{"id":84139,"date":"2005-12-13T21:34:04","date_gmt":"2005-12-13T21:34:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=84139"},"modified":"2005-12-13T21:34:04","modified_gmt":"2005-12-13T21:34:04","slug":"krebs-durch-plaste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2005\/12\/13\/krebs-durch-plaste\/","title":{"rendered":"Krebs durch Plaste"},"content":{"rendered":"<p>Macht der Weichmacher Bisphenol A uns alle irre, kirre, und auch krebskrank? Jetzt ist auch das Institut f\u00fcr Risikobewertung aufgeschreckt. Neue Studien zeigen, dass Weichmacher Hirngewebe sch\u00e4digen k\u00f6nnen, was eigentlich nicht neu ist&#8230;PLASTIK ist nicht gesund&#8230;! Dass die eingeschwei\u00dfte Wurst, der eingeschwei\u00dfte K\u00e4se durch genau diese Plastikverpackung zu einem Risiko f\u00fcr den Menschen wird &#8211; bitte sehr &#8211; dpa hat es zusammengefasst dargestellt. Es will ja auch kein Mensch ewig leben, nicht wahr? Und an unseren Krankheiten wird ja auch gut verdient&#8230;<br \/>LEBENSMITTELVERPACKUNGEN<\/p>\n<p>Weichmacher k\u00f6nnte Hirngewebe sch\u00e4digen<\/p>\n<p>Ein Weichmacher in Lebensmittel-Verpackungen steht seit Jahren im Verdacht, die Gesundheit zu gef\u00e4hrden. Jetzt stellt sich heraus, dass schon winzige Mengen der Substanz namens Bisphenol A die Hirnentwicklung bei Kindern und Ungeborenen st\u00f6ren k\u00f6nnten. Beh\u00f6rden sind alarmiert.<\/p>\n<p>Experten verd\u00e4chtigen den chemischen Weichmacher Bisphenol A (BPA) schon lange, der Gesundheit von Verbrauchern nicht eben zutr\u00e4glich zu sein. Ergebnisse einer jetzt im Fachblatt &#8222;Endocrinology&#8220; ver\u00f6ffentlichten Studie r\u00fccken die Substanz jetzt weiter ins Zwielicht &#8211; und k\u00f6nnten massive Auswirkungen auf den europ\u00e4ischen Verbraucherschutz haben.<\/p>\n<p>DPA<br \/>\n<br \/>\nGefahr f\u00fcrs Hirn? Weichmacher gelangen \u00fcber Plastikflaschen und Verpackungen in Nahrungskette<br \/>\n<br \/>\nEin Forscherteam um Scott Belcher von der University of Cincinnati konnte erstmals im Tierversuch zeigen, dass BPA gerade in kleinsten Dosierungen die Hirnentwicklung beeinflusst. Offensichtlich blockiert die \u00fcber die Nahrung aufgenommene Chemikalie die Aktivit\u00e4t des k\u00f6rpereigenen Hormons \u00d6strogen, das f\u00fcr die Entwicklung bestimmter Hirnregionen unerl\u00e4sslich ist.<\/p>\n<p>Belchers Team hatte Ratten \u00fcber einen Zeitraum von lediglich sechs Minuten eine hoch verd\u00fcnnte BPA-L\u00f6sung in den Teil des Gehirns gespritzt, der bisher als unempfindlich gegen\u00fcber BPA galt: den so genannten zerebralen Kortex. Das Ergebnis der anschlie\u00dfenden Untersuchung der Rattenhirne k\u00f6nnte sich als &#8222;kleine Sensation in der BPA-Diskussion erweisen, falls es auch anderen Forschergruppen gelingt, die Ergebnisse zu reproduzieren&#8220;, kommentiert J\u00fcrgen Kundke, Sprecher des Berliner Bundesinstituts f\u00fcr Risikobewertung (BfR).<\/p>\n<p>Die Substanz entfaltete in Belchers Tierversuchen wenige Minuten nach Verabreichung eine verheerende Wirkung: Sie stoppte den Signalweg des weiblichen Sexualhormons \u00d6strogen und damit die nat\u00fcrliche Entwicklung der Gehirnzellen &#8211; unabh\u00e4ngig vom Geschlecht der Tiere. Das Problem: BPA scheint insbesondere in jenen winzigen Mengen extrem zu wirken, denen der Mensch im Alltag ausgesetzt ist. Je niedriger die Konzentration der Substanz, desto h\u00f6her war in Belchers Versuchen die sch\u00e4digende Wirkung auf das Hirngewebe.<\/p>\n<p>J\u00e4hrlich werden Millionen Tonnen produziert<\/p>\n<p>Brisant ist die Studie vor allem deshalb, weil Bisphenol A aus dem Leben der Verbraucher kaum mehr wegzudenken ist. Seit den f\u00fcnfziger Jahren setzt die chemische Industrie die Substanz bei der Herstellung von Plastikverpackungen aller Art ein. &#8222;Bisphenol A ist eine Grundchemikalie, die in Mengen von etwa einer Million Tonnen pro Jahr produziert wird&#8220;, erkl\u00e4rt Thomas Simat, Professor am Institut f\u00fcr Lebensmittelchemie der TU Dresden. &#8222;Sie ist toxikologisch sehr gut untersucht.&#8220;<\/p>\n<p>Allerdings hatte bis jetzt niemand erforscht, wie BPA in kleinsten Dosierungen wirkt. Belcher zufolge setzt die Gef\u00e4hrdung des Menschen bereits vor der Geburt ein, weil BPA die Embryonalentwicklung des Gehirns st\u00f6rt. Um das herauszufinden, hatten die Pharmakologen das F\u00f6tenwachstum der Ratten verfolgt und die Tiere nach Ablauf bestimmter Fristen seziert.<\/p>\n<p>Weil junge Ratten als besonders gutes Tiermodell gelten, konnte Belcher daraus R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Entwicklung des menschlichen F\u00f6tus ziehen und die Zeit vom Beginn des letzten Schwangerschaftsdrittels bis zu den ersten Lebensjahren des Kindes nachvollziehen. &#8222;Es besteht Grund zur Sorge&#8220;, erkl\u00e4rte Belcher SPIEGEL ONLINE. Der Professor f\u00fcr Pharmakologie und Zell-Biophysik h\u00e4lt es f\u00fcr &#8222;sehr wahrscheinlich&#8220;, dass es die bei den Ratten beobachtete Wirkung auch beim Menschen gibt. &#8222;Es gibt zwar wichtige Unterschiede zwischen Menschen und Nagetieren&#8220;, so Belcher, &#8222;aber BPA hatte bisher bei jeder Art von Tieren &#8211; seien es S\u00e4ugetiere, Fische oder Amphibien &#8211; \u00e4hnlich sch\u00e4dliche Effekte.&#8220;<\/p>\n<p>PlasticsEurope, der Verband der Kunststofferzeuger in Deutschland, sieht das freilich anders. In einer internen Bewertung, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, hei\u00dft es \u00fcber Belchers Arbeit: &#8222;Aus der Studie liegen keine Hinweise vor, dass die Beobachtungen beim Menschen zu nachteiligen Folgen f\u00fchren&#8220;. Insbesondere die Methodik von Belchers Versuchen wird angegriffen. So seien direkte Injektionen ins Hirn nicht mit oraler Aufnahme zu vergleichen, au\u00dferdem sei die Anzahl der Versuchsratten viel zu gering.<\/p>\n<p>Doch der neurotoxische Effekt, den BPA auf das hormonelle System aus\u00fcbt, d\u00fcrfte weitaus gr\u00f6\u00dfer sein als bislang angenommen. Um welche Gr\u00f6\u00dfenordnungen es sich handelt, verdeutlich ein Vergleich. Die von Belcher ausgemachte toxische Dosis entspricht in etwa der Menge eines F\u00fcnftel W\u00fcrfelzuckers, der in einem Stausee mit 2,7 Milliarden Litern Wasser aufgel\u00f6st ist. Chemisch ausgedr\u00fcckt sind das etwa 0,23 Teile pro Trillion (ppt) oder 0,23 Nanogramm Bisphenol A pro Kilogramm Tr\u00e4germaterial.<\/p>\n<p>Alte Substanz, neues Risikoprofil <\/p>\n<p>Das wie ein k\u00fcnstliches Hormon wirkende BPA steht seit Jahren im Verdacht, die Gesundheit des Menschen zu gef\u00e4hrden. So erschienen bis heute \u00fcber hundert Fachpublikationen, die sich mit den Auswirkungen von BPA befassen. F\u00fcr Aufmerksamkeit sorgte zuletzt ein im Fachblatt &#8222;Cancer&#8220; ver\u00f6ffentlichter Bericht dar\u00fcber, wie BPA in Tierversuchen Prostatakrebs ausl\u00f6ste. Dieses Potential haben auch andere Untersuchungen best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Das Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung (BfR) hatte sich schon 2003 mit derartigen F\u00e4llen befasst und den Stand der Dinge unmissverst\u00e4ndlich bewertet. Es gebe &#8222;Anlass zur Besorgnis&#8220;, da die Untersuchungen &#8222;auf ein m\u00f6gliches erbgut- und fortpflanzungsgef\u00e4hrdendes Potential von BPA hindeuten&#8220;, hei\u00dft es in einer am 17. April 2003 ver\u00f6ffentlichten Stellungnahme des BfR.<\/p>\n<p>\u00dcberraschend sei, dass die Sch\u00e4digung des Erbguts schon bei einer &#8222;au\u00dferordentlich niedrigen Dosierung&#8220; von 0,02 Milligramm pro Kilogramm K\u00f6rpergewicht gefunden worden sei.<\/p>\n<p>\u00dcber Geschirr, Besteck und Einwegflaschen aus Kunststoff sowie die Innenbeschichtung von Dosen gelangt Bisphenol A in den menschlichen K\u00f6rper.<\/p>\n<p>Nach Angaben des BfR nimmt ein erwachsener Mensch pro Tag etwa 0,48 Mikrogramm BPA pro Kilogramm K\u00f6rpergewicht auf. Bei Kindern betr\u00e4gt die Menge sogar 1,6 Mikrogramm. Das ist mehr als 695 Mal so viel wie jene Menge, die Belchers Team jetzt im Tierversuch als hirnsch\u00e4digend ausmachte.<\/p>\n<p>Risiko von BPA k\u00f6nnte neu bewertet werden<\/p>\n<p>Dass bisher noch keine Beh\u00f6rde auf die Effekte in kleinsten Dosierungen aufmerksam wurde, ist f\u00fcr Axel Allera vom Institut f\u00fcr klinische Biochemie an der Universit\u00e4t Bonn nicht verwunderlich: &#8222;Man hat sich ausschlie\u00dflich mit den Wirkungen bei hohen Konzentrationen befasst&#8220;, sagt der Endokrinologe. Den Einfluss kleinster Chemikalienmengen auf den Organismus habe man \u00fcber Jahrzehnte hinweg vernachl\u00e4ssigt &#8211; gerade bei BPA.<\/p>\n<p>Deutsche Beh\u00f6rden sehen das jetzt \u00e4hnlich. Die von Belcher nachgewiesene toxische Menge sei &#8222;eine vollkommen neue Dimension&#8220;, erkl\u00e4rt BfR-Sprecher Kundke. &#8222;Wir nehmen die Studie zur Kenntnis.&#8220; Erkenntnisse \u00fcber Sch\u00e4den, die BPA bereits bei Menschen angerichtet haben k\u00f6nnte, gibt es nicht. Denn bisher wurde laut Kundke und Belcher noch nirgendwo auf der Welt eine entsprechende epidemiologische Studie durchgef\u00fchrt. Allera sieht darin keinen Grund zur Entwarnung: Man m\u00fcsse die Forschung \u00fcber das Risiko von BPA in geringen Dosierungen nun &#8222;endlich vorantreiben&#8220;.<\/p>\n<p>Mittlerweile mahlen die beh\u00f6rdlichen M\u00fchlen. Belchers Papier liegt nicht nur dem BfR vor, das auf nationaler Ebene ein Verbot der Chemikalie in bestimmten Verpackungen aussprechen k\u00f6nnte. Die Publikation hat inzwischen auch die Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Parma erreicht, in der ebenfalls Fachleute des BfR sitzen. Dort wird jetzt \u00fcber eine Neubewertung des Risikopotentials von Bisphenol A nachgedacht, wie Kundke SPIEGEL ONLINE mitteilte. Allerdings: &#8222;Bis es zu einer rechtswirksamen Entscheidung kommt, k\u00f6nnen Jahre vergehen.&#8220; <\/p>\n<p>  ZUM THEMA IM INTERNET<\/p>\n<p> University of Cincinnati<br \/>\n<br \/>\n Fachblatt &#8222;Endocrinology&#8220; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Macht der Weichmacher Bisphenol A uns alle irre, kirre, und auch krebskrank? Jetzt ist auch das Institut f\u00fcr Risikobewertung aufgeschreckt. Neue Studien zeigen, dass Weichmacher Hirngewebe sch\u00e4digen k\u00f6nnen, was eigentlich nicht neu ist&#8230;PLASTIK ist nicht gesund&#8230;! Dass die eingeschwei\u00dfte Wurst, der eingeschwei\u00dfte K\u00e4se durch genau diese Plastikverpackung zu einem Risiko f\u00fcr den Menschen wird &#8211; bitte sehr &#8211; dpa hat es zusammengefasst dargestellt. Es will ja auch kein Mensch ewig leben, nicht wahr? 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