{"id":83975,"date":"2006-06-13T14:36:44","date_gmt":"2006-06-13T14:36:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=83975"},"modified":"2006-06-13T14:36:44","modified_gmt":"2006-06-13T14:36:44","slug":"ute-erdsiek-rave-rede-zur-lage-der-kitas-2004","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2006\/06\/13\/ute-erdsiek-rave-rede-zur-lage-der-kitas-2004\/","title":{"rendered":"Ute Erdsiek-Rave: Rede zur Lage der Kitas 2004"},"content":{"rendered":"<p>Erdsiek-Rave, aktuell Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, auch in dieser Rede bemerkenswert progressiv f\u00fcr inzwischen deutsche Verh\u00e4ltnisse&#8230;verschnarchte.<\/p>\n<p>Rede von Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave zum Bildungsauftrag von Kitas <\/p>\n<p>&#8222;Kinder sind Forscher, K\u00fcnstler, Konstrukteure &#8211; so hei\u00dft der Titel eines Werkstattbuches zum Bildungsauftrag von Kitas, den sicher viele von Ihnen kennen. Er stellt klar: Bildung ist eine T\u00e4tigkeit des Kindes, es ist aktive Aneignung von Welt, es ist nicht die T\u00e4tigkeit der Erziehenden. Deren Sache ist das Erm\u00f6glichen und Unterst\u00fctzen, das Herausfordern und Anregen. <\/p>\n<p>Ich stelle diese Aussagen bewusst voran, damit klar ist, in welchem Kontext der Begriff &#8222;Bildungsauftrag&#8220; steht. Das Verst\u00e4ndnis von Bildung, das ich habe, trifft ebenso auf Schule, Studium und Lebenslanges Lernen zu. Doch unsere heutige Organisation von Schule, von Bildungsprozessen entspricht diesem Verst\u00e4ndnis in weiten Teilen nicht. Ich will damit &#8211; in aller K\u00fcrze &#8211; deutlich machen, dass wir heute \u00fcber etwas sprechen, was nicht isoliert einen Teil des Bildungssystems betrifft, sondern die Bildungsbiographie, den Bildungsprozess insgesamt mit in den Blick nimmt. <\/p>\n<p>Sie alle wissen: In Schleswig-Holstein hat sich insbesondere in den letzten drei Jahren, also seit der Ver\u00f6ffentlichung der PISA-Ergebnisse, auch im elementaren Bildungsbereich sehr viel bewegt. Die Aussagen der diesj\u00e4hrigen OECD-Studie &#8222;Education at a glance \/ Bildung auf einen Blick&#8220;, die sich auf Daten aus dem Jahr 2002 st\u00fctzt, treffen deshalb nur eingeschr\u00e4nkt auf uns zu. <\/p>\n<p>In der Kurzfassung dieser Studie hei\u00dft es zum Beispiel, in Deutschland sei das Betreuungsverh\u00e4ltnis im Elementarbereich besonders ung\u00fcnstig, weil &#8222;rund 24 Kinder auf eine Betreuungsperson kommen&#8220;. Unsere schleswig-holsteinische Kita-Verordnung sieht als Mindeststandard eine Gruppengr\u00f6\u00dfe von 20 Kindern vor, die maximal um 2 Kinder \u00fcberschritten werden kann; befristete \u00dcberschreitungen zwischen 22-25 Kindern bed\u00fcrfen der Zustimmung der Kreise und der Eltern. F\u00fcr jede Gruppe sind 1,5 Betreuungspersonen gesetzlich vorgeschrieben, n\u00e4mlich eine Fachkraft und eine weitere Kraft. Daraus ergibt sich ein Betreuungsverh\u00e4ltnis von 13:1 bzw. von h\u00f6chstens 15:1 &#8211; das wiederum hei\u00dft, dass wir sogar \u00fcber dem OECD-Mittel von 15 Kindern pro Betreuungsperson liegen! (Im \u00fcbrigen: das Statistische Bundesamt pr\u00fcft die Zahl &#8222;24:1&#8220;, weil es bereits von verschiedenen Bundesl\u00e4ndern R\u00fcckfragen gegeben hat.) Diese Relation darf auf keinen Fall verschlechtert werden; dass Verbesserungen w\u00fcnschenswert sind, steht au\u00dfer Frage. Dennoch: Diese Forderungen treffen bei L\u00e4ndern und Gemeinden auf eine \u00e4u\u00dferst gespannte Finanzlage. Deshalb ist die aktuelle Diskussion um die Unterfinanzierung des gesamten Bildungssystems in Deutschland gewiss kein Nachteil f\u00fcr Bildungspolitiker, sondern eine Unterst\u00fctzung unseres Wollens. <\/p>\n<p>Wir haben in Schleswig-Holstein in den vergangenen Jahren im Elementarbereich sehr viel erreicht. Ich will Ihnen das wenigstens an zwei Indikatoren darstellen: <\/p>\n<p>1988 standen im Landeshaushalt umgerechnet 358.000 Euro f\u00fcr Kitas zur Verf\u00fcgung &#8211; im Haushaltsjahr 2004 sind es 60 Millionen Euro, das hei\u00dft das 170-fache. <br \/>\n1988 gab es rund 54.000 Pl\u00e4tze, heute sind es fast 94.000 Pl\u00e4tze; die Versorgungsquote ist entsprechend von 54 % auf 96 % gestiegen. <br \/>\nDiese fl\u00e4chendeckende Versorgung haben wir erreicht, weil sich alle Beteiligten bem\u00fcht haben, soviel wie m\u00f6glich zu leisten: von den \u00f6rtlichen Tr\u00e4gern der \u00f6ffentlichen Jugendhilfe und Kommunen \u00fcber die freien Tr\u00e4ger und ihre Fachkr\u00e4fte, die Erzieherinnen und Erzieher, die Eltern bis hin zum Land.<br \/>\nAber: Wenn es um Bildung geht, entscheidet nicht die Quantit\u00e4t. Es kommt vor allem auf die Qualit\u00e4t an. Auch durch den Druck, den die PISA-Studie ausgel\u00f6st hat, weil sie uns den Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg drastisch vorgef\u00fchrt hat, haben wir unsere Anstrengungen im Elementarbereich noch einmal erheblich verst\u00e4rkt. Denn wir wissen: die Weichen f\u00fcr erfolgreiche Bildungskarrieren, f\u00fcr erfolgreiches Lernen, werden schon sehr fr\u00fch gestellt &#8211; im Zusammenspiel von Familienerziehung und institutionalisierter Bildung, oft aber auch als Kompensation, die institutionalisierte Erziehung heute leisten muss. Denn Familienstrukturen und die Erziehungst\u00e4tigkeit vieler Eltern haben sich ver\u00e4ndert, darauf muss das Bildungssystem reagieren. Oft genug m\u00fcssen Kita und Schule ausgleichen, was in Elternh\u00e4usern nicht mehr geleistet wird &#8211; von der k\u00f6rperlichen Bewegung \u00fcber die Ern\u00e4hrung bis zum Umgang mit B\u00fcchern. Diese Herausforderung m\u00fcssen wir annehmen. <\/p>\n<p>&#8222;Erfolgreich starten&#8220;, das gilt in unserem Land bereits f\u00fcr Kinder in Kindertageseinrichtungen, also schon vor Schulantritt. Zur Sicherung dieses Ziels haben wir in Schleswig-Holstein <\/p>\n<p>die &#8222;Leitlinien zum Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen&#8220; entwickelt und <\/p>\n<p>die &#8222;Empfehlungen zur Zusammenarbeit von Kindertageseinrichtungen, Grundschulen und Jugendhilfe&#8220; erarbeitet. <\/p>\n<p>Die &#8222;Leitlinien&#8220; konzentrieren sich auf den Rahmen der fr\u00fchen Erziehung, die &#8222;Empfehlungen&#8220; auf die Verbesserung des \u00dcbergangs von der Kita in die Grundschule. Erg\u00e4nzt werden diese Anstrengungen durch Erzieherinnen-Fortbildungen und durch spezielle Fachtage, in 2003 zur Sprachf\u00f6rderung, in 2004: Natur und Umwelt verstehen, in 2005: Mathematisches Grundverst\u00e4ndnis. <\/p>\n<p>Lassen Sie mich hier kurz den Gesamtrahmen darstellen, in dem wir uns bewegen. Der Bildungsauftrag ist grunds\u00e4tzlich im Kinder- und Jugendhilfegesetz geregelt (\u00a7 22, Abs. 2 SGB VIII). In Schleswig-Holstein beschreibt das Kindertagesst\u00e4ttengesetz Schleswig-Holstein (KiTaG) die n\u00e4here Ausgestaltung. Die Jugendminister- und die Kultusministerkonferenz haben sich im Mai dieses Jahres auf einen gemeinsamen Rahmen f\u00fcr die fr\u00fche Bildung in Kitas verst\u00e4ndigt. Die Ergebnisse einer gemeinsamen Forschungsgruppe der L\u00e4nder Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen sowie des Bundesfamilienministeriums zum Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen liegen vor. Diesen Rahmen f\u00fcllen wir jetzt aus. Unsere Leitlinien enthalten n\u00e4mlich auch Ausf\u00fchrungen dazu, wie die einzelnen Ziele vor Ort durch die Erzieherinnen und Erzieher geplant und umgesetzt werden k\u00f6nnen: die &#8222;Methodischen Hinweise zur gemeinsamen Gestaltung von Bildungsprozessen&#8220;. Das ist eine Besonderheit gegen\u00fcber anderen L\u00e4ndern. Eine weitere Besonderheit ist, dass wir die Leitlinien in einem sehr kooperativen Prozess zwischen Tr\u00e4gern, Fachleuten aus der Fachhochschule und den Fachschulen, der Landeselternvertretung und dem Ministerium erarbeitet haben. <\/p>\n<p>Unsere &#8222;Leitlinien&#8220; beschreiben den Erziehungs- und Bildungsauftrag von Kindertagesst\u00e4tten in Schleswig-Holstein. In sechs Bildungsbereichen geben sie den didaktischen und methodischen Rahmen f\u00fcr die Arbeit in Kindertagesst\u00e4tten vor. Wenn ich nun die einzelnen Bereiche nenne, soll hier kein Missverst\u00e4ndnis entstehen; damit ist keine Orientierung an bestimmten F\u00e4chern oder Fachdisziplinen beabsichtigt. Eine Beschreibung von Themenfeldern ist jedoch sinnvoll. Diese durchdringen sich wechselseitig, damit wir einen ganzheitlichen Ansatz verwirklichen k\u00f6nnen. Diese Bildungsbereiche sind: <\/p>\n<p>1. Sprache(n), Zeichen\/Schrift und Kommunikation:<br \/>\nDieser Bereich steht nicht umsonst an erster Stelle. Seit Jahren schon strengen wir uns mit Fortbildungen zum Thema &#8222;Phonologische Bewusstheit&#8220; und mit Materialien zur Sprachf\u00f6rderung in der Kita in diesem Bereich besonders an.<br \/>\nHier geht es ja keineswegs nur um Kinder aus Migrantenfamilien, sondern auch um Kinder aus &#8222;normalen&#8220; Familien, die oft nicht ausreichend sprechen, denen nicht vorgelesen wird, die zuwenig mit Gleichaltrigen kommunizieren. Dazu geh\u00f6ren bestimmte Sprechanl\u00e4sse, das Anwenden von Gespr\u00e4chsregeln und der Umgang mit B\u00fcchern. <\/p>\n<p>2. Ethik, Religion und Philosophie:<br \/>\nDie Besch\u00e4ftigung mit Sinnfragen also, das Erlernen von Toleranz und Respekt vor dem anderen; hierbei gilt es zu ber\u00fccksichtigen, dass Kinder heute aus ganz unterschiedlichen kulturellen und religi\u00f6sen Zusammenh\u00e4ngen kommen. <\/p>\n<p>3. Gestalten, Darstellen, Musik, Theater und Medien<br \/>\nhat in den Kitas immer schon eine gro\u00dfe Rolle gespielt. Die vielf\u00e4ltigen Ausdrucksformen des Musischen und \u00c4sthetischen werden hier dargestellt und aufgenommen. <\/p>\n<p>4.Im vierten Bereich K\u00f6rper, Bewegung und Gesundheit<br \/>\ngeht es um Bewegungs- und Sinneserfahrungen, um Ern\u00e4hrung, K\u00f6rperbewusstsein, um Auseinandersetzung mit Krankheit und Gesundheit, mit Sexualit\u00e4t und mit Hygiene. <\/p>\n<p>5. Kultur, Gesellschaft und Politik<br \/>\nstehen f\u00fcr Vielfalt der Lebensformen, vor allem aber f\u00fcr Partizipation, f\u00fcr Teilhabe an Verantwortung und an Entscheidungen, so wie es altersgem\u00e4\u00df m\u00f6glich ist. <\/p>\n<p>6. Der Bereich Mathematik, Naturwissenschaften und Technik soll ankn\u00fcpfen an die Freude der Kinder an Mengen, Zahlen, Gr\u00f6\u00dfen und Ma\u00dfeinheiten, am Beobachten und Experimentieren, am Interesse f\u00fcr Naturph\u00e4nomene und an der Umwelt. <\/p>\n<p>Daneben gibt es Querschnittsdimensionen, die alle Bildungsbereiche betreffen: <\/p>\n<p>Genderbewusstsein <\/p>\n<p>Interkulturalit\u00e4t <\/p>\n<p>F\u00f6rderung und Integration von Kindern mit besonderen Bed\u00fcrfnissen <\/p>\n<p>Nachhaltigkeit <\/p>\n<p>Lebensweltorientierung <\/p>\n<p>Partizipation. <\/p>\n<p>Wir verstehen diese &#8222;Leitlinien&#8220; als eine Art Programm f\u00fcr die fr\u00fche institutionalisierte Bildung au\u00dferhalb der Familie und vor der Schule. Als Programm, auf das Sie in Ihrer t\u00e4glichen Arbeit zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. Mit ihren sechs Bildungsbereichen bilden die &#8222;Leitlinien&#8220; das gesamte Spektrum ab, das Kinder in dieser Altersgruppe kennen lernen und verstehen sollen. Bewusst schlie\u00dfen sie auch die Bereiche ein, die sich zunehmend als Achillesferse unseres Bildungssystems beziehungsweise unserer Gesellschaft herausstellen: n\u00e4mlich K\u00f6rper und Bewegung sowie Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. Sie alle kennen die Diskussion um unbewegliche und dicke Kinder, um unzureichendes naturwissenschaftliches und technisches Verst\u00e4ndnis. <\/p>\n<p>Dennoch, das will ich betonen: Diese &#8222;Leitlinien&#8220; wollen keine vorgezogene Schule, auch kein Vorziehen der Einschulung mit anderen Mitteln. Wir wollen mit diesen Rahmenvorgaben vielmehr sicher stellen, dass die Kinder in den Kitas dazu angeregt und sensibilisiert werden, sich f\u00fcr die Umwelt und f\u00fcr die Welt im allgemeinen zu interessieren, ihre nat\u00fcrliche Neugier zu entfalten und zu aktiven Selbstlernern zu werden. Kitas sollen Orte sein, an denen Kinder Kompetenzen erwerben und zugleich das Lernen lernen. Schon lange sind ja Kitas keine Orte f\u00fcr blo\u00dfe Betreuung und f\u00fcr beil\u00e4ufiges oder zuf\u00e4lliges Lernen &#8211; das wissen Sie selbst am besten! Erzieherinnen und Erzieher sind die ersten professionellen Bildungsexperten, mit denen unsere Kinder zu tun haben. <\/p>\n<p>Wir wollen mit unseren &#8222;Leitlinien&#8220; auch Sie als Erzieherinnen und Erzieher sowie als Tr\u00e4ger von Kindertagesst\u00e4tten motivieren, Kindern die notwendigen Impulse zu geben und die bestm\u00f6glichen Voraussetzungen zu schaffen. Wir motivieren. Selbstverst\u00e4ndlich gestalten die freien und \u00f6ffentlichen Tr\u00e4ger der Jugendhilfe und Sie als Fachkr\u00e4fte die p\u00e4dagogische Arbeit in den Kitas in eigener Verantwortung. Ich wei\u00df von meinen Besuchen in verschiedenen Kindertagesst\u00e4tten, wie viele Einrichtungen ihren eigenen Erziehungs- und Bildungsauftrag sehr ernst nehmen. Ich habe mich von Ihrem au\u00dferordentlichen Engagement \u00fcberzeugen k\u00f6nnen. Deshalb ist es richtig, dass wir diesen Weg &#8211; als Partner &#8211; bewusst gemeinsam gehen. <\/p>\n<p>Wie geht es jetzt weiter? Jede der rund 1650 Kindertageseinrichtungen in Schleswig-Holstein erh\u00e4lt die &#8222;Leitlinien&#8220;, damit sie dort ein Jahr lang erprobt werden k\u00f6nnen. \u00dcber die Wirkung und \u00fcber den Erfolg wollen wir mit Ihnen diskutieren. Deshalb werden die &#8222;Leitlinien&#8220; in regionalen Veranstaltungen vorgestellt. Nach Ablauf des Probejahres bitten wir Sie, Ihre Erfahrungen, Anregungen und Kritikpunkte zu dokumentieren. Dazu erhalten Sie einen speziellen Fragebogen. Anhand dieser R\u00fcckmeldungen k\u00f6nnen die &#8222;Leitlinien&#8220; dann \u00fcberarbeitet werden.<br \/>\nWenn sich die &#8222;Leitlinien&#8220; auch aus Ihrer Sicht als Erzieherinnen und Erzieher sowie aus der Sicht der Tr\u00e4ger bew\u00e4hren, sollen detaillierte Handreichungen f\u00fcr die einzelnen Bildungsbereiche erstellt werden. <\/p>\n<p>Ich habe mich bislang auf den Erziehungs- und Bildungsauftrag der Kitas generell konzentriert. F\u00fcr den nachhaltigen Erfolg dieses Erziehungs- und Bildungsauftrages ist es auch notwendig, die Zusammenarbeit von Kitas und Grundschulen besser zu verzahnen. Denn Schule sollte das aufnehmen, was Kinder in der Kita gelernt haben, was sie sozusagen als Kapital mitbringen. Und wir m\u00fcssen sicher stellen, dass m\u00f6glichst alle Kinder mit vergleichbaren sprachlichen und motorischen Voraussetzungen erfolgreich in die Schule starten k\u00f6nnen. Wenn es uns gelingt, den \u00dcbergang zu verbessern, dann werden wir auch die Zahl der R\u00fcckstellungen und der Schulversager reduzieren. Deshalb haben wir die &#8222;Empfehlungen zur Zusammenarbeit von Kindertageseinrichtungen, Grundschulen und Jugendhilfe&#8220; entwickelt. Diese sind in den letzten Wochen an alle Kindertageseinrichtungen und Grundschulen verschickt worden. Sie fordern Kindertageseinrichtungen und Grundschulen auf, sich dar\u00fcber zu verst\u00e4ndigen, welche Kenntnisse, Grundfertigkeiten und welches Lernverhalten sie von den Kindern erwarten beziehungsweise ihnen vermitteln. Sie fordern dazu auf, die Zusammenarbeit vor Ort verbindlich zu gestalten, zum Beispiel durch: <\/p>\n<p> Wechselseitige Hospitationen <\/p>\n<p>Gemeinsame Fort- und Weiterbildungen <\/p>\n<p>Partnerschaften zwischen Kita-Gruppen und Grundschulklassen <\/p>\n<p>Benennung von Kontaktpersonen <\/p>\n<p>Regelungen f\u00fcr Konfliktf\u00e4lle <\/p>\n<p>Gesch\u00e4ftsordnungen. <\/p>\n<p>Die Entwicklung der &#8222;Leitlinien&#8220; und der &#8222;Empfehlungen&#8220; ist eine Gemeinschaftsarbeit. Dahinter verbergen sich intensive und kooperative Diskussionen und Konsensfindungen. Daf\u00fcr m\u00f6chte ich mich bei allen Beteiligten, insbesondere aber bei Professor Dr. Raingard Knauer, sehr herzlich bedanken. An der Gestaltung der &#8222;Leitlinien&#8220; waren neben dem Bildungsministerium die Wohlfahrtsverb\u00e4nde, die Landeselternvertretung f\u00fcr Kindertageseinrichtungen, die Fachhochschule Kiel und die Fachschulen beteiligt; an der Entwicklung der &#8222;Empfehlungen&#8220; die Wohlfahrtsverb\u00e4nde, die Landeselternvertretung f\u00fcr Kindertageseinrichtungen sowie f\u00fcr Grund-, Haupt- und Sonderschulen und das Bildungsministerium.<br \/>\nDiese Kooperation hat gezeigt, dass Bildung tats\u00e4chlich als Gemeinschaftsaufgabe verstanden wird. Alle Verantwortlichen tragen mit ihrem jeweiligen Sachverstand dazu bei, dass Kinder in den Kindertagesst\u00e4tten und in der Grundschule in ihren individuellen Bildungsprozessen professionell gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnen. Diese Zusammenarbeit ist dringend notwendig, um unser Bildungssystem erfolgreich voranzubringen. Ich hoffe, dass es uns gelingt, auch die Kommunen wieder ins Boot zu holen. Wir haben die Kommunen zu allen Gespr\u00e4chen eingeladen. Wir haben ihnen die Protokolle zur Verf\u00fcgung gestellt und um ihre Stellungnahme gebeten. Wir haben auch in Zukunft Interesse an einvernehmlichen L\u00f6sungen. Meine T\u00fcr war und ist offen. <\/p>\n<p>&#8222;Erfolgreich starten&#8220; &#8211; das bedeutet Verbesserung von Qualit\u00e4t, wie ich es eben skizziert habe. Wir werden eine durchgreifende Qualit\u00e4tsverbesserung aber nur dann erreichen, wenn wir uns von alten Z\u00f6pfen trennen und Bildung neu denken. Sie als Erzieherinnen und Erzieher, als Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer erleben in Ihrer tagt\u00e4glichen Arbeit, was es hei\u00dft, mit heterogenen Gruppen umzugehen. Sie begegnen jedem einzelnen Kind mit Respekt. Sie holen es dort ab, wo es ist. Sie nehmen es ernst &#8211; und Sie beweisen dadurch, dass Unterschiedlichkeit eine St\u00e4rke ist. <\/p>\n<p>Nach vier Jahren Schule allerdings ist es mit der Heterogenit\u00e4t und mit dem gemeinsamen Lernen in Deutschland h\u00e4ufig vorbei. Deshalb m\u00fcssen wir uns fragen, wie alle Kita-Kinder und Grundschulkinder die Kompetenz und das Potenzial, das sie in dieser fr\u00fchen Bildungsphase erworben haben, in ihrer gesamten Schullaufbahn bewahren und aussch\u00f6pfen k\u00f6nnen. Ich schlage vor, dass wir Schritt f\u00fcr Schritt unser dreigliedriges Schulsystem \u00fcberwinden in einer Schule f\u00fcr alle, die l\u00e4ngeres gemeinsames Lernen und das Prinzip der Heterogenit\u00e4t auch in der Sekundarstufe I und II erm\u00f6glicht. Unsere n\u00f6rdlichen Nachbarn machen uns das schon seit mehr als 20 Jahren vor. Sie sind da viel pragmatischer als wir, weil sie Schule nicht ideologisch denken, sondern p\u00e4dagogisch-methodisch. <\/p>\n<p>Welche hervorragenden Ans\u00e4tze es in der fr\u00fchkindlichen Bildung gibt, das wird uns heute vorgestellt. Ab Jahresende werden diese Best-practice-Beispiele im Internet nachzulesen sein, ebenso alle wichtigen Kontaktadressen. <\/p>\n<p>\nAbsender:  Ministerium f\u00fcr Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur <br \/>\nKontakt:  pressestelle@kumi.landsh.de <br \/>\nDruckversion Artikel versenden  zur\u00fcck <br \/>\nDie Rede von Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave als PDF zum Herunterladen  <\/p>\n<p>Stand: 20.09.2004 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erdsiek-Rave, aktuell Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, auch in dieser Rede bemerkenswert progressiv f\u00fcr inzwischen deutsche Verh\u00e4ltnisse&#8230;verschnarchte.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-83975","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fembildung","entry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - 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