{"id":84319,"date":"2006-02-23T01:38:54","date_gmt":"2006-02-23T01:38:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=84319"},"modified":"2006-02-23T01:38:54","modified_gmt":"2006-02-23T01:38:54","slug":"heinrich-heine-noch-immer-ein-aussenseiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2006\/02\/23\/heinrich-heine-noch-immer-ein-aussenseiter\/","title":{"rendered":"Heinrich Heine &#8211; Noch immer ein Au\u00dfenseiter?"},"content":{"rendered":"<p>Skizze aus der Sicht eines Journalisten, und zwar aus \u00d6sterreich:<br \/>Heinrich Heine:<br \/>\n<br \/>\nImmer noch ein Au\u00dfenseiter <\/p>\n<p>(diepresse.com) 16.02.2006 <\/p>\n<p>Am 17. Februar j\u00e4hrt sich der Todestag des gefeierten Schriftstellers. <\/p>\n<p>\nRomantiker und Revolution\u00e4r, gefeierter Lyriker, gef\u00fcrchteter Prosaist, gescheiterter Dramatiker. J\u00fcdisch geboren, protestantisch getauft, katholisch verheiratet. Auch 150 Jahre nach seinem Tod am 17. Februar 1856 ist der Schriftsteller Heinrich Heine noch nicht endg\u00fcltig in das literarische Pantheon Deutschlands aufgenommen. Er sitzt dort eher zu F\u00fc\u00dfen des ehernen Denkmals f\u00fcr Goethe und Schiller &#8211; und h\u00e4tte sich als Sp\u00f6tter so sicher wohlgef\u00fchlt. Seine lebenslange Hassliebe zu Deutschland, seine politische Liberalit\u00e4t und erotische Lockerheit bleiben unverziehen: Vor allem \u00e4ltere Lesergenerationen, so urteilt Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, schleppten bis heute die w\u00e4hrend der NS-Zeit eingeimpften &#8222;Ressentiments&#8220; gegen\u00fcber Heine mit.  <\/p>\n<p>\nBei keinem anderen deutschen Autor wirke das historische Verdammungsurteil so nachhaltig in die Gegenwart wie bei Heine, meint Prof. Joseph A. Kruse, Direktor des Heine-Institutes in D\u00fcsseldorf, wo der Dichter mutma\u00dflich am 13. Dezember 1797 zur Welt gekommen ist. <\/p>\n<p>Mit wichtigen Schriften stand der Dichter bis 1967 auf dem Index verbotener B\u00fccher der katholischen Kirche, darunter die ab 1826 erschienenen, leichtf\u00fc\u00dfigen &#8222;Reisebilder&#8220;, die Heines Name in Europa bekannt machten und mit deren sehr subjektiven Schilderungen und Bekenntnissen zu Freiheit und Gleichheit er das moderne Feuilleton begr\u00fcndete. <\/p>\n<p>Auf das Konto seines bis heute popul\u00e4rsten Lyrikbandes &#8222;Buch der Lieder&#8220; (1827) geht der L\u00f6wenanteil der 8000 Heine-Vertonungen seit Schumann, seit Silchers Loreley-Lied (&#8222;Ich wei\u00df nicht, was soll es bedeuten&#8220;), ermittelte Heine-Biograf Jan-Christoph Hauschild. Die feinsinnige ironische Brechung in der nur scheinbar sentimentalen Lyrik des &#8222;entlaufenen Romantikers&#8220; (Heine \u00fcber Heine) genie\u00dft wohl erst der gegenw\u00e4rtige Leser ganz. <\/p>\n<p>Der Autor, der seit 1831 im Exil in Paris lebte und von der Zensur in Deutschland verfolgt wurde, hatte es laut Biograf Hauschild nicht n\u00f6tig, f\u00fcr den Geschmack des Publikums zu schreiben: &#8222;Er erzieht sich vielmehr seine Leser.&#8220; Womit das Verdikt des Kulturphilosophen Adorno, Heine habe die Dichtung kommerzialisiert, ebenso ins Leere l\u00e4uft wie Karl Kraus&#8216; galliger Bannspruch vom Sprachverderber Heine. <\/p>\n<p>Als Pariser Zeitungskorrespondent, alimentiert auch aus einer omin\u00f6sen Schatulle des franz\u00f6sischen Au\u00dfenministers, wurde es Heines h\u00f6chst moderne selbstgestellte Aufgabe, Leser in beiden L\u00e4ndern mit Leben, Politik und Kultur des jeweils anderen Volkes vertraut zu machen. Seine gesammelten Zeitungsberichte, die &#8222;Franz\u00f6sischen Zust\u00e4nde&#8220;, finden ihr spiegelbildliches Gegen\u00fcber in den kritischen Analysen &#8222;Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland&#8220;, des Landes, von dem er best\u00fcrzend prophetisch einen zerst\u00f6rerischen &#8222;deutschen Donner&#8220; erwartet. <\/p>\n<p>Das satirische Versepos &#8222;Deutschland. Ein Winterm\u00e4rchen&#8220;, in dem er m\u00e4chtig an der Nachtm\u00fctze des deutschen Michels rupft, schreibt Heine 1844; der Witz ist ihm einmal mehr Waffe gegen nationalistische Borniertheit und teutschen Untertanengeist. Sein &#8222;Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht&#8220; als doppeldeutige &#8222;Nachtgedanken&#8220; (1843), sein sozialkritisches und schnell verbotenes Gedicht &#8222;Die schlesischen Weber&#8220; entstehen. Auch Heines N\u00e4he zu den Fr\u00fchsozialisten und Karl Marx werden im Gefolge der 1968er Aufbruchjahre Belege einer mittlerweile in den Hintergrund getretenen &#8222;linken&#8220; Interpretation des Dichters. <\/p>\n<p>Im Revolutionsjahr 1848 bricht der l\u00e4ngst schon kranke Heine bei einem Besuch des Louvre zusammen und wird von seiner Frau Mathilde, seinem &#8222;Hausvesuv&#8220;, in der &#8222;Matratzengruft&#8220; acht Jahre lang gepflegt. Die sp\u00e4ten Gedichte (&#8222;Romanzero&#8220;) und Schriften (&#8222;Lutetia&#8220;) vom qualvollen Krankenlager einer bis heute ungekl\u00e4rten Nervenl\u00e4hmung werden zu anr\u00fchrenden Reflexionen \u00fcber Leben und Tod, Politik und Religion. <\/p>\n<p>Der Blick aus dem Wohnungsfenster auf die lebhafte Avenue Matignon ist dem Dichter schlie\u00dflich nur noch m\u00f6glich, wenn er sich mit dem Finger die gel\u00e4hmten Augenlider hochschiebt. Eine heftige, aber platonische Liebe verbindet Heine mit einer jungen Verehrerin, die er z\u00e4rtlich &#8222;Mouche&#8220; nennt. Sein letztes Schreiben an sie (&#8222;Ich bin sehr leidend und zum Tode verdrie\u00dflich&#8230;&#8220;) tr\u00e4gt den Abschiedsgru\u00df: &#8222;Mis\u00e8re, dein Name ist H.H.&#8220;. (APA)<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Skizze aus der Sicht eines Journalisten, und zwar aus \u00d6sterreich:<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-84319","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-portrait","entry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Heinrich Heine - Noch immer ein Au\u00dfenseiter? - Feminissima<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2006\/02\/23\/heinrich-heine-noch-immer-ein-aussenseiter\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Heinrich Heine - Noch immer ein Au\u00dfenseiter? 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