{"id":83541,"date":"2005-01-06T01:48:18","date_gmt":"2005-01-06T01:48:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=83541"},"modified":"2005-01-06T01:48:18","modified_gmt":"2005-01-06T01:48:18","slug":"frauenrechte-im-islam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2005\/01\/06\/frauenrechte-im-islam\/","title":{"rendered":"Frauenrechte im Islam"},"content":{"rendered":"<p>wir haben diesen Text von der Rundfunk-Autorin Gabi Mayr im Internet gefunden. Eine Sendung vom Deutschlandfunk vom letzten Herbst. Der Text und sein Inhalt hat uns angesprochen und er wird Euch auch ansprechen.<br \/>\n<br \/>\nEr zeigt auch, was theologische Feministinnen immer wieder offenlegten, dass das Christentum auch extrem frauen-unfreundlich ist &#8211; die katholische Kirche &#8211; ein M\u00e4nnerclan bis heute &#8211; die evangelische Kirche weicht allm\u00e4hlich &#8230;ja, es gibt sogar eine Bisch\u00f6fin, inzwischen. Der Report ist gut, weder hetzerisch noch ketzerisch &#8211; sondern im besten Sinne &#8211; informativ und AUFKL\u00c4RERISCH &#8211; ..von Gaby Mayr eben. <br \/>  Marokko<br \/>\n<br \/>\nFrauenrechte im Islam<br \/>\n<br \/>\nHome<br \/>\n<br \/>\nKulinarisch<br \/>\n<br \/>\nHighlights<br \/>\n<br \/>\nLifestyle<br \/>\n<br \/>\nKunst Kultur<br \/>\n<br \/>\nWelterbe<br \/>\n<br \/>\nGuide<br \/>\n<br \/>\nLinks<br \/>\n<br \/>\nSport<\/p>\n<p>g26.ch<\/p>\n<p>\n Suche www<br \/>\n<br \/>\ng26.ch<br \/>\n<br \/>\n Ein heiliges Buch und viele Arten, es zu lesen <\/p>\n<p>Marokkanische Muezzine rufen zum Gebet. Marokko ist ein islamisches Land: 99 Prozent der Bev\u00f6lkerung bekennen sich zu den Lehren des Propheten Mohammed. F\u00fcr Frauen war Marokko lange Zeit kein guter Ort &#8211; bis Anfang 2004. Die Stellung der Frau war w\u00fcrdelos, sagt Touria Eloumri von der marokkanischen Frauenrechtsorganisation Printemps de l&#8217;\u00e9galit\u00e9 &#8211; Fr\u00fchling der Gleichheit: <\/p>\n<p>Sie stand unter der Vormundschaft ihres Mannes. Er entschied, ob sie arbeiten gehen darf oder nicht. Sie hatte zu Hause keine Rechte. Frauen durften sich nicht scheiden lassen. Sie hatten keinen Anteil am Verm\u00f6gen, das w\u00e4hrend der Ehe erwirtschaftet wurde. Dem Mann geh\u00f6rte alles, der Frau nichts. <\/p>\n<p>Im Familienrecht waren all die Regeln zusammengefasst, die den Frauen das Leben schwer machten. Jahrelang forderten die Frauen W\u00fcrde, Gleichheit und Gerechtigkeit. Hunderttausende gingen f\u00fcr ein anderes Familienrecht auf die Strasse. Der Durchbruch kam, als K\u00f6nig Mohammed VI offen Position bezog f\u00fcr die Frauen. Er argumentierte auch mit der Religion. <\/p>\n<p>Er kann gar nicht anders als muslimisch argumentieren. Er ist das geistliche Oberhaupt der Gl\u00e4ubigen. Diese Position gibt ihm das Recht, religi\u00f6s zu handeln. Deshalb hat die Religion in seiner Rede vom 10. Oktober vor dem Parlament nat\u00fcrlich eine Rolle gespielt. <\/p>\n<p>Die seit \u00fcber 300 Jahren in Marokko regierende K\u00f6nigsfamilie z\u00e4hlt den Propheten zu ihren Ahnen. Weil der K\u00f6nig ein Sharif, also ein Nachkomme Mohammeds ist, hat sein Wort bei seinen gl\u00e4ubigen Untertanen grosses Gewicht. Im Januar 2004 wurde ein neues Familienrecht im Parlament verabschiedet, das die Position der Frau wesentlich verbessert. Und seit der K\u00f6nig gesprochen hat, akzeptiert auch die im Parlament vertretene islamistische Partei das neue Recht. <\/p>\n<p>Als der K\u00f6nig in seiner Rede das neue Recht ank\u00fcndigt hat, haben sie gesagt, es sei gut, es entspr\u00e4che dem Islam. Auch mit unseren Forderungen h\u00e4tten sie keine Probleme. <\/p>\n<p>Ganz anders sieht es im Nachbarland Algerien aus. In der ehemaligen franz\u00f6sischen Kolonie galt bis 1984 das franz\u00f6sische Zivilrecht. Dann sorgten Politiker der einstigen Befreiungsbewegung &#8211; der sozialistischen, arabisch-nationalistischen Partei FLN &#8211; f\u00fcr ein Familienrecht, das Frauen lebenslang zu rechtlosen Minderj\u00e4hrigen macht. Die organisierten Islamisten waren an der Gesetzgebung nicht beteiligt &#8211; sie waren damals als Partei im Parlament nicht vertreten. Das seit 20 Jahren geltende Familienrecht, das die Frauen knebelt, ist ein Machtinstrument in den H\u00e4nden der M\u00e4nner, sagt Akila Ouared. <\/p>\n<p>Akila Ouared k\u00e4mpfte einst selber in der Befreiungsbewegung FLN gegen die Franzosen. Sp\u00e4ter hat sie als Sozialarbeiterin und Psychologin gearbeitet und f\u00fcnf Kinder gross gezogen. Nach dem Gesetz ist sie heute eine Minderj\u00e4hrige, w\u00e4hrend ihr Sohn die Rechte eines Vollj\u00e4hrigen geniesst. Ein solches Familienrecht stehe in v\u00f6lligem Widerspruch zur algerischen Verfassung, sagt Ouared: <\/p>\n<p>Die algerische Verfassung heiligt die Gleichheit der Geschlechter. Gleiches Recht gilt bei der Ausbildung, bei der Arbeit, im Zivilrecht. Frauen d\u00fcrfen w\u00e4hlen und gew\u00e4hlt werden. Das heisst, es gibt einen Widerspruch zwischen dem Familienrecht einerseits sowie der Verfassung und dem Arbeitsrecht. <\/p>\n<p>Das Recht der Frauen, Geld zu verdienen, wurde allerdings nie angetastet. Es ist schliesslich praktisch, wenn die Frauen f\u00fcr den Familienunterhalt sorgen. <\/p>\n<p>Algerien und Marokko, zwei muslimisch gepr\u00e4gte Nachbarn in Nordafrika: W\u00e4hrend in Algerien die s\u00e4kulare Regierung f\u00fcr die Entrechtung der Frauen in der Familie sorgte, hat in Marokko der muslimische K\u00f6nig den entscheidenden Schritt getan, um der weiblichen H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung zu mehr Rechten zu verhelfen. <\/p>\n<p>In vielen islamischen L\u00e4ndern ist das Familienrecht der Dreh- und Angelpunkt f\u00fcr die Situation der Frauen. Das Strafrecht und das Zivilrecht fussen oft auf einer nicht-religi\u00f6sen Basis. Europ\u00e4ische Gesetze standen Pate bei ihrer Formulierung. Ganz anders das Familienrecht. Es wurde h\u00e4ufig aus dem Koran und den daraus abgeleiteten Regeln der Scharia entwickelt. <\/p>\n<p>Koran, Sure 4, Vers 34: \u00abDie M\u00e4nner stehen \u00fcber den Frauen, weil Gott sie ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von ihrem Verm\u00f6gen gemacht haben. Und wenn ihr f\u00fcrchtet, dass Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!\u00bb <\/p>\n<p>\u00abDer Islam in seiner authentischen Quelle, im Koran, beinhaltet einige wenige Verse, die man, ja, als nicht so gut f\u00fcr Frauen sehen kann,\u00bb sagt die islamische Theologin Hamideh Mohagheghi. <\/p>\n<p>Aber das sind die Stellen, die man interpretieren und auslegen muss. Und es gibt auch sicherlich sehr viele moslemische Theologen, die sich auch f\u00fcr die Rechte der Frauen einsetzen und auch dieser Auffassung sind, dass man den Koran, diese Verse, die ich angesprochen habe, in ihrem historischen Kontext lesen muss. <\/p>\n<p>Hamideh Mohammideh, eine geb\u00fcrtige Iranerin, h\u00e4lt eine frauenfreundliche Koran-Interpretation f\u00fcr m\u00f6glich &#8211; und nennt ein Beispiel: <\/p>\n<p>Es gibt ja viele Stellen im Koran, in denen M\u00e4nner und Frauen genannt werden. Wirklich auch sprachlich diese beiden Geschlechterformen benutzt &#8211; in der Zeit vor 1400 Jahren auf der arabischen Halbinsel, wo das \u00fcberhaupt kein Thema war, Frauen \u00fcberhaupt zu erw\u00e4hnen, dass im Koran wirklich auch diese weibliche Form benutzt wird, ist das f\u00fcr mich ein Ansatz, dass man diese Gleichberechtigung daraus lesen kann. <\/p>\n<p>Solches Bem\u00fchen, in den heiligen Schriften Ankn\u00fcpfungspunkte und Begr\u00fcndungen zu finden f\u00fcr eine Gleichberechtigung von Frauen und M\u00e4nnern, ist hierzulande nicht unbekannt. Christinnen argumentieren mit der Bibel, warum Frauen zum Beispiel den Gottesdienst leiten und in der kirchlichen Hierarchie aufsteigen d\u00fcrfen. Bisher mit unterschiedlichem Erfolg. In der Evangelischen Kirche wurden vor einigen Jahren die ersten Bisch\u00f6finnen geweiht, die katholische Kirche ist davon noch Meilen weit entfernt. In der Tat kann man aus den heiligen B\u00fcchern Vieles herauslesen &#8211; es kommt nur auf die Absicht an, mit der man an die Texte herangeht. Auf den Vers in der vierten Sure, der den M\u00e4nnern Vorrang vor den Frauen einr\u00e4umt und M\u00e4nnern sogar erlaubt, ihre Frauen zu schlagen, folgt ein Vers, den man als wertvollen Hinweis f\u00fcr moderne Paartherapie interpretieren k\u00f6nnte: <\/p>\n<p>Koran, Sure 4, Vers 35: \u00abUnd wenn ihr f\u00fcrchtet, dass es zwischen einem Ehepaar zu einem Zerw\u00fcrfnis kommt, dann bestellt einen Schiedsrichter aus seiner und einen aus ihrer Familie. Wenn die beiden sich dann auss\u00f6hnen wollen, wird Gott ihnen zu ihrem Zusammenleben Gelingen geben.\u00bb <\/p>\n<p>Ein Musterbeispiel f\u00fcr die Bandbreite m\u00f6glicher Interpretationen liefert die Koran-\u00c4usserung zur Polygamie. Tats\u00e4chlich steht im Koran, dass ein Mann zwei, drei, oder vier Frauen heiraten darf. Der Halbsatz f\u00e4llt allerdings im Zusammenhang mit der Versorgung von Waisenkindern. Vielleicht ist eine Mehrehe nur bei Aufnahme von elternlosen Kindern m\u00f6glich?! Ganz eindeutig dagegen ergeht die Aufforderung an den Mann, dass er alle seine Frauen gerecht behandeln muss. Wenn er das nicht garantieren kann, darf er nur eine Frau heiraten. <\/p>\n<p>\u00abUnd wenn ihr f\u00fcrchtet, in Sachen der Waisen nicht recht zu tun, dann heiratet, was euch an Frauen gut ansteht &#8211; zwei, drei oder vier. Wenn ihr aber f\u00fcrchtet, (so viele) nicht gerecht zu (be)handeln, dann eine, oder was ihr (an Sklavinnen) besitzt! So k\u00f6nnt ihr am ehesten vermeiden, unrecht zu tun.\u00bb <\/p>\n<p>Eine frauenfreundliche Auslegung heiliger B\u00fccher scheitert vielerorts an M\u00e4nnern, die ihre in Jahrtausenden gefestigten Vorrechte mit Z\u00e4hnen und Klauen verteidigen. Ein anschauliches Beispiel f\u00fcr die unheilige Allianz der M\u00e4nner gegen die Frauen im Namen der heiligen Schriften ist der Libanon: In dem nah\u00f6stlichen Land sind Angeh\u00f6rige unterschiedlicher muslimischer und christlicher Bekenntnisse zu Hause. Der Staat h\u00e4lt sich aus familienrechtlichen Angelegenheiten heraus und \u00fcberl\u00e4sst deren Regelung den 19 anerkannten Glaubensgemeinschaften. So sehr jede einzelne Religionsgemeinschaft auf ihre Eigenst\u00e4ndigkeit Wert legt, so einig sind sie sich in der Frage, dass die Frau dem Mann in der Familie untertan zu sein hat. Zoya Rouhana vom Rat f\u00fcr Widerstand gegen Gewalt an Frauen nennt als Beispiel die Eheschliessung: <\/p>\n<p>Bei den Christen sagt der Bischof zur Frau: Ehefrauen sind ihrem Ehemann untertan so wie dem Herrn. Denn der Ehemann ist das Haupt der Ehefrau so wie Christus das Haupt der Kirche ist. <\/p>\n<p>Bei den Muslimen sieht das etwas anders aus, aber das Ergebnis ist das Gleiche: <\/p>\n<p>Der Vormund unterschreibt das Heiratsdokument. Im Hintergrund steht immer die Frage des Gehorsams. Denn im Koran ist geschrieben, dass die M\u00e4nner \u00fcber den Frauen stehen wegen der Ausgaben, die sie f\u00fcr sie haben. Und sie muss ihm gehorchen. <\/p>\n<p>Eine liberale Auffassung vom Islam herrschte lange Zeit in Niger. Niger liegt in der Sahelzone. Den Norden des Landes durchwandern die Tuareg-Nomaden, W\u00fcstenfreunde schw\u00e4rmen von den Sch\u00f6nheiten des Air-Gebirges. Die meisten Menschen in Niger sind arm, Frauen bekommen im Durchschnitt acht Kinder. Ousseina Alidou wurde in eine der alteingesessenen muslimischen Familien hineingeboren: <\/p>\n<p>In Niger hat es keine Spannungen zwischen den Religionen und Glaubensgemeinschaften gegeben. Das habe ich nie erlebt, als ich dort aufgewachsen bin. Ich wurde in katholischen Einrichtungen ausgebildet, vom Kindergarten bis zur weiterf\u00fchrenden Schule. Katholische Nonnen aus der kanadischen Provinz Quebec haben mich unterrichtet. Sie haben nicht versucht, mich zu bekehren, sie akzeptierten mich. Ungef\u00e4hr 95 Prozent der Kinder in den katholischen Schulen waren Muslime. <\/p>\n<p>Ousseina Alidou unterrichtet mittlerweile als Professorin f\u00fcr Sprachwissenschaft und Afrikanische Literatur an der Rutgers Universit\u00e4t in den USA. Wenn sie nach Hause reist &#8211; und das tut sie regelm\u00e4ssig &#8211; ist sie erschrocken \u00fcber das, was sie in den letzten Jahren dort sieht: <\/p>\n<p>Es gibt Elemente von aussen, denen ist wichtig, wie man aussieht: Ob M\u00e4nner einen Bart tragen und ob Frauen ihre Kopfbedeckung so tragen wie im Mittleren Osten, in Saudi-Arabien und an anderen Orten, wo man behauptet, das Rezept f\u00fcr den wahren Islam zu besitzen. Wer es anders macht, ist angeblich nicht korrekt muslimisch gekleidet. Wir sehen Gewalt, Aggression gegen Frauen, gegen Kinder. Kinder werden von diesen Gruppen rekrutiert &#8211; vor allem Jungen. Und die gehen dann auf ihre eigenen weiblichen Verwandten los. <\/p>\n<p>Islamische Fundamentalisten, von aussen &#8211; oft aus Saudi Arabien &#8211; inspiriert und finanziert, sorgen daf\u00fcr, dass sich das religi\u00f6se Klima im Land \u00e4ndert. Das passiert im Niger, das passiert auch anderswo. Ansprechbar f\u00fcr eine aggressive Interpretation des Koran sind oft junge M\u00e4nner, die sich mehr Macht versprechen. Die ersten Opfer sind h\u00e4ufig Frauen. <\/p>\n<p>Einen mehrfachen Wandel seiner Rolle erfuhr der Islam in den vergangenen Jahrzehnten im Irak &#8211; je nach den Bed\u00fcrfnissen der politischen Machthaber. Und so wie die Herrscher den Koran uminterpretierten, so ver\u00e4nderten sie auch die Anforderungen an die Frauen: <\/p>\n<p>\u00abAls der K\u00f6nig regierte, und sogar zuvor, w\u00e4hrend der Kolonialzeit, gab es eine starke Frauenbewegung im Irak. Der Islam spielte damals eine Rolle als Tradition, in der Politik spielte er keine Rolle\u00bb, erkl\u00e4rt die Islamwissenschaftlerin Nadje Al-Ali. 1968 \u00fcbernahm die sozialistische, arabisch-nationalistische Baath-Partei die Macht. 1979 ernannte Saddam Hussein sich selbst zum Staats- und Regierungschef, zum Generalsekret\u00e4r der Partei und zum Oberbefehlshaber der Streitkr\u00e4fte. <\/p>\n<p>Frauen waren sichtbar unter Saddam Hussein. Nicht dass er ein Feminist war. Aber er brauchte Arbeitskr\u00e4fte f\u00fcr die Wirtschaft. Im Irak lief es gut, vor allem in den Siebziger- und Achtzigerjahren. Deshalb mobilisierte die Regierung die eigenen Arbeitskr\u00e4fte. Und die waren zu 50 Prozent weiblich. <\/p>\n<p>Vor allem die Frauen in den St\u00e4dten profitierten von der guten Wirtschaftslage. Religi\u00f6se Autorit\u00e4ten wurden von Saddam Hussein verfolgt. Er pr\u00e4sentierte sich als s\u00e4kularer Herrscher. Das aber \u00e4nderte sich mit dem irakisch-iranischen Krieg in den Achtzigerjahren. Im Iran hatte Ayatollah Khomeini 1979 die islamische Revolution ausgerufen. Unter dem Druck des Krieges suchten Menschen auch im Irak Trost in der Religion. Saddam Hussein sp\u00fcrte die Hinwendung zur Religion in seinem Volk und wollte sie nutzen: <\/p>\n<p>Er hat befohlen, das Zeichen f\u00fcr Allahu Akbar, Gott ist gross, in die irakische Fahne aufzunehmen. Er hat begonnen, sich nicht nur als Oberbefehlshaber und Pr\u00e4sident darzustellen, sondern auch als religi\u00f6ser F\u00fchrer. Als gl\u00e4ubiger Mann, der immer in der Moschee betet. In einer ber\u00fchmten schiitischen Moschee hat er seinen Namen in die Reihe der Nachfahren des Propheten Mohammed eintragen lassen. <\/p>\n<p>M\u00e4nner wurden in jener Zeit als Kriegshelden glorifiziert, f\u00fcr die Frauen blieb in der Heimat noch mehr Arbeit. Nachdem irakische Truppen 1990 in Kuwait einmarschiert waren und der Irak mit Wirtschaftssanktionen belegt wurde, verschlechterte sich die Lage im Land dramatisch. Die Arbeitslosenquote stieg auf 60, 70 Prozent. <\/p>\n<p>Die Regierung hat ihren Ton gegen\u00fcber den Frauen ver\u00e4ndert: Die Frauen sollten zu Hause bleiben und M\u00fctter werden. Einige Frauen haben sich wegen der Wirtschaftskrise gezwungen gef\u00fchlt, mit Prostitution Geld zu verdienen. Und die zunehmende Prostitution hatte Auswirkungen auf das Geschlechterverh\u00e4ltnis. V\u00e4ter, Ehem\u00e4nner, S\u00f6hne und Br\u00fcder haben zu Frauen gesagt: Bleib zu Hause, geh nicht aus, sonst k\u00f6nnten die Leute denken, du bist eine Prostituierte. Frauen begannen sich konservativer zu kleiden. Viele Frauen haben angefangen, Kopftuch und lang\u00e4rmlige Kleider zu tragen. <\/p>\n<p>So war allm\u00e4hlich der Boden bereitet f\u00fcr einen Vorstoss gegen das frauenfreundliche Familienrecht aus dem Jahre 1958: Im Dezember 2003 beschloss die irakische \u00dcbergangsregierung auf Betreiben eines islamistischen Mitglieds ein Gesetz, das M\u00e4nner bevorzugte und die Rechte der Frauen beschnitt. Die \u00dcbergangsregierung war allerdings gar nicht berechtigt, Gesetze zu erlassen. Und US-Statthalter Bremer weigerte sich, das Gesetz zu unterzeichnen. Islamwissenschaftlerin Nadje Al-Ali: <\/p>\n<p>Das Problem ist: Das Gesetz hat jetzt einen hohen Symbolgehalt. Viele Frauen hatten dagegen protestiert. Aber weil die Besatzungsmacht USA sich so energisch gegen das Gesetz ausgesprochen hat, machte sich auch unter Gegnern das Gef\u00fchl breit: Wir zeigen ihnen, dass wir machen, was wir wollen, wenn sie draussen sind. Je mehr die Besatzungsm\u00e4chte Frauenrechte unterst\u00fctzen und sagen, wir wollen die Frauen befreien, desto schwerer wird es f\u00fcr die irakischen Frauen, ihre Rechte zu wahren. Denn Frauenrechte werden jetzt der westlichen Agenda zugeordnet. <\/p>\n<p>Frauenrechte im Islam &#8211; es gibt kein einheitliches Bild. Jedes pauschale Urteil verbietet sich. Ein letztes Beispiel: K\u00fcrzlich hat die t\u00fcrkische Regierung ein Gesetz abgeschafft, das milde Strafen f\u00fcr M\u00e4nner vorsieht, die Frauen im Namen der Ehre ermorden. Die derzeitige t\u00fcrkische Regierung ist islamisch-religi\u00f6s. All ihre Vorg\u00e4ngerinnen, darunter viele ausdr\u00fccklich nichtreligi\u00f6se Regierungen, hatten dieses Gesetz nicht angetastet. <\/p>\n<p>Deutschlandfunk<br \/>\n<br \/>\nVon Gaby Mayr 04.09.04 <\/p>\n<p>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Top    Home<br \/>\n<br \/>\ng26.ch PLATTFORM F\u00dcR KUNST KULTUR UND GESELLSCHAFT<br \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>wir haben diesen Text von der Rundfunk-Autorin Gabi Mayr im Internet gefunden. Eine Sendung vom Deutschlandfunk vom letzten Herbst. 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