{"id":84689,"date":"2006-11-09T02:06:57","date_gmt":"2006-11-09T02:06:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=84689"},"modified":"2006-11-09T02:06:57","modified_gmt":"2006-11-09T02:06:57","slug":"november-pogrome-1938-und-das-ziel-vernichtung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2006\/11\/09\/november-pogrome-1938-und-das-ziel-vernichtung\/","title":{"rendered":"NOVEMBER POGROME 1938 und das Ziel: Vernichtung!"},"content":{"rendered":"<p>Dies ist ein Artikel von WIKIPEDIA, der zu den &#8222;exzellent-ausgezeichneten&#8220; z\u00e4hlt &#8211; ! <br \/>\nMit umfangreichem Quellen-Angebot. <br \/>Novemberpogrome 1938<\/p>\n<p>\naus Wikipedia, der freien Enzyklop\u00e4die<\/p>\n<p>\nNeubau der 1938 zerst\u00f6rten M\u00fcnchner Hauptsynagoge. Einweihung: 9. November 2006Die Novemberpogrome 1938 (bezogen auf die Nacht vom 9. auf den 10. November auch \u201eReichskristallnacht\u201c oder \u201eReichspogromnacht\u201c genannt) waren eine vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Zerst\u00f6rung von Leben, Eigentum und Einrichtungen der Juden im gesamten Deutschen Reich. Dabei wurden vom 7. bis 13. November 1938 etwa 400 Menschen ermordet oder in den Tod getrieben. Ab dem 10. November wurden ungef\u00e4hr 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, wo nochmals Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben. Fast alle Synagogen und viele j\u00fcdische Friedh\u00f6fe in Deutschland und \u00d6sterreich wurden zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Pogrome markierten f\u00fcr alle Zeitzeugen sichtbar den \u00dcbergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre sp\u00e4ter in den Holocaust an den europ\u00e4ischen Juden m\u00fcndete.<\/p>\n<p>Inhaltsverzeichnis [Verbergen]<\/p>\n<p>\n1 Ursachen <\/p>\n<p>\n1.1 Die Juden- und Kriegspolitik des NS-Regimes <\/p>\n<p>\n1.2 Vorzeichen und Vorbereitungen <\/p>\n<p>\n1.3 Vorw\u00e4nde <\/p>\n<p>\n2 Verlauf <\/p>\n<p>\n2.1 Erste \u00dcbergriffe <\/p>\n<p>\n2.2 Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 <\/p>\n<p>\n2.3 Die Ereignisse der Folgetage <\/p>\n<p>\n3 Folgen <\/p>\n<p>\n3.1 Auswirkungen auf die Betroffenen <\/p>\n<p>\n3.2 Reaktionen des Auslands <\/p>\n<p>\n3.3 Reaktionen in der NSDAP <\/p>\n<p>\n3.4 Reaktionen aus der nichtj\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung <\/p>\n<p>\n3.5 Reaktionen der Kirchen und einzelner Christen <\/p>\n<p>\n4 Weitere Schritte zum Holocaust <\/p>\n<p>\n4.1 \u201eArisierung\u201c <\/p>\n<p>\n4.2 Repression, Ghettoisierung und Deportation <\/p>\n<p>\n5 Umgang mit den Verbrechen nach 1945 <\/p>\n<p>\n5.1 Strafrechtliche Ahndung <\/p>\n<p>\n5.2 Bezeichnungen <\/p>\n<p>\n5.2.1 Damalige Begriffe <\/p>\n<p>\n5.2.2 Begriffe nach 1945 <\/p>\n<p>\n5.2.3 Heutige Begriffe <\/p>\n<p>\n5.3 Kommunales Gedenken <\/p>\n<p>\n5.4 Nationales Gedenken <\/p>\n<p>\n6 Historische Einordnung <\/p>\n<p>\n7 Quellen <\/p>\n<p>\n8 Literatur <\/p>\n<p>\n9 Weblinks <\/p>\n<p>Ursachen<\/p>\n<p>\nDie Novemberpogrome 1938 steigerten den staatlichen Antisemitismus in der Zeit des Nationalsozialismus zur Existenzbedrohung f\u00fcr die Juden im ganzen Deutschen Reich. Entgegen der nationalsozialistischen Propaganda waren sie keine Reaktion des \u201espontanen Volkszorns\u201c auf die Ermordung eines deutschen Diplomaten durch einen Juden. Sie sollten vielmehr die seit Fr\u00fchjahr 1938 begonnene gesetzliche \u201eArisierung\u201c, also die Zwangsenteignung j\u00fcdischen Besitzes und j\u00fcdischer Unternehmen planm\u00e4\u00dfig beschleunigen, mit der auch die deutsche Aufr\u00fcstung finanziert werden sollte. Der Zeitpunkt der Pogrome hing eng mit Hitlers Kriegskurs zusammen (siehe dazu: Wirtschaft im nationalsozialistischen Deutschland).<\/p>\n<p>\nDie Juden- und Kriegspolitik des NS-Regimes<\/p>\n<p>\nDie deutschen Juden waren schon seit der Reichstagswahl vom M\u00e4rz 1933 diskriminiert und aus dem \u00d6ffentlichen Dienst ausgeschlossen worden. Seit dem Judenboykott des 1. April mussten zudem viele j\u00fcdische Freiberufler \u2013 Apotheker, \u00c4rzte, Rechtsanw\u00e4lte u. s. w. \u2013 ihren Beruf aufgeben. Damit wurden 1933 etwa 37.000 Juden aus Deutschland vertrieben.<\/p>\n<p>Danach flaute die Verfolgung zun\u00e4chst ab. J\u00fcdische Unternehmen wurden zeitweise ausdr\u00fccklich nicht benachteiligt, um sensible Wirtschaftszweige nicht zu sch\u00e4digen.[1] Im M\u00e4rz 1935 leitete Julius Streicher jedoch eine weitere Hetzkampagne gegen Juden ein, um die Bev\u00f6lkerung auf strikte \u201eRassentrennung\u201c einzustimmen. Die N\u00fcrnberger Gesetze legalisierten diese im September. Zwar stieg die Zahl j\u00fcdischer Ausreiseantr\u00e4ge danach nicht wieder an; aber viele j\u00fcdische Unternehmer gaben dem Druck nach und verkauften ihre Firmen weit unter Wert oder schieden aus deren Leitung aus. Davon profitierten vor allem Warenhauskonzerne wie Horten, die Deutsche Bank und die Dresdner Bank.<\/p>\n<p>1937 zeichnete sich ein Kurswechsel von der schleichenden Verdr\u00e4ngung der Juden aus der deutschen Privatwirtschaft zu ihrer schnellen Zwangsenteignung durch den Staat ab. Im Januar forderte der \u201eReichsf\u00fchrer-SS\u201c Heinrich Himmler erstmals \u00f6ffentlich die \u201eEntjudung Deutschlands\u201c, die im 25-Punkte-Programm der NSDAP seit 1920 vorgezeichnet war. Sie k\u00f6nne am besten durch Mobilisieren des \u201eVolkszorns\u201c und Ausschreitungen erreicht werden.[2] Im Oktober wies das \u201eKampfblatt\u201c der SS, Das Schwarze Korps, auf angeblich ungeschm\u00e4lerte Macht der Juden in Handel und Industrie hin. Diese sei nicht l\u00e4nger zu dulden: Heute brauchen wir keine j\u00fcdischen Betriebe mehr.[3]<\/p>\n<p>Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht hatte wiederholt gegen Streichers Boykottkampagnen protestiert, weil sie den Handel st\u00f6rten, Preis- und W\u00e4hrungsstabilit\u00e4t, Deviseneinnahmen und damit die deutsche Wiederaufr\u00fcstung gef\u00e4hrdeten.[4] Er trat am 27. November 1937 zur\u00fcck. Kurz darauf organisierte Streicher einen Weihnachtsboykott gegen j\u00fcdische Gesch\u00e4fte, und Schachts \u00dcbergangsnachfolger Hermann G\u00f6ring wandelte das Wirtschaftsministerium in ein \u201eExekutivorgan zur Durchf\u00fchrung des Vierjahresplans\u201c zur Aufr\u00fcstung um.[5]<\/p>\n<p>Zum Jahresbeginn 1938 lag das offizielle staatliche Haushaltsdefizit bei zwei Milliarden Reichsmark. Die Schuldenaufnahme stie\u00df an ihre Grenzen. Walther Bayrhoffer vom Reichsfinanzministerium f\u00fcrchtete, das Reich w\u00fcrde zahlungsunf\u00e4hig, da die Mefo-Wechsel zur Aufr\u00fcstung 1938 f\u00e4llig wurden. Das h\u00e4tte die Kriegsvorbereitung gef\u00e4hrdet, die nun verst\u00e4rkt wurde: Adolf Hitler enthob Reichskriegsminister Werner von Blomberg und den Oberbefehlshaber des Heeres Werner von Fritsch am 4. Februar 1938 ihrer \u00c4mter und \u00fcbernahm selbst das Oberkommando der Wehrmacht. Am 12. M\u00e4rz lie\u00df er diese in \u00d6sterreich einr\u00fccken.<\/p>\n<p>Mit diesem \u201eAnschluss\u201c kamen etwa 192.000 \u00f6sterreichische Juden zu den noch etwa 350.000 \u201eReichsjuden\u201c hinzu, so dass nun etwa 540.000 Juden im \u201eGro\u00dfdeutschen Reich\u201c lebten. Vor allem in Wien mit neun Prozent j\u00fcdischem Bev\u00f6lkerungsanteil kam es nun zu wochenlangen Ausschreitungen. J\u00fcdische Gesch\u00e4ftsinhaber wurden zu Tausenden von Schl\u00e4gertrupps der SA aus ihren L\u00e4den, Betrieben und Wohnungen gepr\u00fcgelt; mittelst\u00e4ndische NSDAP-Mitglieder \u00fcbernahmen dann als \u201eKommissare\u201c die Gesch\u00e4ftsleitung. Sie sahen diesen Raub als \u201eWiedergutmachung\u201c f\u00fcr Nachteile vor der \u201eReichseinung\u201c und versuchten auch, Aufk\u00e4ufen j\u00fcdischer Firmen durch kapitalkr\u00e4ftige deutsche Gro\u00dfkonzerne zuvorzukommen. Um die \u201ewilden\u201c Enteignungen zu stoppen, erkl\u00e4rte \u201eReichskommissar\u201c Josef B\u00fcrckel die \u201eKommissare\u201c am 13. April per Gesetz zu neuen Eigent\u00fcmern, die nun ihr Betriebsverm\u00f6gen anmelden mussten.[6]<\/p>\n<p>Am 26. April erlie\u00df G\u00f6ring ein Gesetz, das alle Juden des Reiches zwang, bis zum 31. Juli ihr gesamtes Verm\u00f6gen \u00fcber 5.000 Reichsmark detailliert beim Finanzamt offen zu legen. Man sch\u00e4tzte das Gesamtverm\u00f6gen der Juden auf eine Summe von 8,5 Milliarden, den Anteil an liquiden Wertpapieren auf 4,8 Milliarden Reichsmark. Das NS-Regime plante deren Zwangsumtausch in deutsche Staatsanleihen, um diese gegen Devisen im Ausland zu verkaufen. So sollte das Haushaltsdefizit verringert und die Vertreibung der Beraubten ins Ausland finanziert werden.[7]<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen Nachbarstaaten versuchten, die bef\u00fcrchtete Fl\u00fcchtlingsflut abzuwenden: Bei einer internationalen Konferenz in Evian (Frankreich) im Juli 1938 erkl\u00e4rte sich keines der 32 teilnehmenden L\u00e4nder zur Aufnahme der bedrohten Juden bereit. Vielmehr protestierte die Schweiz, in die viele Juden aus \u00d6sterreich flohen, gegen die \u201eVerjudung\u201c und drohte eine allgemeine Visumspflicht an. Daraufhin entzog das NS-Regime deutschen Juden die Reisep\u00e4sse, ersetzte sie durch Sonderausweise und verbot ihnen die Ausreise in die Schweiz. Zudem richtete Adolf Eichmann im Auftrag von Reinhard Heydrich im August die erste Zentralstelle f\u00fcr j\u00fcdische Auswanderung ein. Eine Fl\u00fcchtlingswelle setzte ein: Bis Herbst verlie\u00dfen etwa 54.000 Juden das Reich.<\/p>\n<p>Am 29. September gestattete das M\u00fcnchner Abkommen die deutsche Annexion des tschechoslowakischen \u201eSudetenlandes\u201c, die Hitler seit Mai angestrebt hatte. Neville Chamberlains Nachgeben gegen\u00fcber der aggressiven deutschen Politik schien den Krieg noch einmal abgewendet zu haben. Doch schon am 21. Oktober erlie\u00df Hitler den Befehl zur \u201eErledigung der Resttschechei\u201c. Zugleich gewann das Regime Handlungsspielraum nach innen und lie\u00df nun vermehrt selbst j\u00fcdisches Eigentum konfiszieren und \u201e\u00fcberfl\u00fcssige\u201c Unternehmen schlie\u00dfen, ohne gr\u00f6\u00dfere politische und wirtschaftliche Folgen f\u00fcrchten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Am 14. Oktober k\u00fcndigte G\u00f6ring im Reichsluftfahrtministerium ein gigantisches R\u00fcstungsprogramm an. Dieses sei jedoch durch das Staatsdefizit und begrenzte Produktionskapazit\u00e4ten erschwert. Die Privatwirtschaft m\u00fcsse daran mitwirken, da man andernfalls zur staatlich gelenkten Planwirtschaft \u00fcbergehen werde. Die \u201eArisierung\u201c sei nun unumg\u00e4nglich und allein Sache des Staates; sie d\u00fcrfe auf keinen Fall wie in \u00d6sterreich anarchisch als \u201eVersorgungssystem unt\u00fcchtiger Parteigenossen\u201c verlaufen.[8]<\/p>\n<p>\nVorzeichen und Vorbereitungen<\/p>\n<p>Mitglieder der SA hindern j\u00fcdische Studenten am Betreten der Universit\u00e4t Wien (ca. 1938)Dass die Reichsregierung die Pogrome vorbereitete, legen u.a. folgende Schritte nahe:<\/p>\n<p>Am 28. M\u00e4rz 1938 entzog ein Gesetz den Israelitischen Kultusgemeinden den Status einer \u201eK\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts\u201c. Das degradierte sie zu Vereinen ohne \u00f6ffentliche Rechtsanspr\u00fcche, deren Geb\u00e4uden kein staatlicher Schutz mehr zustand. <\/p>\n<p>\nNach einer weiteren Verordnung mussten die Schaufenster j\u00fcdischer Gesch\u00e4fte im ganzen Reich mit einer wei\u00dfen Aufschrift Jude oder dem Davidstern markiert werden. Als \u201eSchutzma\u00dfnahme\u201c ausgegeben, erleichterte dies Auffinden und Zerst\u00f6rung.[9] <\/p>\n<p>\nZum Jahrestreffen des Allgemeinen Rabbinerverbandes in M\u00fcnchen am 8. Juni 1938 erhielt die dortige j\u00fcdische Gemeinde den Befehl, die Synagoge nebst Gemeindehaus dem Staat abzutreten und binnen 24 Stunden zu r\u00e4umen. Am Morgen des 9. Juni begann der Abriss. Im August wurde auch die N\u00fcrnberger, ab September die Dortmunder Synagoge abgerissen. <\/p>\n<p>\nSchon am 17. August 1935 hatte die Gestapo die Einrichtung einer reichsweiten \u201eJudenkartei\u201c angeordnet, um die deutschen Juden regional und lokal zu erfassen und zu \u00fcberwachen. Seit Juni 1938 erfuhren entlassene j\u00fcdische Staatsbeamte, die noch Kontakte zu ehemaligen Kollegen pflegten, dass bald eine gr\u00f6\u00dfere Zahl Juden in die KZs eingewiesen werden sollten. Das Reichssicherheitshauptamt forderte dazu Listen verm\u00f6gender Juden von Finanz\u00e4mtern und Polizeirevieren an. Diese zwangen die j\u00fcdischen Rabbiner per Vorladungen dazu, Namen und Adressen ihrer Gemeindemitglieder weiterzugeben. Am 14. Juni mussten j\u00fcdische Gewerbebetriebe sich registrieren lassen, am 15. Juni lie\u00df Kurt Daluege als Chef der Berliner Polizei etwa 1.500 Juden bei Razzien festnehmen und in KZs bringen. <\/p>\n<p>\nJuden mussten seit dem 23. Juli 1938 zudem \u201eKennkarten\u201c bei sich tragen, seit dem 17. August die Zweitnamen \u201eIsrael\u201c (M\u00e4nner) oder \u201eSara\u201c (Frauen) annehmen und seit dem 5. Oktober ihre Sonderausweise mit einem roten J abstempeln lassen. Diese Kennzeichen erm\u00f6glichten einerseits schnelle Verhaftung und Deportation, andererseits fl\u00e4chendeckende Enteignung und Abschiebung der Juden. <\/p>\n<p>\nBis Oktober wurden die drei bisher gr\u00f6\u00dften deutschen KZs in Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen stark ausgebaut, so dass sie nunmehr zehntausende Gefangene aufnehmen konnten. Obwohl in Dachau bis dahin keine Juden inhaftiert waren, erhielt die Lagerleitung dort am 25. Oktober den Befehl, 5.000 Judensterne auf H\u00e4ftlingskleider zu n\u00e4hen. Zus\u00e4tzliche Matratzen und Stroh wurden angeliefert. <\/p>\n<p>\nEin \u00dcberlebender, Berthold L\u00f6wenstein aus Leipzig, erfuhr am 29. Oktober 1938 von einem ehemaligen Richterkollegen, der Informationen aus dem Wirtschaftsministerium in Berlin erhalten hatte: Er solle Deutschland mit seiner Familie dringend vor dem 5. November 1938 verlassen, da bis Mitte November Furchtbares mit den Juden geplant sei.[10] <\/p>\n<p>Vorw\u00e4nde<\/p>\n<p>\nAm 9. Oktober 1938 erlie\u00df Polen eine Verordnung, nach der die P\u00e4sse aller l\u00e4nger als f\u00fcnf Jahre im Ausland lebenden Polen ohne Sondervisum eines zust\u00e4ndigen Konsulats am 30. Oktober ablaufen sollten. Das traf vor allem etwa 12.500 von gesch\u00e4tzten 50.000 polnischen, meist verarmten Juden, die vielfach illegal in Deutschland lebten. Die deutsche Regierung stellte Polen daraufhin am 26. Oktober ein Ultimatum, die R\u00fcckkehrm\u00f6glichkeit der Staatenlosen zu garantieren, andernfalls werde man sie sofort ausweisen. Nach der erwarteten Ablehnung befahl die Gestapo allen St\u00e4dten und Gemeinden am 27. Oktober, die Betroffenen sofort festzunehmen. In schwer bewachten Z\u00fcgen und Lastwagen transportierte man sie in der Nacht zum 29. Oktober zur deutsch-polnischen Grenze und jagte sie hin\u00fcber.<\/p>\n<p>Die unvorbereiteten polnischen Grenzbeamten verweigerten den Abgeschobenen zun\u00e4chst mit Waffengewalt die Einreise, die Deutschen die R\u00fcckkehr. Sie mussten tagelang ohne Nahrung in den \u00fcberf\u00fcllten Grenzbahnh\u00f6fen oder im Niemandsland warten, bis die polnischen Beh\u00f6rden sie passieren lie\u00dfen. Ein Teil kam bei j\u00fcdischen Gemeinden in Polen unter, etwa 7.000 Personen mussten aber zum Fl\u00fcchtlingslager Zbaszyn (Alt-Bentschen) in der Woiwodschaft Posen marschieren, wo die polnische Regierung sie bis August 1939 unter KZ-\u00e4hnlichen Bedingungen internierte. Im Januar durften sie f\u00fcr kurze Zeit in ihre Heimatorte zur\u00fcckkehren, um ihre Gesch\u00e4fte zu verkaufen, Haushalte aufzul\u00f6sen und so ihre erzwungene \u201eAuswanderung\u201c zu regeln.[11]<\/p>\n<p>Am 3. November erfuhr der in Paris lebende siebzehnj\u00e4hrige polnische Jude Herschel Grynszpan, dass auch seine ganze Familie nach Zsbaszyn vertrieben worden war. Er besorgte sich einen Revolver und schoss damit am 7. November 1938 in der Deutschen Botschaft auf den der NSDAP angeh\u00f6renden Legationssekret\u00e4r Ernst Eduard vom Rath. Dieser erlag am 9. November seinen Verletzungen.<\/p>\n<p>Grynszpans genaues Motiv ist unbekannt. Er gab im Verh\u00f6r \u201eRache\u201c f\u00fcr das Leiden seiner Eltern bei deren gewaltsamer Abschiebung an. Er wollte eigentlich den Botschafter erschie\u00dfen, traf dann aber vom Rath. 1942 in deutscher Haft sagte er aus, er habe sein Opfer zuvor in der Pariser Homosexuellenszene kennengelernt. Daraufhin lie\u00df Propagandaminister Joseph Goebbels den jahrelang geplanten Schauprozess gegen ihn, der das \u201eWeltjudentum\u201c als angeblichen Auftraggeber des Mords \u201ebeweisen\u201c sollte, verschieben. Schlie\u00dflich sagte Hitler den Prozess ganz ab.[12]<\/p>\n<p>1938 nutzte die NS-F\u00fchrung das Attentat als willkommenen Anlass, um der unzufriedenen Parteibasis Gelegenheit zum Handeln gegen j\u00fcdisches Eigentum zu geben und die Juden beschleunigt dann auch gesetzlich aus dem deutschen Wirtschaftsleben auszuschalten. Nach diesem Muster war man schon seit dem Reichstagsbrand im Februar 1933 \u00f6fter erfolgreich vorgegangen.<\/p>\n<p>\nVerlauf<\/p>\n<p>Erste \u00dcbergriffe<\/p>\n<p>\nDie Nachricht vom Attentat auf den zuvor weitgehend unbekannten Diplomaten vom Rath, mit denen die Pogrome gerechtfertigt wurden, erreichte die deutsche \u00d6ffentlichkeit erst am 8. November 1938 durch die Tagespresse. Bereits am Sp\u00e4tnachmittag des 7. November begannen jedoch in Kurhessen und Magdeburg-Anhalt die ersten \u00dcbergriffe gegen Juden, ihre Wohnungen, Gesch\u00e4fte, Gemeindeh\u00e4user und Synagogen. Die T\u00e4ter waren Angeh\u00f6rige von SA und SS. Sie traten in Zivilkleidung auf, um wie normale B\u00fcrger zu wirken und die \u00fcbrige Bev\u00f6lkerung zum \u201eVolkszorn\u201c wegen des Attentats in Paris aufzuhetzen. Am Abend des 7. November wurden die Synagoge und andere j\u00fcdische Einrichtungen in Kassel, in der gleichen Nacht auch jene der umliegenden Orte Zierenberg, Bebra und Sontra verw\u00fcstet. Treibende Kraft dabei war der Kasseler Gaupropagandaleiter Gernand.<\/p>\n<p>Am Morgen des 8. November erschien im V\u00f6lkischen Beobachter, dem Presseorgan der NSDAP, ein Leitartikel, in dem es hie\u00df:[13]<\/p>\n<p>\u201eEs ist klar, da\u00df das deutsche Volk aus dieser neuen Tat seine Folgerungen ziehen wird. Es ist ein unm\u00f6glicher Zustand, da\u00df in unseren Grenzen Hunderttausende von Juden noch ganze Ladenstra\u00dfen beherrschen, Vergn\u00fcgungsst\u00e4tten bev\u00f6lkern und als &#8218;ausl\u00e4ndische&#8216; Hausbesitzer das Geld deutscher Mieter einstecken, w\u00e4hrend ihre Rassegenossen drau\u00dfen zum Krieg gegen Deutschland auffordern und deutsche Beamte niederschie\u00dfen. [&#8230;] Die Sch\u00fcsse in der deutschen Botschaft in Paris werden nicht nur den Beginn einer neuen deutschen Haltung in der Judenfrage bedeuten, sondern hoffentlich auch ein Signal f\u00fcr diejenigen Ausl\u00e4nder sein, die bisher nicht erkannten, dass zwischen der Verst\u00e4ndigung der V\u00f6lker letztlich nur der internationale Jude steht.\u201c<\/p>\n<p>Die Parteif\u00fchrung wollte das Attentat also zur v\u00f6lligen Verdr\u00e4ngung und Enteignung der Juden aus dem deutschen Wirtschafts- und Kulturleben nutzen. Dazu bem\u00fchte man die Fiktion einer j\u00fcdischen Weltverschw\u00f6rung und forderte eine V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung auf Kosten der Juden.<\/p>\n<p>Am selben Abend brannte in Bad Hersfeld die erste j\u00fcdische Synagoge. In den Landkreisen Fulda und Melsungen, u.a. den Orten Baumbach, Eschwege, Fritzlar, Rotenburg an der Fulda, Witzenhausen, wurden fast alle j\u00fcdischen Wohnungen und Gesch\u00e4fte demoliert.[14] Im Laufe des Abends und der Nacht wurden zahlreiche Juden misshandelt. In Felsberg gab es dabei das erste j\u00fcdische Todesopfer in Kurhessen.<\/p>\n<p>Am Nachmittag des 9. November wurden ab 15 Uhr die Synagoge und das j\u00fcdische Gemeindehaus in Dessau angez\u00fcndet. Ab 19 Uhr begannen die Ausschreitungen in Chemnitz. Die Brandstiftungen betrafen allesamt nur Synagogen und Gesch\u00e4fte, deren Br\u00e4nde die Nachbarh\u00e4user nicht gef\u00e4hrden konnten. Nichtj\u00fcdische H\u00e4user und Wohnungen blieben \u00fcberall verschont.<\/p>\n<p>Historiker sind sicher, dass diese Aktionen vor der Nacht zum 10. November zumindest auf Gau-Ebene zentral gelenkt waren und von den zust\u00e4ndigen Gaupropaganda\u00e4mtern organisiert wurden. Unklar ist, inwieweit diese auf eigene Faust oder auf Weisung des Reichspropagandaministeriums handelten. Letzteres gilt als wahrscheinlicher, da die \u00dcbergriffe alle nach demselben Schema verliefen: Eine NS-Ortsversammlung wurde schnell einberufen, dort hielten Gauleiter oder Sturmbannf\u00fchrer Hetzreden gegen die Juden. Dann marschierten die Teilnehmer direkt zu j\u00fcdischen Gesch\u00e4ften, Privatwohnungen, \u00f6ffentlichen Einrichtungen der j\u00fcdischen Gemeinden und zuletzt zur \u00f6rtlichen Synagoge, um diese zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>\nDie Nacht vom 9. auf den 10. November 1938<\/p>\n<p>\nHitler hatte vom Rath sofort nach dem Attentat um drei Klassen zum Botschaftssekret\u00e4r I. Klasse bef\u00f6rdert. Beim j\u00e4hrlichen Kameradschaftsabend zum Gedenken des Hitler-Ludendorff-Putsches vom 9. November 1923 im Alten Rathaus in M\u00fcnchen erfuhr er gegen 21:00 Uhr vom Tod des Diplomaten. Sofort besprach er sich beim Essen mit Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Dann verlie\u00df er die Versammlung, fuhr in seine Privatwohnung und hielt sich in den folgenden Tagen nach au\u00dfen hin zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Gegen 22:00 Uhr hielt Goebbels vor den versammelten SA-F\u00fchrern eine antisemitische Hetzrede, in der er \u201edie Juden\u201c f\u00fcr den Tod vom Raths verantwortlich machte. Er lobte die angeblich \u201espontanen\u201c judenfeindlichen Aktionen im ganzen Reich, bei denen auch Synagogen in Brand gesetzt worden seien, und verwies dazu auf Kurhessen und Magdeburg-Anhalt. Er machte deutlich, dass die Partei nicht als Organisator antij\u00fcdischer Aktionen in Erscheinung treten wolle, aber diese dort, wo sie entst\u00fcnden, auch nicht behindern werde.<\/p>\n<p>Die anwesenden Gauleiter und SA-F\u00fchrer verstanden dies als indirekte, aber unmissverst\u00e4ndliche Aufforderung zum organisierten Handeln gegen j\u00fcdische H\u00e4user, L\u00e4den und Synagogen. Nach Goebbels&#8216; Rede telefonierten sie gegen 22:30 Uhr mit ihren \u00f6rtlichen Dienststellen. Danach versammelten sie sich im Hotel \u201eRheinischer Hof\u201c, um von dort aus weitere Anweisungen f\u00fcr Aktionen durchzugeben. Goebbels selbst lie\u00df nach Abschluss der Gedenkfeier nachts Telegramme von seinem Ministerium aus an untergeordnete Beh\u00f6rden, Gauleiter und Gestapostellen im Reich aussenden. Diese wiederum gaben entsprechende Befehle an die Mannschaften weiter, in denen es etwa hie\u00df (SA-Stelle \u201eNordsee\u201c):[15]<\/p>\n<p>\u201eS\u00e4mtliche j\u00fcdische Gesch\u00e4fte sind sofort von SA-M\u00e4nnern in Uniform zu zerst\u00f6ren. Nach der Zerst\u00f6rung hat eine SA-Wache aufzuziehen, die daf\u00fcr zu sorgen hat, dass keinerlei Wertgegenst\u00e4nde entwendet werden k\u00f6nnen. [&#8230;] Die Presse ist heranzuziehen. J\u00fcdische Synagogen sind sofort in Brand zu stecken, j\u00fcdische Symbole sind sicherzustellen. Die Feuerwehr darf nicht eingreifen. Es sind nur Wohnh\u00e4user arischer Deutscher zu sch\u00fctzen, allerdings m\u00fcssen die Juden raus, da Arier in den n\u00e4chsten Tagen dort einziehen werden. [&#8230;] Der F\u00fchrer w\u00fcnscht, dass die Polizei nicht eingreift. S\u00e4mtliche Juden sind zu entwaffnen. Bei Widerstand sofort \u00fcber den Haufen schie\u00dfen. An den zerst\u00f6rten j\u00fcdischen Gesch\u00e4ften, Synagogen usw. sind Schilder anzubringen, mit etwa folgendem Text: &#8218;Rache f\u00fcr Mord an vom Rath. Tod dem internationalen Judentum. Keine Verst\u00e4ndigung mit V\u00f6lkern, die judenh\u00f6rig sind.&#8216; Dies kann auch erweitert werden auf die Freimaurerei.\u201c<\/p>\n<p>Der Chef der Gestapo-Abteilung f\u00fcr Regimegegner, Heinrich M\u00fcller, sandte um 23:55 Uhr ein Blitzfernschreiben an alle Leitstellen der Staatspolizei im Reich: Die Sicherheitsdienste sollten sich heraushalten. Sie sollten aber f\u00fcr den \u201eSchutz\u201c des j\u00fcdischen Eigentums vor Pl\u00fcnderung sorgen. Punkt 3 lautete:[16]<\/p>\n<p>\u201eEs ist vorzubereiten die Festnahme von etwa 20-30.000 Juden im Reiche. Es sind auszuw\u00e4hlen vor allem verm\u00f6gende Juden. N\u00e4here Anordnungen ergehen noch im Laufe dieser Nacht.\u201c<\/p>\n<p>Polizei und SS waren demnach eine Stunde nach der SA \u00fcber die angeordneten Pogrome informiert, die seit 23:00 begonnen hatten. Sie sollten diese zu der l\u00e4ngst geplanten Internierung wohlhabender Juden nutzen. Nachdem Himmler neue Rekruten der Waffen-SS vereidigt hatte, erteilte er die \u201en\u00e4heren Anordnungen\u201c Heydrich, der diese um 1:20 Uhr seinerseits an alle Untergebenen sandte. Darin bekr\u00e4ftigte er das Verbot, zu pl\u00fcndern, den Schutz f\u00fcr Nachbargeb\u00e4ude vor Br\u00e4nden und erg\u00e4nzte, dass Ausl\u00e4nder \u2013 auch Juden \u2013 nicht zu bel\u00e4stigen seien. Die Zahl der Festzunehmenden lie\u00df er offen:[17]<\/p>\n<p>\u201eSobald der Ablauf der Ereignisse dieser Nacht die Verwendung der eingesetzten Beamten hierf\u00fcr zul\u00e4sst, sind in allen Bezirken so viele Juden \u2013 insbesondere wohlhabende \u2013 festzunehmen, als in den vorhandenen Haftr\u00e4umen untergebracht werden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Die Leitung der Zerst\u00f6rungen oblag den \u00f6rtlichen Propaganda\u00e4mtern der NSDAP. Sie beriefen die SA-Ortsgruppen ein, die ihre Mitglieder instruierten und in Marsch setzten, um die Befehle auszuf\u00fchren. In N\u00fcrnberg z.B. wurden sie wie in den meisten deutschen St\u00e4dten nach Augenzeugenberichten wie folgt umgesetzt:[18]<\/p>\n<p>\u201eZuerst kamen die gro\u00dfen Ladengesch\u00e4fte dran; mit mitgebrachten Stangen wurden die Schaufenster eingeschlagen, und der am Abend bereits verst\u00e4ndigte P\u00f6bel pl\u00fcnderte unter Anf\u00fchrung der SA die L\u00e4den aus. Dann ging es in die von Juden bewohnten H\u00e4user. Schon vorher informierte nichtj\u00fcdische Hausbewohner \u00f6ffneten die T\u00fcren. Wurde auf das L\u00e4uten die Wohnung nicht sofort ge\u00f6ffnet, schlug man die Wohnungst\u00fcr ein. Viele der \u201espontanen\u201c R\u00e4cher waren mit Revolver und Dolchen ausgestattet; jede Gruppe hatte die n\u00f6tigen Einbrecherwerkzeuge wie \u00c4xte, gro\u00dfe Hammer und Brechstangen dabei. Einige SA-Leute trugen einen Brotbeutel zur Sicherstellung von Geld, Schmuck, Fotos und sonstigen Wertgegenst\u00e4nden, die auf einen Mitnehmer warteten. Die Wohnungen wurden angeblich nach Waffen durchsucht, weil am Tage vorher ein Waffenverbot f\u00fcr Juden ver\u00f6ffentlicht worden war. Glast\u00fcren, Spiegel, Bilder wurden eingeschlagen, \u00d6lbilder mit den Dolchen zerschnitten, Betten, Schuhe, Kleider aufgeschlitzt, es wurde alles kurz und klein geschlagen. Die betroffenen Familien hatten am Morgen des 10. November meistens keine Kaffeetasse, keinen L\u00f6ffel, kein Messer, nichts mehr. Vorgefundene Geldbetr\u00e4ge wurden konfisziert, Wertpapiere und Sparkassenb\u00fccher mitgenommen. Das schlimmste dabei waren die schweren Ausschreitungen gegen die Wohnungsinhaber, wobei anwesende Frauen oft ebenso mi\u00dfhandelt wurden wie die M\u00e4nner. Eine Anzahl von M\u00e4nnern wurde von den SA-Leuten unter st\u00e4ndigen Mi\u00dfhandlungen und unter dem Gejohle der Menge zum Polizeigef\u00e4ngnis getrieben. [&#8230;] Am anderen Morgen wurden gegen 4 Uhr morgens alle [der zuvor inhaftierten] Personen unter 60 Jahren nach Dachau abtransportiert.\u201c<\/p>\n<p>\nDie Ereignisse der Folgetage<\/p>\n<p>\nDie Pogrome wurden am 10. November fortgesetzt. In \u00d6sterreich begannen sie erst an diesem Tag, verliefen dort aber umso heftiger. Sie dauerten im ganzen Reich, besonders in l\u00e4ndlichen Gebieten, bis in den Nachmittag hinein. Die befohlene Trennung von SA-Ma\u00dfnahmen und SS-\u201eBegleitschutz\u201c wurde in vielen Regionen missachtet, zumal der Befehl dazu erst Stunden nach Beginn der Pogrome ausgegeben worden war. In Bensheim, im Bodenseeraum, am Niederrhein, in Oberschlesien und Wien u.a. f\u00fchrten die Sicherheitskr\u00e4fte die Zerst\u00f6rungen selbst an; dort wo die Brandstiftung nicht ausreichte, halfen sie mit Sprengs\u00e4tzen nach.[19] Die Vorg\u00e4nge dokumentiert z.B. ein Augenzeugenbericht aus Baden-Baden:[20]<\/p>\n<p>\u201eEhe die SS die Synagoge in Brand steckte, zwang sie die M\u00e4nner der j\u00fcdischen Gemeinde, sich dort zu versammeln. Entgegen dem j\u00fcdischen Brauch mussten sie ihre H\u00fcte abnehmen. Das Gemeindeglied Herr Dreyfus wurde gezwungen, von der Kanzel herab aus dem nationalsozialistischen Hetzblatt &#8218;Der St\u00fcrmer&#8216; vorzulesen. Die Gemeinde hatte im Chor zu antworten: &#8218;Wir sind ein dreckiges, filziges Volk.&#8216; Die SS zwang die M\u00e4nner, im Gotteshaus Nazilieder zu singen und Turn\u00fcbungen vorzuf\u00fchren.\u201c<\/p>\n<p>Direkt im Anschluss an die Zerst\u00f6rungen begann am 10. November gegen vier Uhr morgens die befohlene Inhaftierung von etwa 30.000 m\u00e4nnlichen, meist j\u00fcngeren und wohlhabenderen Juden. Sie wurden in den Tagen darauf von Gestapo und SS in die drei deutschen Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen verschleppt. Laut Bericht eines Berliner Juden lie\u00dfen die Wachmannschaften beim \u201eHofappell\u201c, dem n\u00e4chtelangen Strammstehen bei Eisesk\u00e4lte auf dem Lagerplatz, keinen Zweifel daran, dass sie die Gefangenen dezimieren wollten:[21]<\/p>\n<p>\u201eIhr seid nicht in einem Sanatorium, sondern in einem Krematorium. [&#8230;] Die SS hat das Recht, auf Euch zu schie\u00dfen, wann sie will.\u201c<\/p>\n<p>Die unmenschliche Behandlung der in das KZ Buchenwald Eingelieferten beschrieb detailliert z.B. der Augenzeuge Eugen Kogon (Der SS-Staat, S. 229ff). Sie mussten u.a. im folgenden Winter mit blo\u00dfen H\u00e4nden den Schnee im Lager r\u00e4umen; Notamputationen der erfrorenen Gliedma\u00dfen verweigerte der SS-Lagerarzt: F\u00fcr Juden stelle ich nur Totenscheine aus.[22]<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df der offiziellen Version des Volkszorns, der in staatliche Bahnen zu lenken sei, wurde die Deportation in die KZs der Bev\u00f6lkerung als \u201eWiederherstellung der Ordnung\u201c dargestellt. Parallel dazu lie\u00df Goebbels im Rundfunk seit dem fr\u00fchen Morgen des 10. November in halbst\u00fcndigen Intervallen die Aufforderung verbreiten, \u201evon weiteren Demonstrationen und Vergeltungsaktionen sofort abzusehen.\u201c Dennoch kam es in kleineren Orten bis zum 11., vereinzelt sogar bis zum 12. und 13. November noch zu Ausschreitungen; sei es aus einer Eigendynamik heraus, sei es, weil die Radionachricht nicht empfangen worden war oder ignoriert wurde.<\/p>\n<p>\nFolgen<\/p>\n<p>Auswirkungen auf die Betroffenen<\/p>\n<p>\nDie Verluste an Menschenleben und das Ausma\u00df der Sachsch\u00e4den wurden lange Zeit unkritisch aus Eigenangaben der NSDAP \u00fcbernommen. So listete etwa die ZEIT noch am 3. November 1978 nur die 91 Morde und 267 zerst\u00f6rten Synagogen auf, die ein Brief Heydrichs an G\u00f6ring vom 11. November 1938 aufgef\u00fchrt hatte. Die tats\u00e4chlichen Zahlen werden heute aufgrund vieler Dokumente auf ein Vielfaches davon gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Man geht heute von mindestens 400 Todesopfern allein in der Pogromnacht aus. Darin sind Selbstt\u00f6tungen und schwere K\u00f6rperverletzungen mit Todesfolge enthalten. Nur in N\u00fcrnberg z.B. wurden schon am 9. November neun Morde, zehn Selbstt\u00f6tungen und sieben pl\u00f6tzliche Todesf\u00e4lle von Juden verzeichnet[23]. Hinzu kam eine unbekannte Zahl von Vergewaltigungen j\u00fcdischer Frauen (siehe dazu: Memorbuch).<\/p>\n<p>Von den ann\u00e4hernd 30.000 verhafteten und deportierten Juden wurden nachweislich 10.911 \u2013 einschlie\u00dflich von etwa 4.600 Wienern \u2013 ins KZ Dachau, 9.845 ins KZ Buchenwald eingeliefert. F\u00fcr das KZ Sachsenhausen sch\u00e4tzt man mindestens 6.000, eher aber 10.000 Inhaftierte. Die Lagerhaft kostete nochmals Hunderte Menschenleben: In Buchenwald fanden nach Angaben der Lagerverwaltung 207 Juden, in Dachau 185 den Tod, die Opferzahl von Sachsenhausen ist unbekannt. Auch hier wird zus\u00e4tzlich eine hohe Dunkelziffer angenommen. Denn bereits bei der Ankunft in den KZs wurden Dutzende Juden erschossen, Hunderte starben bei Fluchtversuchen oder an den Strapazen der Zwangsarbeit in den Lagern. Tausende der \u00dcberlebenden wurden schwer k\u00f6rperlich verletzt \u2013 allein im J\u00fcdischen Krankenhaus Berlin mussten sp\u00e4ter 600 erfrorene Gliedma\u00dfen amputiert werden \u2013 und seelisch traumatisiert.[24]<\/p>\n<p>Die meisten der \u00fcberlebenden Inhaftierten wurden bis August 1939 wieder entlassen, sofern sie sich schriftlich zur \u201eAuswanderung\u201c bereit erkl\u00e4rten und ihren Besitz dem Staat \u00fcbereigneten. Die Zahl der Ausreiseantr\u00e4ge stieg seit dem 9. November 1938 sprunghaft an: Bis Kriegsbeginn verlie\u00dfen noch einmal etwa 200.000 Juden das Reich, mehr als insgesamt von 1933 bis 1938. Sie mussten \u00fcberall im Ausland ein \u201eVorzeigegeld\u201c nachweisen und konnten ihre Ein- und Ausreisevisa h\u00e4ufig nur noch \u00fcber den Schwarzmarkt, durch Kredite von ausl\u00e4ndischen Verwandten und Beamtenbestechung erlangen.[25]<\/p>\n<p>Der in Berlin geborene israelische Antisemitismusforscher Avraham Barkai wies 1988 darauf hin, dass fast alle Synagogen im Reich zerst\u00f6rt worden seien; neuere Forschungsarbeiten des Synagogue Memorial haben dies best\u00e4tigt und eine Gesamtzahl von 1.406 vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rten Synagogen und Betstuben ermittelt. Von Wiens einst 93 Synagogen etwa \u00fcberstand nur der Stadttempel in der Wiener Innenstadt die Pogrome unbeschadet; von Berlins 14 Synagogen wurden 11 vollst\u00e4ndig niedergebrannt, die \u00fcbrigen drei schwer demoliert. Zerst\u00f6rt wurden ferner etwa 7.500 j\u00fcdische Gesch\u00e4fte, Wohnungen, Gemeindeh\u00e4user und Friedhofskapellen.<\/p>\n<p>Daraufhin mussten sich viele der j\u00fcdischen Kultusgemeinden aufl\u00f6sen; Gottesdienste konnten nur noch privat ohne zeremonielle Gegenst\u00e4nde stattfinden, da vor allem die wertvollen Torarollen verbrannt oder konfisziert worden waren. Die Gottesdienste wurden nun jedoch meist gut besucht: weniger weil die Fr\u00f6mmigkeit wuchs, sondern weil die Mitglieder sich gegenseitig unterst\u00fctzen mussten, nachdem ihnen jede Existenzgrundlage entzogen, Versammlungen verboten waren und sie die Stra\u00dfen nur noch unter Lebensgefahr betreten konnten.[26]<\/p>\n<p>\nReaktionen des Auslands<\/p>\n<p>\nDas Echo im Ausland auf die Ereignisse war verheerend. Nach dem 10. November 1938 gingen etwa 100 Protestnoten ausl\u00e4ndischer Vertretungen beim Ausw\u00e4rtigen Amt in Berlin ein. Demnach waren trotz gegenteiliger Befehle auch ausl\u00e4ndische Juden den Pogromen zum Opfer gefallen. Die Proteste wurden kommentarlos in die Reichskanzlei weitergeleitet und verschwanden dort in den Akten.[27]<\/p>\n<p>Besonders scharf reagierten die USA, indem sie ihren Botschafter am 14. November aus Berlin abzogen. In New York City demonstrierte die Stadtbev\u00f6lkerung f\u00fcr die Opfer. Am 3. Dezember protestierte die US-Regierung gegen den Erlass zur Ausschaltung von Juden aus der deutschen Wirtschaft, der entgegen den Versicherungen Joachim von Ribbentrops auch US-B\u00fcrger betraf. Daraufhin wurden die zum 31. Dezember geplanten restlichen Schlie\u00dfungen j\u00fcdischer Einzelhandels- und Handwerksbetriebe bei ausl\u00e4ndischen Firmen ausgesetzt; j\u00fcdische Auslandsvertreter waren schon am 1. Dezember von der am 12. November beschlossenen \u201eS\u00fchneleistung\u201c befreit worden, um den noch g\u00fcltigen Freundschaftsvertrag mit den USA nicht zu gef\u00e4hrden.[28] Die US-Einreisebeh\u00f6rden durften jedoch weiterhin nur 27.000 von nun 140.000 j\u00fcdischen Einreiseantr\u00e4gen im Jahr bewilligen.[29]<\/p>\n<p>In Gro\u00dfbritannien bewirkten die Pogrome einen politischen Meinungsumschwung in der Bev\u00f6lkerung, w\u00e4hrend die Regierung verhalten reagierte. Chamberlains Appeasement-Politik galt nun als gescheitert, die Bereitschaft zum Krieg gegen Hitler wuchs. Auch deutschfreundliche Kreise, die Ma\u00dfnahmen der Hitlerregierung bislang verteidigt hatten, verstummten.<\/p>\n<p>Viele ausl\u00e4ndische Unternehmen in Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Jugoslawien, Kanada, den Niederlanden und den USA k\u00fcndigten ihre Handelsvertr\u00e4ge mit Deutschland. Manche deutsche Firmen b\u00fc\u00dften ein Viertel ihres Export-Gesch\u00e4fts ein; am h\u00e4rtesten betroffen waren Leder-, Textil- und Spielwarenhersteller. Gerade diese Zweige profitierten dann jedoch stark von der \u201eArisierung\u201c.<\/p>\n<p>\nReaktionen in der NSDAP<\/p>\n<p>\nTeile der Parteibasis waren von den Pogromen \u00fcberrascht worden und lehnten sie vor allem wegen der distanzierten Haltung Hitlers als \u201ewilde\u201c und \u201eungesetzliche\u201c, das hei\u00dft scheinbar nicht vom \u201eF\u00fchrer\u201c gedeckte Aktion ab. Auch Regierungsmitglieder, darunter G\u00f6ring, Himmler, Heydrich, Funk und Alfred Rosenberg, distanzierten sich und wiesen Goebbels die Alleinverantwortung f\u00fcr unvorhersehbare au\u00dfen- und wirtschaftspolitische Folgen zu. Schon am Vormittag des 10. November warf G\u00f6ring Goebbels vor, seine Aktion habe aus \u00f6konomischer Ignoranz die \u201evolkswirtschaftlich unsinnige Zerst\u00f6rung von Sachwerten\u201c herbeigef\u00fchrt, die er dem deutschen Staat gern als Raubgut zugef\u00fchrt h\u00e4tte. Dies nahm Hitler zum Anlass, Goebbels in Schutz zu nehmen und die folgende Gesetzgebung zur \u201eArisierung\u201c zu forcieren (s.u.).<\/p>\n<p>Die Gewaltexzesse und Pl\u00fcnderungen stellten die NSDAP vor Probleme, da sie den offiziell ausgegebenen Befehlen widersprachen und auch manchen Parteimitgliedern zu weit gingen. Daher sollten Parteigerichte \u201eDisziplinlosigkeiten\u201c untersuchen und gegebenenfalls bestrafen; als \u201eSch\u00f6ffen\u201c dieser Verfahren fungierten die Gauleiter und \u201eGruppenf\u00fchrer\u201c, die die Pogrome durchgef\u00fchrt hatten. Im Februar 1939 best\u00e4tigte der geheime Abschlussbericht von Walter Buch, dem obersten Parteirichter, dass die ausf\u00fchrenden T\u00e4ter auf Befehl von Goebbels und der ihm untergebenen versammelten SA-F\u00fchrer am Abend des 9. November gehandelt hatten und deshalb weitgehend entlastet waren. Weil man die Verst\u00f6\u00dfe als \u201eVolkszorn\u201c dargestellt habe, sei es folgerichtig, sie nicht durch Staatsgerichte, sondern die Partei selbst zu ahnden.<\/p>\n<p>Wegen der faschistisch-totalit\u00e4ren Gleichsetzung von Volk, Staat und Partei wurden Morde an \u201eVolksfeinden\u201c als unvermeidbare Begleiterscheinung der angeordneten Pogrome gewertet. Die Befehle waren absichtlich unklar formuliert, um die Exzesse als \u201e\u00dcberkochen der Volksseele\u201c ausgeben zu k\u00f6nnen. Walter Buch kritisierte diese Taktik offen als ungeeignet und best\u00e4tigte damit, was alle wussten:[30]<\/p>\n<p>\u201eWenn in einer Nacht s\u00e4mtliche Synagogen abbrennen, so mu\u00df das irgendwie organisiert sein und kann nur organisiert sein von der Partei.\u201c<\/p>\n<p>Im Ergebnis wurden nur 16 \u201ebefehlswidrige\u201c Morde untersucht und nur zwei der T\u00e4ter ohne Folgen \u201everwarnt\u201c, Parteiausschl\u00fcsse der unteren Instanzen wurden damit aufgehoben. Zwei weitere T\u00e4ter wurden der ordentlichen Justiz \u00fcberstellt: Sie hatten in der Pogromnacht J\u00fcdinnen vergewaltigt, sollten aber nicht deswegen, sondern wegen \u201eRassenschande\u201c angeklagt werden.[31]<\/p>\n<p>Auf Befehl von Goebbels wies das Reichsjustizministerium die Staatsanw\u00e4lte an, keine Ermittlungen in Sachen der Judenaktion vorzunehmen. Diese wurden nicht selbst\u00e4ndig t\u00e4tig, so dass jede unabh\u00e4ngige Untersuchung und Strafverfolgung der Verbrechen unterblieb. Damit war das Justizwesen au\u00dfer Kraft gesetzt; den Betroffenen war jeder Rechtsweg versperrt. Schon die antij\u00fcdischen Gesetze von 1933 hatten ihnen weitgehend die B\u00fcrgerrechte entzogen.<\/p>\n<p>Obwohl die Pl\u00fcnderungen und z\u00f6gerliche Beteiligung der Bev\u00f6lkerung innerparteilich zum Teil als \u201eFehlschlag\u201c bewertet wurden, best\u00e4tigte Goebbels die \u00dcbereinstimmung innerhalb des Regimes, indem er am 13. November 1938 triumphierend in sein Tagebuch eintrug:<\/p>\n<p>\u201eIch arbeite gro\u00dfartig mit G\u00f6ring zusammen. Er geht auch scharf ran. Die radikale Meinung hat gesiegt.\u201c<\/p>\n<p>Da auch die F\u00fchrungskr\u00e4fte der SS am 9. November in M\u00fcnchen versammelt waren und Heinrich M\u00fcller den Befehl zum \u201eSchutz\u201c der SA-Aktionen herausgab, nimmt man allgemein an, dass diese sp\u00e4testens am 7. November in der NS-F\u00fchrung geplant wurden, um die ohnehin geplante Enteignung und Vertreibung zu beschleunigen. Denn jedes der beteiligten Ressorts sorgte trotz interner Konflikte und unklarer Kompetenzverteilung auf seine Weise daf\u00fcr, dass die seit April vorliegenden Pl\u00e4ne zum sch\u00e4rferen Vorgehen gegen die Juden und ihren Besitz umgesetzt wurden.<\/p>\n<p>Ungewiss ist bis heute nur, ob Hitler, der die folgenden Arisierungsverordnungen forcierte, auch den Prim\u00e4rbefehl f\u00fcr die Pogrome gab. Er \u00e4u\u00dferte sich sp\u00e4ter nie \u00f6ffentlich dazu, schimpfte aber laut Henry Picker am Folgetag:<\/p>\n<p>\u201eGoebbels und Himmler h\u00e4tten ihm seine vorsichtige Au\u00dfenpolitik in punkto Judentum kaputtgemacht; sie seien vorgegangen wie Verr\u00fcckte aus einem Kindergarten, man k\u00f6nne auch sagen, wie Handgranatenwerfer, ohne Sinn und Verstand!\u201c<\/p>\n<p>Himmler notierte am 10. November:[32]<\/p>\n<p>\u201eAls ich den F\u00fchrer fragte, hatte ich den Eindruck, dass er von den Vorg\u00e4ngen nichts wusste. Der Befehl kommt von der Reichspropagandaleitung&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Dies beg\u00fcnstigte die damals h\u00e4ufig anzutreffende Meinung, der \u201eF\u00fchrer\u201c habe \u201edavon nichts gewusst\u201c. Auch G\u00f6ring versuchte dies im N\u00fcrnberger Prozess sp\u00e4ter so darzustellen. In der Nachkriegszeit beurteilten auch Historiker die Pogrome daher oft als angeblich planlose Terroraktion ohne Hitlers Einverst\u00e4ndnis; so stellte sie auch der Hitlerbiograf und sp\u00e4tere Holocaustleugner David Irving dar.<\/p>\n<p>Dies halten die meisten Historiker angesichts des F\u00fchrerprinzips und zeitnaher Zeugenaussagen jedoch f\u00fcr undenkbar. Reichspressechef Otto Dietrich schrieb in seinen Erinnerungen:[33]<\/p>\n<p>\u201eDer schmutzige Befehl, der auch in der Partei schwere Bedenken ausl\u00f6ste, wurde Goebbels am Abend des 9. November in Hitlers Privatwohnung in M\u00fcnchen erteilt und wie ich aus einwandfreier Quelle erfuhr, war er von einem Wutausbruch Hitlers begleitet, als sich Hemmungen bei den mit der Durchf\u00fchrung betrauten Personen bemerkbar machten.\u201c<\/p>\n<p>Nicht zuletzt wegen G\u00f6rings Kritik an der SA blieb die \u201eKristallnacht\u201c ein einmaliges Ereignis und wurde danach nicht wiederholt. W\u00e4hrend die \u00f6ffentliche Diskriminierung, Drangsalierung und Deportation der deutschen Juden mit staatlichen Gesetzen und Verordnungen weiterging, fand ihre planm\u00e4\u00dfige Ermordung seit 1941 gro\u00dfenteils in abgeschirmten Vernichtungslagern au\u00dferhalb des deutschen Reichsgebiets statt.<\/p>\n<p>\nReaktionen aus der nichtj\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung<\/p>\n<p>\nDie nichtj\u00fcdischen Deutschen reagierten verschieden auf die von SA und SS eingeleiteten und beaufsichtigten Pogrome. Fast \u00fcberall bildeten sich rasch Mengen von meist schweigenden Schaulustigen; manche stimmten in Hetzges\u00e4nge der Ausf\u00fchrenden ein. Einige beteiligten sich an einigen Orten, z. B. Wien, an Zerst\u00f6rungen und Pl\u00fcnderungen von Gesch\u00e4ftsauslagen. Die meisten aber wahrten Distanz.<\/p>\n<p>Besonders in l\u00e4ndlichen Regionen und kleineren Ortschaften nahmen die in der Hitlerjugend organisierten Kinder und Jugendlichen h\u00e4ufig an Misshandlungen \u2013 u.a. Steinw\u00fcrfen, Beschimpfungen, Anspucken, Dem\u00fctigungen aller Art \u2013 teil. W\u00e4hrend Baldur von Schirach die Pogrome eine \u201everbrecherische Aktion\u201c nannte und behauptete, die Mitglieder der HJ seien unbeteiligt gewesen, f\u00fchrte der Nationalsozialistische Lehrerbund ihr Mitmachen auf die wirksame Indoktrination an den Schulen zur\u00fcck (siehe Erziehung im Nationalsozialismus).<\/p>\n<p>\nNeue Synagoge Berlin, Oranienburger Stra\u00dfeDie \u00f6rtlichen Feuerwehren und Polizeidienststellen hielten fast \u00fcberall befehlsgem\u00e4\u00df still, sch\u00fctzten nur die Nachbargeb\u00e4ude vor dem \u00dcbergreifen der gelegten Br\u00e4nde und erm\u00f6glichten so die ungehinderte Zerst\u00f6rung. Nur sehr wenige F\u00e4lle von Zivilcourage sind dokumentiert: So rettete Wilhelm Kr\u00fctzfeld, Vorsteher des zust\u00e4ndigen Polizeireviers in Berlin-Mitte, die Neue Synagoge an der Oranienburger Stra\u00dfe, indem er auf den Denkmalschutz des Geb\u00e4udes verwies, mit einigen Beamten die SA-Brandstifter verjagte und die Feuerwehr holte, die den Brand l\u00f6schte. Au\u00dfer einer R\u00fcge seines Vorgesetzten geschah ihm nichts.[34]<\/p>\n<p>Am Folgetag wurde in manchen Gro\u00dfst\u00e4dten zu Massenkundgebungen aufgerufen, die die erfolgte \u201eS\u00fchne\u201c f\u00fcr den Mord an vom Rath feiern und die Einheit von Volk und Partei zeigen sollten. In N\u00fcrnberg nahmen daran 100.000 B\u00fcrger teil.[35] Diese \u201eantij\u00fcdischen Demonstrationen\u201c erreichten jedoch nicht das von der NSDAP erw\u00fcnschte Ausma\u00df. Die meisten Deutschen glaubten die \u00fcber die staatlich gelenkten Medien verbreitete Version von der \u201espontanen Volkserhebung gegen die Juden\u201c nicht. Der Jahresbericht der Exils-SPD von 1938 sprach von \u201egro\u00dfer Emp\u00f6rung \u00fcber diesen Vandalismus\u201c im Rheinland, in Westfalen, Bayern und Berlin. Besonders in Schlesien und Danzig habe die Bev\u00f6lkerung die Exzesse scharf abgelehnt und dies auch \u00f6ffentlich gezeigt.[36] Unbest\u00e4tigt sind Berichte von Emigranten, wonach 300 Nichtjuden wegen Unmuts\u00e4u\u00dferungen verhaftet wurden.<\/p>\n<p>Den widerspr\u00fcchlichen Dokumenten gem\u00e4\u00df bewertet die Forschung die Haltung der deutschen Bev\u00f6lkerung verschieden. Manche Historiker gehen davon aus, dass sie den \u00f6ffentlich gezeigten Terror \u00fcberwiegend verurteilte. Andere sehen in der Passivit\u00e4t latente bis offene Zustimmung, die bisher unzureichend ber\u00fccksichtigt worden sei.<\/p>\n<p>Die Pogrome best\u00e4rkten diejenigen, die zuvor schon Gegner der NSDAP waren, in ihrer Oppositionshaltung. F\u00fcr den Kreisauer Kreis unter Graf Helmuth James von Moltke waren sie ein entscheidender Ansto\u00df f\u00fcr die Attentatspl\u00e4ne auf Hitler. Dieser befand sich allerdings 1938 innen- und au\u00dfenpolitisch auf dem bisherigen H\u00f6hepunkt seiner Macht. Auch deshalb blieben breite \u00f6ffentliche Proteste oder gar Widerstand gegen die Pogrome aus.<\/p>\n<p>Die deutsche \u00d6ffentlichkeit sah weitgehend passiv zu, wie die j\u00fcdische Minderheit in Deutschland an Leib und Leben bedroht, von Vertretern der Staatsmacht ermordet, ihrer Versammlungs- und Gebetsorte, Traditionen und G\u00fcter beraubt und erstmals massenhaft in KZs gesperrt wurde. Die meisten B\u00fcrger f\u00fcrchteten die die Stra\u00dfen beherrschenden Schl\u00e4gerbanden der SA und SS und scheuten abweichendes Verhalten in einem totalit\u00e4ren Polizeistaat, in dem \u201eBlockwarte\u201c und Nachbarn einen an die Gestapo ausliefern konnten.<\/p>\n<p>Wieweit sie der rassistischen Begr\u00fcndung dieser Staatsverbrechen zustimmten, ist ungewiss. Gegen die folgenden \u201eArisierungsgesetze\u201c ist kein Protest \u00fcberliefert. Die jahrelange Propaganda gegen die \u201eVolkssch\u00e4dlinge\u201c hatte ihre Wirkung offenbar nicht verfehlt. Auch profitierten viele \u201eVolksdeutsche\u201c direkt oder indirekt davon. Aus diesen Gr\u00fcnden setzte sich das verbreitete Unbehagen und Entsetzen \u00fcber die Brutalit\u00e4t des Regimes nicht in Emp\u00f6rung und entschlossene Ablehnung seiner Politik um. Dies wurde f\u00fcr die weiteren Ma\u00dfnahmen des NS-Regimes entscheidend.<\/p>\n<p>\nReaktionen der Kirchen und einzelner Christen<\/p>\n<p>\nDie Kirchen waren im damaligen Deutschen Reich die einzigen noch nicht v\u00f6llig gleichgeschalteten Gro\u00dforganisationen. Doch es gab kein einziges eindeutiges Wort von den Kirchenleitungen, weder auf katholischer noch auf evangelischer Seite, dazu, dass hier der Staat Menschen nur aufgrund ihrer angeblichen \u201eRasse\u201c t\u00f6tete, enteignete und rigoros aus der Gesellschaft ausgrenzte. Als Hauptgr\u00fcnde daf\u00fcr benennt etwa der Bochumer evangelische Kirchenhistoriker G\u00fcnter Brakelmann[37]:<\/p>\n<p>dass die meisten Pfarrer deutschnational eingestellt waren und den autorit\u00e4ren F\u00fchrerstaat und seine Innenpolitik seit 1933 grunds\u00e4tzlich bejahten; <\/p>\n<p>\ndass ihr traditioneller Antijudaismus sie dem partiell deckungsgleichen ideologischen Antisemitismus der NSDAP zustimmen lie\u00df; <\/p>\n<p>\ndass sie so sehr mit der eigenen Selbsterhaltung besch\u00e4ftigt waren, dass sie nicht wagten, zu protestieren, um die verbliebenen Handlungsspielr\u00e4ume nicht noch mehr zu gef\u00e4hrden. <\/p>\n<p>\nIn vorauseilendem Gehorsam hatte Kirchenf\u00fchrer Otto Dibelius die \u201enationale Revolution\u201c im Januar 1933 begeistert begr\u00fc\u00dft und alles getan, was den Verdacht einer m\u00f6glichen kirchlichen Systemopposition bei der Regierung zerstreuen konnte. Schon den Gesch\u00e4ftsboykott des 1. April 1933 hatte er als \u201enotwendige Selbstverteidigung\u201c gegen den angeblich \u00fcbergro\u00dfen Einfluss des Judentums verteidigt. Er mahnte damals eine \u201ehumane\u201c Ausgrenzung der Juden an, schwieg dann aber zu s\u00e4mtlichen Gewalttaten und judenfeindlichen Gesetzen der Folgezeit.<\/p>\n<p>Nur einzelne Christen h\u00f6rten auf ihr Gewissen und erhoben ihre Stimme gegen die systematische Verletzung der Menschenrechte. In Berlin betete der Domprobst Bernhard Lichtenberg am Abend des 9. November \u00f6ffentlich f\u00fcr die Juden und nichtarischen Christen. Daf\u00fcr wurde er der \u201evolksfeindlichen Hetze\u201c angeklagt. Der w\u00fcrttembergische Dorfpfarrer Julius von Jan aus Oberlenningen predigte am folgenden Bu\u00df- und Bettag (16. November 1938) \u00fcber den vorgegebenen Bibeltext (Jer 22,29LUT)[38]:<\/p>\n<p>\u201eDie Leidenschaften sind entfesselt, die Gebote missachtet, Gottesh\u00e4user, die andern heilig waren, sind ungestraft niedergebrannt worden, das Eigentum der Fremden geraubt oder zerst\u00f6rt. M\u00e4nner, die unserem deutschen Volk treu gedient haben [&#8230;], wurden ins KZ geworfen, blo\u00df weil sie einer anderen Rasse angeh\u00f6rten! Mag das Unrecht auch von oben nicht zugegeben werden \u2013 das gesunde Volksempfinden f\u00fchlt es deutlich, auch wo man dar\u00fcber nicht zu sprechen wagt. Und wir als Christen sehen, wie dieses Unrecht unser Volk vor Gott belastet und seine Strafen \u00fcber Deutschland herbeiziehen muss. [&#8230;] Gott l\u00e4sst seiner nicht spotten. Was der Mensch s\u00e4et, wird er auch ernten!\u201c<\/p>\n<p>Wenige Tage darauf nahm die SA von Jan als \u201eJudenknecht\u201c fest; eine wartende Menge pr\u00fcgelte ihn vor seinem Haus fast tot. Auch B\u00fcrger, die ihm helfen wollten, wurden misshandelt. Bischof Theophil Wurm leistete ihm in den folgenden Prozessen wegen \u201estaatsfeindlicher Hetze\u201c Rechtsbeistand, schrieb aber zugleich an den Reichsjustizminister:[39]<\/p>\n<p>\u201eIch bestreite mit keinem Wort das Recht, das Judentum als ein gef\u00e4hrliches Element zu bek\u00e4mpfen. [&#8230;] Weil wir unserem Volk ersparen m\u00f6chten, dass es sp\u00e4ter dieselben Leiden und Dem\u00fctigungen \u00fcber sich ergehen lassen muss, denen jetzt andere preisgegeben sind, erheben wir [&#8230;] warnend unsere H\u00e4nde, auch wenn wir wissen, dass man uns deshalb Judenknechte schilt und mit \u00e4hnlichem Vorgehen bedroht, wie es gegen die Juden angewandt worden ist.\u201c<\/p>\n<p>Wurm vermied also, das staatliche Vorgehen Unrecht zu nennen und trat nur f\u00fcr die Deutschen und die Christen, nicht die Juden selber ein. Nach Kriegsende erkl\u00e4rte er: Er werde wohl bis an sein Lebensende nicht damit fertig werden, dass er damals geschwiegen habe.[40]<\/p>\n<p>Dagegen ergriff Pfarrer Helmut Gollwitzer als Vertreter des im KZ sitzenden Martin Niem\u00f6ller in Berlin-Dahlem in seiner Predigt am 16. November \u00fcber die Verk\u00fcndigung Johannes des T\u00e4ufers (Lk 3,3-14LUT) Partei f\u00fcr die Wehrlosen und erreichte, dass seine Gemeinde die Familienangeh\u00f6rigen von inhaftierten Juden materiell unterst\u00fctzte. Christen wie Pfarrer Albert Schmidt, der f\u00fcr seinen nach Sachsenhausen deportierten Kollegen j\u00fcdischer Herkunft Hans Ehrenberg gebetet hatte, kamen f\u00fcr ihre Solidarit\u00e4t selbst in das KZ.<\/p>\n<p>In Freiburg im Breisgau bildete sich aufgrund der Pogrome um Gerhard Ritter, Adolf Lampe, Constantin von Dietze, Walter Eucken, Franz B\u00f6hm u.a. ein \u201eTheologischer Arbeitskreis\u201c, der die im christlichen Glaubensbekenntnis gesetzten Grenzen staatlicher Gewaltaus\u00fcbung in einer Denkschrift \u201eKirche und Welt\u201c klar benannte und aus dem 1. Gebot ein Widerstandsrecht ableitete.[41] Dieser Freiburger Kreis arbeitete seit 1943 eng mit politischen Widerstandsk\u00e4mpfern gegen den Nationalsozialismus zusammen und konzipierte zudem schon 1943 Strukturen eines demokratischen Nachkriegsdeutschlands.<\/p>\n<p>\nWeitere Schritte zum Holocaust<\/p>\n<p>\u201eArisierung\u201c<\/p>\n<p>\nAm 10. November befahl Hitler nach G\u00f6rings Aussage ihm und Goebbels, die Juden nun vollends aus der deutschen Wirtschaft auszuschlie\u00dfen. Die staatlichen Ma\u00dfnahmen dazu wurden als \u201eWiederherstellung der Ordnung\u201c nach den angeblich \u201espontanen\u201c, tats\u00e4chlich gezielt mobilisierten Pogromen zuvor ausgegeben. Um diesen Befehl umzusetzen und das weitere staatliche Vorgehen zu beraten, berief G\u00f6ring eine Besprechung ein, die am 12. November im Reichsluftfahrtministerium mit \u00fcber 100 Teilnehmern stattfand. Die dort beschlossenen Ma\u00dfnahmen sollten alle reichsdeutschen Juden weitgehend enteignen, aus dem Kulturleben entfernen, aus dem Blickfeld der \u00d6ffentlichkeit verbannen und zur Auswanderung zwingen. Das erkl\u00e4rte Ziel war, das Deutsche Reich \u201ejudenfrei\u201c zu machen.<\/p>\n<p>Von Teilen des Sitzungsprotokolls ist eine wortgetreue Kopie erhalten. Die Bestandsaufnahme zeigte, dass ein Gro\u00dfteil der zerst\u00f6rten \u201ej\u00fcdischen\u201c Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume und Wohnungen \u201eAriern\u201c geh\u00f6rte und von Juden nur gemietet war; die Versicherungsgesellschaften mussten diese Sch\u00e4den ersetzen. Allein der Glasbruch kostete ann\u00e4hernd drei Millionen, die gesamten Versicherungssch\u00e4den wurden auf 225 Millionen Reichsmark beziffert.[42] Daher warf G\u00f6ring Heydrich vor:[43]<\/p>\n<p>\u201eMir w\u00e4re lieber gewesen, ihr h\u00e4ttet 200 Juden erschlagen und h\u00e4ttet nicht solche Werte vernichtet.\u201c<\/p>\n<p>Dann schlug er vor, den Juden des Reiches eine \u201eBu\u00dfe\u201c von einer Milliarde Reichsmark f\u00fcr die entstandenen Sachsch\u00e4den aufzuerlegen. Die Entsch\u00e4digungen der zahlungswilligen Versicherungen sollten dazu direkt an den Staat gehen; betroffene Juden sollten leer ausgehen. Die Idee dieser kollektiven Strafsteuer f\u00fcr sie, die nun eine doppelte Enteignung darstellte, stammte aus Hitlers Denkschrift vom August 1936. Alle Anwesenden beschlossen G\u00f6rings Vorschlag ohne Widerspruch und ohne den Zweck zu diskutieren. G\u00f6ring bekr\u00e4ftigte diesen jedoch in einem Vermerk an den Reichsverteidigungsrat am 18. November:[44]<\/p>\n<p>\u201eSehr kritische Lage der Reichsfinanzen. Abhilfe zun\u00e4chst durch die der Judenschaft auferlegte Milliarde und durch die Reichsgewinne bei der Arisierung j\u00fcdischer Unternehmen.\u201c<\/p>\n<p>So mussten die die Novemberpogrome \u00fcberlebenden Juden indirekt den Beginn des Zweiten Weltkriegs finanzieren, in dessen Verlauf wiederum ihre Vernichtung zum obersten Ziel wurde. Im Einzelnen ordnete G\u00f6ring noch am selben Tag als \u201eharte S\u00fchne\u201c f\u00fcr die Juden an:<\/p>\n<p>das Verbot von Einzell\u00e4den, Gewerbe- und Handwerksbetrieben, Versandgesch\u00e4ften, Bestellkontoren, <\/p>\n<p>\ndas Verbot von M\u00e4rkten, Messen, Ausstellungen, Werbung, Bestellannahmen, <\/p>\n<p>\ndas Verbot, Mitglied einer Berufsgenossenschaft zu sein. <\/p>\n<p>\nDie Staatspolizei ordnete zudem am selben Tag an, dass<\/p>\n<p>Juden die vom 8. bis 10. November entstandenen Sch\u00e4den im Stra\u00dfenbild auf eigene Kosten sofort zu beseitigen h\u00e4tten; <\/p>\n<p>\nihre Versicherungsanspr\u00fcche beschlagnahmte der Staat. <\/p>\n<p>\nDie sogenannte \u201eS\u00fchneleistung\u201c oder \u201eJudenbu\u00dfe\u201c sollte innerhalb eines Jahres in vier Quartalsraten aufgebracht werden. Die erste Rate wurde am 15. Dezember 1938, die letzte am 15. August 1939 f\u00e4llig. Jeder j\u00fcdische B\u00fcrger, der mehr als 5.000 Reichsmark Verm\u00f6gen besa\u00df, musste davon 20 Prozent an den Staat abgeben. Zugleich wurde den Juden verboten, Staatsanleihen zu verkaufen. Sie mussten die S\u00fchneleistung also durch Verkauf von Immobilien, Schmuck, Kunstgegenst\u00e4nden oder Sparguthaben aufbringen. Damit sollte das Staatsdefizit kurzfristig zur H\u00e4lfte gedeckt werden. Eine zweite Durchf\u00fchrungsverordnung legte eine f\u00fcnfte Zahlung zum 15. Dezember 1939 fest, so dass insgesamt 25 Prozent des Verm\u00f6gens abgegeben werden mussten. Die Summe von insgesamt 1.126.612.495,00 Reichsmark erh\u00f6hte das damalige Steueraufkommen des Reiches von 16 auf \u00fcber 17 Milliarden um gut sechs Prozent.<\/p>\n<p>Goebbels verbot den Juden zudem die Teilnahme am Kulturleben, den Besuch von Theatern, Kinos, Tanzvarietees, Kabarett, Zirkus usw. Am 14. November ordnete Reichserziehungsminister Bernhard Rust die sofortige Entlassung j\u00fcdischer Sch\u00fcler aus deutschen Schulen an. Von den Hochschulen waren sie zuvor schon verbannt worden. Am 28. November wurde den Regierungsbezirken erlaubt, Juden den Zutritt bestimmter Ortsbereiche zu bestimmten Zeiten zu verbieten. Sie konnten nun auch optisch f\u00fcr die restliche Bev\u00f6lkerung \u201everschwinden\u201c, noch bevor sie deportiert wurden.<\/p>\n<p>Am 3. Dezember entzog eine Anordnung Himmlers allen Juden die F\u00fchrerscheine und KFZ-Papiere. Zugleich mussten sie alle Gewerbebetriebe, Grundeigentum, Verm\u00f6gen, sofern noch in j\u00fcdischem Besitz, verkaufen und ihre Wertpapiere bei einer Devisenbank hinterlegen. Sie durften keinen Schmuck, Juwelen und Kunstgegenst\u00e4nde mehr ver\u00e4u\u00dfern. Damit wurde es auch wohlhabenden Juden nahezu unm\u00f6glich gemacht, noch auszuwandern. In den Folgejahren wurden diese Ma\u00dfnahmen pr\u00e4zisiert und radikalisiert, um Juden jegliche Existenzgrundlage in Deutschland zu nehmen.<\/p>\n<p>\nRepression, Ghettoisierung und Deportation<\/p>\n<p>\nAm 12. November 1938 fragte Heydrich auf G\u00f6rings Konferenz, was aus den enteigneten Juden werden sollte. Ihre Rentenanspr\u00fcche hatte der Staat aufgehoben, auch Entsch\u00e4digungen f\u00fcr \u201earisierten\u201c Besitz und aufgel\u00f6ste Betriebe waren \u00e4u\u00dferst knapp bemessen und wurden sogleich wieder ihrer Verf\u00fcgung entzogen. Hier tauchten erstmals Pl\u00e4ne zur Ghettoisierung auf, die nach Kriegsbeginn weiterverfolgt wurden.<\/p>\n<p>Am 24. Januar 1939 erteilte G\u00f6ring Heydrich zun\u00e4chst den Auftrag, die \u201eJudenfrage\u201c durch \u201eAuswanderung oder Evakuierung\u201c zu l\u00f6sen. Dazu gr\u00fcndete und leitete Heydrich dann die \u201eReichszentrale f\u00fcr j\u00fcdische Auswanderung\u201c. Seit Kriegsbeginn machte man diese den Juden jedoch Schritt f\u00fcr Schritt unm\u00f6glich: Nun begann d\u00ede Zwangsumsiedlung in \u201eJudenh\u00e4user\u201c. Zugleich wurden die ghettoisierten Juden immer st\u00e4rker in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschr\u00e4nkt und aus der \u00d6ffentlichkeit verbannt. Ihre Einkaufszeiten wurden au\u00dferhalb der sonst g\u00fcltigen Gesch\u00e4ftszeiten gelegt. Ihr Ausgang wurde zeitlich begrenzt. Nach den PKWs wurden auch ihre Fahrr\u00e4der, Elektroger\u00e4te und Wollkleidung konfisziert. Die Benutzung von Stra\u00dfenbahnen, Omnibussen, Telefonen, das Betreten von Krankenh\u00e4usern, der Kauf von Zeitungen, B\u00fcchern, Blumen, bestimmten Lebensmitteln wurden ihnen verboten, ihre Lebensmittelzuteilungen wurden mehrfach gesenkt. Zur \u00f6ffentlichen Brandmarkung mussten sie ab dem 1. September 1941 den \u201eJudenstern\u201c tragen, der schon 1938 erwogen worden war.<\/p>\n<p>Wiederum am 9. November jenes Jahres erhielten tausende Juden Berlins, Frankfurt am Mains und M\u00fcnchens erstmals den beh\u00f6rdlichen Befehl, ihre Wohnungen zu r\u00e4umen und sich zur Deportation an den Versammlungspl\u00e4tzen und Bahnh\u00f6fen einzufinden. Von nun an rollten die Z\u00fcge ins Baltikum zu den dortigen Todesschwadronen, sp\u00e4ter nach Chelmno und in die noch nicht fertiggestellten Arbeits- und Vernichtungslager au\u00dferhalb des Reichsgebiets.<\/p>\n<p>Die Verbrechen vom November 1938 waren einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zu diesem Holocaust an den europ\u00e4ischen Juden. Die Erfahrung der Machthaber, dass Massenproteste, aber auch begeisterte Massenteilnahme dagegen ausgeblieben waren, ging in Planung und Durchf\u00fchrung ihrer sp\u00e4teren Taten ein: Die massenhafte \u201eEvakuierung\u201c (Deportation) in Lager war an den 1938 in die KZs Verschleppten bereits vorexerziert worden.<\/p>\n<p>\nUmgang mit den Verbrechen nach 1945<\/p>\n<p>Strafrechtliche Ahndung<\/p>\n<p>\nKurz nach Kriegsende hoben die Besatzungsm\u00e4chte die Verj\u00e4hrungsfristen auf f\u00fcr Delikte wie Landfriedensbruch, Hausfriedensbruch, K\u00f6rperverletzung, Diebstahl, Brandstiftung, Sachbesch\u00e4digung und N\u00f6tigung. Zugleich wurden die deutschen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden angewiesen, gegen T\u00e4ter der Pogrome zu ermitteln und Anklage zu erheben.<\/p>\n<p>\nSkulptur \u201eJ\u00fcdische Opfer des Faschismus\u201c auf dem J\u00fcdischen Friedhof Berlin-MitteDie Delikte der Novemberpogrome wurden tats\u00e4chlich vergleichsweise umfassend verfolgt. Die strafrechtliche Ahndung zog sich jedoch in den Westzonen bzw. der Bundesrepublik noch bis 1955 hin. Dabei l\u00e4sst sich an den Gerichtsverfahren eine Entwicklung zu immer milderen Urteilen und wachsenden Schwierigkeiten bei der Tataufkl\u00e4rung ablesen.<\/p>\n<p>In einer ersten Phase bis zum Jahre 1947 war die Gerichtsbarkeit personell unterbesetzt und konnte nur eine Minderheit der T\u00e4ter aburteilen, doch waren fast alle neu eingesetzten oder im Amt belassenen Richter unbelastet. Die Gerichte verwarfen die Ausrede des \u201eBefehls-Notstandes\u201c unter Hinweis auf das Deutsche Beamtengesetz von 1937, das die Verweigerung eines verbrecherischen Befehls erlaubt h\u00e4tte. Meist wurde der Begriff der R\u00e4delsf\u00fchrerschaft vom Gericht weit ausgelegt, so dass dem SA-F\u00fchrer oder NS-Amtswalter die blo\u00dfe Anwesenheit am Tatort straferschwerend angerechnet wurde. Oft wurde in solchen F\u00e4llen auf schweren Landfriedensbruch erkannt, der Zuchthausstrafen nach sich zog.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend einer zweiten Phase zwischen 1948 und 1949 machte sich in der Bev\u00f6lkerung ein Stimmungswandel bemerkbar. Die Entnazifizierung wurde als ungerecht empfunden und war geradezu verhasst; die Aufgabe der Vergangenheitsbew\u00e4ltigung wurde als weniger wichtig eingestuft und eine \u201eSchlussstrich-Mentalit\u00e4t\u201c war unverkennbar. Diese ver\u00e4nderte Stimmungslage schlug sich in den Aussagen von Zeugen nieder, denen es \u00f6fter an Bereitwilligkeit zu objektiver Mitwirkung fehlte. W\u00e4hrend in der ersten Phase die T\u00e4ter von der Anklage \u00fcberrascht wurden, in Untersuchungshaft keine M\u00f6glichkeit zu Absprachen hatten und gest\u00e4ndig waren, konnten T\u00e4ter sich nun vorher absprechen und Zeugen beeinflussen. Die \u201eVerurteilungsquote\u201c sank deutlich. Meist wurden SA-F\u00fchrer jetzt nur wegen einfachen Landfriedensbruchs zu Gef\u00e4ngnisstrafen verurteilt. Die durchschnittliche Strafzumessung f\u00fcr schweren Landfriedensbruch sank in dieser Phase von 24 Monaten auf 16 Monate. Auch die Strafen f\u00fcr K\u00f6rperverletzung oder Sachbesch\u00e4digung fielen nun deutlich milder aus.<\/p>\n<p>Die dritte Phase der strafrechtlichen Ahndung der Novemberpogrome begann mit dem \u201eGesetz \u00fcber die Gew\u00e4hrung von Straffreiheit\u201c, das die Bundesregierung am 31. Dezember 1949 gegen die Bedenken des Hochkommissars John Jay McCloy erlie\u00df und alle Strafen unterhalb von sechs Monaten amnestierte. Dieses politische Signal wurde von der Richterschaft, die inzwischen wieder belastete ehemalige Nationalsozialisten in ihren Reihen hatte, nicht \u00fcberh\u00f6rt. Mehrere Verfahren wurden eingestellt, zu einer Anklageerhebung kam es deutlich seltener und lediglich die F\u00e4lle von schwerem Landfriedensbruch wurden noch regelm\u00e4\u00dfig vor Gericht abgeurteilt.<\/p>\n<p>\nBezeichnungen<\/p>\n<p>\nDie Ereignisse wurden bereits 1938 von T\u00e4tern, Augenzeugen und Betroffenen sehr verschieden bezeichnet. Vor allem seit ihrem 50. Jahrestag 1988 wurde der verbreitete Begriff \u201e(Reichs)-Kristallnacht\u201c zunehmend problematisiert. Die Debatte um die richtige Bezeichnung ist offen.<\/p>\n<p>\nDamalige Begriffe<\/p>\n<p>\nDie in die Konzentrationslager verschleppten Opfer sprachen von der \u201eRath-Aktion\u201c oder der \u201eMordwoche\u201c. Victor Klemperer schrieb in sein Tagebuch von der \u201eGr\u00fcnspan-Aff\u00e4re\u201c, w\u00e4hrend Walter Tausk sich an die \u201eBartholom\u00e4usnacht\u201c erinnert f\u00fchlte. Viele Augenzeugen der Pogrome erinnerten sich an damals umlaufende Ausdr\u00fccke wie \u201eGlasnacht\u201c, \u201eGl\u00e4serner Donnerstag\u201c und \u201eKristallnacht\u201c. Die Zeitungen der Exil-SPD und der Untergrund-KPD nannten die Ereignisse \u201eJudenpogrome\u201c.<\/p>\n<p>Die T\u00e4ter der SA und HJ sprachen im Verlauf analog zum R\u00f6hm-Putsch von einer \u201eNacht der langen Messer\u201c. Diesen Ausdruck h\u00f6rten Opfer als Ger\u00fccht \u00fcber eine ihnen bevorstehende Racheaktion schon im Vorfeld. Die Dienststellen des NS-Regimes und die vom Reichspropagandaministerium gelenkten Medien benutzten f\u00fcr die von ihnen gelenkte Gewaltaktion damals propagandistisch gef\u00e4rbte Ausdr\u00fccke wie \u201eJudenaktion\u201c, \u201eNovemberaktion\u201c, \u201eVergeltungsaktion\u201c, \u201eSonderaktion\u201c, \u201eantij\u00fcdische Demonstrationen\u201c oder \u201egerechte Vergeltungskundgebungen\u201c.<\/p>\n<p>Die Wortsch\u00f6pfung \u201eReichskristallnacht\u201c dagegen war zun\u00e4chst kein offizielles Propagandaschlagwort, wie man oft annimmt. Sie wurde wahrscheinlich angesichts der vielen zerbrochenen Glasfenster und Kristallleuchter j\u00fcdischer Synagogen und Gesch\u00e4fte vom Berliner Volksmund gepr\u00e4gt und wandte sich gegen die damaligen Machthaber, indem sie den im \u201eDritten Reich\u201c inflation\u00e4ren Gebrauch der Anfangssilbe \u201eReichs-\u201c mit satirischem Spott \u00fcbersteigerte.<\/p>\n<p>Der regimekritische Gebrauch des Begriffs i<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist ein Artikel von WIKIPEDIA, der zu den &#8222;exzellent-ausgezeichneten&#8220; z\u00e4hlt &#8211; ! <br \/>\nMit umfangreichem Quellen-Angebot. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[],"class_list":["post-84689","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-supissima","entry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>NOVEMBER POGROME 1938 und das Ziel: Vernichtung! - Feminissima<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2006\/11\/09\/november-pogrome-1938-und-das-ziel-vernichtung\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"NOVEMBER POGROME 1938 und das Ziel: Vernichtung! - Feminissima\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Dies ist ein Artikel von WIKIPEDIA, der zu den &quot;exzellent-ausgezeichneten&quot; z\u00e4hlt - ! 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