{"id":84221,"date":"2006-01-23T19:07:32","date_gmt":"2006-01-23T19:07:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=84221"},"modified":"2006-01-23T19:07:32","modified_gmt":"2006-01-23T19:07:32","slug":"presse-profil-at-restitution-die-klimt-zuege-gehen-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2006\/01\/23\/presse-profil-at-restitution-die-klimt-zuege-gehen-weiter\/","title":{"rendered":"PRESSE: PROFIL.at. RESTITUTION: Die Klimt-Z\u00fcge gehen weiter &#8222;"},"content":{"rendered":"<p>Restitution: Klimt-Z\u00fcge &#8211; Der Kampf um die f\u00fcnf geraubten Klimt-Gem\u00e4lde geht weiter<br \/>\n<br \/>\nWie \u00d6sterreich falsch spielte und doch alles verlor.<br \/>\n<br \/>\n Von den Nazis gestohlen, von der Republik \u00d6sterreich unrechtm\u00e4\u00dfig einbehalten. Nach langem Rechtsstreit sind f\u00fcnf Klimt-Gem\u00e4lde vergangene Woche ihren legitimen Besitzern zugesprochen worden. Trotzdem wird heftig weiter um sie gek\u00e4mpft.<\/p>\n<p>\nRestitution: Klimt-Z\u00fcge &#8211; Der Kampf um die f\u00fcnf geraubten Klimt-Gem\u00e4lde geht weiter<br \/>\n<br \/>\nWie \u00d6sterreich falsch spielte und doch alles verlor.<br \/>\n<br \/>\nEin Bankenkonsortium als Retter der Bilder?<br \/>\n<br \/>\nVon den Nazis gestohlen, von der Republik \u00d6sterreich unrechtm\u00e4\u00dfig einbehalten. Nach langem Rechtsstreit sind f\u00fcnf Klimt-Gem\u00e4lde vergangene Woche ihren legitimen Besitzern zugesprochen worden. Trotzdem wird heftig weiter um sie gek\u00e4mpft. Aber wer kann sich die Bilder leisten?<\/p>\n<p>Wenn Maria Altmann wollte, dann k\u00f6nnte sie jetzt Folgendes tun: sich im Wiener Belvedere f\u00fcnf Gem\u00e4lde von Klimt einpacken lassen und sie im Wohnzimmer ihres Hauses in Los Angeles an die Wand h\u00e4ngen. Die Bilder, deren Marktwert auf insgesamt 200 Millionen Euro gesch\u00e4tzt wird, geh\u00f6ren nun hochoffiziell wieder ihr und ihren Miterben \u2013 und nicht der \u00d6sterreichischen Galerie Belvedere, in der sie sechs Jahrzehnte lang ausgestellt waren. Das hat ein Schiedsgericht vergangene Woche bekannt gegeben.<\/p>\n<p>Doch Maria Altmann denkt nicht daran, die Kunstwerke in ihr privates Anwesen zu \u00fcbernehmen. \u201eKeinen Tag, keine Stunde m\u00f6chte ich die Klimts bei mir zu Hause haben\u201c, sagt die alte Dame, die sich nach der Vertreibung durch die Nazis in Kalifornien eine Existenz als Boutiquenbesitzerin aufbaute, in sch\u00f6nstem Wiener Deutsch: \u201eIch m\u00f6chte ja noch l\u00e4nger leben. Und die Nachbarn machen sich ohnehin schon Sorgen.\u201c <\/p>\n<p>Altmann lacht. Im Februar wird sie 90. Die vergangenen sieben Jahre hat sie um ihr Eigentum gek\u00e4mpft: die Bildnisse \u201eAdele Bloch-Bauer I\u201c (ber\u00fchmt als \u201eGoldene Adele\u201c), \u201eAdele Bloch-Bauer II\u201c, \u201eApfelbaum I\u201c, \u201eBuchenwald\/Birkenwald\u201c und \u201eH\u00e4user in Unterach am Attersee\u201c \u2013 nach dem \u201eAnschluss\u201c 1938 von den Nazis konfisziert, nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs von \u00d6sterreich einbehalten und in der Folge umstandslos zum Gewohnheitsbesitz der Zweiten Republik avanciert. <\/p>\n<p>Doch nunmehr ist klar: \u201ePuppe Bloch-Bauer\u201c \u2013 so hei\u00dft die unf\u00f6rmige Nachbildung der \u201eGoldenen Adele\u201c, die f\u00fcr 22 Euro im Museumsshop der \u00d6sterreichischen Galerie zu erwerben ist \u2013 wird hier nicht mehr tanzen.<\/p>\n<p>Dass die Gem\u00e4lde nun wieder ihren rechtm\u00e4\u00dfigen Eigent\u00fcmern zufallen sollen, l\u00f6st altbekannte Abwehrreflexe aus. Am vergangenen Freitag sah sich das Belvedere kurzfristig gezwungen, die Klimts abzuh\u00e4ngen. In der Nacht zuvor war bei Altmanns Anwalt Randol Schoenberg per E-Mail eine Drohung eingegangen, laut welcher die Kunstwerke zerst\u00f6rt werden sollten, um so ihre R\u00fcckgabe oder ihren allf\u00e4lligen Ankauf zu verhindern. Die Botschaft: Die j\u00fcdischen Erben sollen weder die Bilder noch Geld daf\u00fcr bekommen.<\/p>\n<p>Die rabiate Reaktion eines wenig sp\u00e4ter ausgeforschten Nieder\u00f6sterreichers, der angab, in alkoholisiertem Zustand gehandelt zu haben, \u00fcberrascht kaum: Die \u00f6sterreichische Politik hat nichts getan, um Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr zu wecken, dass die Klimts nicht \u00d6sterreich geh\u00f6ren, sondern den Erben ihrer urspr\u00fcnglichen Besitzer, der Industriellenfamilie Bloch-Bauer.<\/p>\n<p>Im Gegenteil: Seit das Urteil des mit drei \u00f6sterreichischen Juristen besetzten Schiedsgerichts bekannt gegeben wurde, beherrschte nur noch eine einzige Frage die Diskussion: Woher das viele Geld nehmen, um wenigstens eines oder zwei der Bilder behalten zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>\u00d6VP-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer er\u00f6ffnete das Spiel mit der Erkl\u00e4rung, ein Ankauf der Klimts \u00fcbersteige \u201ebei Weitem unsere finanziellen M\u00f6glichkeiten\u201c. Wilfried Seipel, der Direktor des Kunsthistorischen Museums, sprang der gebeutelten Ministerin bei, bezeichnete die \u201eGoldene Adele\u201c kurzerhand als \u201eWeltkulturerbe\u201c und rief zum nationalen Schulterschluss auf. In Wiener Bankenkreisen wurde kolportiert, \u201eKrone\u201c-Herausgeber Hans Dichand trage sich mit dem Gedanken, selbst zumindest eines der Gem\u00e4lde zu erstehen.<\/p>\n<p>Selbst gemeinhin besonnene Gem\u00fcter verstiegen sich zu absonderlichen Vergleichen: \u201eDie \u00d6sterreicher sind stets f\u00fcr ,Nachbar in Not\u2018 zu motivieren. Jetzt haben wir ,\u00d6sterreich in Not\u2018\u201c, lie\u00df sich der ehemalige \u00d6VP-Vizekanzler Erhard Busek vernehmen \u2013 als w\u00e4re der drittreichste EU-Staat eine hoffnungslose Krisenregion, die weltweiter Hilfe bedarf.<\/p>\n<p>Die SP\u00d6, die ihre Kunstexpertise k\u00fcrzlich erst durch populistisches Agitieren gegen die so genannten \u201ePorno-Plakate\u201c des Projekts \u201e25 Peaces\u201c unter Beweis gestellt hat, mochte nat\u00fcrlich nicht zur\u00fcckstehen: Parteichef Alfred Gusenbauer sorgte sich um die f\u00fcnf \u201eSchl\u00fcsselwerke der \u00f6sterreichischen Kunst\u201c und hob das Thema auf bekannt hohes tagespolitisches Niveau: \u201eDass der Finanzminister die Post verscherbelt, damit wir uns zwei Bilder leisten, das wird wohl nicht der Weisheit letzter Schluss sein.\u201c <\/p>\n<p>Ministerin Gehrer klapperte Banken, Wirtschaftstreibende und prominente Kunstm\u00e4zene ab, um Finanzierungsquellen zu erschlie\u00dfen. Sogar die Auflage eines Klimt-Bonds wurde angedacht. Dabei handelt es sich um eine Schuldverschreibung, etwa auf zwanzig Jahre, die von der Republik begeben werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die m\u00f6gliche L\u00f6sung k\u00f6nnte aber einfacher aussehen: Hinter verschlossenen T\u00fcren wurde \u00fcber das Wochenende jenes Modell verhandelt, das Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad und Walther Rothensteiner, Chef der Raiffeisen Zentralbank (RZB) \u2013 er ist auch im Verband der Freunde der \u00d6sterreichischen Galerie Belvedere vertreten \u2013 angeregt hatten. Demnach soll der Republik ein Kredit zum Ankauf der Klimts gew\u00e4hrt werden, von einem Konsortium, zu dem, so ein Insider gegen\u00fcber profil, \u201ealle Banken eingeladen sind\u201c. Der Staat leistet den Zinsendienst, die R\u00fcckzahlung der offenen Summe k\u00f6nnte nach hinten verlagert werden.<\/p>\n<p>Geld. Die Idee, die Kreditwirtschaft k\u00f6nnte einen oder mehrere der Klimts selbst kaufen und als Leihgeber auftreten, wurde in der ersten Runde aber schlichtweg abgelehnt: \u201eAllein die Versicherungssumme w\u00fcrde uns umbringen\u201c, sagt ein Banker. <\/p>\n<p>Dass viel Geld in die Hand genommen werden muss, wenn die Klimts weiterhin im Belvedere h\u00e4ngen sollen, steht indes au\u00dfer Frage. Die Eigent\u00fcmer der Gem\u00e4lde wollen einen \u201efairen Preis\u201c, erkl\u00e4rt ihr Anwalt Schoenberg. <\/p>\n<p>Bis Anfang Februar muss sich die Republik dazu \u00e4u\u00dfern, ob sie die Bilder ankaufen will. Der Preis wird, wie in einem Side-Letter vereinbart, dann aus den Sch\u00e4tzgutachten von drei internationalen Kunstexperten oder Auktionsh\u00e4usern ermittelt. <\/p>\n<p>Die New Yorker Kunsth\u00e4ndlerin und Klimt-Expertin Jane Kallir bezeichnet die \u201eGoldene Adele\u201c als \u201eabsolut einzigartiges Gem\u00e4lde \u2013 das zweitwichtigste, das Klimt geschaffen hat. Ich glaube, dass ein Preis von 100 Millionen Dollar absolut nicht unrealistisch w\u00e4re.\u201c \u00c4hnlich \u00e4u\u00dfert sich Helena Newman, Sotheby\u2019s-Direktorin des Londoner Departments f\u00fcr Impressionisten und Klassische Moderne: \u201eDie \u201aGoldene Adele\u2018 war bisher noch nie auf dem Markt. Sie ist unvergleichbar. Da gibt es keine Obergrenze.\u201c<\/p>\n<p>Inzwischen ruft das halboffizielle \u00d6sterreich in Person des Wiener Ex-B\u00fcrgermeisters Helmut Zilk bereits nach einem \u201eNationalkomitee\u201c \u2013 gehe es doch, so Erhard Busek, um die \u201eIdentit\u00e4t \u00d6sterreichs\u201c.<\/p>\n<p>Dass diese Identit\u00e4t auch darin besteht, wie \u00d6sterreich mit den Bildern, ihren rechtm\u00e4\u00dfigen Besitzern und nebenbei seiner eigenen Vergangenheit umgegangen ist, verhallt in der allgemeinen Kakofonie nahezu ungeh\u00f6rt. <\/p>\n<p>Denn als die Erben der Familie Bloch-Bauer Ende der neunziger Jahre erstmals ihre Besitzanspr\u00fcche an den f\u00fcnf Klimts geltend machen wollten, versuchte die Republik zun\u00e4chst einmal das, was ihre Gr\u00fcnder in den Nachkriegsjahren erfolgreich vorexerziert hatten: die Causa in die L\u00e4nge zu ziehen \u2013 mit juristischen Finten und Vertrauen auf den \u00f6sterreichischen Schm\u00e4h.<\/p>\n<p>Ein \u00fcberspitzter Befund? Wohl kaum. Maria Altmann erinnert sich an ihren einzigen Besuch bei Wissenschaftsministerin Gehrer im Jahr 1998: \u201eSie war zuckers\u00fc\u00df und hat immer gemeint, ich solle doch noch bleiben, es sei so nett mit mir.\u201c Nach eineinhalb Stunden Smalltalk \u00fcber Enkelkinder und amerikanisches Spielzeug habe sie versucht, zur Sache zu kommen \u2013 der R\u00fcckgabe der Bilder. Daraufhin sei das Gespr\u00e4ch recht rasch zu Ende gewesen.<\/p>\n<p>Die Geschichte der Bilder und der Familie Bloch-Bauer k\u00f6nnte fast von Thomas Bernhard stammen, der \u00d6sterreich in seinen Werken bis zur Kenntlichkeit zu entstellen pflegte.<\/p>\n<p>Sie begann im Wien der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, im aufgekl\u00e4rten, kunstsinnigen j\u00fcdischen Gro\u00dfb\u00fcrgertum des Fin de Si\u00e8cle. Adele Bloch-Bauer und ihr Mann, der Zuckerindustrielle Ferdinand Bloch-Bauer, scharten in ihren Salons K\u00fcnstler und Intellektuelle um sich, in ihrem Palais in der Elisabethstra\u00dfe 18 in der Wiener Innenstadt hingen dutzende wichtiger Werke von K\u00fcnstlern wie Ferdi-nand Georg Waldm\u00fcller, Rudolf von Alt und August von Pettenkofen. Adele \u201ewar die Frau von heute in der \u201aWelt von gestern\u2018, wie es Stefan Zweig in seinem gleichnamigen Buch nannte. \u201eZweig war bei Tante Adele oft zu Gast\u201c, sagt Maria Altmann. W\u00fcrde Frau Bloch-Bauer heute leben, w\u00e4re sie \u201emit ihrer Weltanschauung und ihrem Streben nach Wissen auf allen Gebieten zuerst auf die Universit\u00e4t gegangen, um dann vielleicht Politikerin zu werden\u201c.<\/p>\n<p>Gro\u00dfb\u00fcrgertum. Eine besondere Beziehung verband das Paar mit Gustav Klimt. Der Secessionist muss Adele kennen gelernt haben, als sie knapp vor Weihnachten 1899 den um neunzehn Jahre \u00e4lteren Gustav Bloch heiratete. Klimt fertigte seine erste Portr\u00e4tskizze von Adele im Jahr 1900 an, m\u00f6glicherweise war die zarte Dame auch Modell f\u00fcr die 1901 vollendete \u201eJudith I\u201c. 1907 entstand das Portr\u00e4t \u201eAdele Bloch-Bauer I\u201c \u2013 die \u201eGoldene Adele\u201c.<\/p>\n<p>Klimts Werke hingen in Adeles Appartement im Familienpalais. In ihrem 1923 verfassten Testament hielt sie fest: \u201eMeine 2 Portr\u00e4ts und die 4 Landschaften von Gustav Klimt bitte ich meinen Ehegatten nach seinem Tode der \u00d6sterreichischen Staats-Galerie in Wien zu hinterlassen\u201c \u2013 ein Satz, der nach dem Krieg daf\u00fcr bem\u00fcht werden sollte, um die unrechtm\u00e4\u00dfige Besitzergreifung der Gem\u00e4lde in der NS-Zeit zu legitimieren. So, als sei zwischen 1938 und 1945 nichts passiert.<\/p>\n<p>Adele starb 1925, ihr Mann Ferdinand Bloch-Bauer bekam keine M\u00f6glichkeit mehr, die Bitte seiner Frau zu erf\u00fcllen: Er verschied 1945 im Schweizer Exil. Sein gesamtes Verm\u00f6gen in \u00d6sterreich war zu diesem Zeitpunkt beschlagnahmt, enteignet, verkauft. Die \u00d6sterreichische Zuckerindustrie AG, deren Teilhaber und Pr\u00e4sident er gewesen war, war um einen Bruchteil ihres Werts an einen von den Nazis bestimmten K\u00e4ufer gegangen, den deutschen Lebensmittelindustriellen Clemens Auer.<\/p>\n<p>Die Klimt-Gem\u00e4lde rissen sich die Nationalsozialisten unter den Nagel. Sie wurden von dem Anwalt Erich F\u00fchrer, den die NS-Beh\u00f6rden zum Liquidator des Bloch-Bauer\u2019schen Besitzes bestellt hatten, teils an die \u00d6sterreichische Galerie weitergegeben, teils verkauft.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg nahm Ferdinands Neffe Robert Bentley die Suche nach dem Verm\u00f6gen auf. Robert Bentley war von Ferdinand Bloch-Bauer gemeinsam mit Maria Altmann und seiner Schwester Luise Gutmann als Erbe bestimmt worden. 1947 schrieb er: \u201eIn \u00d6sterreich liegt die Sache so, dass seinerzeit von den Nazis Onkels gesamtes bwegl. und unbewegl. Verm\u00f6gen gestohlen wurde \u2026 Es wird lange dauern, bis man da etwas auf Grund der Wiedergutmachungsgesetze retten wird.\u201c<\/p>\n<p>Er sollte bitter Recht behalten. Die R\u00fcckstellung der Aktien der \u00d6sterreichischen Zuckerindustrie AG zog sich bis 1957 hin: Schlie\u00dflich wurden die Anteile von den gesamt vier gro\u00dfen Erbengruppen um 118,6 Millionen Schilling an ein \u00f6sterreichisches Konsortium verkauft.<\/p>\n<p>Bei den Gem\u00e4lden Klimts berief sich die \u00d6sterreichische Galerie auf den letzten Willen Adeles, der freilich lange vor der Macht\u00fcbernahme durch die Nazis niedergeschrieben worden war. Schlie\u00dflich stimmten die Erben dem Verbleib der Werke in \u00d6sterreich zu, um dadurch die Ausfuhrgenehmigung f\u00fcr andere Teile der Sammlung zu erhalten.<\/p>\n<p>Abgepresst. Erst das Kunstr\u00fcckgabegesetz 1998 er\u00f6ffnete eine M\u00f6glichkeit zur R\u00fcckstellung der Bilder. Und erst der vergangene Woche erfolgte Schiedsspruch stellt unmissverst\u00e4ndlich klar, dass \u00d6sterreich sie zu Unrecht in Besitz behalten hatte. W\u00f6rtlich hei\u00dft es darin: \u201eDie Schiedsrichter sind davon ausgegangen, dass Adele Bloch-Bauer in ihrem Testament aus dem Jahr 1923 die Bilder der Galerie nicht wirksam vermacht, sondern ihren Gatten nur \u2013 rechtlich unverbindlich \u2013 gebeten hat, die Kunstwerke nach seinem Tod der Galerie zu hinterlassen.\u201c Die Schiedsrichter zum Einverst\u00e4ndnis der Erben 1948: \u201eDies geschah im Zuge der Bem\u00fchungen, f\u00fcr die \u00fcbrigen wiederbeschafften Gegenst\u00e4nde aus der umfangreichen Sammlung die Ausfuhrgenehmigung zu bekommen.\u201c <\/p>\n<p>Im Klartext: Die Republik \u00d6sterreich hatte der Familie die Gem\u00e4lde mehr oder weniger abgepresst. Unter Einbeziehung all dieser Umst\u00e4nde seien die Voraussetzungen f\u00fcr eine R\u00fcckstellung der Bilder erf\u00fcllt, so das Schiedsgericht.<\/p>\n<p>Der Weg dahin war f\u00fcr die Nachkommen Bloch-Bauers erniedrigend. Der Kunstr\u00fcckgabebeirat lehnte die R\u00fcckgabe der Bilder ab. Ministerin Gehrer, die sich beim Kaffeeplausch zuvor noch so charmant gegeben hatte, lie\u00df Maria Altmann abblitzen. Altmann erinnert sich an das Treffen mit der Politikerin: \u201eAls ich nach langem Geplauder das Politische angesprochen habe, dass meine Tante Adele ja nur als Bitte ausgesprochen hatte, ihr Mann m\u00f6ge die Klimts nach seinem Tod der \u00d6sterreichischen Galerie vermachen, hat Frau Gehrer nur in sch\u00f6nem \u00d6sterreichisch gemeint: \u201aJa, das wei\u00df ich ja.\u2018\u201c<\/p>\n<p>Als \u201echarmant, aber niedertr\u00e4chtig\u201c bezeichnet Altmann \u00d6sterreich nun in einem Interview mit der Schweizer \u201eWeltwoche\u201c. Nicht ohne Grund: Briefliche Einladungen zu weiteren Gespr\u00e4chen lie\u00df Gehrer f\u00fcrderhin unbeantwortet. An Altmanns Anwalt Randol Schoenberg schrieb die Ministerin: \u201eWenn Sie nun die Klimt-Gem\u00e4lde mehrfach als \u201agestohlen\u2018 bezeichnen und somit das Eigentum des Bundes daran bestreiten \u2026 m\u00fcssten Sie Ihr Recht vor ordentlichen Gerichten suchen.\u201c<\/p>\n<p>Das geschah dann auch. 1999 brachte Altmanns \u00f6sterreichischer Anwalt Stefan Gulner Klage ein. Und wieder legte sich die Republik quer. Erst sollten die Familien gleich einmal 24 Millionen Schilling (1,7 Millionen Euro) als Gerichtskosten hinterlegen. Als das Gericht den Betrag auf f\u00fcnf Millionen Schilling reduzierte, erhob die Finanzprokuratur als Anwalt des Bundes Einspruch gegen diese Entscheidung. <\/p>\n<p>Daraufhin brachte Altmann-Anwalt Schoenberg in den USA Klage gegen die Republik \u00d6sterreich ein. Und die Republik spielte wieder auf Zeit, legte Einspruch um Einspruch ein und brachte den international einmaligen Fall durch diese Vorgangsweise bis vor den Obersten Gerichtshof der USA. Der befand 2004, dass ein Prozess um die Bilder in den Vereinigten Staaten zul\u00e4ssig sei. Erst unter dem Druck dieses Urteils willigte die Republik ein, die Causa einem Schiedsgericht zu \u00fcbergeben.<\/p>\n<p>Mit dessen Urteil ist nunmehr klargestellt, dass die \u00d6sterreichische Galerie Belvedere zumindest zehn ihrer urspr\u00fcnglich 33 Klimts unrechtm\u00e4\u00dfig besessen hat. Bis 2004 mussten bereits f\u00fcnf Gem\u00e4lde des Meisters zur\u00fcckgegeben werden, nun folgen die n\u00e4chsten f\u00fcnf. <\/p>\n<p>Ein weiterer Klimt k\u00f6nnte dem Belvedere schon demn\u00e4chst abhanden kommen: das \u201eBildnis Amalie Zuckerkandl\u201c. Auf dieses Gem\u00e4lde, das sich ebenfalls in der Sammlung Bloch-Bauer befunden hatte, erheben neben der Republik \u00d6sterreich zwei weitere Parteien Besitzanspr\u00fcche: die Nachkommen von Amalie Zuckerkandl ebenso wie die Erben der Bloch-Bauers. <\/p>\n<p>Klimt hatte bis zu seinem Tod im Jahr 1918 an diesem Portr\u00e4t gearbeitet. Im Laufe der Wirtschaftskrise der zwanziger Jahre verkaufte die Familie Zuckerkandl das Gem\u00e4lde an Ferdinand Bloch-Bauer. W\u00e4hrend Bloch-Bauer kurz vor dem Anschluss 1938 fl\u00fcchten konnte, blieben die Zuckerkandls in der nunmehrigen \u201eOstmark\u201c \u2013 und verarmten zusehends. Bloch-Bauer unterst\u00fctzte Amalie Zuckerkandl, die von einer kleinen Gnadenrente der Israelitischen Kultusgemeinde lebte, finanziell noch jahrelang. 1941 stellte er die Zahlungen ein, sorgte jedoch gleichzeitig daf\u00fcr, dass das \u201eBildnis Amalie Zuckerkandl\u201c wieder ihrer Familie zufiel. Hermine M\u00fcller-Hofmann, die in Not geratene Tochter der Portr\u00e4tierten, gab es w\u00e4hrend des Krieges an die Wiener Galeristin Viktoria \u201eVita\u201c K\u00fcnstler um 1600 Reichsmark weiter \u2013 ein Notverkauf, wie Familienanwalt Alfred Noll nun argumentiert. Und damit ein klarer Fall f\u00fcr eine Restitution. <\/p>\n<p>Im Jahr 1987 war das Werk als Schenkung von Vita K\u00fcnstler in der \u00d6sterreichischen Galerie Belvedere gelandet. Damals war Amalie Zuckerkandl bereits 45 Jahre tot: Die Nazis hatten sie 1942 deportiert und vermutlich im KZ Belzec ermordet. <\/p>\n<p>Mitarbeit: Ro Raftl<br \/>\n<br \/>\nVon Marianne Enigl und Martin Staudinger<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Restitution: Klimt-Z\u00fcge &#8211; Der Kampf um die f\u00fcnf geraubten Klimt-Gem\u00e4lde geht weiter<br \/>\n<br \/>\nWie \u00d6sterreich falsch spielte und doch alles verlor.<br \/>\n<br \/>\n Von den Nazis gestohlen, von der Republik \u00d6sterreich unrechtm\u00e4\u00dfig einbehalten. Nach langem Rechtsstreit sind f\u00fcnf Klimt-Gem\u00e4lde vergangene Woche ihren legitimen Besitzern zugesprochen worden. 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