{"id":84916,"date":"2007-08-12T11:15:56","date_gmt":"2007-08-12T11:15:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=84916"},"modified":"2007-08-12T11:15:56","modified_gmt":"2007-08-12T11:15:56","slug":"verbrannte-erde-der-rechte-asta-tu-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2007\/08\/12\/verbrannte-erde-der-rechte-asta-tu-berlin\/","title":{"rendered":"VERBRANNTE ERDE: der rechte ASTA ,TU BERLIN"},"content":{"rendered":"<p>&#8230;von  wegen Bildung&#8230;<\/p>\n<p>hier ein unbedingt lesenswerter Artikel von spiegel-online, zu dem was hinter den Toren\/T\u00fcren&#8230;es geht um den Verkauf einer herrlichen alten HEIDELBERGER-Druckmaschine, als die Rechten mal ein Jahr lang in den ASTA gew\u00e4hlt worden waren&#8230;ausgerechnet in Berlin.<\/p>\n<p>Ist auch nicht mehr, was es mal war!<\/p>\n<p>Der Tag, an dem die Asta-Druckerei verschwand<\/p>\n<p>Von Markus Flohr<\/p>\n<p>Sie drohen einander, kloppen sich, mauern T\u00fcren zu. Unter den Studenten der Technischen Universit\u00e4t Berlin tobt ein bitterer Polit-Streit, seit der Asta ein Jahr lang von den Konservativen gestellt wurde. Im Zentrum des Knatsches: Eine 20 Jahre alte Druckmaschine.<\/p>\n<p>F\u00fcr Gottfried Ludewig war der 30. Juli ein guter Tag: Er stand in der Einfahrt vor dem Asta-Geb\u00e4ude und sah einem Mann im blauen Overall bei der Arbeit zu. Der wuchtete eine Maschine, so gro\u00df wie ein Kleinwagen, auf einen Bock und schob sie mit seinem Kollegen vorsichtig weg. Auf der Stra\u00dfe parkte der Lastwagen der Firma &#8222;Stoppel-Umz\u00fcge&#8220;. &#8222;20, 30, 40 Jahre linke Mauschelei werden da abtransportiert&#8220; &#8211; etwas in der Art mag dem konservativen Asta-Vorsitzenden Ludewig durch den Kopf geschossen sein.<\/p>\n<p>POLIT-STREIT AN DER BERLINER TU: &#8222;DIE ASTA-DRUCKEREI MUSS WEG&#8220;<\/p>\n<p>   Fotostrecke starten: Klicken Sie auf ein Bild (5 Bilder)<\/p>\n<p>Die Maschine &#8211; ein zwanzig Jahre alter Drucker der Firma Heidelberg &#8211; war das Herz der Asta-Druckerei an der Technischen Universit\u00e4t Berlin. Auf ihr hatten die Studenten seit Anfang der achtziger Jahre alles gedruckt, was in ihrer Arbeit so anfiel &#8211; &#8222;und noch einiges mehr&#8220;, so Gottfried Ludewig. Die Druckerei sei von den ehemaligen Asten benutzt worden um linke Gruppen, die nichts mit der Uni zu tun haben, mit Propaganda-Material zu versorgen. <\/p>\n<p>Ludewig war ein Jahr lang der Vorsitzende der Studenten-Vertretung. Das ist etwas Besonderes, denn er ist Mitglied des Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) der CDU-Studenten-Vereinigung. Und einen RCDS-Asta, einen rechten Asta, gab es in Berlin seit 40 Jahren nicht. Damals war es der sp\u00e4tere B\u00fcrgermeister Eberhard Diepgen, der f\u00fcr die Konservativen gew\u00e4hlt wurde. Er verlor zwei Wochen nach Antritt wieder sein Amt.<\/p>\n<p>Gottfried Ludewig und seine RCDS-Kollegen haben an der TU eine ganze Amtszeit durchgehalten. Bundesweit kommt es eher selten vor, dass die Rechten die Linken an der Uni in die Opposition schicken. An zwanzig Asten ist der RCDS beteiligt, meist in Koalition mit der Liberalen Hochschulgruppe.<\/p>\n<p>Ein Ausrufezeichen setzen <\/p>\n<p>Vordergr\u00fcndig geht es im Kampf um die Druckerei der TU um einen 20 Jahre alten Drucker, eine Schneidemaschine und ein paar Farbeimer. Tats\u00e4chlich tragen die Studenten in Berlin einen Kulturkampf aus, der \u00fcberall dort tobt, wo der RCDS nach l\u00e4ngerer Vorherrschaft linker Gruppen an die Macht kommt. Es ist immer das gleiche Lied: Es sei gekungelt und gemauschelt worden, sagen die RCDS-Vertreter. Sie geben sich als Aufr\u00e4umer und streichen, wo es nur geht. <\/p>\n<p>Die pl\u00f6tzlich in der Opposition sitzenden Linken meckern zur\u00fcck: Sie sind pl\u00f6tzlich von Finanzen abgeschnitten, die sie lange Zeit f\u00fcr politische Aktivit\u00e4ten innerhalb und auch au\u00dferhalb der Universit\u00e4t benutzt hatten. An der TU gab der Asta pro Semester bei rund 27.000 Studenten und einer Asta-Abgabe zwischen sechs und sieben Euro einen Etat zwischen 300.000 und 400.000 Euro aus.<\/p>\n<p>Bei den diesj\u00e4hrigen Wahlen zum Studenten-Parlament sind Gottfried Ludewig und seine RCDS-Kollegen wieder abgew\u00e4hlt worden. Das Wahl-Ergebnis ist bisher nur vorl\u00e4ufig, aber Ludewig rechnet nicht mit einer weiteren Amtszeit. Mit der Abtransport-Aktion am Vormittag des 30. Juli wollten die RCDS-Leute noch einmal ein Ausrufezeichen setzen.<\/p>\n<p>Geschubse im Studenten-Parlament <\/p>\n<p>Die Druckerei des TU-Astas spielte in der Infrastruktur der linken Szene Berlins eine wichtige Rolle: Viele politische Gruppen aus dem studentischen Milieu druckten ihre Flugbl\u00e4tter, Plakate und Info-Brosch\u00fcren. &#8222;Klar wurden hier linke Sachen gedruckt. Es war ja auch mal ein linker Asta&#8220;, sagt Finanzreferent Martin Mallwitz. Er war ein Jahr lang der einzige Linke im RCDS-Asta.<\/p>\n<p>Die Reaktion auf den Verkauf fiel heftig aus: Als am 10. Juli zum ersten Mal die blauen Umzugslaster kamen, blockierten rund sechzig Menschen die Einfahrt und den Eingang zum Asta-Geb\u00e4ude, die Firma brach ihre Arbeit schlie\u00dflich ab &#8211; &#8222;zu gef\u00e4hrlich&#8220;. Ein paar Tage sp\u00e4ter mauerten Unbekannte die Zug\u00e4nge zu den R\u00e4umen der Druckerei zu und drapierten ihre Wand mit abgeschlagenen Flaschen.<\/p>\n<p>Vorangegangen war ein Monate langer juristisch-politischer Kleinstreit. Ludewig und seine Leute hatten mit dem geplanten Verkauf der Druckerei bereits im letzten Herbst Wahlkampf gemacht. &#8222;Sogar der Rechnungshof des Landes hat den Asta im Jahr 2001 f\u00fcr die Druckerei ger\u00fcgt&#8220;, sagt Ludewig. Der Rechnungshofs schrieb damals: &#8222;Die Druckerei (&#8230;) weist ihre Leistungen nicht nach. Aufgrund fehlender Auftragsb\u00fccher kann die Auslastung nicht beurteilt werden. (&#8230;) Aus studentischen Mitteln wird der Druck von Brosch\u00fcren, Plakaten und Flugbl\u00e4ttern f\u00fcr politische Aktivit\u00e4ten Dritter finanziert&#8220;. Ein vierj\u00e4hriger Briefwechsel zwischen Asta und Beh\u00f6rde folgte. Das Ergebnis: Die R\u00fcge ist nicht mehr aktuell, in den Berichten der folgenden Jahre taucht die Druckerei nicht mehr auf.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Verkauf brauchte der RCDS-Asta einen Beschluss des Studierenden-Parlaments. Bei der entscheidenden Sitzung kam es zum Eklat. Ein konservativer Student filmte die Anwesenden mit seinem Mobiltelefon, einige Linke fanden das nicht lustig: &#8222;Und dann kam es zu einem Geschubse&#8220;, sagt Mallwitz. Gegen den vom Asta beschlossenen Verkauf beantragten oppositionelle Studenten eine einstweilige Verf\u00fcgung. Sie wurde abgewiesen. Das gleiche passierte ein weiteres Mal, als der Abtransport geplant wurde.<\/p>\n<p>So viel verbrannte Erde wie m\u00f6glich <\/p>\n<p>W\u00e4hrend Gottfried Ludewig nach dem gelungenem Verkaufs-Coup in den Urlaub gefahren ist, sitzt Mallwitz in der Asta-Villa in Berlin und sortiert erbost die Scherben: &#8222;Der RCDS-Asta hat hier nicht nur eine Druckerei, sondern die Arbeit von Studierenden kaputt gemacht. Das alles wurde schlie\u00dflich von uns aufgebaut, in der Druckerei haben Studis gearbeitet&#8220;, sagt er. Die RCDS-Leute h\u00e4tten im \u00dcbrigen ein Jahr lang an ihm vorbei gearbeitet und nahezu alles ignoriert, was er vorgeschlagen habe. &#8222;Die hatten keine eigenen Projekte, die habe nur gek\u00fcrzt, gek\u00fcrzt, gek\u00fcrzt. Und am Ende 50.000 Euro f\u00fcr Anw\u00e4lte ausgegeben.&#8220; Der Server, auf dem die Internet-Seite des Astas liegt, sei au\u00dferdem weg. Es wirkt, sagt Mallwitz, als habe der RCDS versucht, so viel verbrannte Erde wie m\u00f6glich zu hinterlassen.<\/p>\n<p>Gottfried Ludewig lassen solche Vorw\u00fcrfe kalt: Die Internet-Seite sei aus technischen Gr\u00fcnden einen Monat nicht erreichbar, weil es im September eine neue g\u00e4be. Es g\u00e4be Leute, die nicht einsehen wollten, dass 1968 vorbei sei und an der Universit\u00e4t nicht mehr die Revolution vorbereitet werde. &#8222;Ich habe eine Amtszeit lang versucht, die Mauscheleien aus vierzig Jahren linker Vorherrschaft im Asta zu beenden und die Arbeit wieder in geltendes Recht zur\u00fcck zu f\u00fchren&#8220;.<\/p>\n<p>Damit sie nicht vergessen, wie es war, ein Jahr lang mal im Berliner-Asta gewesen zu sein, haben die RCDS-Jungs die Abtransport-Aktion fotografiert. Sie posieren neben dem Drucker mit einem Plakat, auf dem Ulrike Meinhof zu sehen ist, neben Schmiereien im Gang, die sie &#8222;ins Gulag&#8220; schicken wollen und neben der Druckmaschine, die an einem Kran auf den Umzugslaster gehoben wird &#8211; dann ist sie weg, vermutlich f\u00fcr immer. <\/p>\n<p>&#8222;Ich denke, die ist schon in Russland oder so&#8220;, sagt Yacob Yacob von der Firma ReproBerlin. Er hatte Anfang Mai eine Anzeige in der &#8222;BZ&#8220; gesehen und sich darauf gemeldet. Rund 25.000 Euro bot er dem Asta &#8211; und bekam den Zuschlag. Dann kamen pl\u00f6tzlich Leute bei ihm in der Druckerei an, er wurde st\u00e4ndig angerufen &#8211; immer der gleiche Tenor: Bitte treten Sie vom Kaufvertrag zur\u00fcck. &#8222;Ich w\u00fcnschte, ich h\u00e4tte sie nie gekauft&#8220;, sagt er heute. Als er die Maschinen dann bekam, hat Yacob sie sofort weiter verkauft, am 30. Juli. F\u00fcr Gottfried Ludewig und die seinen war das ein guter Tag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;von  wegen Bildung&#8230;<\/p>\n<p>hier ein unbedingt lesenswerter Artikel von spiegel-online, zu dem was hinter den Toren\/T\u00fcren&#8230;es geht um den Verkauf einer herrlichen alten HEIDELBERGER-Druckmaschine, als die Rechten mal ein Jahr lang in den ASTA gew\u00e4hlt worden waren&#8230;ausgerechnet in Berlin.<\/p>\n<p>Ist auch nicht mehr, was es mal war!<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-84916","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fembildung","entry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>VERBRANNTE ERDE: der rechte ASTA ,TU BERLIN - Feminissima<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2007\/08\/12\/verbrannte-erde-der-rechte-asta-tu-berlin\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"VERBRANNTE ERDE: der rechte ASTA ,TU BERLIN - Feminissima\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"...von wegen Bildung... hier ein unbedingt lesenswerter Artikel von spiegel-online, zu dem was hinter den Toren\/T\u00fcren...es geht um den Verkauf einer herrlichen alten HEIDELBERGER-Druckmaschine, als die Rechten mal ein Jahr lang in den ASTA gew\u00e4hlt worden waren...ausgerechnet in Berlin. 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