{"id":84982,"date":"2007-10-15T00:05:21","date_gmt":"2007-10-15T00:05:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=84982"},"modified":"2007-10-15T00:05:21","modified_gmt":"2007-10-15T00:05:21","slug":"presse-mord-ohne-leiche-nizza-taeter-nach-30-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2007\/10\/15\/presse-mord-ohne-leiche-nizza-taeter-nach-30-jahren\/","title":{"rendered":"PRESSE:  Mord ohne Leiche. Nizza. T\u00e4ter nach 30 Jahren&#8230;?"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: sz-online.<br \/>Nizza:<\/p>\n<p>R\u00e4tselhafter Casinomord<\/p>\n<p>Er hatte nicht gestanden, es gab keine Leiche, und niemand kann sagen, wann und wo der Mord geschehen ist. Dennoch wurde 30 Jahre nach dem Verschwinden einer Millionenerbin ihr Ex-Geliebter zu zwanzig Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt.<\/p>\n<p>Von Gerd Kr\u00f6ncke  <\/p>\n<p>Das Motiv des T\u00e4ters: Geld<\/p>\n<p>An Allerheiligen 1977 kurz vor zw\u00f6lf Uhr mittags wurde die Millionenerbin Agn\u00e8s Le Roux zum letzten Mal in Nizza gesehen. Die junge sch\u00f6ne Frau geh\u00f6rte zu jener Dynastie, die das Casino Ruhl betrieb und es war die Zeit, als das Casino Ruhl und die Konkurrenz, Le Palais de la M\u00e9dit\u00e9rran\u00e9e, um die Vorherrschaft in Nizza k\u00e4mpften. Agn\u00e8s Le Roux blieb f\u00fcr immer verschwunden. <\/p>\n<p>\nVorige Woche wurde in Aix-en-Provence ihr damaliger Geliebter, Maurice Agnelet, 68j\u00e4hrig, wegen Mordes zu zwanzig Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt. Er hatte nicht gestanden, es gab keine Leiche, und niemand kann sagen, wann, wo und wie der Mord geschehen ist. Nur ein Motiv gab es: Geld. Zw\u00f6lf Geschworene und drei Richter waren sich einig, dass Maurice Agnelet schuldig ist.<\/p>\n<p>\nEs war schon der dritte Prozess, zweimal zuvor war der Mann davongekommen: einmal, in den achtziger Jahren, wurde das Verfahren eingestellt, voriges Jahr hatte es einen glatten Freispruch gegeben. Die Fakten blieben stets dieselben. Als das Urteil gesprochen wurde, weinte Ren\u00e9e Le Roux Tr\u00e4nen der Erleichterung. <\/p>\n<p>\nDie mittlerweile 86j\u00e4hrige Mutter der Verschwundenen hatte drei\u00dfig Jahre auf diesen Augenblick hingelebt. Sie hatte schon bald nach dem Verschwinden ihrer Tochter Anzeige erstattet, aber anfangs hatte sich die Justiz noch blind und taub gestellt. Niemand traute sich, gegen den Ehrenmann &#8211; Freimaurer mit besten Verbindungen und Vorsitzender der Liga f\u00fcr Menschenrechte &#8211; vorzugehen. Nun hat Madame Le Roux doch noch sp\u00e4te Genugtuung erfahren.<\/p>\n<p>\nMaurice Agnelet, in einem sandfarbenen Pullover und kariertem Jackett, ein noch immer eleganter Herr, l\u00e4chelte vage und als er abgef\u00fchrt wurde, hob er leicht die H\u00e4nde, als wollte er seinen S\u00f6hnen im Zuschauerraum Mut machen. &#8222;Ich habe Agn\u00e8s Le Roux nicht get\u00f6tet, ich habe nichts mit ihrem Verschwinden zu tun, ich bin unschuldig an allem, was man mir seit drei\u00dfig Jahren vorwirft&#8220;, hatte sein Schlusswort gelautet.<\/p>\n<p>Es war ihm keine Regung anzumerken, vielmehr pflegte er bis zuletzt eine Attit\u00fcde, die von vielen Prozessbeobachtern als unglaublich arrogant empfunden wurde. Er war als freier Mann zum Prozess gekommen und immer wirkte er merkw\u00fcrdig desinteressiert. Aber wie reagiert denn ein Unschuldiger und kann Arroganz als Beleg f\u00fcr Schuld gelten?<\/p>\n<p>Im Krieg der Casinos war die Tochter der Ruhl-Besitzerin, seine Geliebte, von der Gegenseite mit drei Millionen Francs bestochen worden, damit sie der \u00dcbernahme zustimmte. Maurice Agnelet, der auch ihr Anwalt war, hatte den Deal eingef\u00e4delt. Es war viel Geld, mehr als die pure Umrechnung (knapp eine halbe Million Euro) heute ausweist. Gemeinsam brachte man es in die Schweiz, auf ein Konto, zu dem beide Zugang hatten.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter sollte eine Rolle spielen, dass Agnelet f\u00fcr die Nacht vom 27. auf den 28.Oktober ein Alibi hatte. Eine zweite Geliebte bezeugte, er sei mit ihr zusammengewesen. Er ging nach Kanada, heiratete zum Schein eine Kanadierin, um an neue Papier zu kommen, lie\u00df sich bald wieder scheiden. Zur\u00fcck in Frankreich nahm er die zweite Geliebte zur Frau, die ihrerseits erst nach der Scheidung gestand, dass das Alibi falsch war.<\/p>\n<p>\nSp\u00e4te Genugtuung<\/p>\n<p>\nGegen Agnelet hatte von Anfang an gesprochen, wie wenig ihn das Verschwinden der Millionenerbin zu ber\u00fchren schien. Dass er von dem Geld auf dem Schweizer Konto profitiert hatte, konnte er nicht bestreiten, daf\u00fcr wurde er bereits Anfang der Neunziger Jahre zu einer Gef\u00e4ngnisstrafe verurteilt. Weil aber Agn\u00e8s\u2019 Mutter nicht aufgab, sich die besten Anw\u00e4lte nahm, kam er nie zur Ruhe. &#8222;Der Zweifel darf wohl zugunsten des Angeklagten sprechen&#8220;, sagte der Anwalt Herv\u00e9 Temime bei der Verhandlung in Aix-en-Provence, &#8222;nicht aber sein Zynismus&#8220;.<\/p>\n<p>\u00dcber die Jahre waren keine neuen Beweise hinzugekommen. Bekannt waren immer schon die f\u00fcnf, sechs kryptischen Notizen, handschriftlich in einem Band von Ernest Hemingway (&#8222;Wem die Stunde schl\u00e4gt&#8220;): &#8222;17mai 1977, PM-PV, Genf, Freundschaft&#8220;. Das war der Tag, als in Genf die Millionen eingezahlt wurden, und PM-PV sind die Initialen des Casinos Palais M\u00e9dit\u00e9ran\u00e9e. Die letzte, geschrieben am Tag nach dem Verschwinden von Agn\u00e8s Le Roux: &#8222;Neue Verwendung in Sachen PM-PV. Freiheit.&#8220; Die Freiheit w\u00e4hrte Jahrzehnte.<\/p>\n<p>Die Anw\u00e4lte des Mannes, den man nun ungestraft den M\u00f6rder der Agn\u00e8s Le Roux nennen darf, sind \u00fcberzeugt, dass das Urteil keinen Bestand haben wird. &#8222;So lange man nicht beantworten kann, wo das Verbrechen stattgefunden hat und wie es ausgef\u00fchrt wurde, so lange bleiben Zweifel&#8220;, sagt der Anwalt, der nat\u00fcrlich in die Berufung geht. Ein Bruder der Verschwundenen beklagt, dass Maurice Agnelet offenbar f\u00fcr immer f\u00fcr sich behalten will, wo die Leiche geblieben ist: &#8222;Das bleibt sein zynisches Geheimnis.&#8220;<\/p>\n<p>Kommentare:<\/p>\n<p>14.10.2007 22:27:40 <\/p>\n<p>Norbert M\u00fcller: Urteilt man in Frankreich auch im Namen des Volkes ? <\/p>\n<p>Wenn ich das richtig kapiere, f\u00e4llt ja schwer, dann gibt es keine Leiche, keinen Tatort, keinen Zeugen, keine Spur, es gibt garnichts, au\u00dfer einem unangenehmen Menschen, dem man etwas in die Hacken schieben will. Undf aufgrund dessen verurteilt man den Unangenehmen, er h\u00e4tte jemanden ermordet, ob das Opfer tot ist oder noch lebt, wei\u00df man nicht, wo das geschehen sein soll wei\u00df man nicht, ob \u00fcberhaupt etwas passiert ist wei\u00df man auch nicht, Zeugen befragen geht nicht, wei\u00df man ja keinen und Spuren gibt es auch nicht. Also im Namen des Volkes schuldig. Wer, die Richter wegen Freiheitsberaubung ? <\/p>\n<p>\nAlso so einen bl\u00f6den Roman hat noch niemand geschrieben, da so etwas ja keiner glauben w\u00fcrde, dass es so etwas gibt.Dann m\u00fc\u00dfte man doch mal. <\/p>\n<p>14.10.2007 19:56:50 <\/p>\n<p>dekla: vorsicht, auch in der ehe <\/p>\n<p>es gibt immer vorzeichen f\u00fcr solche gewalttaten, wenn man allerdings vor diesen vorzeichen die augen verschliesst, dann kann es zu diesem ende f\u00fchren. auch seinen <\/p>\n<p>\npartner muss man im auge behalten, <\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: sz-online.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-84982","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-femrecht","entry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>PRESSE: Mord ohne Leiche. 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