{"id":83307,"date":"2003-06-21T17:40:36","date_gmt":"2003-06-21T17:40:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feminissima.de\/?p=83307"},"modified":"2003-06-21T17:40:36","modified_gmt":"2003-06-21T17:40:36","slug":"aimee-jaguar-alles-luege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2003\/06\/21\/aimee-jaguar-alles-luege\/","title":{"rendered":"Aimee &#038; Jaguar- alles L\u00dcGE?"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;&#8220;Aim\u00e9e + Jaguar&#8220; nur ein \u00fcbler Fake?<br \/>\n<br \/>\nIn Wirklichkeit die Vertuschung eines t\u00f6dlichen Verrats? Per E-Mail erhielt FEM diesen Artikel, der erstmals im Januar 2003 in der FRANKFURTER RUNDSCHAU ver\u00f6ffentlicht worden ist. Danke.<br \/>Eine andere Version:<br \/>\n<br \/>\nSchmerzhafte Erinnerungen einer \u00dcberlebenden<br \/>\n<br \/>\nVon Katharina Sperber<\/p>\n<p>Elenai Predski-Kramer, mit der im KZ ermordeten Felice Schragenheim befreundet, erz\u00e4hlt eine andere Version von &#8222;Aimee und Jaguar&#8220;<\/p>\n<p>Wie vor den Kopf geschlagen f\u00fchlte sich Elenai Predski-Kramer, als sie vor acht Jahren die Auslage einer Buchhandlung betrachtete. Zwischen all den Titeln, die da ausgestellt waren, entdeckte sie einen Buchdeckel mit einem gro\u00dfen Schwarz-Wei\u00df-Foto. Darauf zwei Frauen im Badeanzug am Havelstrand. Beide Frauen kannte sie. Die eine ist die J\u00fcdin Felice Schragenheim, die andere Lilly Wust, eine mit dem Mutterkreuz dekorierte Nazi-Mitl\u00e4uferin. <\/p>\n<p>Ungl\u00e4ubig starrte sie auf die beiden. Ein Schmerz brannte in ihr, als sei alles, was ihr jetzt durch den Kopf raste, erst gestern gewesen. Angesichts des Bildes auf dem ihr bis dato unbekannten Buch &#8222;Aimee und Jaguar&#8220; durchzuckte Predski-Kramer &#8222;die verr\u00fcckte Hoffnung: Lebt meine Freundin Felice noch; hat jemand sie gefunden und \u00fcber sie geschrieben?&#8220; Die Hoffnung trog, der Schmerz aber wuchs, weil Elenai Predski-Kramer inzwischen nicht mehr ausschlie\u00dfen mag, dass Felice Schragenheim von Lilly Wust an die Gestapo verraten wurde. Ein schlimmer Verdacht, der sich speist aus den eigenen lebhaften Erinnerungen der Zeitzeugin, die so gar nicht in Deckung zu bringen sind mit der r\u00fchrselig-traurigen Lesben-Geschichte von der deutschen Hitler-Sympathisantin Wust (Aimee) und der verfolgten J\u00fcdin Schragenheim (Jaguar), die das Buch erz\u00e4hlt. In der angeblich die widrigen Umst\u00e4nde des Krieges eine gro\u00dfe Liebe zerst\u00f6rt h\u00e4tten, in der die eine Frau leider irgendwie ums Leben kommt und die andere f\u00fcr immer gebrochen in Trauer versinkt. <\/p>\n<p>Elenai Predski-Kramer hat es anders erlebt und deswegen auch die euphorisch gelobte, gleichnamige Verfilmung des Buches inzwischen \u00f6ffentlich ein &#8222;unversch\u00e4mtes St\u00fcck&#8220; genannt, &#8222;weil er Felices Freundeskreis nur als z\u00e4nkische oder partys\u00fcchtige Lesben zeigt&#8220;. Sie hat mit der Autorin des Buches nach Erscheinen der ersten Auflage tagelang geredet, um auf die &#8222;Unstimmigkeiten&#8220; in den Berichten Lillys hinzuweisen, auf denen das Buch in der Hauptsache basiert. Und hat doch nur erreicht, dass Erica Fischer die n\u00e4chsten Auflagen des Buches &#8222;mit einigen wenigen belanglosen Episoden von mir angereichert hat&#8220; und in einem Vorwort lediglich vermerkt: &#8222;Die j\u00fcdischen \u00dcberlebenden und Felices Freundinnen k\u00f6nnen und wollen keinen Frieden schlie\u00dfen mit Lilly Wust, der Nazi-Mitl\u00e4uferin von damals.&#8220; In &#8222;einem solchen Machwerk&#8220; wollten Frau Predski-Kramer und viele ihrer Freunde h\u00f6chstens unter Pseudonym erw\u00e4hnt werden. <\/p>\n<p>&#8222;Es hat uns ge\u00e4rgert und ersch\u00fcttert, dass Erica Fischer an der Lovestory nichts Wesentliches \u00e4nderte und gemeinsam mit Lilly Wust weiterhin das Leben von Felice auf diese Weise immer wieder vermarktet&#8220;, sagt Elenai Predski-Kramer heute. Das B\u00e4ndchen verkauft sich noch immer ausgezeichnet, inzwischen in elf Sprachen \u00fcbersetzt, in einer Wanderausstellung verwurstet, in TV-Features und dem besagten Kinofilm nacherz\u00e4hlt. Und nun ist bei dtv eine neuer Bildband erschienen unter dem Titel &#8222;Das kurze Leben der J\u00fcdin Felice Schragenheim&#8220;, Autorin wieder Erica Fischer. <\/p>\n<p>&#8222;Sie haben unser Leben zur Handelsware gemacht&#8220;, sagt Elenai Predski-Kramer. Eine bittere Erkenntnis, die man mit 81 Jahren nicht mehr hinnehmen kann und will, wenn man 60 Jahre zuvor sich keinen Tag, keine Stunde des eigenen Lebens sicher sein konnte. Sondern von den Nazis und ihren Helfershelfern gejagt wurde und stets gew\u00e4rtigen musste, dass man keinen Unterschlupf findet, keine Lebensmittelmarken bekommt, in keinem Keller Schutz vor den fallenden Bomben erh\u00e4lt oder am Ende gar verraten wird. <\/p>\n<p>Die J\u00fcdin Elenai Predski-Kramer, die nun ihren Namen nicht mehr verbirgt, hat den Nazi-Terror \u00fcberlebt, untergetaucht im Berlin der vierziger Jahre. Die J\u00fcdin Felice Schragenheim hat das nicht geschafft, obwohl sie seit Oktober 1942 die Illegalit\u00e4t mit Mut und Erfindungsgabe zu bew\u00e4ltigen wusste. F\u00fcnf Monate vor Ende der Nazi-Herrschaft wurde sie in Bergen-Belsen ermordet. Warum ist sie ausgerechnet auf den letzten Metern der Marathonstrecke gest\u00fcrzt? Elenai Predski-Kramer hat eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, die mit der sentimentalen Lovestory von &#8222;Aimee und Jaguar&#8220; nichts gemein hat, sondern von einer ganz anderen Wirklichkeit berichtet, als das Buch suggeriert. <\/p>\n<p>Abh\u00e4ngigkeit ist darinnen das Schl\u00fcsselwort. &#8222;Wir waren damals zu allem bereit, um zu \u00fcberleben. Wir haben nicht ans Tanzen gedacht, wir haben uns keinen Champagner gew\u00fcnscht. Wir haben gelogen und betrogen, nur damit wir entkommen. Wir hatten nur einen Gedanken &#8211; \u00fcberleben, wo auch immer, wie auch immer.&#8220; Jeden Strohhalm haben sie ergriffen in dieser Zeit, &#8222;in der f\u00fcr alle Not, Hunger und Obdachlosigkeit l\u00e4ngst Alltag waren&#8220;. In dieser Stadt, &#8222;in der M\u00fctter ihre Kinder t\u00e4glich in die Luftschutzkeller schleppen mussten, und als sie wieder nach oben kamen, schon froh waren, wenn nur die Fenster rausgeflogen waren und nicht das ganze Haus weg war&#8220;. In diesem &#8222;eiskalten&#8220; Berlin, &#8222;in dem die Frauen Flakgesch\u00fctze bedienten, Lebensmittel nur auf Marken zu bekommen waren &#8211; nicht aber f\u00fcr die Untergetauchten, die mussten sich auf dem Schwarzmarkt f\u00fcr teures Geld das N\u00f6tigste zum Leben besorgen. &#8222;\u00dcberall lauerten Verr\u00e4ter &#8211; wie Stella Goldschlag&#8220;, die J\u00fcdin, die Caf\u00e9s f\u00fcr die Gestapo durchk\u00e4mmte, um auch noch den letzen Juden, die letzte J\u00fcdin zu denunzieren und damit ihr eigenes armseliges Dasein zu retten. <\/p>\n<p>Anfang Zwanzig waren sie damals, Felice Schragenheim und Elenai Predski-Kramer. Durch einen gl\u00fccklichen Zufall hatten die beiden, unter gef\u00e4lschtem Namen, Arbeit gefunden. Ausgerechnet in der National-Zeitung, wo man Juden auf den Tod hasste, aber das J\u00fcdischsein der beiden jungen Frauen nicht erkannte. In der Redaktion erfuhren Felice und Elenai vom Frontverlauf, dem nahenden Ende des Krieges, sch\u00f6pften Hoffnung. Und mussten mit Entsetzen doch auch registrieren: &#8222;Je aussichtsloser die Lage f\u00fcr die Nazis wurde, umso fanatischer jagten sie uns untergetauchte Juden&#8220;. Nur &#8222;um ihre m\u00f6rderische Ideologie zu erf\u00fcllen, exakt, wie es nur Deutsche k\u00f6nnen. Wir aber klammerten uns fest an dem Gedanken: Wir lassen uns nicht kriegen, wir lassen uns nicht schlachten.&#8220; <\/p>\n<p>Wie aber konnte das gelingen? Elenai, des Schutzes durch den arischen Stiefvater beraubt, muss nach dessen Tod 1944 ins Brandenburgische fliehen. Aber man l\u00f6st in diesen Tagen nicht einfach ein Zugticket und f\u00e4hrt raus aufs Land. Juden schon gar nicht. Ihnen ist es bei Todesstrafe verboten, \u00f6ffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Also muss sie lange Wege zu Fu\u00df gehen, heimlich ein St\u00fcck den Zug nehmen, um dann doch wieder zu laufen. Felice erh\u00e4lt im Oktober 1942 einen Deportationsbefehl, t\u00e4uscht Selbstmord vor und taucht unter. Sie findet eine Bleibe bei Freunden, die selbst gef\u00e4hrdet sind, muss dort wieder verschwinden, sucht sich neuen Unterschlupf. Im Mai 1943 zieht sie zu Lilly Wust, die sie durch eine Bekannte kennen gelernt hat. Lilly, berauscht von der lesbischen Liebe, will das Gl\u00fcck, das sie empfindet, in das ihr gel\u00e4ufige kleinb\u00fcrgerliche Karos pressen, sich von ihrem Mann scheiden lassen, Felice soll an seine Stelle treten, so malt sich Lilly die Zukunft aus. Wie aber soll das eine untergetauchte J\u00fcdin leisten, die keinen Pass besitzt, der alle B\u00fcrgerrechte genommen sind, die jeden Moment erkannt, denunziert, deportiert werden kann und schon deswegen zu einem ganz unsteten Alltag verdammt ist? Immer auf dem Sprung, stets ihre Spur verwischend, muss sie die Tage verbringen, auch wenn sie bei Lilly eine \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit gefunden hat.<\/p>\n<p>Lilly aber, von einer irrsinnigen Eifer- und Eigensucht getrieben &#8211; wie man ihren Briefen und Tagebuchaufzeichnungen entnehmen kann &#8211; versteht nicht, dass Felice manchmal tagelang verschwinden muss und sich nicht melden kann. Sie macht ihr Szenen, qu\u00e4lt sie mit Unterstellungen und Fragen &#8211; bis Felice in einer Nacht ersch\u00f6pft aufgibt und erz\u00e4hlt, dass sie J\u00fcdin ist. &#8222;Ich war entsetzt als ich davon erfuhr, aber Felice konnte dem Druck nicht mehr ausweichen&#8220;, sagt Elenai Predski-Kramer heute. Im Juli 1944 schreibt Felice ein Testament, in dem sie ihr Restverm\u00f6gen Lilly Wust vermacht. Alles gibt sie hin, um nur eines zu behalten &#8211; das Leben. Vergebens. &#8222;Es gibt nur einen Grund, der eine so gnadenlose Abh\u00e4ngigkeit im Leben eines Menschen schafft; das ist der drohende Tod.&#8220; In diesem Satz gerinnt f\u00fcr Elenai Predski-Kramer die einzige Erkl\u00e4rung, warum sich Felice Schragenheim der Nazi-Mitl\u00e4uferin Lilly Wust mit Haut und Haaren ausgeliefert hat. &#8222;Die Freunde und ich, wir haben Felice immer wieder vor der Wust gewarnt und auf die drohende Gefahr hingewiesen. Wir haben sie gefragt: Was willst du bei dieser Mutter von vier Kindern, deren Ehemann in der NSDAP ist und die ein Hitler-Bild in der Wohnung h\u00e4ngen hat?&#8220; <\/p>\n<p>Nie habe die Antwort gelautet: Leidenschaft und Liebe. &#8222;Felice hat immer nur gesagt: Ach, Lilly ist doch ganz nett und im Grunde gef\u00e4hrdet sie sich doch selbst, wenn sie mich versteckt.&#8220; Ein verlockender Gedanke, der Sicherheit versprach. &#8222;Felice glaubte, die Situation im Griff zu haben. Das war ihr Fehler.&#8220; Vielleicht wollte sie das alles auch nur glauben, weil sie m\u00fcde war von der Hatz auf sie. Weil sie ein wenig Geborgenheit suchte, ein Zuhause. Einen Ruhepunkt auf der Flucht. Und vielleicht auch ein bisschen Liebe und Sex. Wer so nahe am Tod ist, muss schnell leben. &#8222;Felice wollte lesbisch sein&#8220;, daran erinnert sich Elenai Predski-Kramer, die damals selbst einer Frau zugetan war. Die extravagante Felice &#8222;hat mit dem Gedanken, mit Frauen ins Bett zu gehen, gern gespielt&#8220;. Au\u00dferdem gab es kaum junge M\u00e4nner, mit denen die Untergetauchten ihre ersten Liebeserfahrungen h\u00e4tten machen k\u00f6nnen. &#8222;Die Deutschen waren fast alle im Krieg, unsere j\u00fcdischen Freunde waren in ebensolcher Gefahr wie wir und immer auf der Flucht, die Sexualmoral war anders als heute und schwanger durften wir schon gar nicht werden.&#8220; Alles gute Gr\u00fcnde, dass Frauen Frauen lieben &#8211; nicht in bewusster Entscheidung f\u00fcrs Lesbischsein, aber im Lebensdurst von Zwanzigj\u00e4hrigen, der sich auf Dauer nicht stillen l\u00e4sst mit nur einem halbwegs vollen Magen und einer Holzbank zum Schlafen. <\/p>\n<p>Auf dem Foto, das Elenai Predski-Kramer in der Buchhandlung sah, h\u00e4lt Felice Lilly umschlungen und k\u00fcsst sie auf den Mund. Die Liebkoste aber steht ganz unbeteiligt da, in ihrem etwas hausbackenen Anzug. Schlaff h\u00e4ngen ihr die Arme am K\u00f6rper herab. Bleibt die Arierin Lilly so kalt, weil sie, w\u00e4hrend der Selbstausl\u00f6ser klickt, schon wei\u00df, dass die J\u00fcdin Felice nur wenige Stunden sp\u00e4ter, am Nachmittag des 21. August 1944, von der Gestapo abgeholt werden wird? <\/p>\n<p>Eine f\u00fcr die Wahrhaftigkeit der von Erica Fischer niedergeschriebenen Liebesgeschichte entscheidende Frage, auf die Lilly Wust bis heute keine klare Antwort gibt. Elenai Predski-Kramer aber schlie\u00dft nicht mehr aus, dass Lilly Wust Felice Schragenheim selbst verraten hat. &#8222;Die Gestapo-M\u00e4nner, die sie abholten, hatten eine Fotografie dabei, von der es meines Wissens nur drei Abz\u00fcge gab, einen bei Felice, einen bei einer Vertrauten und einen bei der Wust. Felice wird es der Gestapo nicht selbst geschickt haben, die Vertrauten, selbst hoch gef\u00e4hrdet, auch nicht. Bleibt nur noch eine . . .&#8220; Das ist zwar kein Beweis, aber mindestens genauso plausibel wie Lillys Andeutung im Buch, den Verrat habe eine von Felices Schulfreundinnen in Wien begangen. &#8222;Warum sollte eine Frau in \u00d6sterreich eine in Berlin untergetauchte J\u00fcdin anzeigen?&#8220;, fragt Elenai. Welches Motiv aber h\u00e4tte Lilly treiben sollen, ihre &#8222;\u00fcber alles geliebte Jaguar&#8220; der Vernichtung preiszugeben? &#8222;Weil sie den Ernst der Lage nicht begriff&#8220;, sagt Elenai heute. &#8222;Aber die beschr\u00e4nkte Hausfrau ohne Ausbildung sp\u00fcrte intuitiv, dass die charmante und weltl\u00e4ufige J\u00fcdin sie nach dem Ende des Kriegs verlassen wird.&#8220; <\/p>\n<p>Hat Lilly Wust gedacht, wenn sie Felice Schragenheim nicht f\u00fcr immer haben kann, dann soll sie \u00fcberhaupt keine(r) mehr haben? &#8222;So hat es die Wust jedenfalls selbst einmal formuliert&#8220;, erinnert sich Elenai Predski-Kramer. Wo man heute das Motiv auch suchen mag, entscheidend ist die t\u00f6dliche Konsequenz des Verrats. Nach den Recherchen von Erica Fischer wurde ein offizieller Totenschein f\u00fcr Felice Schragenheim in Bergen-Belsen ausgestellt: Todesdatum 31. Dezember 1944, Todesursache &#8222;Embolie&#8220;.<\/p>\n<p>Bleibt dennoch nachzutragen, dass Felice einen Monat vor ihrer Verhaftung jenes Testament verfasst, ausschlie\u00dflich zu Lillys Gunsten. Obwohl Felices Schwester nach England entkommen ist und dort den Krieg \u00fcberleben wird, was Felice da schon ahnen kann. Und zum Entsetzen aller gemeinsamen Freunde taucht Lilly &#8211; die von der Gestapo weitgehend unbehelligt bleibt, obwohl sie doch eine J\u00fcdin versteckt hat &#8211; kurz nach der Verhaftung Felices an all den Stellen in Berlin auf, wo Felices M\u00f6bel, ihr Tafelsilber, ihr Schmuck, der Pelz noch verborgen sind, und fordert die Sachen umgehend heraus. F\u00fcr diesen Hergang der Geschichte gibt es mehr Zeugen als Elenai Predski-Kramer. Selbst im Buch wird er erw\u00e4hnt, ohne das R\u00fchrst\u00fcck in seinem Erz\u00e4hlfluss wirklich zu beeinflussen und Habgier als m\u00f6gliches Motiv f\u00fcr den Verrat zu thematisieren. Lilly Wust s\u00e4he es gern, wenn das so bliebe und ihre Version der Geschichte, von Erica Fischer niedergeschrieben, f\u00fcr immer g\u00e4lte. Viel hat sie daf\u00fcr getan. Sie hat ihr Archiv daf\u00fcr verkauft, hat intimste Details ohne Scham der \u00d6ffentlichkeit preisgegeben. Und sich seltsamer Weise auch nicht geniert zu erz\u00e4hlen, dass sie noch im September 1944 nach Theresienstadt gefahren ist, um die Deportierte dort zu besuchen. Obwohl die Freunde sie gewarnt hatten, damit Felices Leben endg\u00fcltig aufs Spiel zu setzen. &#8222;Ich habe sie auf Knien angefleht, nicht zu fahren, weil wir damals schon wussten, dass Juden, die von Freunden oder Familienangeh\u00f6rigen in einem KZ ausfindig gemacht worden waren, meist sofort in den Tod geschickt wurden&#8220;, sagt Elenai verzweifelt. <\/p>\n<p>Aber Lilly tat es dennoch. &#8222;Ich muss ihr warme Kleider bringen&#8220;, habe die irrwitzige Begr\u00fcndung gelautet. Lilly Wust hat, wenn sie je in Theresienstadt gewesen sein sollte, wof\u00fcr es keine Belege gibt, Felice Schragenheim dort nicht einmal mehr zu sehen bekommen. Nach ihrer R\u00fcckkehr aber habe sie stolz den Berliner Freunden berichtet, dass sie vom SS-Oberscharf\u00fchrer Rudolf Heindl rausgeworfen worden sei. &#8222;Da habe ich es den Nazis einmal richtig gezeigt, wie mutig und entschlossen ich bin&#8220;, habe sie den Freunden berichtet. &#8222;Wer sich solcher Taten r\u00fchmt, stellt die historischen Zusammenh\u00e4nge auf den Kopf und ist schon deswegen unglaubw\u00fcrdig&#8220;, sagt Elenai Predski-Kramer heute. &#8222;Und deswegen ist das, was Frau Wust dar\u00fcber in ihrem Tagebuch berichtet, entweder glatt erfunden oder nachtr\u00e4glich zu ihren Gunsten ver\u00e4ndert.&#8220; Fassungslos h\u00f6rten die Freunde schon damals Lillys Berichte aus Theresienstadt. &#8222;Sie hat keinen Gedanken daran verschwendet, welche Folgen ihr Besuch f\u00fcr Felice haben wird. &#8220; <\/p>\n<p>Felices Tod aber hat es Lilly Wust erm\u00f6glicht, sich die Interpretationshoheit \u00fcber die Geschichte zu greifen und bis heute zu vermarkten. <\/p>\n<p>Erstver\u00f6ffentlichung in der Frankfurter Rundschau vom 7.1.2003<\/p>\n<p>Die Geschichte hinter der Geschichte von Aim\u00e9e und Jaguar:<br \/>\n<br \/>\nZwischen Abh\u00e4ngigkeit, Prostitution und Widerstand<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;&#8220;Aim\u00e9e + Jaguar&#8220; nur ein \u00fcbler Fake?<br \/>\n<br \/>\nIn Wirklichkeit die Vertuschung eines t\u00f6dlichen Verrats? Per E-Mail erhielt FEM diesen Artikel, der erstmals im Januar 2003 in der FRANKFURTER RUNDSCHAU ver\u00f6ffentlicht worden ist. Danke.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-83307","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-portrait","entry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Aimee &amp; Jaguar- alles L\u00dcGE? - Feminissima<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2003\/06\/21\/aimee-jaguar-alles-luege\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Aimee &amp; Jaguar- alles L\u00dcGE? - Feminissima\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"&quot;&quot;Aim\u00e9e + Jaguar&quot; nur ein \u00fcbler Fake? In Wirklichkeit die Vertuschung eines t\u00f6dlichen Verrats? Per E-Mail erhielt FEM diesen Artikel, der erstmals im Januar 2003 in der FRANKFURTER RUNDSCHAU ver\u00f6ffentlicht worden ist. Danke.\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2003\/06\/21\/aimee-jaguar-alles-luege\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Feminissima\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2003-06-21T17:40:36+00:00\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"admin\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Verfasst von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"admin\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"12\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2003\/06\/21\/aimee-jaguar-alles-luege\/\",\"url\":\"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2003\/06\/21\/aimee-jaguar-alles-luege\/\",\"name\":\"Aimee & Jaguar- alles L\u00dcGE? - Feminissima\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\/\/feminissima.de\/#website\"},\"datePublished\":\"2003-06-21T17:40:36+00:00\",\"dateModified\":\"2003-06-21T17:40:36+00:00\",\"author\":{\"@id\":\"https:\/\/feminissima.de\/#\/schema\/person\/0b901e053624f88e7ecbea289d9d5128\"},\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2003\/06\/21\/aimee-jaguar-alles-luege\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2003\/06\/21\/aimee-jaguar-alles-luege\/\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2003\/06\/21\/aimee-jaguar-alles-luege\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"https:\/\/feminissima.de\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Aimee &#038; Jaguar- alles L\u00dcGE?\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\/\/feminissima.de\/#website\",\"url\":\"https:\/\/feminissima.de\/\",\"name\":\"Feminissima\",\"description\":\"\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\/\/feminissima.de\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":\"required name=search_term_string\"}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"Person\",\"@id\":\"https:\/\/feminissima.de\/#\/schema\/person\/0b901e053624f88e7ecbea289d9d5128\",\"name\":\"admin\",\"image\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\/\/feminissima.de\/#\/schema\/person\/image\/\",\"url\":\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/8da1f51327453c0bf63338e8e2a791948b7d2ac19b68839492d1e69aac6924a8?s=96&d=mm&r=g\",\"contentUrl\":\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/8da1f51327453c0bf63338e8e2a791948b7d2ac19b68839492d1e69aac6924a8?s=96&d=mm&r=g\",\"caption\":\"admin\"},\"url\":\"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/author\/admin\/\"}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Aimee & Jaguar- alles L\u00dcGE? - Feminissima","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2003\/06\/21\/aimee-jaguar-alles-luege\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Aimee & Jaguar- alles L\u00dcGE? - Feminissima","og_description":"\"\"Aim\u00e9e + Jaguar\" nur ein \u00fcbler Fake? In Wirklichkeit die Vertuschung eines t\u00f6dlichen Verrats? Per E-Mail erhielt FEM diesen Artikel, der erstmals im Januar 2003 in der FRANKFURTER RUNDSCHAU ver\u00f6ffentlicht worden ist. Danke.","og_url":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2003\/06\/21\/aimee-jaguar-alles-luege\/","og_site_name":"Feminissima","article_published_time":"2003-06-21T17:40:36+00:00","author":"admin","twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Verfasst von":"admin","Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"12\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2003\/06\/21\/aimee-jaguar-alles-luege\/","url":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2003\/06\/21\/aimee-jaguar-alles-luege\/","name":"Aimee & Jaguar- alles L\u00dcGE? - Feminissima","isPartOf":{"@id":"https:\/\/feminissima.de\/#website"},"datePublished":"2003-06-21T17:40:36+00:00","dateModified":"2003-06-21T17:40:36+00:00","author":{"@id":"https:\/\/feminissima.de\/#\/schema\/person\/0b901e053624f88e7ecbea289d9d5128"},"breadcrumb":{"@id":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2003\/06\/21\/aimee-jaguar-alles-luege\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2003\/06\/21\/aimee-jaguar-alles-luege\/"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/2003\/06\/21\/aimee-jaguar-alles-luege\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Startseite","item":"https:\/\/feminissima.de\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Aimee &#038; Jaguar- alles L\u00dcGE?"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/feminissima.de\/#website","url":"https:\/\/feminissima.de\/","name":"Feminissima","description":"","potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/feminissima.de\/?s={search_term_string}"},"query-input":"required name=search_term_string"}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Person","@id":"https:\/\/feminissima.de\/#\/schema\/person\/0b901e053624f88e7ecbea289d9d5128","name":"admin","image":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/feminissima.de\/#\/schema\/person\/image\/","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/8da1f51327453c0bf63338e8e2a791948b7d2ac19b68839492d1e69aac6924a8?s=96&d=mm&r=g","contentUrl":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/8da1f51327453c0bf63338e8e2a791948b7d2ac19b68839492d1e69aac6924a8?s=96&d=mm&r=g","caption":"admin"},"url":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/author\/admin\/"}]}},"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83307","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=83307"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83307\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=83307"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=83307"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/feminissima.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=83307"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}