{"id":83600,"date":"2005-02-22T22:31:01","date_gmt":"2005-02-22T22:31:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=83600"},"modified":"2005-02-22T22:31:01","modified_gmt":"2005-02-22T22:31:01","slug":"psycho-onkologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2005\/02\/22\/psycho-onkologie\/","title":{"rendered":"Psycho-Onkologie"},"content":{"rendered":"<p>Die Psychotherapeutin Ute Schl\u00f6mer-Doll in einem hervorragenden Artikel in PP4 \u00fcber Psychoonkologische Begleitung: Von der Diagnose bis zum Tod.<\/p>\n<p>Schl\u00f6mer-Doll, Ute<br \/>\n<br \/>\nPsychoonkologische Begleitung: Von der Diagnose bis zum Tod<br \/>\n<br \/>\nPP 4, Ausgabe Februar 2005, Seite 73<br \/>\n<br \/>\nTHEMEN DER ZEIT<\/p>\n<p>Die Psychotherapeutin beschreibt die Krebserkrankung als Prozess,<br \/>\n<br \/>\nder mit psychoonkologischer Begleitung weniger belastend erlebt werden kann. Ein Erfahrungsbericht<\/p>\n<p>Krebspatienten erleben im Laufe ihrer Erkrankung verschiedene Phasen: Diagnostik, Aufkl\u00e4rung, Krebstherapie, Nachsorge, Auftreten von Rezidiven oder Metastasen. Nicht immer mit der Konsequenz des Sterbenm\u00fcssens, aber fast immer mit der Angst davor. Wesentlich f\u00fcr das Erleben der Krebsbetroffenen ist die Art und Weise, wie die Diagnose zustande kam: zwischen den Polen \u201eZufallsdiagnose\u201c und \u201everschleppte Diagnose\u201c gibt es vielf\u00e4ltige Facetten, die direkten Einfluss auf das Krankheitserleben haben:<\/p>\n<p>Ein 60-j\u00e4hriger Stahlarbeiter wurde ins Krankenhaus eingewiesen, um seinen Leistenbruch operieren zu lassen. Bei der notwendigen pr\u00e4operativen Diagnostik wurde ein Bronchialkarzinom festgestellt. W\u00e4hrend sein Hausarzt die fr\u00fche Diagnose als \u201eGl\u00fccksfall\u201c bezeichnete, war der Patient zutiefst geschockt, hatte er sich als Nichtraucher doch \u201ein Sicherheit gew\u00e4hnt\u201c. Die Aussage seines Arztes empfand er als \u201ezynisch\u201c: \u201eWie kann eine Krebsdiagnose Gl\u00fcck sein!\u201c Er lief in seinem Zuhause wie \u201eein L\u00f6we von Wand zu Wand\u201c. Er hatte sich auf sein baldiges Rentnerdasein gefreut und f\u00fchlte sich nun in jeder Hinsicht \u201ebestohlen\u201c.<\/p>\n<p>Das Gef\u00fchlschaos der Patienten, das nach einer Krebsdiagnose eintritt, kann gro\u00dfe Angst ausl\u00f6sen. Manchmal wirken die Patienten \u00e4u\u00dferlich sehr gefasst \u2013 auch in Aufkl\u00e4rungssituationen (2), innerlich befinden sie sich jedoch in einem Ausnahmezustand. Aufkl\u00e4rung ist kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess. Verdr\u00e4ngung ist eine psychische F\u00e4higkeit, kein Manko: Der Krebsbetroffene n\u00e4hert sich der schmerzlichen Erkenntnis in eigenem Tempo an. Manchmal ist das allerdings f\u00fcr Klinikpersonal und Angeh\u00f6rige verwirrend: Sie bekommen den Eindruck, die Patienten seien nicht oder nicht in vollem Umfang aufgekl\u00e4rt worden. Hin und wieder starten Patienten auch \u201eTestballons\u201c. Dann sagen sie unvermittelt trotz fortgeschrittener Krebserkrankung: \u201eIch werde wieder gesund!\u201c und versuchen, in den Augen, der Mimik des Gegen-<br \/>\n<br \/>\n\u00fcbers zu lesen, wie dieser die Situation einsch\u00e4tzt.<br \/>\n<br \/>\nViele Menschen am Krankenbett bedeuten nicht zwangsl\u00e4ufig viele Zuh\u00f6rer oder Gespr\u00e4chspartner f\u00fcr angstbesetzte Themen. Patienten neigen dazu, Menschen, die ihnen am n\u00e4chsten stehen, zu schonen und hilflose Angeh\u00f6rige wehren bisweilen ab: \u201eSag doch nicht so etwas!\u201c<\/p>\n<p>Ein 55-j\u00e4hriger Lehrer sagte nach der Entfernung eines Lungenfl\u00fcgels nach Bronchialkarzinom: \u201eMeine Kurzatmigkeit und die Luftnot bei k\u00f6rperlicher Belastung st\u00f6rt mich kaum, damit kann ich umgehen, aber dass da etwas lauern k\u00f6nnte, das bringt mich fast um.\u201c Der Patient war nicht in der Lage, mit seiner Frau \u00fcber seine \u00c4ngste zu sprechen, weil er sie nicht belasten wollte. Er sagte: \u201eDann muss ich sie hinterher noch aufrichten.\u201c<\/p>\n<p>Psychotherapeuten k\u00f6nnen in ihrer Rolle als Beistand in Krisen und als Vermittler zwischen den Parteien, die in Betreuung und Therapie involviert sind, entlastende und deeskalierende Funktionen einnehmen. In der psychotherapeutischen Begleitung spielt das \u201eErkl\u00e4ren\u201c eine wichtige Rolle, zum Beispiel, dass Angst ein \u201enormales Ph\u00e4nomen\u201c ist, h\u00e4ufig ein Gemisch aus Verunsicherung und Sorge um die Zukunft. Angst dient auch dazu, die Aufmerksamkeit zu erh\u00f6hen.<br \/>\n<br \/>\nDie Belastungen der ambulanten Krebstherapie werden h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt. Patienten haben h\u00e4ufig die Tendenz, sich zu \u00fcberfordern. Sie untersch\u00e4tzen die Kr\u00e4fte raubenden Belastungen der Krebstherapien und laufen Gefahr, physisch oder psychisch zu dekompensieren, vor allem, wenn Kinder zu versorgen sind oder berufliche Selbstst\u00e4ndigkeit besteht. Der Psychotherapeut sollte dann Hilfe geben bei der Alltagsplanung beziehungsweise \u201eErlaubnis geben\u201c, sich mehr um sich selbst zu k\u00fcmmern oder Aufgaben zu delegieren. Aber auch Angeh\u00f6rige untersch\u00e4tzen die Belastungen, die auf<br \/>\n<br \/>\neinen Menschen einwirken, der t\u00e4glich die Strahlentherapie aufsuchen muss. Das gemeinsame Warten mit anderen Betroffenen und die Frage: \u201eWerde ich auch so enden?\u201c (bettl\u00e4gerig, kraftlos) wird von vielen Patienten als gro\u00dfe psychische Belastung erlebt.<br \/>\n<br \/>\nAngst und Depression im Sinne einer Anpassungsst\u00f6rung bedarf psychoonkologischer Unterst\u00fctzung; ebenso die Bew\u00e4ltigung von Amputationen, die Anlage eines Anus praeter, sexuelle St\u00f6rungen nach Operation oder hormoneller Behandlung, Speichel- und Geschmacksverlust nach Strahlentherapie. Wie gro\u00df die Einbu\u00dfe von k\u00f6rperlicher und funktioneller Intaktheit erlebt wird, ist abh\u00e4ngig davon, wie dies vor der Krebserkrankung erlebt wurde. Sexuelle Probleme aufgrund einer Krebstherapie finden in \u00e4rztlichen Gespr\u00e4chen immer noch zu wenig Raum (3). Doch ist eine befriedigende Sexualit\u00e4t f\u00fcr viele Patienten sehr wichtig.<br \/>\n<br \/>\nNormen und Werte \u00fcberdenken<br \/>\n<br \/>\nGrunds\u00e4tzlich kommt es w\u00e4hrend der Krankheitsbew\u00e4ltigung zu einer Auseinandersetzung mit den eigenen Normen und Werten: Wenn das Leben bedroht ist, werden Geld und Karriere sekund\u00e4r, Entscheidungen werden auf dem neuen Hintergrund \u00fcberdacht. Ideen und Pl\u00e4ne werden f\u00fcr die Zukunft entworfen: \u201eWenn ich das hier \u00fcberlebe, dann . . .\u201c !<br \/>\n<br \/>\nDie Patienten leiden h\u00e4ufig unter dem \u201ezu viel oder zu wenig\u201c an Zuwendung durch ihre Mitmenschen. Einige verunsicherte Angeh\u00f6rige verhalten sich \u00fcberf\u00fcrsorglich \u201emit Samthandschuhen\u201c oder mit \u201enervender Bewunderung\u201c, im Sinne: \u201eWie du das schaffst!\u201c (Ich k\u00f6nnte das nicht aushalten.) Die meisten Patienten w\u00fcnschen sich mitf\u00fchlende Mitmenschen, keine mitleidenden. Sie m\u00fcssen lernen, ihre Bed\u00fcrfnisse zu artikulieren und k\u00f6nnen dies zusammen mit dem Psychotherapeuten \u00fcben.<br \/>\n<br \/>\nW\u00fcnschenswert w\u00e4re eine station\u00e4re oder ambulante Krebsnachsorge f\u00fcr m\u00f6glichst alle Krebspatienten. Ein Teil der Patienten m\u00f6chte aber nach der langen Zeit im Krankenhaus \u201eendlich in den Alltag zur\u00fcckkehren\u201c. H\u00e4ufig besteht auch ein Schuldgef\u00fchl gegen-<br \/>\n<br \/>\n\u00fcber den Belastungen der Angeh\u00f6rigen und zunehmend auch Sorge um<br \/>\n<br \/>\ndie berufliche Situation. Die nahtlose R\u00fcckkehr in den Alltag ist allerdings weder psychisch noch physisch m\u00f6glich. Die Konfrontation mit der Unsicherheit in der sozialen Umgebung ist h\u00e4ufig schmerzlich. K\u00f6rperliche Schw\u00e4che, Konzentrationsst\u00f6rungen, Schlafprobleme sowie die therapiebedingten Begleiterscheinungen (Speichel- und Geschmacksverlust, Taubheitsgef\u00fchle in den Extremit\u00e4ten, Impotenz und Lustlosigkeit) tun ein \u00dcbriges, um die Lebensqualit\u00e4t der Krebsbetroffenen einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Ein 58-j\u00e4hriger Bauunternehmer (Darmkarzinom) sagte: \u201eIch kann das Wort Krebs nicht mehr h\u00f6ren und w\u00fcrde es gern aus meinem Leben l\u00f6schen.\u201c Er wollte am liebsten alles vergessen, aber sobald er den Fernseher anstellte oder die Zeitung aufschlug, hatte er Angst, dass er wieder etwas \u00fcber Krebs lesen oder h\u00f6ren m\u00fcsse: \u201eIch habe das Gef\u00fchl, dass es mehr und mehr wird!\u201c <\/p>\n<p>Ein normales \u2013 sehr belastendes \u2013 Ph\u00e4nomen ist die ver\u00e4nderte K\u00f6rperwahrnehmung nach der Krebsdiagnose. Das Vertrauen in den K\u00f6rper ist verloren gegangen. Der Betroffene entwickelt daraufhin sensiblere Antennen f\u00fcr k\u00f6rperliche Symptome, die h\u00e4ufig ein Eigenleben als psychosomatische Symptome f\u00fchren. So k\u00f6nnen belastende Teufelskreise entstehen, die die Patienten von Arzt zu Arzt wandern lassen, ohne dass die k\u00f6rperlichen Beschwerden kuriert werden.<br \/>\n<br \/>\nDas Leben mit der Unsicherheit muss erlernt und ausgehalten werden, weil der \u2013 mehr Sicherheit bringende \u2013 Zeitfaktor (von einer Nachsorgeuntersuchung zur n\u00e4chsten) nicht beschleunigt werden kann. Die Angst vor einem Rezidiv oder Metastasen kann mit Angeh\u00f6rigen nur schwer kommuniziert werden und st\u00f6\u00dft nach einer Weile nicht selten auf Gegenwehr: \u201eNun denke doch nicht immer daran!\u201c oder \u201eNun gib doch endlich Ruhe!\u201c<br \/>\n<br \/>\nDie Angst vor Wiedererkrankung ist auch bei Krebsbetroffenen mit guter Prognose vorhanden, weil Sicherheit nicht garantiert werden kann. Folge kann ein \u201eLeben auf Raten\u201c sein, was die Lebensqualit\u00e4t der Krebsbetroffenen und Angeh\u00f6rigen schm\u00e4lern und zu Beziehungsproblemen f\u00fchren kann: der Urlaub, der nicht gebucht, der Wintermantel, der nicht gekauft wird, \u201eweil man ja nicht wei\u00df, ob der Krebs wiederkommt\u201c.<br \/>\n<br \/>\nWirkt die Krebsdiagnose als Katalysator f\u00fcr schwelende Beziehungsprobleme, dann ist eine Auseinandersetzung vonn\u00f6ten, die in vielen F\u00e4llen eines Psychotherapeuten bedarf, weil diese Probleme bereits in Zeiten vor der Erkrankunkung nicht thematisiert und\/ oder gel\u00f6st werden konnten.<\/p>\n<p>Eine 54-j\u00e4hrige Patientin (Mammakarzinom und Knochenmetastasen): \u201eIch war immer das Zugpferd der Familie. Ich habe mehr funktioniert als gelebt. Ich habe viel zu lange geschwiegen und gehofft, dass die anderen sehen, dass ich nicht mehr kann und mir beispringen. Jetzt habe ich die Rei\u00dfleine gezogen. Meiner Tochter habe ich erkl\u00e4rt, dass ich ihre Tochter nicht mehr t\u00e4glich aus dem Kindergarten holen kann, meine Schwiegermutter werde ich nicht mehr bekochen, zumal sie sowieso alles anm\u00e4kelt, und meinen Mann habe ich aufgefordert, mir k\u00fcnftig im Haushalt zu helfen. Seitdem ist die Stimmung in der Familie auf Grundeis. Ich wurde von meiner Tochter als Egoistin tituliert, und mein Mann meinte, ob ich diese Emanzenideen aus der Selbsthilfegruppe h\u00e4tte.\u201c<\/p>\n<p>M\u00e4nner haben es deutlich schwerer als Frauen, psychotherapeutische Hilfe anzunehmen. Es bedarf einer einf\u00fchlsamen und gleichzeitig direkten Strategie, Zugang zu den betroffenen M\u00e4nnern zu gewinnen und deren Gef\u00fchl entgegenzuwirken, dass die Annahme von Hilfe ein Zugest\u00e4ndnis von Schw\u00e4che ist.<br \/>\n<br \/>\nDas Auftreten von Rezidiven oder Metastasen wird von vielen Krebsbetroffenen belastender erlebt als die Ersterkrankung. Menschen, die mit einer Krebserkrankung konfrontiert sind, h\u00f6ren von ihren \u00c4rzten h\u00e4ufig von der \u201e5-Jahres-\u00dcberlebensrate\u201c. Sie hoffen und bangen dann, diesen Zeitraum zu \u00fcberleben. Wenn es nach diesem imagin\u00e4ren Zeitraum zu einer Wiedererkrankung oder einem Fortschreiten kommt, wird dies von den Betroffenen h\u00e4ufig als \u201edoppelter Schock\u201c erlebt. Die Angst vor dem Sterbenm\u00fcssen wird an dieser Stelle h\u00e4ufig thematisiert. Vorw\u00fcrfe, vor allem durch den Vertrauensverlust in die behandelnden \u00c4rzte, aber auch Selbstvorw\u00fcrfe stehen im Vordergrund: \u201eVielleicht w\u00e4re der Krebs nicht wiedergekommen, wenn es mir gelungen w\u00e4re, positiver zu denken und meine Selbstheilungskr\u00e4fte zu mobilisieren.\u201c Immer wieder werden \u201epsychosomatische\u201c Krebstheorien auch von au\u00dfen an die Betroffenen herangetragen.<\/p>\n<p>Eine 50-j\u00e4hrige Lehrerin (Mammakarzinom links und rechts) sagte: \u201eEine Kollegin von mir meinte, dass doch etwas mit meinem Leben nicht stimmen k\u00f6nne, wenn ich zweimal nacheinander an Krebs erkranke.\u201c<\/p>\n<p>Ein Psychotherapeut, der sich auf die \u2013 manchmal jahrelange \u2013 Begleitung von Krebsbetroffenen einl\u00e4sst, sollte sich fragen, ob er auch den Weg des Sterbens mitgehen k\u00f6nnte. Wenn er diese bejahen kann, stellt sich die Frage, wo die Sterbebegleitung beginnt. Vielleicht da, wo der Krebsbetroffene sich diesem Thema \u00f6ffnet. Patienten suchen sich ihre Gespr\u00e4chspartner aus, \u00fcberpr\u00fcfen, ob sie standhalten oder zur\u00fcckweichen. Die Thematisierung von Angst und Hoffnung auf ein Weiterleben gehen h\u00e4ufig parallel (1).<br \/>\n<br \/>\nH\u00e4ufig reden die Betroffenen nicht mit ihren Angeh\u00f6rigen, weil sie diese nicht \u00e4ngstigen wollen oder glauben, sie k\u00f6nnten die Wahrheit nicht \u201eertragen\u201c. Manchmal gilt es auch, als Psychotherapeut behutsam auf die Abwehr der Angeh\u00f6rigen einzugehen, die h\u00e4ufig mit Durchhalteparolen oder Appellen einhergehen im Sinne von: \u201eDu darfst mich nicht verlassen.\u201c<\/p>\n<p>Ein 50-j\u00e4hriger Sohn brachte seiner Mutter t\u00e4glich Essen ins Krankenhaus, weil sie doch \u201ewieder auf die Beine\u201c kommen m\u00fcsse. Sie a\u00df und erbrach jedes Mal. Ich passte den Sohn am Krankenbett ab und sprach mit der Mutter \u00fcber die liebevolle Geste des Sohnes und erg\u00e4nzte: \u201eEs geht jetzt aber nicht mehr ums Essen! Es geht um Beistand f\u00fcr die letzten Meter des Lebens.\u201cDer Sohn fing an zu weinen, setzte sich zur Mutter, hielt ihre Hand. Zwei Tage sp\u00e4ter holte er sie nach Hause.<\/p>\n<p>Sterbebegleitung hei\u00dft auch Sprechen \u00fcber Beerdigungsrituale. Patientenw\u00fcnsche werden h\u00e4ufig spiegelverkehrt erz\u00e4hlt: \u201eIch m\u00f6chte nicht so eine Beerdigung wie . . .\u201c<br \/>\n<br \/>\nKrisenintervention und supportive Therapie<br \/>\n<br \/>\nZwei Therapieformen sind zu unterscheiden: die klar umrissene, strukturierende Krisenintervention und die reflektierende, an Ressourcen orientierte supportive Therapie. Die Krisenintervention hat einen klar formulierten Anfang und ein definiertes Ende. Zum Beispiel bei der Begleitung einer Patientin mit einer Angstst\u00f6rung w\u00e4hrend der Simulation und den ersten strahlentherapeutischen Behandlungen: Der Psychotherapeut zeigt offen und beruhigend seine Kompetenz: \u201eIch werde Ihnen helfen zurechtzukommen, wenn Sie das m\u00f6chten.\u201c Dann werden Fragen nach biographischem Hintergrund, Zielen, Ressourcen und vorhandenen Bew\u00e4ltigungsstrategien gekl\u00e4rt. Die Vermittlung von Abstandsgewinnungsstrategien, Entspannungs- und Imaginations\u00fcbungen dient dazu, die Autonomie des Patienten zu vergr\u00f6\u00dfern. Wichtig ist, die Medizinisch-technischen Assistenten mit einzubeziehen, die den Patienten w\u00e4hrend der wochenlangen Strahlentherapie begleiten. Nach der Bestrahlung folgt der definierte R\u00fcckzug des Therapeuten. Zur Losl\u00f6sung geh\u00f6rt auf jeden Fall eine kurze Bilanz des gemeinsamen Weges. Auf Wunsch kann es eine weitere Therapiebegleitung im Gespr\u00e4ch geben. Die Intervalle und die Intensit\u00e4t der Gespr\u00e4che sollte der Patienten bestimmen.<br \/>\n<br \/>\nBei der supportiven Therapie geht es darum, unterst\u00fctzender Begleiter zu sein. H\u00e4ufig muss Aktivismus gebremst werden, oft angestachelt von Angeh\u00f6rigen, geboren aus Hilflosigkeit und Angst. Gerade hinsichtlich der so genannten komplement\u00e4ren Behandlungsmethoden agieren viele Patienten nach dem Prinzip, dass viel auch viel hilft. Supportive Therapie hilft bei der Sinnsuche: Psychosomatische Theorien sind h\u00e4ufig (\u00dcberforderung\/Immunsystem); bei destruktiven Theorien (Schuldgef\u00fchle und Schuldzuweisungen oder Krebspers\u00f6nlichkeitstheorien) gilt es gegenzusteuern. Supportive Therapie bedeutet auch, bei der Akzeptanz der krankheits- und therapiebedingten Einschr\u00e4nkung und Behinderung im Alltag zu helfen: dazu geh\u00f6rt das Zulassen von Angst, \u00c4rger, Zweifel und die Einbettung in gesamtgesellschaftliche Zusammenh\u00e4nge. Beispielsweise der Frage nachzugehen, warum sich Patienten nach Krebs mehr stigmatisiert f\u00fchlen als nach einem Herzinfarkt.<br \/>\n<br \/>\nWeiter muss der Patient lernen, mit den vorhandenen Kr\u00e4ften nach der<br \/>\n<br \/>\nTherapie hauszuhalten. Einige Patienten ben\u00f6tigen Hilfe beim Losl\u00f6sen von alten, h\u00e4ufig \u00fcberfordernden Rollen. Dabei kommt es unweigerlich zur Konfrontation mit dem sozialen Umfeld, da die Partner\/Kinder sich ebenfalls von Gewohnheiten trennen m\u00fcssen. Der Psychotherapeut kann in solchen F\u00e4llen die Rolle eines Moderators in Paar- und<br \/>\n<br \/>\nFamiliengespr\u00e4chen einnehmen. Supportive Therapie beinhaltet h\u00e4ufig auch die Begleitung bei der Lebensbilanzierung: R\u00fcckblick \u2013 Bestandsaufnahme \u2013 Entwicklung von Zukunftsperspektiven. Dem Patienten gelingt es im R\u00fcckblick besser, sein eigenes Leben als ein in Entwicklung begriffenes Ganzes zu verstehen, trotz aller Widrigkeiten und Schicksalsschl\u00e4ge. <\/p>\n<p>zZitierweise dieses Beitrags:<br \/>\n<br \/>\nDtsch Arztebl PP 2005; 4: 73\u201375 [Heft 2]<\/p>\n<p>Literatur<br \/>\n<br \/>\n1.Br\u00e4utigam W, Meerwein F: Einf\u00fchrung in die Psycho-Onkologie. Bern, Stuttgart,Toronto: Huber 1998.<br \/>\n<br \/>\n2. Schl\u00f6mer-Doll U, Doll D: Information und emotionale Unterst\u00fctzung. Dtsch Arztebl 2000; 97: A 3076\u20133081 [Heft 46].<br \/>\n<br \/>\n3. Zettl S, Hartlapp J: Sexualst\u00f6rungen durch Krankheit und Therapie. Ein Kompendium f\u00fcr die \u00e4rztliche Praxis, Heidelberg: Springer 1997.<\/p>\n<p>Anschrift der Verfasserin:<br \/>\n<br \/>\nDr. Ute Schl\u00f6mer-Doll,<br \/>\n<br \/>\nPsychologische Psychotherapeutin,<br \/>\n<br \/>\nCharlottenstra\u00dfe 57, 14467 Potsdam <\/p>\n<p>Zum Artikel <\/p>\n<p>PDF-Version <\/p>\n<p>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>\nzum Inhaltsverzeichnis <\/p>\n<p>Leserbrief schreiben <\/p>\n<p>Autoren <\/p>\n<p>Schl\u00f6mer-Doll, Ute <\/p>\n<p>\nSchlagw\u00f6rter <\/p>\n<p>Krebsdiagnostik<br \/>\n<br \/>\nKrisenintervention<br \/>\n<br \/>\nLebensqualit\u00e4t<br \/>\n<br \/>\nOnkologische Versorgung<br \/>\n<br \/>\nPsychoonkologie<br \/>\n<br \/>\nSterbebegleitung <\/p>\n<p>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br \/>\n<br \/>\n\u00a9 Deutscher \u00c4rzte-Verlag; entwickelt von L.N. 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