{"id":83997,"date":"2005-10-04T00:43:25","date_gmt":"2005-10-04T00:43:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=83997"},"modified":"2005-10-04T00:43:25","modified_gmt":"2005-10-04T00:43:25","slug":"seneca","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2005\/10\/04\/seneca\/","title":{"rendered":"SENECA"},"content":{"rendered":"<p>Kleine Nachtlekt\u00fcre noch mal eben herbeigeschleppt&#8230;gut lesbarer Text aus dem Internet&#8230;falls man sich etwas n\u00e4her mit diesem Philosphen, der einem als Sch\u00fcler das Leben in Latein nicht gerade vereinfacht hat, aber dessen Texte schon &#8230;und gerade, so finden wir, sehr aktuell erscheinen&#8230;wobei wir merken, wir k\u00f6nnen kein Latein mehr..oder nur noch wenig&#8230;keine \u00dcbung..aber jetzt \u00fcben wir wieder&#8230;<\/p>\n<table width=\"100%\">\n<tr>\n<td style=\"background-image=url('images\/monet-heller.jpg')\"><font size=\"+1\"><\/p>\n<p>\nLUCIUS ANNAEUS SENECA<\/p>\n<p>\nLeben und Werk <\/p>\n<p>(nach: Seneca, epistulae morales ad Lucilium, Diskette des Verlags m-Soft; <\/p>\n<p>          L. Annaeus Seneca, Epistulae morales ad Lucilium, bearb. von Rohrmann\/Widdra, Sturtgart 19841, S. 6)<br \/>\n<br \/>\nLucius Annaeus Seneca geh\u00f6rt zu den bedeutendsten und vielseitigsten Schriftstellern seiner Zeit. Das Leben des r\u00f6mischen Philosophen ist sehr bewegt und in man\u00adchen Punkten nicht ganz aufgekl\u00e4rt. Wahrscheinlich um das Jahr 4 v. Chr. &#8211; unter Kaiser Augustus -wurde Lucius Annaeus Seneca als Sohn eines r\u00f6mischen Rhetors, der offenbar sehr gesch\u00e4tzt war, in der s\u00fcdspanischen Stadt Corduba geboren. Die rhetorische Begabung und schriftstellerische Neigung hat er von seinem Vater, dem \u00e4lteren Seneca, die Lust zum Philosophieren von seiner Mutter Helvia geerbt.<br \/>\n<br \/>\nIn fr\u00fcher Jugend begegnen wir der Familie in Rom. Dort sollte er nach Willen seines ehrgeizigen Vaters die \u00fcbliche Ausbildung als Rhetor und Anwalt erhalten, um dann die Staatslaufbahn einzuschlagen. Unter dem star\u00adken Einflu\u00df seiner Mutter wandte er sich aber bald dem Studium der Philosophie zu. W\u00e4hrend der Studien kam er mit der stoischen Lehre in Ber\u00fchrung, die ihn zu ihrem fanatischen J\u00fcnger machte. Das harte aszetische Leben trieb er so weit, da\u00df sich sein Gesundheitszustand lebensgef\u00e4hrlich verschlechterte. Sein Vater sah sich daraufhin gezwungen, ihn zu seinem Onkel, der in \u00c4gypten Statthalter war, zur Erholung zu schicken. Unter derm\u00fctterlichen F\u00fcrsorge seiner Tante gesundete erwieder. <\/p>\n<p>Nach l\u00e4ngerem Aufenthalt in \u00c4gypten beschritt er im Jahre 31 in Rom die \u00c4mterlaufbahn. Unter Kaiser Tibe\u00adrius sehen wir ihn zun\u00e4chst als Rechtsanwalt mit gro\u00dfen Erfolgen als Proze\u00dfredner und als Qu\u00e4stor. Wegen seiner Rednergabe zog er sich den Neid zweier Kaiser zu. Der gefeierte Redner sollte auf Betreiben von Caligula be\u00adseitigt werden. Der kaiserliche Mordanschlag wurde aber nicht ausgef\u00fchrt, da man Seneca wegen angeblicher Schwindsucht sowieso kein langes Leben mehr zubilligte. Unter Kaiser Claudius wurde ihm ehebrecherisches Ver\u00adh\u00e4ltnis mit Julia Livilla, der Schwester des Caligula, vorgeworfen. Auf Betreiben der Messalina, der Gattin des Claudius, wurde er daraufhin im Jahre 41 n.Chr. nach Korsika verbannt. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser Zeit der Verbannung bet\u00e4tigte er sich wissenschaftlich und poetisch. Acht schwere Jahre mu\u00dfte der kranke Mann auf der gef\u00fcrchteten Insel leben. Erst auf Veranlassung der Agrippina, der Schwester der Julia Livilla und 2. Gemahlin des Kaisers Claudius, durfte der damals schon ber\u00fchmte Schriftsteller im Jahre 49 aus dem Exil nach Rom zur\u00fcckkehren. Dort wurde er zum Pr\u00e4tor (50) ernannt. Da er in diesem Amt das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen wu\u00dfte, wurde er wenig sp\u00e4ter sogar zum Lehrer und Erzieher des kaiserli\u00adchen Prinzen Nero gemacht. <\/p>\n<p>Die Stellung als Prinzenerzieher und Staatsmann (55\/56 Konsul) bedeutete f\u00fcr Seneca Machtf\u00fclle. Er beherrschte dadurch f\u00fcr den noch nicht vollj\u00e4hrigen und psychopathi\u00adschen Nero den kaiserlichen Hof, den Senat, Rom und das gesamte Imperium. Dabei half ihm sein Freund Afranius Burrus, der Pr\u00e4fekt der kaiserlichen Garde. (Diese Jah\u00adre galten sp\u00e4ter als die &#8222;goldene Zeit&#8220; der r\u00f6mischen Monarchie.) Der Einflu\u00df auf den jugendlichen Kaiser schwand aber von Jahr zu Jahr. Seneca vermochte nicht mehr, Neros Exzessen entgegenzuwirken, und dadurch wuch\u00adsen auch dessen Grausamkeiten. <\/p>\n<p>Als Burrus starb (62 n.Chr.),- man nimmt an, da\u00df er vergiftet wurde -, zog sich auch Seneca aus seiner Stellung zur\u00fcck. In dieser Zeit der Abgeschiedenheit, den letzten drei Lebensjahren, konnte er seine philoso\u00adphischen Werke reifen lassen, abrunden und vervollst\u00e4n\u00addigen. Kaiser Nero, der sich dem Einflu\u00df Senecas immer mehr entzog und sich ihm entfremdete, bezichtigte diesen schlie\u00dflich, an der Pisonischen Verschw\u00f6rung gegen ihn im April des Jahres 65 beteiligt gewesen zu sein, und schickte ihm das Todesurteil ins Haus. In Anwesenheit seiner Freunde \u00f6ffnete sich der Philosoph die Pulsadern (65 n.Chr.). <\/p>\n<p>Was von seinen Werken der Nachwelt verblieben ist, l\u00e4\u00dft sich wie folgt zusammenfassen: <\/p>\n<p>1)Philosophische Schriften, <\/p>\n<p>bei denen die Ethik im Mittelpunkt steht: Es sind Prosaarbeiten der verschiedensten Art. Ob gro\u00dfe und zusammenh\u00e4ngende Werke, ob Einzelabhandlungen bestimm\u00adter Themen, ob k\u00fcrzere Gedankenskizzen in Briefen \u00ads\u00e4mtliche Werke sollen keine Theorien entwickeln, son\u00addern praktisch wirken und helfen, das Leben zu gestal\u00adten. <\/p>\n<p>Im einzelnen: (in Klammern das voraussichtliche Jahr der Ver\u00f6ffentlichung ) <\/p>\n<p>a) ZehnD i a l o g ein Zw\u00f6lf B\u00fcchern: <\/p>\n<p>Ad Marciam de consolatione &#8211; Trostschrift an Marcia (39\/40)<br \/>\n<br \/>\nDe ira &#8211; \u00dcber den Zorn (drei B\u00fccher 41)<br \/>\n<br \/>\nAd Helviam matrem de consolatione &#8211; Trostschrift an die Mutter Helvia (42)<br \/>\n<br \/>\nAd Polybium de consolatione &#8211; Trostschrift an Polybius (43\/44)<br \/>\n<br \/>\nDe brevitate vitae &#8211; \u00dcber die K\u00fcrze des Lebens (49)<br \/>\n<br \/>\nDe tranquillitate animi &#8211; \u00dcber die Gem\u00fctsruhe (53\/54)<br \/>\n<br \/>\nDe constantia sapientis &#8211; \u00dcber die Standhaftigkeit des Weisen (55)<br \/>\n<br \/>\nDe vita beata &#8211; \u00dcber das gl\u00fcckliche Leben (58)<br \/>\n<br \/>\nDe otio &#8211; \u00dcber die Mu\u00dfe (62)De providentia &#8211; \u00dcber die Vorsehung (63)<br \/>\n<br \/>\nFolgende Werke zeigen \u00e4hnliche stilistische Merkmale wie die Dialoge, z\u00e4hlen aber nicht zu diesen:<br \/>\n<br \/>\nb) Ad Neronem de clementia &#8211; An Nero \u00fcber die G\u00fcte (56)<br \/>\n<br \/>\nc) De beneficiis &#8211; Die Wohltaten (60 ?) <\/p>\n<p>d) Naturales quaestiones &#8211; Naturphilosophische Probleme (ab 62) <\/p>\n<p>\ne) Epistulae morales ad Lucilium &#8211; Briefe an Lucilius \u00fcber Ethik (ab 62)<br \/>\n<br \/>\nDiese Sammlung mit 124 Briefen in 20 B\u00fcchern ist zwar unvollst\u00e4ndig. Sie stellt aber das reifste Werk des Philosophen dar. Probleme des menschlichen Lebens werden darin aufgeworfen, wie u.a. Reichtum, Armut, Gl\u00fcck, Freundschaft, Bildung, Tod, Angstzust\u00e4nde und Freiheit.<br \/>\n<br \/>\n2)Dichtungen<br \/>\n<br \/>\na) Trag\u00f6dien: Es sind neun Werke. Sie unterscheiden sich von den griechischen Vorbildern, wenn sie auch nach griechischen Sagenstoffen gestaltet sind und Namen klassischer Trag\u00f6dien tragen.<br \/>\n<br \/>\nDie Titel: Hercules furens (Der rasende Herkules), Troades (Die Troerinnen), Phoenissae (Die Ph\u00f6nikerinnen), Medea, Phaedra, Oedipus, Agamemno, Thyestes, Hercules Oeteus (Herkules auf dem \u00d6ta).<br \/>\n<br \/>\nb) DieV e r k \u00fc r b i s s u n gdes Kaisers Claudius oder Satire auf den Tod des Claudius Nero: A p o c o l o c y n t o s i s.Diese Schm\u00e4hsatire ist eine Parodie auf die Apotheose des Kaisers Clau\u00addius. Hauptanla\u00df zu dieser Schrift war sicherlich seine Verbannung auf die unwirtliche Insel Korsika. <\/p>\n<p>c) Epigramme, die zwar Senecas Namen tragen, deren Echtheit aber bezweifelt wird. <\/p>\n<p>\nDie Epistulae Morales <\/p>\n<p>\nSenecas epistulae morales ad Lucilium sind philosophische Kurzabhandlungen \u00fcber lebensnahe ethische Themen und wollen zu einer sittlichen Lebensf\u00fchrung erziehen. Ausgangspunkt seiner Briefe sind aktuelle Anl\u00e4sse, aus dem sich das Hauptthema ergibt (Tod, Freude, Freundschaft&#8230;).Dabei geht Seneca immer von eigenen Erfahrungen aus, teilt diese Lucilius mit, damit dieser etwas f\u00fcr sein eigenes Leben entnehmen kann.  <\/p>\n<p>Seneca hat statt philosophischer Traktate die Briefform gew\u00e4hlt, um seine philosophischen Aussagen, die mehr das praktische Handeln als spekulativ-theoretische Inhalte betreffen, zu vermitteln. <\/p>\n<p>Die Briefe <\/p>\n<p>&#8211; sind dialogisch gestaltet, charakteristisch ist der Du- und Wir-Stil, wodurch der Leser st\u00e4rker angesprochen wird (appellativer Charakter); <\/p>\n<p>&#8211; erleichtern durch den Verzicht auf eine philosophische Terminologie einen leichteren Zugang f\u00fcr den Leser (Alltagssprache); <\/p>\n<p>&#8211; behandeln allgemein-menschliche Themen mit existentiellem, praktischem Bezug (Tod, rechte Lebensf\u00fchrung, Gl\u00fcck etc.). Es wird auf eine philosophische Systematik verzichtet; <\/p>\n<p>&#8211; sind in ihrer Handlungsorientiertheit p\u00e4dagogisch ausgerichtet. <\/p>\n<p>\nObwohl die Briefe an Lucilius, einem j\u00fcngeren Freund Senecas, gerichtet sind, will Seneca dar\u00fcber hinaus eine gr\u00f6\u00dfere Leserschaft ansprechen und sogar die Nachwelt. Der lehrhaften Tendenz der Briefe entsprechen die zahlreichen Sentenzen mit zeitlos g\u00fcltigen Einsichten und Regeln.  <\/p>\n<p>\nDer R\u00fcckzug ins Privatleben <\/p>\n<p>Die politische und gesellschaftliche Situation hatte sich in der fr\u00fchen Kaiserzeit durch Palastk\u00e4mpfe, Verschw\u00f6rungsversuche und politische Morde so ver\u00e4ndert, da\u00df eine Mitarbeit im Staat nicht mehr m\u00f6glich war. Es herrschte ein Atmosph\u00e4re von Angst und Terror. So verlagerten sich die Themen der stoischen Philosophie hin zur Innerlichkeit, zur moralischen Festigung des Individuums gegen die Bedrohung von au\u00dfen. So wird die Philosophie zur geistigen und seelischen Kraftquelle, zum Mittel zur Festigung des inneren Widerstands. Werte finden sich innen in der Seele des Menschen, Vervollkommnung war nur als Vervollkommnung des Innerlichkeit denkbar. Das Interesse am Kosmos und an der Natur verringert sich zugunsten der existentiellen Befindlichkeit der Einzelperson. Gl\u00fcck in einer Welt des Unrechts und der Willk\u00fcrherrschaft ist nur in der Innerlichkeit erreichbar. \u00c4u\u00dferlichkeiten werden belanglos.  <\/p>\n<p>\nSenecas Philosophie in Grundz\u00fcgen <\/p>\n<p>(nach: Abituraufgaben GK Bad.-W\u00fcrtt., S. 13, Stark-Verlag) <\/p>\n<p>\nSeneca ist ein Vertreter der j\u00fcngeren Stoa (50-150 n.Chr.) <\/p>\n<p>Die politische und gesellschaftliche Situation hatte sich in der fr\u00fchen Kaiserzeit so ver\u00e4ndert, da\u00df eine Mitarbeit im Staat nicht mehr m\u00f6glich war. Da Staat und Gemeinschaft nach stoischer Lehre Abbild der g\u00f6ttlichen Weltordnung sind, hat der Mensch die Aufgabe und Pflicht, an dieser Weltordnung mitzuwirken. Cicero hatte die virtus (Tatkraft) in de re publica 1,2 als eine Eigenschaft bezeichnet, die nur in der tats\u00e4chlichen Aus\u00fcbung existiert und deren vorrangiges Bet\u00e4tigungsfeld die Staatslenkung darstellt. <\/p>\n<p>Nachdem nun f\u00fcr den civis Romanus ein Einsatz der virtus im Staat und eine Mitgestaltung der Politik nicht mehr m\u00f6glich waren, konnte die stoische Philosophie nicht mehr Richtschnur zum politischen Handeln sein, sondern wurde zur sittlichen Richtschnur, zum Schutzinstrument gegen die Willk\u00fcr und gegen den Verfall der r\u00f6mischen Lebens- und Werteordnung. <\/p>\n<p>Da das Gl\u00fcck nicht mehr in der politischen Bet\u00e4tigung, im Einsatz f\u00fcr die Gemeinschaft erlangt werden konnte, mu\u00dfte der Stoiker sich aus der Gemeinschaft zur\u00fcckziehen, um sich gegen die Bedrohung von au\u00dfen zu sch\u00fctzen. Die Philosophie wurde zur geistigen Kraftquelle, zum Mittel zur Festigung des inneren Widerstands, auch gegen den drohenden Tod. Da au\u00dfen keine Werte zu finden waren, f\u00fcr die es sich einzusetzen lohnte, wurden die Werte in das Innere verlagert. Vervollkommnung war jetzt nur noch als Vervollkommnung des Innerlichkeit denkbar. Das Ziel der \u201eataraxia\u201c, der Unersch\u00fctterlichkeit, blieb bestehen, nun nicht mehr nur gegen die \u201eBedrohungen von innen\u201c durch die Affekte (unvern\u00fcnftige, wider die eigentliche Natur des Menschen gerichtete Bewegungen der Seele, ), sie diente jetzt vor allem dazu, sich gegen das von au\u00dfen drohende Schicksal und den Tod zu wappnen. <\/p>\n<p>Auch Epikur hatte den R\u00fcckzug aus der Welt propagiert, vom Staat, von den Gesch\u00e4ften, doch seine Motive waren andere. H\u00f6chstes Ziel f\u00fcr Epikur ist das Wohlbefinden des einzelnen (oder die Lust) als Freisein von Schmerz und Unruhe, ein R\u00fcckzug letztlich von allem, was die empfindlichen Seelenatome in Unruhe versetzen k\u00f6nnte.  <\/p>\n<p>Bei der Stoa Senecas geschieht der R\u00fcckzug nicht freiwillig, sondern er ist notwendig, um nach den stoischen Richtlinien leben zu k\u00f6nnen. Er geschieht nicht um des Wohlbefindens willen, sondern ist die Voraussetzung, um die Tugend, das Sittlichgute, verwirklichen zu k\u00f6nnen.  <\/p>\n<p>Die Tugend allein ist f\u00fcr die Stoa ein absoluter Wert, nur durch sie gelangt der Mensch zum Gl\u00fcck. Der Besitz der Tugend verhilft zu richtigem Urteil und gibt auch die Kraft, nach diesem richtigen Urteil zu leben. Alles andere, Leben und Tod, Hab und Gut, sind dagegen relative Werte, adiaphora. Es kommt auf die Haltung an, mit der man diese Dinge handhabt.  <\/p>\n<p>Unter Seneca verlagert die stoische Philosophie ihren Schwerpunkt zur Ethik hin. Das Interesse an Kosmos und der Natur verringert sich zugunsten der existentiellen Befindlichkeit des Individuums. Im Zentrum von Senecas Philosophie geht es um die \u00dcberlegenheit des Weisen \u00fcber Schicksalsschl\u00e4ge, Schmerz und Tod. <\/p>\n<p>\nDie Wesensbestimmung des Menschen<\/p>\n<p>(G\u00fcnter Reinhart\/Edith Schirok: Senecas Epistulae morales, Bamberg 1988, S. 15ff.) <\/p>\n<p>\nSeneca unterscheidet &#8211; wie die alte Stoa &#8211; zwischen den Weisen, den Wissenden (sapientes), und den Toren, den Nichtwissenden (stulti), aber im Gegensatz zu ihr sieht er eine besondere Leistung des Menschen schon darin, sich \u00fcberhaupt auf den rechten Weg gemacht und Fortschritte auf diesem Weg erzielt zu haben. Wichtiger als die Trennung in Toren und Weise ist deshalb f\u00fcr Seneca die Hervorhebung der voluntas als erstem entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Selbsterziehung. Am Anfang steht das Wollen, das nicht durch einen Lernproze\u00df erworben werden kann (ep. 81,13: velle non discitur), sondern als Ansto\u00df in der Seele entsteht, ohne da\u00df Seneca daf\u00fcr eine n\u00e4here Erkl\u00e4rung gibt (ep. 16,6: impetus animi). Mit Hilfe der Philosophie entwickelt sich die bona voluntas \u00fcber das rechte Wissen um alle Dinge und durch unerm\u00fcdliche Anstrengung zur bona mens (ep. 16,1) oder zum habitus animi (ep. 16,6) und in h\u00f6chster Vollendung zur tranquillitas animi (ep. 92,3), zu einer unersch\u00fctterlichen und unverlierbaren Haltung. <\/p>\n<p>In dem Bewu\u00dftsein, da\u00df kaum ein Mensch &#8211; schon mal gar nicht er selbst (epp. 57,3; 45,4) &#8211; dieses h\u00f6chste Ziel erreichen kann, mu\u00df Seneca unter der erzieherischen Intention der Epistulae morales umso deutlicher den Wert eines proficere (ep. 16,2) hervorheben. <\/p>\n<p>Allein der vir sapiens ist im Besitz der sapientia, sie allein ist ein bzw. das perfectum bonum mentis humanae (ep. 89,4). Sie bleibt wenn auch unerreichbares, so doch anzustrebendes Ziel. Die proficientes heben sich aber von den stulti entschieden dadurch ab, da\u00df sie schon zu Freunden der Weisheit geworden sind, sie haben teil an der philosophia, einer f\u00fcr jeden Menschen erreichbaren Lebensform: philosophia sapientiae amor est et adfectatio: haec eo tendit quo illa pervenit (ep. 89,4). philosophia bedeutet Streben, sapientia das Ziel (ep. 89,6: illa venit, ad hanc itur). Da das Ziel des Strebens nicht mit dem Streben selbst identisch sein kann, m\u00fcssen auch philosophia und sapientia unterscheiden werden. Weisheit wird definiert als divinorum et humanorum scientia (ep. 89,5), die Philosophie als studium virtutis (ep. 89,8). <\/p>\n<p>Den Aussagen \u00fcber die verschiedenen Stufen der Ann\u00e4herung des Menschen an die sapientia und \u00fcber noch vorhandene Fehlhaltungen liegen die drei Bereiche der antiken Ethik zugrunde, die Seneca (ep. 89,14) selbst vorstellt: die G\u00fcterlehre, die Lehre von den Trieben und Affekten und die Lehre vom Handeln. Vorrangig, weil grundlegend f\u00fcr die beiden anderen Bereiche, ist das sicherer Wissen um wahre und falsche G\u00fcter, daraus erfolgt der Antrieb zum Handeln und dann die Umsetzung in die Tat. <\/p>\n<p>Die von den Menschen im allgemeinen hochgesch\u00e4tzten G\u00fcter des Lebens werden als Scheing\u00fcter, die gef\u00fcrchteten \u00dcbel als Schein\u00fcbel entlarvt. <\/p>\n<p>Der Mensch wird arm geboren (ep. 10,13: nemo nascitur dives), also ist der Reichtum kein nat\u00fcrliches Gut. Zwar ist der Mensch auf Selbsterhaltung angelegt, aber das hei\u00dft nur: nicht hungern, nicht d\u00fcrsten, nicht frieren (ep. 4,10). Was er dazu braucht , ist auf das Lebensnotwendige (ep. 17,9ff.) beschr\u00e4nkt. V\u00f6llige Einfachheit der Lebensgestaltung oder &#8211; sollte der Mensch zuf\u00e4llig reich sein &#8211; zumindest das Ein\u00fcben der Armut durch sogenannte Fastentage (ep. 18,5ff.) hilft dem Menschen, vom Reichtum unabh\u00e4ngig zu werden oder sich vom m\u00f6glichen Verlust nicht beeintr\u00e4chtigen zu lassen. Mag Seneca auch in fast allen Bereichen mit harten Worten gegen den Luxus seiner Zeit angehen, so lehnt er doch den Reichtum nicht schlechthin ab, sondern nur den falschen Umgang mit ihm, bzw. die falsche Einstellung zu ihm. So kann der Mensch mitten im Reichtum &#8211; je nach seiner inneren Haltung &#8211; arm oder auch reich sein, wie umgekehrt auch in der Armut. <\/p>\n<p>Alle \u00e4u\u00dferlichen Bedingungen, wie Armut oder Reichtum, Erfolg oder Mi\u00dferfolg, Gesundheit oder Krankheit, sind keine G\u00fcter, die in irgendeiner Form zur Gl\u00fcckseligkeit beitragen. Sie geh\u00f6ren zu den indifferentia oder media (ep. 82,10+12+14), wie Seneca den Begriff der ???????? (adiaphora) ins Lateinische \u00fcbertr\u00e4gt. <\/p>\n<p>Mit der Stoa unterscheidet Seneca innerhalb der indifferentia (ep. 117,9) drei Erscheinungsformen. Zur ersten Gruppe geh\u00f6ren die commoda (ep. 74,17), G\u00fcter, nach denen die Vernunft mit voller Absicht strebt, weil sie naturgem\u00e4\u00df sind, wie z.B. gaudium, pax, salus patriae (ep. 66,5). Zu den incommoda (ep. 74,23) z\u00e4hlt er z.B. Krankheit, Folter, Verlust von Angeh\u00f6rigen. Sie widersprechen zwar der Natur und dem Selbsterhaltungstrieb, und der Mensch wird sie meiden, dennoch k\u00f6nnen auch sie den Gl\u00fcckszustand des vir sapiens in keiner Weise mindern; genausowenig wie das Fehlen der commoda (ep. 92,16). Die commoda oder incommoda sind ausschlie\u00dflich unterschiedliche Erscheinungsformen von G\u00fctern, die au\u00dferhalb unserer Verf\u00fcgbarkeit liegen und damit der Entscheidungsgewalt durch die Vernunft entzogen sind.  <\/p>\n<p>Zur dritten Gruppe geh\u00f6ren, eigentlich zwischen den commoda und incommoda liegend, die Dinge, die weder der Natur entsprechen noch ihr widersprechen, z.B. das Aussehen, der Gang, die Haarfarbe (ep. 66,5), und die in jeder Hinsicht gleichg\u00fcltig sind.  <\/p>\n<p>Zwar ist die Krankheit weder ein Gut noch ein \u00dcbel, wohl aber ist Standhaftigkeit im Ertragen der Krankheit ein Gut. Der Tod kann einem Menschen zum Beweis seiner Sittlichkeit dienen (Cato). Allein die ratio kann aus den wertneutralen Dingen ein sittliches Gut oder sittliches \u00dcbel machen, n\u00e4mlich je nachdem, wie der Mensch mit ihnen umgeht. Bei richtiger Entscheidung und sittlichem Verhalten k\u00f6nnen die indifferentia zum wahren Gut, zum einzigen Gut, dem sittlich Guten werden. <\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212; <\/p>\n<p>Die Stoa zur Frage des Todes: <\/p>\n<p>\nIn der stoischen Philosophie ist die sichtbare Welt nicht, wie Epikur lehrt, durch Zufall entstanden, sondern ist das Werk der g\u00f6ttlichen Weltvernunft, des ewigen Logos, des alles durchwaltenden g\u00f6ttli\u00adchen Geistes. Da f\u00fcr die Stoiker nur K\u00f6rperliches wirken kann, ist der materielle Tr\u00e4ger des Logos der feinste Stoff, das Urfeuer, die Quelle der W\u00e4rme und des Lebens. Der Mensch tr\u00e4gt mit seiner Seele einen Funken dieses g\u00f6ttlichen Feuers in sich und kann deshalb die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Natur erken\u00adnen. Der Tod ist somit nur als eine \u201eganz normale\u201c Auswirkung des Naturgesetzes im ewigen Werden und Vergehen anzusehen und stellt, da das Leben im Einklang mit der Natur das h\u00f6chste Gut des Menschen ist(\u201esecundum naturam vivere\u201c), kein \u00dcbel oder Ungl\u00fcck dar. Er z\u00e4hlt vielmehr zu den \u201eadi\u00e1phora\u201c, zu den gleichg\u00fcltigen Dingen, wie z.B. Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut. Oft kann der Tod sogar, positiv gesehen, die Erl\u00f6sung von den Leiden des Daseins sein. Hieraus leitet sich auch die Legitimation des Selbstmordes ab, der erlaubt ist, wenn der Mensch keinem mehr n\u00fctzen kann oder vor allem \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde ein Leben nach der von der Natur vorgeschriebenen Bestim\u00admung als Vernunftwesen unm\u00f6glich machen. <\/p>\n<p>Der Tod ist auch deshalb nicht zu f\u00fcrchten, weil in ihm die Seele als \u201eFunken\u201c des g\u00f6ttlichen Feuers den K\u00f6rper ohne Schmerzempfindung verl\u00e4\u00dft und sich mit dem ewigen Urfeuer wieder verbindet. <\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212; <\/p>\n<p>\nDie Stoa <\/p>\n<p>\n(Philosophie bei den R\u00f6mern (Werner Karl), Donauw\u00f6rth 19791, S. 58-63 in Ausz\u00fcgen) <\/p>\n<p>\nDie alte Stoa <\/p>\n<p>Zenon, der Begr\u00fcnder der Stoa, wurde im Jahre 333\/332 v.Chr. auf Zypern geboren. Grundle\u00adgend f\u00fcr seine Lehre ist die \u00dcberzeugung, da\u00df das wahre Gl\u00fcck des Menschen von allen \u00e4u\u00dfe\u00adren G\u00fctern unabh\u00e4ngig sei. Durch Epikurs Wirken in Athen (seit 306) f\u00fchlte sich Zenon geradezu herausgefordert, eine eigene Philosophenschule zu gr\u00fcnden. Er begann seine eigene Lehrt\u00e4tig\u00adkeit 301\/300 in der Sto\u00e1 Poik\u00edle (Bunte Halle), einer von Polygnot bunt ausgemalten Wandelhalle am Markt, nach der die Schule ihren Namen erhielt. Trotz oder gerade wegen ihrer Sittenstrenge zog die Stoa viele junge M\u00e4nner an, die nicht gewillt waren, auf der Suche nach ihrem inneren Gl\u00fcck den epikureischen Weg der &#8222;Lust&#8220; zu gehen. <\/p>\n<p>\nDie Lehre <\/p>\n<p>Physik: <\/p>\n<p>Die sichtbare Welt ist nicht, wie Epikur lehrt, durch Zufall entstanden, sondern das Werk der g\u00f6ttlichen Weltvernunft, des Logos, der Gottheit. Da f\u00fcr die Stoiker nur K\u00f6rperliches wirken kann, ist der materielle Tr\u00e4ger des Logos der feinste Stoff, das Urfeuer, die Quelle der W\u00e4rme und des Lebens. Das Logos-Feuer ist die Urkraft, die vorausschauend und f\u00fcrsorglich (Logos = Pr\u00f3noia, Vorsehung) &#8222;zum Schaffen schreitet&#8220; (Zenon), die erste Ursache der l\u00fcckenlosen Ursachenkette aller Abl\u00e4ufe und Bewegungen (Logos = Heimarm\u00e9ne, Schicksal). <\/p>\n<p>Durch Verdichtung des Urfeuers entstehen die \u00fcbrigen Elemente (Luft, Wasser, Erde), aus deren vielf\u00e4ltiger Mischung der Kosmos in seiner Sch\u00f6nheit und Zweckm\u00e4\u00dfigkeit hervorgeht. <\/p>\n<p>Der f\u00fchrende Seelenteil des Weltorganismus hat seinen Sitz in der Region des himmlischen Feuers, doch durchgl\u00fcht das g\u00f6ttliche Logos-Feuer als &#8222;Hauch&#8220; (pneuma) das gesamte All und tr\u00e4gt in sich die &#8222;Samenkeime&#8220; (l\u00f3goi spermatiko\u00ed), aus denen die Einzeldinge hervorgehen. Durch die ihm innewohnende Spannkraft verleiht das Pneuma selbst dem kleinsten Stein seinen Zusammenhalt. <\/p>\n<p>Trotz des strengen Determinismus (Bestimmtheit allen Geschehens durch Ursachen) halten die Stoiker entschieden an der Willensfreiheit des Menschen fest: Der menschliche Logos hat die freie Entscheidung \u00fcber die Annahme bzw. Ablehnung der von au\u00dfen kommenden Vorstellung. Die h\u00f6chste Freiheit des menschlichen Logos besteht darin, die Normen des Weltenlogos zu er\u00adkennnen und nach ihnen zu handeln. <\/p>\n<p>Mit dem Tod verl\u00e4\u00dft das Seelenpneuma den K\u00f6rper und geht im All auf. <\/p>\n<p>Nach Ablauf eines gro\u00dfen &#8222;Weltjahres&#8220; kehrt der Kosmos in das Urfeuer zur\u00fcck (Weltbrand: ek\u00adp\u00fdrosis), aus dem dann wiederum derselbe Kosmos mit denselben Individuen (Wiedergeburt: pa\u00adling\u00e9nesis) hervorgeht. Dieser Zyklus wiederholt sich ewig (Weltperioden). <\/p>\n<p>\nEhtik: <\/p>\n<p>Zur richtigen Bestimmung des menschlichen &#8222;Lebenszieles&#8220; (t\u00e9los) und damit der richtigen Le\u00adbensf\u00fchrung gehen die Stoiker vom Urtrieb des Menschen aus, der Oike\u00edosis (&#8222;Zueignung&#8220;). Sie ist der instinktive Trieb jedes Lebewesens, das als ihm &#8222;eigen&#8220; (oikeion) empfundene Wesen zu entfalten, alles zu suchen, was der Erhaltung und F\u00f6rderung des &#8222;Eigenen&#8220; dient, und das Ge\u00adgenteilige zu meiden. Gesundheit, Sprechverm\u00f6gen, aufrechter Gang, Gemeinschaft mit den Menschen usw. sind &#8222;das erste Naturgem\u00e4\u00dfe&#8220; (ta prota kat\u00e0 physin). Sie sind die ersten Werte (ax\u00eda), da sie einen Beitrag leisten zu dem, was der Natur des Menschen gem\u00e4\u00df ist. Jede Handlung, die der naturgewollten Entfaltung des menschlichen Wesens dient (Essen, Pflege des K\u00f6rpers, Liebe zu den Eltern usw.), ist eine &#8222;uns zukommende Handlung&#8220; (kathekon, Pflicht). <\/p>\n<p>Im Gegensatz zum Tier besitzt der Mensch von Natur die Anlage der Vernunft. Sobald er sich dieser im Laufe der Jahre (bis etwa 14. Lebensjahr) bewu\u00dft wird, wendet sich die Oikeiosis der Entfaltung des Logos zu, und der Mensch erkennt das Gute in dem, was seinem wahren Wesen f\u00f6rderlich ist und als seine eigene Leistung ihm Genugtuung und inneres Gl\u00fcck verleiht. <\/p>\n<p>Die Vollendung seiner Vernunftanlage ist dem Menschen nur m\u00f6glich, wenn er durch richti\u00adge (philosophische) Belehrung und durch eigenes Streben den Kampf gegen seine Triebe und die schlechten Einfl\u00fcsse von seiten seiner t\u00f6richten Mitmenschen besteht. Die vollendete Vernunft, der Logos, der sich den von au\u00dfen kommenden Vorstellungen gegen\u00fcber behauptet und die Triebe beherrscht, ist der bestm\u00f6gliche Zustand des Menschen, seine Aret\u00e9, &#8222;Tugend&#8220;(Gegenteil kak\u00eda = Schlechtigkeit, Lasterhaftigkeit). Diese naturgewollte F\u00fchrung der Triebe durch den Lo\u00adgos ist die &#8222;Harmonie der Seele&#8220; (homolog\u00eda). Sie ist ein Ebenbild der Harmonie und der Sch\u00f6n\u00adheit des Makrokosmos. Sie ist die &#8222;Sch\u00f6nheit&#8220; der Seele, das &#8222;Sch\u00f6ne&#8220;(kal\u00f3n), das &#8222;Sittlichgute&#8220;. Das Sittlichgute(= Tugend) ist der h\u00f6chste Wert, es ist das einzige &#8222;Gut&#8220; des Menschen und darum auch ohne R\u00fccksicht auf den \u00e4u\u00dferen Erfolg um seiner selbst willen erstrebenswert. Das Sittlichgute allein bewirkt die Gl\u00fcckseligkeit (eudamon\u00eda). &#8222;Das Leben unter der F\u00fchrung des Lo\u00adgos (homologoum\u00e9nos z\u00ean bzw. homologoum\u00e9nos te ph\u00fdsei z\u00ean in \u00dcbereinstimmung mit der Natur leben), die Einheit von Denken, Wollen und Handeln ist das Lebensziel des Menschen. <\/p>\n<p>Besitzt der Logos nicht die n\u00f6tige St\u00e4rke, so stimmt er Vorstellungen zu, die die Triebe (Gef\u00fchle, Begehrungen) wider ihr nat\u00fcrliches Ma\u00df \u00fcbersteigern: Der Trieb (horm\u00e9) wird zum &#8222;Affekt&#8220;, zur &#8222;Leidenschaft&#8220; (p\u00e1thos). Die kranke, leidende Seele ist das &#8222;Sittlichschlechte&#8220;, das einzige \u00dcbel des Menschen. Wer sittlich schlecht handelt, erleidet seelische Qualen. Der leidenden Seele kann nur die Philosophie helfen, deren Ziel die &#8222;Freiheit der Seele von den Affekten-Leidenschaf\u00adten&#8220;(ap\u00e1theia) ist. <\/p>\n<p>Gesundheit &#8211; Krankheit, k\u00f6rperliche Lust &#8211; k\u00f6rperlicher Schmerz, Reichtum &#8211; Armut, Ruhm &#8211; Ver\u00adachtung usw. sind hinsichtlich des sittlichen Zieles der Gl\u00fcckseligkeit weder &#8222;G\u00fcter&#8220; noch &#8222;\u00dcbel&#8220;. Da sie ihren Wert erst durch den Gebrauch erhalten, den der Logos von ihnen macht, sind sie an sich sittlich &#8222;unterschiedslos&#8220; (adi\u00e1phora). Dennoch werden von der Vielzahl der Adiaphora ei\u00adnige (z.B. Leben, Gesundheit, ma\u00dfvoller Besitz, Kinder) von der animalischen Natur des Men\u00adschen &#8222;bevorzugt&#8220; (pro\u00ebgm\u00e9na), andere (z.B. Krankheit, Armut) &#8222;zur\u00fcckgesetzt&#8220; (apopro\u00ebgm\u00e9na). Jedoch darf das Streben nach den Proegmena das Streben nach dem Sittlichguten nicht beein\u00adtr\u00e4chtigen. <\/p>\n<p>Die eine Tugend kann sich in vier Kardinaltugenden zeigen: Einsicht &#8211; Klugheit (phr\u00f3nesis), Selbstberrschung &#8211; Besonnenheit (sophros\u00fdne), Tapferkeit (andre\u00eda) und Gerechtig\u00adkeit (dikaios\u00fdne). <\/p>\n<p>Das Feld des sittlich guten Handelns ist die Gemeinschaft. Ohne sie kann sich das Wesen des Menschen nicht entfalten.Da der individuelle Logos nur ein Teil der Weltvernunft ist, ist der ein\u00adzelne Mensch B\u00fcrger der ganzen Welt (Kosmopolit). Innerhalb der Kosmopolis richtet sich sein Rang nicht nach \u00c4u\u00dferlichkeiten (Grieche &#8211; Barbar, Freier &#8211; Sklave), sondern nach dem Ma\u00dfstab des Sittlichguten. Der Logos ist das rechtsverbindliche Gesetz dieser Gemein\u00adschaft (Vernunftrecht, Naturrecht, g\u00f6ttliches Recht). Dieses Vernunftgesetz ist die Quelle der po\u00adsitiven (geschriebenen) Gesetze. <\/p>\n<p>Der Weise besitzt das Wissen um das Gute und Schlechte und verwirklicht es im Leben. Er wei\u00df von den gro\u00dfen Zusammenh\u00e4ngen des Weltgeschehens, er ist vorbereitet auf alle F\u00fcgun\u00adgen des Schicksals. Der Logos seiner Seele harmoniert mit dem Weltenlogos. Er ist frei von allen Leidenschaften. F\u00fcr ihn gibt es keine Knechtschaft: Ist ein Leben unter der F\u00fchrung des Lebens nicht mehr m\u00f6glich, kann er freiwillig aus dem Leben scheiden. <\/p>\n<p>\nDie Stoa bei den R\u00f6mern (Cicero und Seneca) <\/p>\n<p>Seit Panaitios(185-109 v.Chr.) war die Stoa die bestimmende Kraft im r\u00f6mischen Geistesleben. Er verlagerte den Akzent vom Menschen als Kosmopolit auf den realen Einzelstaat und schenkte den gew\u00f6hnlichen Kathekonta, den Pflichten des Alltags seine besondere Beachtung. Panaitios nahm dem &#8222;Weisen&#8220; der alten Stoa seine \u00fcbermenschlichen Z\u00fcge und lie\u00df ihn zum erreichbaren sittlichen Ideal f\u00fcr den r\u00f6mischen Staatsmann werden, der sich auf der B\u00fchne des Weltreiches zu bew\u00e4hren hatte. Die Eklektiker Varro und Cicero, die sich mit Vorliebe als Akademiker be\u00adzeichneten, \u00fcbernahmen stoische Lehren (Cicero u.a. die Lehre vom Naturrecht, Lehre von den Pflichten, gemischte Verfassung). <\/p>\n<p>Unter den Nachfolgern des Augustus wandte sich die Stoa vom Staate ab und konzentrierte sich auf die Sorge um das pers\u00f6nliche Seelenheil. Zwischen den willk\u00fcrlichen Anspr\u00fcchen eines ab\u00adsoluten Herrschertums und den Forderungen eines zeitlosen Sittengesetzes waren keine Kom\u00adpromisse m\u00f6glich. Die innere Haltung des Stoikers \u00e4u\u00dferte sich im Falle Senecas mit dem R\u00fcck\u00adzug aus der Politik, andere fanden Mut zur Kritik, ja zum aktiven Widerstand.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kleine Nachtlekt\u00fcre noch mal eben herbeigeschleppt&#8230;gut lesbarer Text aus dem Internet&#8230;falls man sich etwas n\u00e4her mit diesem Philosphen, der einem als Sch\u00fcler das Leben in Latein nicht gerade vereinfacht hat, aber dessen Texte schon &#8230;und gerade, so finden wir, sehr aktuell erscheinen&#8230;wobei wir merken, wir k\u00f6nnen kein Latein mehr..oder nur noch wenig&#8230;keine \u00dcbung..aber jetzt \u00fcben wir wieder&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-83997","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-portrait","entry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - 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