{"id":83475,"date":"2004-07-04T11:30:07","date_gmt":"2004-07-04T11:30:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=83475"},"modified":"2004-07-04T11:30:07","modified_gmt":"2004-07-04T11:30:07","slug":"webloggers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2004\/07\/04\/webloggers\/","title":{"rendered":"..WEBLOGGERS.."},"content":{"rendered":"<p>WOANDERS reingeschaut:<br \/> (hervorragend geschrieben &#038; sehr spannend..)<\/p>\n<p>&#8230;Das Geheimnis einer Web-Legende&#8230;<br \/>\n<br \/>\nQuelle: spiegel-online<br \/>WEBLEGENDEN<\/p>\n<p>Das Geheimnis der Layne Johnson<\/p>\n<p>Von Ansbert Kneip<\/p>\n<p>Drei Jahre lang f\u00fchrte sie ein Online-Tagebuch, ein Weblog. Rund 5000 Besucher verfolgten regelm\u00e4\u00dfig, was im Leben der Layne Johnson geschah, bis Anfang Juni das Tagebuch pl\u00f6tzlich endete. Wo war Layne geblieben, was war passiert? Ihre Netz-Freunde starteten eine gemeinsame Recherche &#8211; und erlebten eine \u00dcberraschung.<\/p>\n<p>\nANZEIGE<\/p>\n<p>Wer ist Layne Johnson?<\/p>\n<p>Wo ist Layne Johnson? Gibt es Layne Johnson?<br \/>\n<br \/>\nLayne Johnson verschwand am 8. Juni dieses Jahres, da war sie Ende zwanzig, eine gut bezahlte Informatikerin aus St.Paul, Minnesota. Auf Fotos sieht man ein ausgesprochen sch\u00f6nes Gesicht mit einer lustigen L\u00fccke zwischen den Schneidez\u00e4hnen. Layne war lesbisch, sie hatte wechselnde und oft schwierige Beziehungen sowie &#8211; trotz der sexuellen Orientierung &#8211; eine heimliche Schw\u00e4che f\u00fcr David Beckham.<\/p>\n<p>Mit einem schwarzen VW-K\u00e4fer fuhr Layne abends in die Stadt, um in jenen Kneipen herumzuh\u00e4ngen, die ihr einen kosten- und drahtlosen Zugang zum Internet boten. Unter dem Namen Plain Layne schrieb sie dort ihr Online-Tagebuch, einen Weblog mit zuletzt gut 5000 Besuchern am Tag.<\/p>\n<p>Und Layne konnte schreiben. Schonungslos legte sie ihr Leben und ihre Gef\u00fchle offen, ihre Fans sch\u00e4tzten die drastische und direkte Sprache, sie f\u00fchlten mit ihr, wenn wieder einmal eine Beziehung zerbrach oder eine Aff\u00e4re begann. Anders als viele andere Online-Tagebuchschreiber langweilte Layne niemals, sie hatte etwas zu erz\u00e4hlen. Die Leser erfuhren von einer furchtbaren Vergewaltigung oder davon, wie Layne, die als Kind zur Adoption freigegeben war, zum ersten Mal ihre leiblichen Eltern traf. Offenbar gab es nichts, was sie in ihrem Tagebuch verschweigen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Seite verschwindet<\/p>\n<p>Layne war jemand, den man sich als Freundin w\u00fcnschte, und viele, die ihre Seite regelm\u00e4\u00dfig besuchten, glaubten, Layne sei ihre Freundin, sie hielten E-Mail-Kontakt oder chatteten per ICQ. Aber vor ein paar Wochen, am 8. Juni, war Laynes Weblog pl\u00f6tzlich weg. Statt der gewohnten Seite fanden die Fans nur eine mysteri\u00f6se Nachricht in einer fremden Sprache &#8211; polnisch, wie sich herausstellte. Wegen Wartungsarbeiten am Server sei die Seite zurzeit nicht erreichbar, hie\u00df es da.<\/p>\n<p>Das war merkw\u00fcrdig, denn Laynes Weblog lag auf einem amerikanischen Rechner, f\u00fcr polnische Fehlermeldungen gab es dort keinen sinnvollen Grund.<\/p>\n<p>Die engsten Freunde Laynes trafen sich nun regelm\u00e4\u00dfig auf der Seite eines anderen Bloggers. Sie konnten sich nicht erkl\u00e4ren, warum ihre Heldin auf einmal schwieg. Die einfachste M\u00f6glichkeit das herauszufinden, w\u00e4re es, einfach bei ihr anzurufen. Denen, die sich f\u00fcr gute Freunde Layne Johnsons hielten, und die nun zum ersten Mal auch untereinander chatteten, fiel jetzt etwas Merkw\u00fcrdiges auf: Keiner von ihren besa\u00df Laynes Telefonnummer oder Privatadresse.<\/p>\n<p>Spurensuche<\/p>\n<p>Jeder hatte in den letzten Jahren schon einmal versucht, mit Layne Kontakt aufzunehmen, sie in einem Cafe zu treffen, mit ihr zu telefonieren oder auf der Durchreise mal vorbeizuschneien. Aber jedes Mal war etwas dazwischen gekommen, alle Kontaktversuche waren knapp gescheitert. Keiner ihrer Fans hatte Layne Johnson je leibhaftig zu Gesicht bekommen oder auch nur ihre Stimme geh\u00f6rt. Man konnte nicht einmal sicher sein, ob es sie \u00fcberhaupt gab.<\/p>\n<p>Die Fans begannen nun zusammenzutragen, was sie \u00fcber Layne Johnson im Ged\u00e4chtnis trugen. Layne hatte so lebendig und konkret \u00fcber Kneipenbesuche, Bekannte und Firmen geschrieben, irgendwo in diesen Informationen musste doch ein Hinweis versteckt sein, irgendwie m\u00fcsste man sie doch identifizieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auf der Webseite lie\u00df sich nichts mehr nachlesen, die war gel\u00f6scht. Aber es gab ja Google, die Suchmaschine mit der Archivfunktion. Und da viele PC in ihrem Cache eine Kopie aller besuchten Seiten aufbewahren, suchten die Fans auch auf ihren eigenen Rechnern nach Info-Bruchst\u00fccken. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck puzzelten sie Laynes Tagebuch wieder zusammen. &#8222;Gespenstisch&#8220;, fand einer der Beteiligten das Herumsurfen auf den wieder gefundenen Seiten: &#8222;Als ob man durch das Haus eines Toten l\u00e4uft&#8220;.<\/p>\n<p>Die doppelte Layne<\/p>\n<p>Noch gespenstischer aber war eine andere Endeckung: Gab man bestimmte Ausdr\u00fccke, die Layne in ihrem Weblog verwendet hatte, bei Google ein, &#8222;the open veins of my life&#8220; zum Beispiel, dann fand Google eine andere Quelle: Ebenfalls einen Weblog, ebenfalls von einer Frau aus Minnesota, aber \u00e4lter als das Tagebuch von Layne. &#8222;Acanit&#8220; war der Name der Schreiberin. Ihr Stil erinnerte stark an den von Layne, es gab ein paar \u00c4hnlichkeiten in der Biographie, aber auch Unterschiede. Auff\u00e4llig war: Acanits Tagebuch endete 2001, ungef\u00e4hr zu dem Zeitpunkt, als Laynes Weblog begann.<\/p>\n<p>Die beiden mussten sich kennen, das war klar. Vielleicht waren sie mal ein Paar gewesen, hatten gemeinsam gebloggt, bis nach der Trennung nur Layne noch weiter schrieb? Vielleicht waren sie aber auch ein und dieselbe Person, und &#8222;Acanit&#8220; war nur die Stil\u00fcbung f\u00fcr Layne gewesen. Wom\u00f6glich aber gab es auch Layne gar nicht pers\u00f6nlich und das ganze gro\u00dfartige Tagebuch war nur das Projekt einer Gruppe von Schreibern.<\/p>\n<p>&#8230;oder doch eher keine?<\/p>\n<p>Was w\u00fcrde das f\u00fcr Laynes Fans bedeuten? W\u00e4re das, was bisher als hervorragende Lekt\u00fcre galt, nun auf einmal schlecht, nur weil das Tagebuch sich als Fake erweist? Sie mussten doch wissen, dass dies hier nur das Internet ist, in dem alles wahr, aber auch alles L\u00fcge sein kann.<\/p>\n<p>Am Ende, nach ein paar Wochen Recherche, half der Zufall: Ein Blogger namens Mitch Berg schrieb, er sei sich zu 99 Prozent sicher, dass er Plain Layne kenne: &#8222;Ich hab&#8217;s. Ich kann es nur nicht verraten.&#8220;<\/p>\n<p>Laynes Fans googleten nun nach Mitch Berg, ihrem geheimnisvollen Tippgeber. Sie fanden heraus, das Mitch mal bei einem gescheiterten Dotcom gearbeitet hatte &#8211; der Laden geh\u00f6rte damals jemanden mit dem Namen Odin Soli. Und die Netzrecherche nach diesem Odin Soli brachte den ersten Zusammenhang zwischen der Netzfigur Plain Layne und einem Menschen aus dem Real Life: Unter dem Titel &#8222;Burying Aunt Inga&#8220; hatte Layne im Juli 2003 in ihrem Onlinetagebuch von einer Beerdigung berichtet &#8211; laut Netzrecherche hatte im wirklichen Leben Odin Soli daran teilgenommen.<\/p>\n<p>Kopf gebiert Mensch<\/p>\n<p>Soli lebte in Minnesota, genau wie die angebliche Layne Johnson. Soli war IT-Manager, genau wie Layne. Soli sprach spanisch, genau wie Layne. In einem Lebenslauf Solis hei\u00dft es au\u00dferdem: &#8222;Odin Soli ist auch Schriftsteller.&#8220;<\/p>\n<p>Die lesbische Managerin, die Aff\u00e4ren, die Vergewaltigung, der schwarze VW-K\u00e4fer &#8211; alles erfunden. Odin Soli war Plain Layne.<\/p>\n<p>Die Frage ist, warum? Warum f\u00fchrt jemand jahrelang eine Nebenexistenz als jemand anderes? Schreibt E-Mails, gibt Ratschl\u00e4ge, schreibt Geburtstagsgr\u00fc\u00dfe und erfindet ein Leben, an dem andere Leute teilhaben wollen?<\/p>\n<p>Manche Leser h\u00e4tten von Anfang an den Verdacht gehabt, dass Layne eine fiktive Figur sei, sagte Soli jetzt in einem Interview. Soli, ein 35-j\u00e4hriger Familienvater, verheiratet, aus der N\u00e4he von St. Paul, fand es einfach nur reizvoll, einen m\u00f6glichst echten Charakter zu erschaffen. Seine erste Figur, Acanit, war noch aus lebendigen Vorbildern zusammengesetzt, Layne hingegen reine Erfindung. Was ihr geschah, was sie jeden Tag so trieb, lie\u00df Odin Soli sich oft von den Lesern diktieren: Die Kommentare zu den Tagebucheintragungen brachten ihn immer wieder auf neue Ideen.<\/p>\n<p>Ein paar mal schon wollte er Plain Laynes Seite sterben lassen, das Projekt fra\u00df zu viel Zeit und Energie: &#8222;Ich hab ja auch noch eine Frau und zwei Kinder.&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcr einige der Fans ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende: Manche glauben, dass Soli nur die halbe Wahrheit sagt. Irgendwo, so meinen sie, m\u00fcsse es die wahre Layne Johnson noch geben. Stoff f\u00fcr Spekulation ist vorhanden.<\/p>\n<p>Immerhin hat Odin Soli sich bisher geweigert, eine bestimmte Frage zu beantworten: Wer ist die sch\u00f6ne Frau mit der lustigen Zahnl\u00fccke auf den Fotos? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WOANDERS reingeschaut:<br \/> (hervorragend geschrieben &#038; sehr spannend..)<\/p>\n<p>&#8230;Das Geheimnis einer Web-Legende&#8230;<br \/>\n<br \/>\nQuelle: spiegel-online<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-83475","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-femmedien","entry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>..WEBLOGGERS.. - Feminissima<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2004\/07\/04\/webloggers\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"..WEBLOGGERS.. - Feminissima\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"WOANDERS reingeschaut: (hervorragend geschrieben &amp; sehr spannend..)  ...Das Geheimnis einer Web-Legende... 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