Material provozieren k\u00f6nnten, werden dabei vernichtet.<\/p>\n<p>T-Zellen werden aber auch noch ein zweites Mal getestet, und zwar in den peripheren lymphatischen Organen des K\u00f6rpers: Es sind vor allem die Lymphknoten und die Milz, in denen diese st\u00e4ndige Qualit\u00e4tskontrolle abl\u00e4uft. Zust\u00e4ndig daf\u00fcr sind die dendritischen Zellen. Diese hochspezialisierte Zellart ist auch beteiligt an der so genannten Antigenpr\u00e4sentation. Dabei werden Antigene &#8211; also fremde oder k\u00f6rpereigene Molek\u00fcle &#8211; den T-Zellen gezeigt, so dass diese gegebenfalls darauf reagieren k\u00f6nnen. Die dendritischen Zellen wandern aber auch aus Geweben und Organen, etwa Magen, Darm, Bauchspeicheldr\u00fcse, Lunge und Haut, kontinuierlich in die Lymphknoten ein und bringen dabei Gewebsmaterial mit. Die k\u00f6rpereigenen Proteine werden dort dann auf geeignete Weise den T-Zellen pr\u00e4sentiert. &#8222;Wenn die Immunzellen spezifisch k\u00f6rpereigene Proteine erkennen k\u00f6nnen, sind sie potentiell gef\u00e4hrlich und werden inaktiviert oder abget\u00f6tet&#8220;, sagt Brocker. &#8222;Dieser Mechanismus neutralisiert also T-Zellen unseres K\u00f6rpers, die das Potential besitzen, k\u00f6rpereigene Proteine zu erkennen und etabliert auf diesem Weg eine lebenswichtige periphere Toleranz.&#8220;<\/p>\n<p>M\u00f6glich ist dies unter anderem dank der F\u00e4higkeit der dendritischen Zellen zur Kreuzpr\u00e4sentiation: Sie k\u00f6nnen also mit Hilfe spezieller Mechanismen k\u00f6rpereigene Gewebsproteine aufnehmen, diese von den Geweben in die Lymphorgane transportieren und dort den so genannten Killer-T-Zellen pr\u00e4sentieren. F\u00fcr die vorliegende Arbeit erzeugten die Forscher genetisch ver\u00e4nderte M\u00e4use, deren dendritische Zellen gezielte Defekte bei der Aufnahme und Kreuzpr\u00e4sentation von k\u00f6rpereigenen Proteinen zeigen. &#8222;In diesen Tieren blieb die periphere Toleranzinduktion aus&#8220;, berichtet Brocker. &#8222;Damit konnten autoreaktive T-Zellen akkumulieren und Autoimmunerkrankungen induzieren. Unsere Befunde zeigen erstmals, dass dieser aktive Prozess im Optimalfall T-Zellen entsch\u00e4rft und so das Entstehen von Autoimmunerkrankungen verhindert &#8211; und dass dendritische Zellen dabei eine zentrale Rolle spielen. Andererseits erkl\u00e4rt dies auch, warum es so schwer ist, eine Immunantwort gegen Tumoren zu erzeugen: Diese bestehen schlie\u00dflich vornehmlich aus k\u00f6rpereigenem Material. Letztlich k\u00f6nnten unsere Ergebnisse also zu neuen Behandlungen von Autoimmunantworten f\u00fchren, m\u00f6glicherweise aber auch zur Verbesserung von Tumortherapien.&#8220; <\/p>\n<p>Publikation: <br \/>\n&#8222;Constitutive Crossrepresentation of Tissue-Antigens by Dendritic Cells Controls CD8+ T Cell Tolerance In Vivo&#8220;, <br \/>\nNancy Luckashenak, Samira Schroeder, Katrin Endt, Darja Schmidt, Karsten Mahnke, Martin F. Bachmann, Peggy Marconi, Cornelia A. Deeg, and Thomas Brocker,<br \/>\nImmunity, Bd. 28, Ausgabe 4, 11. April 2008,<br \/>\nDOI: 10.1016\/; PII<\/p>\n<p>Ansprechpartner: <br \/>\nProfessor Dr. Thomas Brocker<br \/>\nInstitut f\u00fcr Immunologie der LMU<br \/>\nTel.: 089 \/ 2180 &#8211; 75674 <br \/>\nFax: 089 \/ 2180 &#8211; 9975674<br \/>\nE-Mail: brocker@lmu.de<br \/>\nWeb: http:\/\/immuno.web.med.uni-muenchen.de <\/p>\n<p>\nURL dieser Pressemitteilung: http:\/\/idw-online.de\/pages\/de\/news255315<\/p>\n<p>Merkmale dieser Pressemitteilung:<br \/>\nBiologie und Biotechnologie, Chemie und Biochemie, Medizin und Gesundheitswissenschaften <br \/>\n\u00fcberregional<\/p>\n<p>Forschungsergebnisse, Forschungs-\/Wissenstransfer <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie der K\u00f6rper Autoimmunreaktionen verhindert &#8211; M\u00f6glicher Ansatzpunkt auch f\u00fcr Tumortherapien <br \/>\nLuise Dirscherl, Referat Kommunikation und Presse<br \/>\nLudwig-Maximilian-Universit\u00e4t M\u00fcnchen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-85073","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-femgesundheit","entry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - 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