{"id":84311,"date":"2006-02-22T14:50:30","date_gmt":"2006-02-22T14:50:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=84311"},"modified":"2006-02-22T14:50:30","modified_gmt":"2006-02-22T14:50:30","slug":"kultur-grosse-fragen-kleine-antworten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2006\/02\/22\/kultur-grosse-fragen-kleine-antworten\/","title":{"rendered":"KULTUR: Gro\u00dfe Fragen &#8211; kleine Antworten"},"content":{"rendered":"<p>ein spiegel-online-Interview mit dem neuen CDU-Staatsminister f\u00fcr Kultur..Bernd Neumann..<br \/>\n<br \/>\nDie einzig handfeste Antwort: dass der Bund j\u00e4hrlich 18 Millionen an die AKADEMIE der K\u00dcNSTE r\u00fcberschiebt.<br \/>\n<br \/>\nDie derzeit kr\u00e4nkelt, da mit inneren Querelen besch\u00e4ftigt, auf hohem Preis-Niveau&#8230;!!<br \/>\n<br \/>\nAber keiner verr\u00e4t, worum es eigentlich wirklich geht&#8230;??!!! Bei den Mi\u00dfstimmigkeiten. Komisch.<br \/>22. Februar <\/p>\n<p>\nKULTURSTAATSMINISTER NEUMANN<\/p>\n<p>&#8222;Wir m\u00fcssen die Akzeptanz unserer Werte einfordern&#8220;<\/p>\n<p>Der Staatsminister f\u00fcr Kultur, Bernd Neumann, CDU, spricht im Interview mit SPIEGEL ONLINE \u00fcber die Debatte um den t\u00fcrkischen Film &#8222;Tal der W\u00f6lfe&#8220;, die gew\u00fcnschte Rolle der Akademie der K\u00fcnste im Kampf der Kulturen und seine Pl\u00e4ne zur St\u00e4rkung des deutschen Films.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Nach der Ver\u00f6ffentlichung von Mohammed-Karikaturen in einer d\u00e4nischen Zeitung rei\u00dft die Welle der Gewalt in einigen muslimischen L\u00e4ndern nicht ab. Was kann die Kultur dagegen setzen?<\/p>\n<p>Neumann: In Zeiten der zunehmenden Orientierungslosigkeit kommt der Kultur bei der R\u00fcckbesinnung auf eigene Werte und Traditionen eine eminent wichtige Rolle zu. Wir haben keine andere Chance, als in diesen Zeiten den Dialog zu f\u00fchren. Dazu sind wir aber erst f\u00e4hig, wenn wir die eigenen St\u00e4rken und Schw\u00e4chen unserer Kultur kennen.<\/p>\n<p>DDP<br \/>\n<br \/>\nKulturstaatsminister Neumann: &#8222;Ich halte nichts von Verboten&#8220;<br \/>\n<br \/>\nSPIEGEL ONLINE: In deutschen Kinos l\u00e4uft mit &#8222;Tal der W\u00f6lfe&#8220; gerade ein unter Migranten sehr erfolgreicher t\u00fcrkischer Actionfilm, der antiamerikanische und antisemitische Ressentiments bedient. Macht Ihnen das Sorgen?<\/p>\n<p>Neumann: Nat\u00fcrlich, weil ein Kampf der Kulturen das Schlimmste w\u00e4re, wenn er Wirklichkeit w\u00fcrde. Denn Kampf bedeutet am Ende auch immer, dass es Sieger und Verlierer gibt. Wir, die wir im kulturellen Bereich t\u00e4tig sind, m\u00fcssen hier vermitteln und aufkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Der bayerische Ministerpr\u00e4sident Edmund Stoiber verlangte sogar die Absetzung des Films. Ist das die richtige Ma\u00dfnahme?<\/p>\n<p>Neumann: Ich habe den Film bislang nicht gesehen. Was ich aber dar\u00fcber gelesen habe, bereitet mir schon Sorge. Wenn ich lese, dass der Film mit gro\u00dfem Beifall bedacht wird, stellt das Fragen an die Verankerung unseres Wertesystem in der Gesellschaft, aber auch an die Vermittlung unserer Werte weltweit.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: M\u00fcsste der Verleiher des Films nicht den Streifen von sich aus vom Markt nehmen? <\/p>\n<p>Neumann: Nat\u00fcrlich w\u00fcrden Verleiher und Kinobetreiber die notwendige Verantwortung zeigen, wenn sie einen derartig politisch wie gesellschaftlich problematischen Film von vornherein ablehnten. Verbieten kann man ihn nicht. Verbote l\u00f6sen kein Problem. Offensichtlich dr\u00fcckt der Film die Empfindungen eines Teils der t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Bev\u00f6lkerung in Deutschland aus. Die Akzeptanz des Films wirft aber auch ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, vor denen unsere Integrationspolitik noch steht. Wir m\u00fcssen verst\u00e4rkt den Dialog suchen, verst\u00e4rkt in Schulen und dar\u00fcber hinaus \u00fcber unsere kulturellen Werte aufkl\u00e4ren, \u00fcber die Bedeutung von Demokratie, Freiheit und Toleranz, \u00fcber die Ablehnung von Hass und Ressentiments gegen\u00fcber Andersdenkenden und Andersgl\u00e4ubigen. Wir m\u00fcssen aber auch von allen, die in unserer Gesellschaft leben, die Akzeptanz dieser Werte einfordern.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Entz\u00fcndet hat sich die neuerliche Debatte \u00fcber den Kampf der Kulturen an den Mohammed-Karikaturen der d\u00e4nischen Zeitung &#8222;Jyllands-Posten&#8220;. H\u00e4tten sie nicht ver\u00f6ffentlicht werden d\u00fcrfen?<\/p>\n<p>Neumann: Ich h\u00e4tte sie nicht ver\u00f6ffentlicht, aber jetzt mit Zensurforderungen zu kommen, ist v\u00f6llig verfehlt. Die Pressefreiheit ist aus gutem Grund Teil unseres Grundgesetzes. Zur Pressefreiheit geh\u00f6rt aber immer auch der verantwortliche Umgang mit Freiheit.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Was k\u00f6nnen Sie denn konkret f\u00fcr den Dialog der Kulturen tun?<\/p>\n<p>Neumann: Als Kulturstaatsminister f\u00f6rdere ich ihn durch Institutionen und Projekte, wie die der Bundeskulturstiftung mit ihren interkulturellen Projekten, das Haus der Kulturen der Welt oder der Berlinale mit dem &#8222;World Cinema Fund&#8220;. Auch die Akademie der K\u00fcnste in Berlin, die der Bund \u00fcbernommen hat und mit 18 Millionen Euro im Jahr f\u00f6rdert, sollte uns dabei unterst\u00fctzen. <\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Die sich nach dem R\u00fccktritt ihres Pr\u00e4sidenten allerdings weitestgehend mit sich selbst besch\u00e4ftigt. <\/p>\n<p>Neumann: Ich sehe in der Tat dringenden Handlungsbedarf, damit die Akademie der K\u00fcnste die im Akademie-Gesetz verankerten Aufgaben in vollem Umfang wahrnehmen kann.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie in die Interna der derzeit desolat aufgestellten Akademie eingreifen?<\/p>\n<p>Neumann: Der Bund hat ja nur die Rechtsaufsicht, das ist auch gut so. Trotzdem habe ich die Verantwortlichen der Akademie eingeladen, um einen Dialog \u00fcber Reformen und Ziele zu f\u00fchren. <\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE:  Die Rolle der Akademie der K\u00fcnste, die als nationale Institution nicht wirklich in Erscheinung tritt, wirft auch ein Schlaglicht auf die Hauptstadt-F\u00f6rderung. \u00dcbernimmt der Bund weitere Institutionen? <\/p>\n<p>Neumann: Zun\u00e4chst einmal muss Berlin als Bundesland seine Aufgaben erledigen. Fakt ist aber auch, dass sich in der Hauptstadt die Kulturnation Deutschland in besonderer Weise repr\u00e4sentiert, wof\u00fcr der Bund auch erhebliche Mittel bereitstellt.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Was passiert mit der Deutschen Staatsoper, deren Sanierungskosten auf 120 Millionen Euro gesch\u00e4tzt werden? <\/p>\n<p>Neumann: Wir alle stehen in der Verantwortung diesen historischen Bau mit seiner Oper zu erhalten. Zudem hat die Staatsoper durch Daniel  Barenboim Weltruf.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Also gibt es keine \u00dcbernahme der Oper durch den Bund, sondern eine Beteiligung an den Sanierungskosten wie einst beim Olympiastadion?<\/p>\n<p>Neumann: Dar\u00fcber muss geredet werden. <\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Unterdessen schreitet der Abriss des Palastes der Republik voran. Wird sich der Bund am Wiederaufbau des Stadtschlosses beteiligen?<\/p>\n<p>Neumann: Ich halte es f\u00fcr richtig, dass der Palast endlich abgerissen wird, er war ja nur noch eine unansehnliche Ruine. Die federf\u00fchrende Verantwortung zum Schlossaufbau liegt beim Bundesbauminister. Nat\u00fcrlich ist es unser Ziel, dass das neue Geb\u00e4ude mit dem Humboldtforum Wirklichkeit wird. Wann, kann im Augenblick realistischerweise niemand sagen.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Mit der Berlinale r\u00fcckte Berlin in den vergangenen Tagen einmal mehr in den Blickpunkt der internationalen \u00d6ffentlichkeit. Sie haben schon immer ein gro\u00dfes Interesse f\u00fcr die Filmwirtschaft gehabt. Der deutsche Film hat gut abgeschnitten. Wird sich das auch an der Kinokasse widerspiegeln?<\/p>\n<p>Neumann: Das wird man sehen. Aber die Aufmerksamkeit, die die Berlinale erzeugt, hat den Filmen in den Kinos immer geholfen. Wir hatten 2004 ein Rekordjahr mit fast 24 Prozent Marktanteil f\u00fcr den deutschen Film, 2005 allerdings nur 17 Prozent. Ich bin sicher, dass der Anteil deutscher Filme in diesem Jahr wieder steigen wird &#8211; die Berlinale hat dieses bef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Sind Sie da nicht sehr optimistisch? Die Zahl der Kinobesucher geht doch kontinuierlich zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Neumann: Der Grund f\u00fcr die Einbr\u00fcche im Jahr 2005 liegt aber nicht an deutschen Produktionen, sondern erkl\u00e4rt sich im wesentlichen am unattraktiveren Angebot amerikanischer Filme.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Bei aller Freude \u00fcber die Silbernen B\u00e4ren f\u00fcr deutsche Schauspieler, hat der deutsche Film nicht doch eher eine Nischenfunktion?<\/p>\n<p>Neumann: Das hei\u00dft ja nicht, dass man den Anteil nicht erh\u00f6hen kann. Die Franzosen haben einen Anteil von 38 Prozent. Auch in Deutschland kann man durch verbesserte Rahmenbedingungen zu Steigerungen kommen.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Sie waren k\u00fcrzlich in Frankreich. Was kann man lernen? Etwa die Einf\u00fchrung der Quote?<\/p>\n<p>Neumann: In Deutschland gibt es wenig Akzeptanz f\u00fcr schematische Quoten &#8211; weder im Kino noch im Fernsehen. Aber Frankreich hat ein attraktives Mosaik von F\u00f6rderungsmechanismen, die zu Investitionen in franz\u00f6sische Produktionen f\u00fchren. Wir haben gute deutsche Filme. Was verbesserungsbed\u00fcrftig ist, sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Wie genau stellen Sie sich diese Verbesserung vor?<\/p>\n<p>Neumann: Es muss gelingen, in Deutschland Rahmenbedingungen wie in anderen EU-L\u00e4ndern zu schaffen, die dazu f\u00fchren, dass privates Kapital f\u00fcr Produktionen in Deutschland investiert wird: Eine Arbeitsgruppe unter meiner Leitung wird bis zum 1. Juli ein entsprechendes Konzept vorlegen, mit dem die Bundesregierung den Zielen des Koalitionsvertrages dann Rechnung tragen kann.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Die Tagung der CSU-Filmkommission hat einen nationalen Filmfonds vorgeschlagen, auch deutsche Produzenten wie Regina Ziegler haben auf der Berlinale daf\u00fcr pl\u00e4diert.<\/p>\n<p>REUTERS<br \/>\n<br \/>\nNeumann mit Brasiliens Kulturminister Gilberto Gil: &#8222;Dialog der Kulturen bef\u00f6rdern&#8220;<br \/>\n<br \/>\nNeumann: Das ist ein Vorschlag, der in der Arbeitsgruppe mit beraten wird. Es gibt sehr verschiedene Interessen, die gro\u00dfen Produzenten ben\u00f6tigen nicht unbedingt dieselben Ma\u00dfnahmen wie die kleinen. Deshalb ist das franz\u00f6sische Modell mit seinem breit gef\u00e4cherten Angebot so interessant.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: F\u00fchlen Sie sich denn eher den kleinen Produzenten verpflichtet?<\/p>\n<p>Neumann: Wir brauchen beide &#8211; die Global player, die gr\u00f6\u00dfere Produktionen machen k\u00f6nnen, und die kleinen Produktionsfirmen.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Sie sitzen hier im achten Stock des Kanzleramtes, ein Stockwerk unter Ihnen residiert die Kanzlerin. Hat Sie ein offenes Ohr f\u00fcr Ihre Vorschl\u00e4ge?<\/p>\n<p>Neumann: Ja. Sie ist auch an der wirtschaftlichen St\u00e4rkung des deutschen Films sehr interessiert. Deshalb hat sie mit Dieter Kosslick und mir einen Besuch auf dem European Film Market der Berlinale gemacht. Dieser Bereich ist enorm gewachsen, der boomt jetzt und ist einer der gr\u00f6\u00dften Filmm\u00e4rkte der Welt. Mit dem Besuch hat die Bundeskanzlerin ein Signal gesetzt und deutlich gemacht, dass die Regierung die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Filmwirtschaft st\u00e4rken will.<\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Frau Merkel wird ja allgemein nachgesagt, keinen gro\u00dfen Bezug zur Kulturbranche zu haben.<\/p>\n<p>Neumann: Im Gegenteil. Erst dieser Tage hat sie in einem Gespr\u00e4ch mit mir ihr besonderes Interesse am Kulturbereich zum Ausdruck gebracht und mir ihre Unterst\u00fctzung zugesagt. Der gro\u00dfe Vorteil meines Amtes liegt ja darin, dass es direkt im Kanzleramt angesiedelt ist. <\/p>\n<p>SPIEGEL ONLINE: Also ein nachtr\u00e4glicher Dank an Gerhard Schr\u00f6der, der das Amt erst schuf, f\u00fcr das Sie erfolglos unter Helmut Kohl gek\u00e4mpft haben? <\/p>\n<p>Neumann: Alles flie\u00dft. Ich habe bereits 1998 keinen Hehl daraus gemacht, dass die Einrichtung dieses Amtes sinnvoll ist. Damals gab es aus manchen L\u00e4ndern noch Kritik. Heute erhalte ich h\u00e4ufig Anrufe aus denselben L\u00e4ndern, ob der Bund nicht hier oder dort unterst\u00fctzend t\u00e4tig sein k\u00f6nnte. Das best\u00e4tigt die Akzeptanz dieses Amtes.<\/p>\n<p>Das Interview f\u00fchrten Andreas Borcholte und Severin Weiland <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ein spiegel-online-Interview mit dem neuen CDU-Staatsminister f\u00fcr Kultur..Bernd Neumann..<br \/>\n<br \/>\nDie einzig handfeste Antwort: dass der Bund j\u00e4hrlich 18 Millionen an die AKADEMIE der K\u00dcNSTE r\u00fcberschiebt.<br \/>\n<br \/>\nDie derzeit kr\u00e4nkelt, da mit inneren Querelen besch\u00e4ftigt, auf hohem Preis-Niveau&#8230;!!<br \/>\n<br \/>\nAber keiner verr\u00e4t, worum es eigentlich wirklich geht&#8230;??!!! Bei den Mi\u00dfstimmigkeiten. 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