BLN-NEUKÖLLN – Ein Haus für die Beladenen, Schulschwänzer sollen wieder Spaß am Lernen kriegen..

ja, that meets feminissima’s vision:

Statt Strafe – Spaß, Verständnis und Motivation..FEMINISSIMA hatte über das geplante INTERNAT für SCHULSCHWÄNZER in Berlin berichtet.Hier als PRESSE-SHOW ein sehr guter Artikel der ZEIT vom 4. Juli, mit Hintergrundsinformationen:

Ein Zuhause für Schulschwänzer

Von Melanie Fuchs | © ZEIT online 4.7.2008 – 18:41 Uhr

Schlagworte: Schüler Schule Lernen

Politiker diskutieren über Führerschein- oder Kindergeldentzug für Schulverweigerer. In Berlin-Neukölln plant man ein Internat, in dem Jugendliche wieder Spaß am Lernen haben sollen

Auf dem Dach in der Lichtenraderstraße in Neukölln

© Johannes Eisele/ddp

Wie fängt man Jugendliche auf, die familiäre Probleme haben, durch aggressives Verhalten auffallen und nicht mehr in der Lage sind, den Abschluss an einer öffentlichen Schule zu machen? Alte Fragen, auf die das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk EJF-Lazarus eine neue Antwort gefunden hat. Die Gesellschaft ist Initiator des Internats, das in den nächsten Monaten in Berlin-Neukölln seine Türen öffnen wird. Bis zu 40 Jugendliche könnten dann auf dem Gelände des ehemaligen Kinderheims „Haus Buckow“ leben und zur Schule gehen. Den Bezirk für das Projekt hätte EJF-Lazarus ganz gezielt ausgesucht, sagt der Jugendreferent der Gesellschaft Michael Piekara. Wie nötig viele Jugendliche hier die Hilfe haben, bestätigt auch Wolfgang Lüdtke, Schulleiter der Neuköllner Kepler-Oberschule: „Viele Kinder hier in der Gegend werden in Sachen Bildung von ihren Eltern alleine gelassen. Sie sind kaum sozialisiert und haben wenig Selbstvertrauen. Das macht die Schule für sie zur Qual.“

Eine steigende Zahl an Kindern und Jugendlichen, besonders aus Migrantenfamilien, schwänzen daher lieber die Schule. Eltern, Jugendämter und Schulverwaltungen sind dagegen meist machtlos, sprechen lediglich Verwarnungen aus oder schicken die „Problemkinder“ einfach auf andere Schulen. Innerhalb von zehn Tagen im Juli hat das Schulamt von Neukölln 449 so genannte „Schulversäumnisanzeigen“ erhalten. Die verschickt die Schule, wenn ein Kind länger als 10 Tage nicht dort war.

„Unser Konzept ist es, die Jugendlichen ganzheitlich zu betreuen, also auch in der Freizeit. Wir wollen sie nicht unter Druck setzen, sondern ihnen wieder Freude am Lernen und soziales Verhalten vermitteln“, sagt Michael Piekara. Am besten funktioniere das in einer Gemeinschaft.

Eingeengt sollen sich die Jugendlichen im Internat nicht fühlen. Das Gelände kann jederzeit verlassen werden, Besuch ist ebenfalls willkommen. „Das wird sogar gefördert“, erklärt der Jugendreferent. „Die Schüler müssen ja leben lernen. Doch primär geht es darum, ihnen in einem geschützten Umfeld ein Zuhause zu bieten. Das haben nämlich viele nicht.“ Um eine bessere Beziehung der Jugendlichen zu ihren Familien zu fördern, finden regelmäßige Gespräche mit den Eltern statt und bei Bedarf kommen Familientherapeuten zum Einsatz.

Meistgelesen

Frauen: Und was ist mit uns? »

Vor dem G8-Gipfel: »Das Spiel ist aus« »

Bildergalerien

Thema der Galerie: Besser Surfen »

Frankreich: Klingende Laibe »

Wer in das Internat in Neukölln einzieht, das werden Schulverwaltungen, Jugendamt, die Jugendlichen selbst und ihre Eltern in einigen Wochen gemeinsam entscheiden.

„Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man den Schülern klarmacht, wie schlimm sie dran sind, wenn sie keinen Abschluss haben“, sagt Peter*. Er geht in die zehnte Klasse und kennt die Probleme mit dem Schwänzen von seinem kleinen Bruder. „Wenn man im Unterricht nicht mitkommt und das Gefühl hat, dass die Lehrer einen deswegen niedermachen, hat man einfach keine Lust mehr, in die Schule zu gehen. Im Internat müssten die Lehrer sich auf jeden Fall mehr um die Schüler kümmern. Aber man darf auf keinen Fall das Gefühl haben, ständig kontrolliert zu werden.“ Auch Claudia* glaubt, dass das Internat für viele eine Rettung sein könnte. Sie geht in die elfte Klasse und eine ihrer Mitschülerinnen muss wegen zu häufigen Schwänzens das Schuljahr wiederholen. „Ich finde es besonders wichtig, dass die Chemie zwischen den Jugendlichen stimmt“, sagt sie. „Darauf müssen die Betreuer achten. Wenn man gehänselt würde, wäre das schlimm für das Zusammenleben.“

1 | 2 | weiter »

Zum Thema

ZEIT online 28/2008: Kampf den Messerstechereien

In London fühlen sich Jugendliche nicht mehr sicher. 17 Teenager wurden von anderen Teenagern bereits ermordet. Der Bürgermeister reagiert mit der Kampagne „tough love“. […]»

ZEIT online 27/2008: „Boot Camps sind kein Vorbild“

Die U-Bahn-Schläger von München stehen jetzt vor Gericht. Was muss man tun, damit es nicht noch mehr jugendliche Gewalttäter gibt? Ein Interview mit dem Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik […]»

Leser-Kommentare (13) »

Von S. Paschasius: Die unendliche Geschichte!

Die unendliche Geschichte! Die unendliche Geschichte! Die unendliche Geschichte!wann kommt eigentlich fritz nach hause??? … […]»

Von Rahab: oho! ein gelungenes produkt des deutschen schulsystems!

eigenständiges, kritisches denken, innovative kreaivität und aufnahmefähigkeit für andere kulturen – finde ich alles in Ihrem beitrag. … […]»

Von kb26919: Positive Veraenderungen

in der Lernbereitschaft muessen von den Betroffenen selbst geleistet werden,man wird sie nicht nicht von aussen auferlegen oder erzwingen koennen. … […]»