Osnabrück.
Was verbindest du mit Osnabrück?
Autobahn-Abzweig nach Amsterdam?
ICE-Stop zwischen Münster und Bremen?
„Flaches Land?“
„Ganz viel Grün“ – und sonst..?
Umsteigen, und in zwei Stündchen Zugfahrt bist du am Meer..?
An der Nordsee.
Moment,
da war doch mal diese Umfrage:
In welcher Gegend und
in welcher Stadt sind die Menschen
in this country –
am glücklichsten..?
Und the winner was..
Ja, es war doch „Osna“ – oder..?
Und wenn du aussteigt,
weil dein Anschlußzug erst in zwei Stunden geht,
den Bahnhof verlässt,
der neben einem bestens bestückten internationalen Presse-Laden
reichhaltig Kulinarisches bietet,
den weiten Vorplatz betrittst,
im Hintergrund imposante Kirchturmspitzen siehst,
eine Luft einatmest,
die schon nach der Reinheit des Meerklimas zu schmecken scheint,
ein Himmel,
der bereits in jenem eigentümlichen grellhellen Blau-Grün schimmert,
das der Küste eigen ist,
durchsetzt mit imposanten Weißwolken,
die ein leichter Wind spielerisch vor sich hertreiben zu scheint,
da setzt du deine Reisetasche ab und denkst spontan:
Ey, das hat was.
Gibts hier denn auch ne Innenstadt?
Und ob!
Da stehen Busse.
Da warten Taxen.
„Innenstadt?
Da kannst du doch zu Fuß gehen!“
Innenstadt.
Ein paar Magistralen,
wie heute die breiten Straßen heißen,
verkehrsintensiv,
rechts und links flankiert von Groß-Kaufhäusern, Karstadt, Horten, Kaufhof…und so…
aber dann…
das HERZ der Stadt..
sind um die Ecke vom Dom und vom Stadttheater
les ruelles, wie die Franzosen sagen,
die winzigen, kleinen Sträßlein,
kaum Autos oder gar keine.
Lädchen, die zu Entzückensschreien verlocken, klein, winzig, ausgefallen,
wo du den Rest eines Nachmittags mit einem Trödler diskutieren kannst,
welche Lampe noch oder schon „Jugendstil“ war…
Und dann diese schmalen hohen, wie in Italien bunt gestrichenen Kaufmannshäuser, Patrizierhäuser,
auch der Autor von „Im Westen nichts Neues“ lebte hier,
und ständig spürst du die Spuren auch von Widerstand, aber nicht nur.
Auch hier und oft,
wenngleich nicht so intensiv wie im nazi-hofburg-berlin,
Erinnerungen an jene,
die „emigriert“ sind…
euphemistischer Ausdruck für Flucht vor den Nazis…
ja, und dann die Universität!
Das Hauptgebäude ist ein Schloß!
In seinem Hofinneren ein riesiger Campus, ein Park, wenn du so willst.
Und Osnabrück als Universitätsstadt ist längst mehr als ein Geheimtip.
Hier wurde vor ungefähr
oder war es genau vor 10 Jahren?
erstmals das hochspannende Studienfach „COGNITIVE SCIENCE“ angeboten,
bisher nur in den USA bekannt,
Noam Chomsky der bekannteste Vertreter…oder?
Ja, und da gibt es natürlich auch den
„Uni-Keller“.
Wunderbare Kneipe, drinnen,
und im Sommer auch draußen.
Und zugleich eine location für „live-Musik“.
Vielleicht war es hier oder bei einem anderen Konzert,
als sich jene Leutchen trafen,
Studienanfänger, damals,
aber auch ein Ortsansässiger,
und dachten,
ach, ne Band,
wollen wir nicht eine gründen?
Sie studierten „Cogsi“,
wie sich die Studenten of Cognitive Science nennen,
und einer hatte von Jura auf Bio umgesattelt,
einer war irgendwie Banker geworden,
aber in seinem Herzen Musiker und Schlagzeuger.
Hatte aber ja ne Familie mit zwei Kindern zu ernähren.
Und da war jenes girl,
das „ein bißchen zur Gitarre sang“,
wie sie es bescheiden nannte.
Eine Deutsche.
Aber, mit einem Vater aus dem Kongo,
wie sie stolz,
wenngleich ein wenig schüchtern,
denn auf Nachfrage von sich gab.
Hatte sie den Vater gekannt?
Nein, die Frage stellte sich nicht.
Er war jedenfalls nach Afrika zurückgegangen.
Und die Sorge war groß.
Weil der Kongo kein ungefährliches Land war und ist,
ganz und gar nicht.
So trafen sich die vier,
die dann GRAVEL JUICE sich nannten.
Jewel, (Julia) die Sängerin,
Cogsi-Studentin,
Nic, der eigentlich lange Jahre Klavier gelernt hatte,
und dessen Herz nun für E-Bass schlug.
Und Phil, der von Jura zur Bio gewanderte E-Gitarrist,
und Rod, der Banker,
aber wie gesagt,
im Herzen Vollblut-Drummer.
Seine Frau Spanierin, Visagistin,
die die Jungs und das Girl dann schon mal stylte,
und auch das Cover für die erste CD von den Vier fotografierte.
Sie wollten eine Rockband gründen.
Und sie wurden eine Rockband.
Mit ausschließlich eigenen Stücken.
Sie sind längst mehr als der Geheimtip der Gegend.
Sie haben diverse Preise auch gewonnen.
So auch ein Video.
Erhielten so ihren ersten Fernsehauftritt.
Beim Hessischen Rundfunk.
Im Dritten Programm.
In einer inzwischen
wieder eingestellten Sendung, schade,
für Newcomer-Bands,
die „vielversprechend“.
Nach dem HR-Auftritt tief in der Nacht,
kam die Einladung zum JAZZ-Festival in Ilmenau,
letztes Jahr.
Als Rockband.
Weil sie trotzdem „irgendwo“ ne Atmo von Jazz auch ausstrahlten,
oder einfach musikalisch
so hinreißend-mitreißend waren.
Dann die Einladung zur Vorbühne oder Nebenbühne
beim neuen Auftritt der „Fantastischen Vier“.
Honorar war ein professional Mitschnitt des Gravel-Juice-Auftritts.
Der kann sich auch wirklich sehen und..hören lassen…
Nun aber…
und daher diese Zeilen…
hat sich die Band,
die sich über Jahre hinweg treu blieb,
auch wenn ein Bandmitglied inzwischen in einer anderen Stadt promoviert,
mit der
wie auch stets zuvor, Eigenkomposition:
„CHICAGO“
„wie über Nacht“
als Soft-Jazz-Quartett geoutet.
Klammheimlich das Stück im Januar 2008 in einem offenbar
ebenso professionellen wie liebevollen Studio
in Osnabrück aufgenommen.
Und diese Nummer ist umwerfend.
Du wirst süchtig.
Macht süchtig?
Ja, warum?
Vielleicht,
weil das Stück beim „allerersten Hören“
jenes „casual flair“ ausstrahlt,
das auf eine tiefe Vertrautheit einer Band schließen lässt.
Und eine Musikalität,
die nicht von hier auf jetzt gewachsen sein kann.
Sondern sich lange kennt.
Für Feminissima war es auf Anhieb eine Art LATIN JAZZ.
Eine andere Hörerin meinte,
eine auch gewisse Melancholie zu erkennen.
Drittes Urteil:
„Hier verbindet sich die samtweiche Stimme der Sängerin
mit den wie ineinander sanftverliebten Instrumenten,
deren Soli dann auch,
so lässig,
wie von ungefähr,
daherkommen.
In die du dich fallen lassen kannst.
Faszinierend.“
Galt Jewel, die Sängerin,
bereits mehr oder weniger „sofort“
seit Gründung der Band
als deren STAR,
sie schrieb auch die lyrics,
und es war auch ihre Persönlichkeit und IHRE STIMME,
die die Band ausmachten,
ihre Bandbreite von „fast Baß“
„bis zu Sopran“
die vor allem bei den live-Auftritten der Band das Publikum von den Stühlen riß,
so wiederum fühlte sich „Jewel“ wie „nichts ohne meine Jungs“,
womit die Band gemeint war.
Deren Fans für Konzerte,
von weit her anreisen.
Derzeit leider gerade kaum Konzerte,
dafür aber diese CD!!!
Keine Konzerte – wegen Koordinierungsprobs,
und weil die Band
über kein Management verfügt,
die sich um Termine kümmert.
Die Band das neben all ihren Alltagssachen selbst macht,
derzeit wohl etwas weniger..
nach einigen Enttäuschungen mit selbsternannten „Managern“:
so wird NUN
mit CHICAGO endlich deutlich,
was schon immer alle wußten, ahnten:
Wenn „Jewel“ nicht gegen die ROCKBAND ansingen muß,
sondern ihren SOFT-Sound einsetzen darf,
wie in CHICAGO.
DA wächst alles zusammen:
Das hohe musikalische Niveau der Band:
und Jewels Stimme trägt dich in
ferne Welten des Träumens, der Meditation,
ein Sound, eine Melodik,
die Vergleiche wachruft
(auch wenn wir Vergleiche eigentlich nicht mögen,
weil ja jeder einzigarti
g ist,
Vergleiche schmälern..eher,
aber so ist es ja nicht gemeint..)
wie etwa:
was ja auch den Zauber einer „Come away with me“ – Norah Jones ausmacht,
oder auch die Unwiderstehlichkeit
eines so großartigen Sängers und Komponisen wie Leonhard Cohen
(der in diesem Jahr wieder Konzerte gibt,
eines davon in Berlin..“Suzanne“…oder:
„First we did Manhattan, then we did Berlin“…).
Ja, diese Zeilen müßte jemand von RADIO MULTIKULTI lesen
oder von RADIO EINS,
fems Berliner Lieblingswellen des rbb.
Aber, es spricht ja auch nichts dagegen,
diesen Text an Radio Multikulti zu senden..
Denn sicher ist „CHICAGO“ als Download auf der homepage von Gravel Juice auch zu hören.
www.graveljuice.de
Noch zwei Sätze zu Osnabrück:
Wenn du als Musiker/in oder Jazz-Begeisterte in Osnabrück nach dem LAGERHAUS fragst, bist du sehr gut beraten.
JEDEN MONTAGABEND findet dort eine JAM-SESSION statt.
Jazzbands aus der Region spielen zusammen.
Jammen.
Als Sängerin kannst du dich anmelden,
Kontakt aufnehmen,
und mit einer Band,
nach gusto..
dich zusammentun.
Und noch etwas:
Osnabrück ist auch ein gutes Pflaster für Bildende Künstler.
Hat ne gut sortierte und keineswegs manierierte Galerie-Szene.
Und – last, but not least,
kann man in Osnabrück hervorragend essen.
Zu Normalo-Preisen.
Bei bestem Service.